Voltaire Netzwerk
Kampf gegen den „Terror“

Die unglaubliche Geschichte von Youssef Nada

Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union haben, unter dem Vorwand des „Antiterror" Kampfs, den Geheimdiensten und der Polizei unbegrenzte Befehlsgewalt erteilt. Die Ausnahmemassnahmen die im Jahre 2001, ausserhalb des gerichtlichen Prärogativs, provisorisch eingeleitet wurden, sind permanent geworden. Seit September 2001 werden mindestens 80.000 Personen, hauptsächlich Muslime, des Terrorismus verdächtigt. Man sagt, sie seien gekidnappt und in Geheimgefängnissen eingesperrt worden, wo sie, vor allem, von Agenten der CIA und dem FBI gefoltert worden wären. Hunderte andere wurden auf die „Schwarzen Liste" der UNO gesetzt. Dies geschah auch Herrn Youssef Nada, ein 77 Jahre alter Geschäftsmann, italienischer Staatsbürger ägyptischer Herkunft. G.W. Bush beschuldigte ihn der Finanzierung Al-Qaidas und obwohl zwei Ermittlungen beide auf eine Einstellung des Verfahrens gegen Herrn Nada hinausliefen, schaffte er es nicht, die Streichung seines Namens von der „Schwarzen Liste" der UNO (*) zu erwirken. Seine Vermögenswerte bleiben blockiert, jede Ein- und Durchreise ist ihm für jedes Land verboten. Er kann Campione, eine italienische Enklave auf Schweizer Gebiet, nicht verlassen - Silvia Cattori hat ihn dort aufgesucht.

| Genf (Schweiz)
+
JPEG - 47.6 kB
Perquisition de la police italienne au domicile de Youssef Nada

Silvia Cattori : Nachdem Herr Dick Marty die Einzelheiten Ihrer unglaublichen Geschichte erfahren hatte, prangerte er die Ungerechtigkeit, der Sie ausgesetzt sind, an. In seinem Bericht an den Europarat vom 19. März 2007 hat er sich hauptsächlich auf Ihren Fall berufen. [1] Sie verbleiben trotzdem weiterhin auf der Liste der mutmasslichen Terrorismus-Unterstützer. Sie sind der Freiheit beraubt, denn mein Land wendet weiterhin die Sanktionsbeschlüsse des Sicherheitsrates gegen Sie an. Sie leben in Italien und Sie werden von der Schweiz als Geisel gehalten?! Ich glaube, dass wir etliche sind, die sich gegen die Qualen, die Ihnen von der Schweiz weiterhin auferlegt werden, empören.

Youssef Nada : Sie können nicht sagen, dass es sich um ein „Land, die Schweiz“ handelt. Auf der einen Seite gibt es die Bürger und auf der anderen Seite Politik. In der Schweiz, und das ist wahr, sind die Menschen tolerant, friedliebend und neutral. Nicht nur die Regierung ist neutral, sondern auch die Menschen. Herr Dick Marty hat uns gezeigt, dass er das beste Beispiel dafür ist. Wenn Sie dem folgen, was er unternimmt, wenn Sie lesen was seine Gedanken ausdrücken, alsdann verstehen Sie, dass Sie einen Mann vor sich haben, der zutiefst human ist. Die Risiken, die er einging, als er akzeptierte über die „Extraordinaiy Renditions“ [2] Nachforschungen anzustellen wollte niemand vor ihm eingehen. Alle Politiker wissen, was sich abspielt, aber niemand hat den Mut darüber zu sprechen. Er war der einzige, der den Mut dazu hatte. Ich spreche darüber, um Ihnen zu sagen, dass ich, obgleich ich alle Schweizer respektiere, Herrn Dick Marty über alles respektiere, und nicht nur wegen seines Verhaltens mir gegenüber. Sein Mut der stärksten Weltmacht gegenüber, über Menschen zu sprechen, denen man alle Rechte entzogen hat, denen man jede Hoffnung genommen hat, ist einzigartig.

Silvia Cattori : Herr Marty hat sich auf beispielhafte Art und Weise benommen. Doch leider nicht die Medien, die Sie im Übrigen selbst schwerst auf ihrer eigenen Homepage beschuldigen [3]. Befinden sich etwa die Journalisten selbst in vorderster Linie in diesem Krieg?

Youssef Nada : Einige Journalisten und einige Medien sind ehrlich. Man sollte nicht verallgemeinern. In den Medien gibt es ehrliche Leute, die gute Arbeit leisten und die versuchen, die Fakten im Interesse der Öffentlichkeit zu ermitteln. Ich empfange jeden Monat zwischen 15 und 20 Journalisten. Es kamen zwei Fernsehsender aus Frankreich, zwei aus Grossbritannien, einer aus Österreich, zwei aus Italien, einer aus Spanien, andere aus dem Nahen und dem Fernen Osten. Einige dieser Journalisten sind sehr ehrlich. Andere haben besondere Pläne und scheren vieles über einen Kamm: sie stützen sich einerseits auf die Informationen, die ich ihnen geben kann, anderseits auf ihre voreingenommenen Ideen und vermischen alles miteinander. Doch es gibt ebenfalls Journalisten, die meinen Fall richtig dargestellt haben, obwohl sie mich nie vorher getroffen haben.

Silvia Cattori : Das muss eine schwierige Prüfung gewesen sein! Sie wurden jeden Tag mit neuen Behauptungen konfrontiert, alle unglaubwürdiger und unerträglicher als die vorhergehenden; und Sie hatten keine Möglichkeit zu ihrer Richtigstellung!

Youssef Nada : Im Geschäftsleben steht man vor vielen Überraschungen. Ich war 55 Jahre lang Geschäftsmann und jede Woche erlebte ich eine neue Überraschung. Ich bin gegen Überraschungen widerstandsfähig geworden. Mein Leben neigt sich dem Ende zu. Was im Moment passiert, ist für mich so, als könnte es morgen oder übermorgen passieren.

Silvia Cattori : Auf ihrer Homepage erwähnen Sie unter den Journalisten, die Sie besonders verletzt haben, Guido Olimpio [4], Richard Labévière [5], Sylvain Besson [6]. Was werfen Sie ihnen hauptsächlich vor?

