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« Presseschau Syrien » #43

Es ist dringend notwendig zu warten

Die westliche und die Golfpresse halten den Kurs, den das Weiße Haus ihnen im Sicherheitsrat seit der Begegnung zwischen den NATO Mitgliedern einerseits und China und Russland andererseits geboten hatte. Jeder wartet auf die nächste Versammlung und bereitet sich einen Ausgang vor. Wenn das globale Kommunikationsbüro versucht einen Konsens zu erstellen, machen die Leitartikler im Gegensatz zur Gewohnheit eine Schlussfolgerung, die sie selber erstellen müssen.

Der Ton wird von einem Leitartikel des konservativen Charles Krauthammer vom Washington Post angeschlagen, er wird weit verbreitet, sowohl durch die US-Presse als auch durch die europäischen und Golf Zeitungen. Nachdem man den möglichen Sturz von Bachar el-Assad mit dem Berliner Mauerfall verglichen hatte – der erste sollte den Weg zum Ende des Iran ebnen, wie der zweite das Ende der UdSSR besiegelt hatte – und nachdem er kriegerische Reden geschwungen hatte, schlägt der Autor vor … die Sanktionen zu verstärken. Die großen Siege kämen von selbst, für jene die warten könnten.

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• Im Le Figaro gibt Georges Malbrunot ein ruhmvolles Porträt von Burhan Ghalioun, Präsident des SNR (syrischen National Rates), sowie von Haytham Manna, Präsident des Nationalen Koordination Komitees wieder, aber unterstreicht ihren Zwiespalt und die Abwesenheit von populärer Repräsentation.

• Zahlreiche Tageszeitungen reproduzieren eine AFP Depesche anlässlich des 30. Jahrestags des Massakers von Hama. Was diesen Text charakterisiert, ist der Mangel an historischem Zusammenhang (es handelt sich nicht um die Repression einer politischen Partei, sondern um die Wiedereinstellung von Ordnung während eines missglückten Staatsstreiches der Muslimbrüder, jene die tatsächlich die Gewalttaten ausgelöst hatten), und das Amalgam mit der heutigen Lage (dieses Mal sind die Putschisten finanziell und militärisch durch die Absolut Monarchien aus dem Golf unterstützt).

La Tribune de Genève übernimmt die Kommentare der Foreign Policy über den Bericht der Beobachter. Sie kennen den Inhalt der Beobachtungen nicht und fokalisieren sich auf Bemerkungen von abgesprungenen Beobachtern, die sie missbräuchlich auf ihre Kollegen extrapolieren. Es geht darum, den Glauben zu erwecken, dass die Beobachter inkompetent wären und dass folglich der Inhalt ihrer Aussagen keiner Aufmerksamkeit wert wäre.

• Der Diario de Noticias vergleicht Asma el-Assad mit Lady Macbeth. Wie die Figur von Shakespeare, die nach ihrem Mord in geistige Umnachtung fällt, wird die Ehefrau des Präsidenten von den Wellen der Verbrechen ihres Gemahls mitgerissen.

• Verschiedene Zeitungen denunzieren den russischen Waffenverkauf an Syrien. Defence Technology International bemerkt, dass Moskau zwei Yakhonts und 18 Abschussrampen Lastwagen an Syrien geliefert hat, die mit Überschallraketen ausgestattet, Schiffe bis in den Hafen von Haifa versenken können.

• Der stellvertretende Leiter der Leitartikelseite des Washington Post, der kriegssüchtige Jackson Diehl, warnt vor dem Bluff von Frau Clinton: die Erklärungen über den drohenden Sturz des syrischen Regimes überzeugen die Russen nicht und im Gegenteil, stärken sie in ihrer Analyse, dass der Okzident keine Strategie besitzt.

• Der Jerusalem Post und einige andere geben sich Mut, indem sie erklären, dass die freie syrische Armee sich in Zahl und Bewaffnung verstärkt. Die Artikel jedoch können nur mit Fotos, die bestenfalls einige Kämpfer zeigen, illustriert werden.

• Der syrische Universitätsangehörige Marwan Kabalan macht die Leser der Gulf News auf die russische Besorgnis aufmerksam, welche Rolle die USA der Türkei auferlegen. Moskau will nicht, dass Ankara der Gendarm des Mittleren Ostens wird, was die Ambitionen im Kaukasus und Zentralasien verschärfen würde.

The Saudi Gazette gibt das Skript des Interviews in CNN vom Generalsekretär der arabischen Liga, Nabil Al-Arabi wieder. Al-Arabi glaubt nicht an eine internationale militärische Intervention, weil Syrien über eine starke Armee verfügt und das Land keine Ölschätze birgt. Niemand würde einen teuren Konflikt riskieren, ohne Aussicht auf Return on Investment.

Übersetzung
Horst Frohlich

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