Youssef Nada : Ich finde, dass diese Journalisten wohl versteckte Ziele verfolgten oder vom Hass motiviert waren. Sie haben mich mit Lügen angegriffen. Auf meiner Homepage erkläre ich das alles.

Silvia Cattori : Haben Sie Herrn Sylvain Besson getroffen, der Sie in seinem Buch ernsthaft beschuldigt? Ein Buch, welches nach Mai 2005 erschienen ist, d.h. nachdem alle Gerichtsverfahren gegen Sie aus Mangel an Beweisen eingestellt worden waren und nachdem das Schweizer Bundesgericht den Schweizer Bundesstaatsanwalt wegen seinen Handlungen getadelt hatte. Haben Sie Besson getroffen?

Youssef Nada : Er hat versucht ein Treffen mit mir zu arrangieren, doch ich habe dem nie zugestimmt. Er ist sogar noch weiter gegangen und hierher gekommen und hat an meiner Tür geklingelt. Ich habe ihm gesagt: „Es tut mir leid, aber ich habe Ihnen schon am Telefon gesagt, dass ich Sie nicht empfangen würde.“

Silvia Cattori : Warum bemühten sich, Ihres Erachtens nach, so viele Journalisten darum, Sie vollständig zu ruinieren? War es ein Irrtum? Oder hatten sie ein spezifisches Ziel?

Youssef Nada : Einige haben ein spezifisches Ziel und einige unter ihnen könnten als Spione für ausländische Geheimdienste arbeiten, doch ich weiss nicht für welche. Es besteht kein Zweifel daran, dass sie Fehler gemacht haben, dass sie vom Weg abgekommen sind. Es gibt auch keine Zweifel darüber, dass sie ein spezifisches Ziel verfolgen. Ich will hier nicht weiter darüber sprechen. Gegen Herrn Guido Olimpio ist vor Gericht noch ein Verfahren anhängig [7]. Es läuft eine wichtige Schadenersatzklage, und ein Zivilprozess. Das Gericht hat akzeptiert, diese Angelegenheit dem Zivilgericht von Mailand zu übergeben.

Silvia Cattori : Diese anti-muslimischen Feldzüge haben einen gemeinsamen Feind: den Enteignungskrieg, den Israel seit 1948 gegen seine arabischen Nachbarn führt. Die Beschuldigungen, die Herr Olimpio in seinem Artikel vom 20. Oktober 1997 gegen Sie erhoben hat, nämlich Sie unterstützten die Hamas, hätten sehr gut aus dem Milieu der israelischen Geheimdienste herrühren können?

Youssef Nada : Herr Olimpio arbeitete in dem Moment, als er diesen Artikel schrieb, für die Zeitung „Corriere della Sera“ in Mailand. Wenn ich mich nicht irre, hat er vor Gericht erklärt, er habe im Jahre 1996 vor dem US-Kongress und der US-Finanzbehörde eine Zeugenaussage in Bezug auf Terrorfinanzierung gemacht, eine Zeugenaussage in der er uns [die Bank Al-Tawqa und Herr Nada] erwähnte.

Silvia Cattori : Kann man also vermuten, dass die Beschuldigungen von Journalisten wie Guido Olimpio und Richard Labévière zur Verbreitung von Islamophobie beigetragen hat?

Youssef Nada : Ich sehe nicht ein, warum man nur diese beiden Namen erwähnen sollte, denn es handelt sich um eine ganze „Bande“, ein Netzwerk von Leuten, die miteinander verbunden sind [8]. Ich will mich nicht mit ihnen befassen. Ich muss mich selbst verteidigen, das ist alles. Für mich ist es nicht interessant zu wissen, für wen sie arbeiten, was sie tun. Sie haben gewiss ein spezifisches Ziel - welches Ziel, das weiss ich nicht. Ich habe sie nie getroffen. Falls ich sie gesehen hätte, würde ich vielleicht ihre Motivation verstehen. Ich halte sie nicht für sehr bedeutend. Natürlich haben sie Öl ins Feuer gegossen, aber sie sind für mich unwichtig.

Silvia Cattori : Wollten nicht diejenigen, die auch der Ursprung des Komplotts gegen Sie waren, einem einflussreichen ägyptischen politischen Gegner Mubaraks, wichtiger Verbündeter Israels - mit Informationen von den „Auskunftsdiensten“ schaden? Dieser Gegner ist noch dazu Mitglied der „Muslimbrüder“, die sowohl von Moubarak als auch von Israel bekämpft werden. Schafft man nicht, durch Verbreitung des Gerüchts, dass ihre Bank „der Hamas“, die von Israel als ein Zweig der „Muslimbrüder“ bezeichnet wird, „Gelder zukommen liesse“ Gelegenheiten für Herrn Bush, islamische Hilfsorganisationen der Verbindung zum Terrorismus zu beschuldigen und europäische Länder davon zu überzeugen, sie müssten diese Organisationen auflisten?

Youssef Nada : Ich werde mir nicht mehr Fragen als nötig stellen, um herauszufinden, wer dahinter steckt und warum. Ich habe nicht die Mittel, diese Fragen zu vertiefen.

Silvia Cattori : Die Strategie der Vereinigten Staaten und Israels ist seit 1990 klar: Ein Klima der Angst in Bezug auf „Terroristen“ aufrecht zu erhalten oder dieses Klima zu fabrizieren, um Massnahmen des „Kampfs gegen den Terrorismus“ durchsetzten zu können, die gegen die Rechtsstaatlichkeit verstossen.

Youssef Nada : Die Beschuldigungen kamen von der US-Administration, nicht aus Israel. Alle hatten schon von Anfang diese Tatsache akzeptiert. Herr Bush sagte: „Entweder sind Sie mit mir oder gegen mich“. Seine Mitläufer sagten „wir sind mit dir“.

Silvia Cattori : Wenn jedoch die europäischen Staaten mit einer solchen Leichtigkeit die Einführung dieser von den USA verlangten Notmassnahmen akzeptiert haben, wurde dies nicht auch durch die Medien bedingt, durch ihre Vorbereitungsarbeit zur „islamistischen Gefahr“ , deren erstes Opfer Sie selbst gewesen sind.

Youssef Nada : Diese „Terror Bedrohung“ hat weder Hand noch Fuss. Während der letzten dreissig Jahre haben wir in Europa über Baader - Meinhof, die Roten Brigaden, ETA, die Verbrechen der Cosa Nostra gehört, der IRA, von all diesen entsetzlichen Terrorhandlungen, die begangen wurden und die Europa resorbiert hat. Das hat das Leben der Europäer nicht ruiniert! Die Regierungen haben Massnahmen ergriffen, sie haben diese kriminellen Handlungen unterdrückt und sie resorbiert. Das ist nun vorbei. Es gab eine Welle unsinniger Handlungen, eine Welle von Verbrechen, es gab Kriminelle, organisiertes Verbrechen, doch die Demokratie und der Staat waren fähig, sie zu resorbieren, durch legale Massnahmen zu unterdrücken, mit Hilfe des Gesetzes, ohne in eine Situation der Rechtlosigkeit zu geraten.

Doch wenn etwas in den USA geschieht - denn bisher weiss niemand wer die wirklichen Auftraggeber der Anschläge in New York waren, Oussama Ben Laden oder andere - muss die ganze Welt den Preis dafür zahlen!

Silvia Cattori : In seinem Buch mit dem Titel « Innocent Victims in the Global War on Terror» dokumentiert Dr. M. A. Salloomi [9] die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten und die westlichen Länder das Geld der muslimischen NGOs, der muslimischen Hilfsorganisationen, unter dem Vorwand, dass diese den Terrorismus fördern, blockieren. Diese Studie verdeutlicht sehr gut, dass es zu den Zielen der USA und Israel gehörte, jede finanzielle und humanitäre Hilfe verbieten zu lassen, die von diesen NGOs an die Opfer dieses „Kriegs gegen den Terrorismus“ geleistet hätte werden sollen. Diese restriktiven Massnahmen gehören offensichtlich zum Krieg, den Israel und die Vereinigten Staaten auf verschiedenen Fronten führen. Man bricht ein Land völlig, isoliert die Bevölkerung und hungert sie aus - wie in Gaza - und wartet darauf, dass sie sich ergibt. In Palästina werden heute die muslimischen Hilfsorganisationen durch die Anti-Terror Massnahmen, die ebenfalls die Hamas betreffen, bestraft. Ihre Guthaben werden eingefroren.

Youssef Nada : Das ist ein Missverständnis. Wenn es auch wahr sein mag, dass einige dieser Terroristen - oder diejenigen, die dieser neu erschienen Art von Terrorismus, der überall explodierte, angehören - Muslime zu sein scheinen, bedeutet das jedoch nicht, dass sie sich auf den Islam basieren.

Ich werde nicht über die Hamas sprechen, das ist eine andere Geschichte. Die Hamas gehört nicht zu meinem Repertoire. Ausserdem hat die Hamas nichts damit zu tun. Ich spreche absolut nicht darüber, denn ich will nicht noch mehr Probleme bekommen und das Verfahren ist immer noch anhängig. Ich spreche nicht darüber, weil eine der Hauptanschuldigungen, die von der US-amerikanischen Administration gegen mich gerichtet wurde, diejenige von Guido Olimpio war.

Die US-Finanzbehörden haben Wort für Wort übernommen was dieser Journalist fälschlicherweise behauptet hatte: Nämlich, dass die Al Taqwa Bank „der Hamas 70 Millionen“ gegeben habe. Erstens, wie wäre dies möglich gewesen, da das Kapital der Al Taqwa Bank nur 50 Millionen betrug. Zweitens sind wir Bankiers gewissen Regeln unterworfen, wir haben einen Rechnungsprüfer. Deloitte & Touche ist eines der drei grössten Wirtschaftsprüfungsunternehmen weltweit. Diese Leute sind bei ihren Ermittlungen nicht mit Blindheit geschlagen! Wenn sie Rechnungen prüfen oder verbuchen, können sie alle Informationen einsehen. Ausserdem legen wir der Zentralbank der Bahamas unsere Wirtschaftsprüfungsberichte vor. Die sind auch nicht blind.

Um auf das Problem der „Terroristen“ und des Islam zurückzukommen, möchte ich folgendes unterstreichen: Diese Leute haben nichts mit dem Islam zu tun. Diese Leute, falls sie zufällig Muslime sind, haben sich des Islam bemächtigt und haben ihn verzerrt, um ihre eigenen Zwecke zu heiligen.

Was mich betrifft, bin ich seit dem Alter von 17 Jahren Mitglied der „Muslimbrüder“ und ich gehöre immer noch dazu und ich werde bis zu meinem Ableben dazu gehören. Das ist eine Sache! Eine andere Sache ist auszusagen, dass das, was diese Verbrecher tun, vom Islam akzeptiert wird. Wir akzeptieren das nicht. Wir verurteilen diese Leute - wir haben keine Angst dies zu tun und wir verurteilen es nicht etwa, weil wir Angst hätten - wir trotzen allem und wir sind sogar bereit dem Tod die Stirn zu bieten. Wenn wir sagen, dass wir sie verurteilen, bedeutet das, dass wir sie verurteilen. Und wenn wir sagen, dass der Islam dies nicht akzeptiert, bedeutet das, dass der Islam, den wir kennen und an den wir glauben, dies nicht akzeptiert.

Silvia Cattori : Als Herr Olimpio signalisierte, dass ein Mitglied der „Muslimbrüder“, Sie, die Hamas finanzierte, war sie noch nicht ausdrücklich auf der „Liste der Terroristen“ [10] eingetragen. Schon damals beschäftigte die Propaganda Israels sich damit, die Hamas zu entrechten, um die internationalen Instanzen dazu zu bringen, sie als ein „Terroristen“ Gebilde anzusehen. Sie kennen das Ende vom Lied: Israel und den Vereinigten Staaten ist es gelungen, die Voraussagen zu übertreffen. [11]

Youssef Nada : Als er sagte, ich finanziere die Hamas, konnte er es nicht beweisen. Das beweist wiederum, dass die Beschuldigungen falsch waren. Wären sie wahr gewesen, hätten sie es beweisen können. Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich in zwei Ländern gerichtlich verfolgt wurde, in der Schweiz und in Italien. In der Schweiz hat die Ermittlung des Staatsanwalts vom 7. November 2001 bis zum 31. Mai 2005 gedauert; bis zu dem Moment, als ihm das Bundesgericht befahl, die Akte zu schliessen. Die italienische Gerichtsbarkeit eröffnete im November 2001 eine Ermittlung, als die Schweiz sie darum bat, eine Razzia in unserem Haus durchzuführen und alle vorhandenen Dokumente zu beschlagnahmen.

Als die Schweiz die Akte schloss, haben wir auch Italien dazu aufgefordert, ihre Akte zu schliessen. Die Akte wurde geschlossen. Niemals sind mir von den Italienern Fragen gestellt worden.

Die Schweizer Ermittlungsbeamten haben mich über die „Islamisten“ in der ganzen Welt ausgefragt, über meine Steuern, über meine Staatsangehörigkeit und wie ich sie erhalten habe, über meine Guthaben, über meine Familie, doch sie haben kein Wort in Bezug auf die Hamas gesagt. Weil sie wissen, dass ich nichts mit dieser Bewegung zu tun habe.

Silvia Cattori : Nichtsdestotrotz war der Schaden schon geschehen. Die Journalisten, die Sie angeführt haben, machten Sie zu einer verdächtigen Person, allein schon indem sie auf Ihre Zugehörigkeit zu den „Muslimbrüdern“ bestanden. Eine Bewegung, die selbst ernannte „Terrorismus-Experten“ oft als das Zugpferd der Ideologie präsentiert haben, die zum Fanatismus führt.

Youssef Nada : Ich fühle mich geehrt, den „Muslimbrüdern“ anzugehören. Ich sehe nichts Übles darin. Es ist eine Ehre für mich. Diejenigen, die solche Sachen über die „Muslimbrüder“ schreiben, sind Ignoranten, die kopieren, was die Tyrannen zu diesem Thema sagen, die im Nahen Osten an der Macht sind. Das sind Leute, die nichts über die „Muslimbrüder“ wissen.

Wenn man sich mit Politik befasst, wird man vieles entdecken, das ist nun mal Politik. Wenn Sie das Justizwesen politisieren, bricht alles zusammen. Das ist genau das, was sich im Moment ereignet.

Silvia Cattori : Wenn Sie Zeitungsartikel lesen, die sich darauf eingeschossen haben, zu beweisen, dass die „Muslimbrüder mit der Hamas oder mit Al-Qaida verbunden sind, wie reagieren Sie auf solch eine Interpretation?

Youssef Nada : Das ist Ignoranz. Diejenigen, die das behaupten, sind Ignoranten. Die Muslimbruderschaft ist eine Philosophie und keine Organisation. Die „Muslimbrüder“ sind in jedem Land völlig unabhängig voneinander: Zum Beispiel in Marokko sitzen die „Muslimbrüder“ in der Regierung, sie sind nicht in der Opposition. Es ist kein Thema von „Gruppen“, wie etliche es sagen.

Die „Muslimbrüder“ sind keine Organisation, sondern eine Denkweise. Sie können in den USA Personen treffen, die dieselbe Denkweise haben, die von dieser Weltanschauung inspiriert sind, sie gehören also den „Muslimbrüdern“ an. Sie können solche Menschen in Russland, in China, in Indonesien antreffen und das ist ein Faktum. Die Geheimdienste der CIA sagen, dass wir in 70 Ländern präsent sind und das ist richtig. Sie haben jedoch zwei vergessen, weil wir in 72 Ländern präsent sind. Doch in jedem Land ist jeder völlig unabhängig von dem anderen. Niemand kann sie beeinflussen. Sie sind in ihrer Denkart vereint, doch nicht in ihren Handlungen.

Silvia Cattori : Momentan können aber die Hilfsorganisationen jenen, die am meisten betroffen sind in den muslimischen Ländern, keine Hilfe leisten, denn ihre Guthaben sind blockiert und sie sind kriminalisiert worden. Und die Bevölkerung von Gaza, die von Israel ausgehungert wird und der jegliche Hilfeleistung vorenthalten wird, stirbt einen langsamen Tod.

Youssef Nada : Sie kommen immer wieder auf Palästina und Gaza zurück; darüber will ich nicht sprechen. Hilfeleistungen bestehen, an jedem anderem Ort der Welt, aus zwei Teilen: der eine ist persönlich, der andere staatlich. Die Regierungen können gewissen Einrichtungen ihre Unterstützung entziehen. Die persönliche Hilfe, die aus der eigenen Geldbörse kommt, von den Reichen an die Armen, kann niemand aufhalten.

Silvia Cattori : Diejenigen, die auf Sie abzielten, kannten den politischen Gewinn, den sie aus der Kriminalisierung eines Bankiers ägyptischer Herkunft, Mitglied der „Muslimbrüder“, ziehen konnten. War es nicht ihr Hauptziel, die Idee zu verbreiten, dass die Guthaben der in Lugano sitzenden arabisch-ägyptischen Bank dazu dienten, den internationalen Terrorismus zu finanzieren!? Anhand dieses Beispiels konnten sie ihre weltweiten Kontrollmassnahmen, die die Macht den Geheimdiensten übergibt, annehmbar machen?

Youssef Nada : Sie vergleichen das meinem Fall! Aber mein Fall ist beendet, meine Gerichtsakte ist geschlossen. Niemand konnte je beweisen, dass ich Verbindungen zum Terrorismus habe oder ihn, wo auch immer auf der Welt, unterstützt habe. Mein Fall ist völlig erledigt.

Obwohl die gegen mich eröffneten Ermittlungen zu einer Einstellung des Verfahrens geführt haben, besitze ich kein Bankkonto mehr, keine Kreditkarte, kein Geld [12], ich kann nicht aus Campione heraus. Ich muss weiterkämpfen, nicht nur damit sie mich von der „Schwarzen Liste“ streichen, sondern auch um meine Ehre und meinen guten Namen wieder herzustellen.

Silvia Cattori : Wir wissen heute nur zu gut, dass Sie unschuldig sind. Diejenigen aber, von denen Sie angeklagt wurden, wussten einwandfrei, dass Sie unschuldig waren, ich versuche zu verstehen, warum sie sich ausgerechnet auf Sie konzentriert haben?

Youssef Nada : Wenn Sie den Grund kennen, sagen Sie es mir.

Silvia Cattori : Alles war perfekt organisiert! Es kann kein Zufall sein?

Youssef Nada : Es sind die so genannten „Auskunftsdienste“, die solche Dinge organisieren, die Staaten. Keine Einzelpersonen.

Silvia Cattori : „Man benutzt den Terrorismus um Angst zu schüren, und um die Grundfreiheiten einzuschränken“ bemerkte Herr Dick Marty [13]. Gemäss der Annahme, dass die USA und Israel - denn Ihre Angelegenheit begann im Jahre 1997, vor den Attentaten von New York – Sie benötigten, um Widerstandsbewegungen, wie die Hamas, anzugreifen, um jede Finanzierung der muslimischen Hilfsorganisationen zu blockieren, mussten sie ein Exempel statuieren, das weltweit von den Medien weitergeleitet würde und seinen Weg machen würde, um die zukünftigen repressiven Gesetze vorzubereiten.

Youssef Nada : Aber die Akte ist geschlossen. Wenn sie, wie Sie es sagen, meinen Fall als Beispiel verwenden wollen, ist mein Fall, wie schon gesagt, geschlossen.

Silvia Cattori : Ihr Fall ist geschlossen, aber andererseits ist es der Bush-Administration gelungen, alle diese geplanten Antiterrorgesetze, die gegen das Völkerrecht verstossen, durchzubringen. Sie hat Überwachungssysteme, einschliesslich in Europa, zur Kontrolle der Finanzierungen eingeführt und es ist ihr somit gelungen, die finanziellen Ressourcen der islamischen Wohltätigkeitsorganisationen zu blockieren. Es ist ihr gelungen, Sie zu zerstören, Sie haben Reiseverbot, und Sie können Ihr persönliches Vermögen nicht geniessen!

Youssef Nada : Gut, aber es gibt einen Unterschied wenn man sagt „sie haben es bei mir geschafft„ oder „bei den anderen“. Ich bin nicht der Fürsprecher der anderen. Was die anderen angeht, weiss ich es nicht. Ja; bei mir haben sie es geschafft. Ja, es ist ihnen gelungen, mich völlig zu zerstören.

In Bezug auf Wohltätigkeit konnten sie mich nicht daran hindern, denn ich hatte keine Wohltätigkeitsorganisation, ich war Bankier, keine Wohltätigkeitsorganisation. Ich stamme aus Ägypten. Ägypten ist voll von armen Leuten, die auf der Strasse und im Schlamm schlafen und die kein Stück Brot zu beissen haben. Ich kann Ihnen versichern, dass kein einziger Penny von mir, als ich noch über mein Geld verfügte und den armen Leuten half, jemals an jemanden gegangen ist, der Gewalt einsetzt oder der mit Leuten arbeitet, die Gewalt einsetzen.

Silvia Cattori : Seit Herr Sarkozy an der Präsidentschaft ist, hat er die Lobreden an den ägyptischen Präsidenten vervielfacht [14]. Während seiner Pressekonferenz im Elyseepalast, im Januar 2008, erklärte er: „ Man muss Herrn MOUBARAK

in Ägypten helfen, (…) weil, wen will man dort, die Muslimbrüder?“ Was halten Sie von dieser Aussage?

Youssef Nada : Sie zeigt, dass er ignorant ist, dass er nicht weiss, was sich dort abspielt. Dass er nicht weiss, wer Moubarak ist. Dass er nicht weiss, wer die „Muslimbrüder“ sind und was sie tun. Er hat nur die Aussagen anderer übernommen. Ich habe das auf meiner Homepage erklärt. Jemand informiert sich bei anderen, denn er ist selbst ignorant und er bezieht seine Ignoranz von jenen, die noch ignoranter sind als er selbst, und die ihn als äusserst informiert betrachten.

Silvia Cattori : Warum werden die „Muslimbrüder“ konstant stigmatisiert und Moubarak als Retter vorgestellt, ist das nicht beleidigend für die Mehrheit der Ägypter, die dieses Regime ablehnen?

Youssef Nada : Man müsste wissen, ob diese Persönlichkeiten die Demokratie verteidigen oder die Tyrannen und die Diktatur? Falls sie die Demokratie verteidigen, können sie nie sagen dass Moubarak „gut wäre“. Wenn sie die Diktatur akzeptieren, ist die Sache klar.

Wissen Sie was mir im April passiert ist, obwohl ich Campione nicht verlassen darf? Moubarak hat mich vor ein Militärgericht stellen lassen [15], gleichzeitig mit 40 anderen Personen, und behauptet, ich hätte die „Muslimbrüder“ mit einer „Milliarde Dollar“ finanziert. Kann man das glauben? Ich bin hier in Campione eingesperrt, ich kann hier nicht raus, ich habe kein Bankkonto mehr, denn alles ist eingefroren und unter Kontrolle im Rahmen der UNO-Sanktionen, und Moubarak hat verkündet, dass ich die „Muslimbrüder“ mit einer Milliarde Dollar finanziert habe!

Wie kann man so etwas behaupten? Das Gericht hat den Fall abgewiesen und gesagt - das ist im Protokoll des Gerichts aufgezeichnet – dass die Beschuldigung unbegründet sei. Es verlangte die sofortige Freilassung der 40 Angeklagten. Sie wurden erneut inhaftiert, als sie die Tür des Gerichts erreicht hatten und nochmals vor ein anderes Gericht gestellt. Das zweite Gericht verhängte das gleiche Urteil. Und da sie freigesprochen waren, wurden sie zum dritten Mal festgenommen. Nach den Freisprüchen durch drei Amtsgerichte hat Moubarak ein Militärtribunal gebildet; Zivilisten vor einem Militärtribunal! Das Militärtribunal hat das von Moubarak vorgeschriebene Urteil gelesen. Wenn also Herr Sarkozy sagt, dass er Moubarak unterstützt, perfekt, das zeigt, dass er die Diktatur liebt. Das ist seine Haltung gegenüber der Demokratie; was könnte ich mehr darüber sagen?

Ich habe das Protokoll, welches dem Gericht von den Sicherheitsdiensten vorgelegt wurde, erhalten. Dort steht geschrieben: „Nach einer gründlichen Ermittlung, die viel Zeit benötigte, haben wir entdeckt, dass Herr Nada die Schweizerische Staatsangehörigkeit besitzt“- das ist eine Lüge, denn ich besitze die italienische Staatsangehörigkeit und nicht die Schweizerische Staatsangehörigkeit. Das Protokoll sagt ebenfalls, dass „Herr Nada mit dem Fernsehsender Aljazeera gesprochen hat und er den Präsidenten angegriffen hat.“

Silvia Cattori : Und ist das wahr?

Youssef Nada : Ja.

Silvia Cattori : Wegen Ihres Auftretens beim Fernsehsender Aljazeera sieht Herr Moubarak Sie als einen Feind an?

Youssef Nada : Er sagt nicht „Feind der Diktatur“ doch „Feind Ägyptens“. Man beschränkt Ägypten auf eine Person. 80 Millionen Ägypter gegen eine Person.

Silvia Cattori : Sind Sie in Ägypten bekannt?

Youssef Nada : Mein Fall ist dort bekannt. Diejenigen, die meinem Fall verfolgen, wissen, dass ich unschuldig bin. Ich wahre mein Gesicht und ich werde mich ihnen nicht beugen.

Silvia Cattori : Der Justizappartat konnte Ihnen nichts vorwerfen, trotzdem verbleiben Sie in Ihrem Haus inhaftiert. Wie empfinden Sie diese Ungerechtigkeit?

Youssef Nada : Ich bin daran gewöhnt. Bevor ich im Jahre 1969 nach Europa kam - ich war damals 28 Jahre alt - hatte ich bereits 20 Jahre lang unter einer Diktatur gelebt; ich bin daran gewöhnt. Wenn sie aus der Legalität ausgetreten, um mich hier, auf illegale Art und Weise, in einer Fallgrube zu halten, bin ich daran gewöhnt auf illegale Art und Weise von Diktatoren behandelt zu werden.

Das Schweizerische Bundesstrafgericht schrieb in seiner Entscheidung, die beim Bundesstaatsanwalt eingereicht worden ist:
- Der Angeklagte muss wissen, weswegen er angeklagt war, sie haben ihm nie gesagt weshalb und warum er angeklagt war.
- Es war einzusehen, dass die Ermittlung mehr Zeit benötigt, denn sie mussten sich an verschiedene juristische Instanzen in verschiedenen Ländern wenden, und die Antworten konnten länger dauern. Ein, zwei, drei Jahre wären akzeptabel, aber darüber hinaus haben sie nicht das Recht die Akte geöffnet zu lassen. Entweder haben sie gegen Herrn Nada Beweise und Sie übergeben diese dem Gericht, oder Sie haben keine und Sie schliessen die Akte.

Am 31. Mai 2005 hat der Schweizerische Bundesstaatsanwalt erklärt, dass es keinen Beweis gab, und hat er die Ermittlung eingestellt.

Silvia Cattori : Man hat Ihnen Ihre Freiheit entzogen, aber Sie sind wenigstens nicht gefoltert worden, wie die Häftlinge in Ägypten!

Youssef Nada : Nein, ich bin noch nie in meinem Leben gefoltert worden. Herr Besson hat behauptet, ich hätte gesagt, dass ich gefoltert worden wäre. Das ist nicht wahr, das habe ich nie gesagt. Ich bin in Ägypten gleichzeitig mit anderen festgenommen worden. Sie haben uns in ein Konzentrationslager verfrachtet, ohne Verurteilung. Die einzige Frage, die sie mir gestellt haben, war: „ Wie heissen Sie, der Name Ihres Vaters, der Name Ihrer Mutter, wo wohnen Sie“. Zwei Jahre später haben sie mich, ohne weitere Erklärung freigelassen.

Hier in der Schweiz hat sich dies wiederholt; denn sie haben meinen Pass, meine Kreditkarten beschlagnahmt und mich in dem 1,6 Quadratkilometer grossen Campione unter Hausarrest gestellt. Als sie die Ermittlungsakte geschlossen haben, haben sie erklärt, dass es keinen Beweis für illegale Handlungen oder Gesetzesverstösse gab, aber ich befinde mich immer noch in derselben Situation, als hätten sie Beweise für meine Schuld.

Wo ist die Gesetzgebung, wo ist die Demokratie? Ist das die demokratische Schweiz, das Land, das für seine Verbundenheit zum Gesetz und zu den Menschenrechten berühmt ist? Wenn dieses nicht geändert wird, wird es einen Flecken in der klaren Geschichte dieses grossartigen Landes geben.

Silvia Cattori : Sie haben alles wegen der Journalisten verloren, die Sie und Ihre Bank in Verbindung mit Ben Laden gebracht haben. Haben Sie die Absicht gegen diese Leute, die völlig Ihr Leben ruiniert haben, ein Gerichtsverfahren einzuleiten?

Youssef Nada : Es waren nicht die Journalisten, denn das war eine Nummer zu gross für diese Art von Leuten. Die Journalisten warfen nur ein paar Steine, doch der Schaden wurde von anderen angerichtet, die wesentlich stärker sind als Erstere. Mir bleibt nun nicht mehr viel Zeit. Aber ich muss bis zu meinem Ableben weiterkämpfen. Ich muss vor Gericht kämpfen, um die Ungerechtigkeit zu beseitigen. Ich habe gute Anwälte. Sie helfen mir dort wo es erlaubt ist, unter der Bedingung, dass sie bezahlt werden, wenn das Gericht den Schadenersatz bestimmt. Zum Beispiel hat das Gericht, in dem Prozess von Bellinzona, den ich gewonnen habe, entschieden, dem Anwalt die Kosten zu erstatten, sie zahlten ihm ungefähr 80 000 Schweizer Franken.

Ich habe kein Geld mehr (die UNO hat es eingefroren) aber ich gehörte zu einer „Sippe“ von ungefähr 10 000 Personen; sie würden mich nie Hunger leiden lassen; sie geben mir, was ich für zum Leben brauche, aber kein Geld.

Silvia Cattori : Hat Guido Olimpio, der der Ausgangspunkt dieser gegen Sie gerichteten Anschuldigungen ist, Sie jemals um Verzeihung gebeten?

Youssef Nada : Ich weiss nicht, ob das was Sie gesagt haben wahr ist, aber wie ich Ihnen gesagt habe trage ich den Kopf hoch und ich werde mich nicht beugen. Ich bin daran gewöhnt, unter einer Diktatur zu leben und ich betrachte mich jetzt als unter einer Diktatur lebend.

Silvia Cattori : Hat Herr Labévière Ihnen gegenüber seine Aussagen revidiert, als Sie von den Gerichten entlastet wurden, oder ist er verschwunden?

Youssef Nada : Er ist verschwunden. Für mich ist er nur ein Lügner, ein würdeloser Mensch, ich habe ihn vergessen; nur wenn Sie, oder andere, den Namen erwähnen, erinnere ich mich an seine Lügen und seine Wesensart.

Silvia Cattori : Die Art und Weise wie Sie von einigen Journalisten beschrieben wurden ist haarsträubend!

Youssef Nada : Wir befinden uns in einer Welle der Islamophobie. Die Geschichte liefert uns viele Beispiele von Ungerechtigkeit. Juden sind in der Vergangenheit mit dieser Situation konfrontiert worden, sie sind nicht wie menschliche Wesen behandelt worden. Sie sind auf ungerechte Art und Weise behandelt worden. Mit der Zeit haben sie sich wieder aufgerichtet. Diejenigen, die die Juden misshandelt haben, sind eines Tages mit der Gerechtigkeit konfrontiert worden.

Wenn heute den Muslimen dasselbe widerfährt, wird den Muslimen das gleiche angetan werden wie den Juden. Es ist wie ein Kreis, man weiss nicht, wo das alles enden wird. Gerechtigkeit ist Gerechtigkeit. Sie sollte allen widerfahren, wem auch immer, ob sie Juden sind, oder Muslime oder Christen oder andere.

Als ich geboren wurde, wurde ich als Mensch geboren, nicht als Muslim. Danach wurde ich Muslim; aber, was auch immer, wir haben vieles gemeinsam, das uns alle verbindet: die Menschlichkeit, die wir teilen.

Es gibt Probleme mit einigen Muslimen in Europa und man stellt die Leute aus den unteren Schichten, die ignorant und arm sind, die keinen Zugang zur Bildung hatten oder sogar zu einer korrekten Ernährung in ihrem Heimatland, wegen der Korruption ihrer Regierungen, die alle Reichtümer ihres Landes gestohlen haben, ins Rampenlicht. Andererseits gibt es in Europa viele gebildete Muslime, in allen sozialen Kreisen oder Berufen, wohlhabende Ingenieure oder aus der Mittelklasse, Ärzte, Juristen, Geschäftsmänner, Bankiers, Professoren usw. Bürger, die die Gesetzgebung respektieren, die Anhänger der Demokratie sind, sich respektvoll den anderen gegenüber und offen verhalten, die ihren Gesellschaften dienen. Sie sind Millionen in Europa, aber man konzentriert sich nur auf jene, die Probleme bereiten.

Erklären Sie mir doch mal, warum, wenn sie Arbeiter brauchen, um die Drecksarbeit zu erledigen wie zum Beispiel die Müllabfuhr - kein Schweizer will den Müll einsammeln - dann lassen sie Leute kommen. Diese Leute, die aus einer Diktatur kommen, aus der Armut, die aus Ländern ohne Gesundheitssysteme, ohne Bildungssysteme kommen und die man daran gewöhnt hat, schlimmer als Tiere behandelt zu werden, wenn Sie sie hierher bringen- es sind die ärmsten unter den Muslimen-, wenn Sie sich auf diese Kategorie konzentrieren, auf ihre Fehler und ihr schlechtes Verhalten, kann niemand verneinen dass es nicht eine Realität ist. Es wäre besser gewesen, diesvorher zu vermeiden und sie vorzubereiten, wenn Sie sie hierherbringen, wo es die Demokratie gibt, eine Gesetzgebung existiert, wo es keine Diktatur gibt, wo sie die Gesetze einhalten müssen, dann können sie die Drecksarbeit verrichten, für die Sie sie einsetzen wollen.

Sie aber aus einer Diktatur kommen zu lassen und von ihnen zu verlangen, dass sie wie Sie sind, ohne Ihrerseits etwas zu tun um ihnen zu helfen sich zu ändern. Das grundlegendste Problem, das Kernproblem, ist die Diktatur. Um zum Beispiel darauf zurückzukommen, was Sarkozy gesagt hat: Er ermutigt Moubarak, er ermutigt die Diktatur, und er ist der Präsident eines demokratischen Landes!

Silvia Cattori : Unterstützt er Moubarak nicht deshalb, weil er die Interessen Israels und der USA in der Region verteidigt? Herr Sarkozy ist heute ihr stärkster Verbündeter.

Youssef Nada : Sie gehen zu einem anderen Thema über.

Silvia Cattori : Diese Themen sind miteinander verbunden.

Youssef Nada : Für mich nicht. Das ist schmutzige Politik. Wenn Sie die Prinzipien vergessen, d.h. die Demokratie, die Sie behaupten zu verteidigen, und wenn Sie die Diktatur unterstützen, ist das keine saubere Politik.

Aber was mich betrifft, bin ich ein spezieller Fall.

Wie Sie wissen, umfasst die Liste der Vereinten Nationen in Bezug auf die angeblichen „Terroristen“ 400 Personen und Organisationen. Denken Sie, dass die Welt, die Demokratien, weltweit von 400 Personen bedroht sein könnten? Was für eine Sorte von Demokratie ist das also? Ist sie so empfindlich, dass 400 Verbrecher die Demokratie in eine Diktatur verwandeln könnten? Dieser Ben Laden, der sich in einer Grotte auf einem Berg befindet, ohne diese verlassen zu können, glauben Sie dass er für die Demokratie in der Welt eine sehr hohe Gefahr darstellt? Das ist so als mache man aus einer Mücke einen Elefanten und habe Angst vor diesem Elefanten! Ist das die respektable Demokratie dieser Politiker?

Silvia Cattori : Genau darum ist es beunruhigend: denn es sind Lügen, die den nächsten Krieg vorbereiten, vielleicht gegen den Iran, und ihr Fall gehört zu diesem langen Krieg, der im Jahre 1991im Irak begonnen hat.

Youssef Nada : Mein Fall ist völlig anders gelagert.

Silvia Cattori : Es war also nur ein Fehler?

Youssef Nada : Nein es war Absicht. Aber ich habe nichts mit den anderen Fällen zu tun.

Silvia Cattori : Aber es ist ein politischer Fall?

Youssef Nada : Ja. Es ist ein politischer Fall, das ist richtig. Lassen Sie mich erklären: mein ganzes Leben, seit meiner Kindheit, lange bevor ich den „Muslimbrüdern“ beitrat, ging ich offen mit meinen Freunden um in einer Grundschule, in der es orthodoxe Kopten gab und Juden und ich gehe bis heute offen mit ihnen um. Ich teile mit ihnen die gleiche Menschlichkeit; wir sind Menschen. Wir sind unterschiedlich, ein Chinese, ein Japaner, unterscheidet sich von mir, aber ist ein Mensch, und ich teile so viele Dinge mit ihm. Ich unterscheide mich von ihm in einigen Punkten, einer davon ist die Religion; das bedeutet nicht, dass er mein Feind ist.

Silvia Cattori : Warum eine so distinguierte und höfliche Person wie Sie…

Youssef Nada : (lachend) Wenn Sie es erfahren, erklären Sie es mir.

Silvia Cattori : Sie scheinen nicht über diese Leute verärgert zu sein, die Schuld an ihrem Leid sind.

Youssef Nada : Wie ich es Ihnen schon gesagt habe, da ich 29 Jahre unter einer Diktatur gelebt habe, bin ich daran gewöhnt; das ist nichts Neues für mich. Für Sie ist das alles neu, denn Sie haben in einer demokratischen Umgebung gelebt, aber ich bin daran gewöhnt, dass sich die Dinge ausserhalb der Legalität abspielen. Ich bin ausserhalb der Legalität behandelt worden.

Silvia Cattori : Was ist für Sie am Schwersten?

Youssef Nada : Meine Freiheit; ich bin als freier Mensch geboren und nun bin ich kein freier Mensch mehr. Man hat mir meine Rechte gestohlen.

Silvia Cattori : Wird Ihr Telefon abgehört?

Youssef Nada : Darüber mache ich mir keine Sorgen, denn ich sage nichts Schlechtes, aber ich bin kein freier Mensch. Wenn ich kein freier Mensch bin, muss ich mit allem rechnen oder damit dass mir meine Freiheit genommen wird, was sich ereignet hat. Ich bin kein freier Mensch und ohne meine Freiheit bin ich nicht glücklich.

Silvia Cattori : Wie geht es Ihnen gesundheitlich: haben Sie immer noch schwere gesundheitliche Probleme?

Youssef Nada : Meine Hand ist gebrochen. Ich habe auch Blutungen in den Augen und an den Halsarterien, aber ich kann nicht zum Arzt gehen. Ich kann keinen Spezialisten konsultieren, weil es davon keine in Campione gibt. Ich brauche sie, aber man hat es mir verboten. Die Ausreise aus Campione ist mir verboten. Ich habe mehrmals schriftlich die Genehmigung beantragt, aber sie wurde mir verweigert. Das Bundesgericht von Lausanne hat sogar gesagt: „Die Rechte dieses Mannes werden verletzt“. Und was tut die Schweiz, wo sie doch in dieser Angelegenheit ermittelt und nichts gefunden hat, denn die Schweizer Einwanderungspolizei dürfte mich nicht behindern, denn es ist erlaubt einen Arzt aufzusuchen. Sie müssten sich beim Sicherheitsrat für mich einsetzen, darauf bestehen und sie überzeugen. Denn es ist wahr, dass das, was mir passierte, nicht gerechtfertigt ist, doch die Schweiz muss dem Sicherheitsrat Folge leisten. Trotz allem habe ich ihnen einen Brief geschrieben, um sie um die Erlaubnis zu bitten, mich ausserhalb von Campione pflegen zu lassen - sie haben es abgelehnt. Auch nach dem Gerichtsurteil. In einem demokratischen Land muss man sich auf das Gericht berufen; es gibt kein anderes Mittel.

Silvia Cattori : Glauben Sie, dass Sie bald die Aufhebung dieser Ihnen auferlegten Strafmassnahmen der Vereinten Nationen erreichen können und dass Ihr Name endlich von dieser Liste gestrichen wird, die Sie als „Unterstützer von Terroristen“ bezeichnet?

Youssef Nada : Ich habe darum angefragt, sie haben es abgelehnt. Sie haben mir geschrieben, dass meine Anfrage abgewiesen wurde. Das Land, welches mich bezeichnet hat [die Vereinigten Staaten], hat es verweigert. Ich kann nicht aus Campione heraus. Italien ist mein Land, ich bin Italiener. Campione ist eine italienische Enklave auf Schweizer Gebiet.

Silvia Cattori : Fühlen Sie sich wie im Gefängnis?

Youssef Nada : Ja. Selbstverständlich. Ich befinde mich in einem „Schweizerischen Guantanamo“. Das Gericht hat gesagt, dass ich, durch diese Handlung und die Tatsache, dass ich mich in Campione befinde, unter Hausarrest stehe. Ich befinde mich auf der Liste der mutmasslichen „Unterstützer der Terroristen“.

Silvia Cattori : Warum bleiben Sie auf der Liste?

Youssef Nada : Weiss ich nicht; falls Sie es wissen, erklären Sie es mir.

Silvia Cattori : Was hilft Ihnen, diesem Schicksal die Stirn zu bieten?

Youssef Nada : Meine Beziehung zu Dem, der mich geschaffen hat. Er hat mich geschaffen und ich glaube, dass ich zu Ihm zurückkehren werde.

Silvia Cattori : Was kann man tun, um Ihnen zu helfen aus dieser Situation zu entkommen?

Youssef Nada : Niemand kann mir helfen, ausser die Justiz. Bis jetzt liegt die Angelegenheit in den Händen der schmutzigen Politik. Als sie mein Haus und meine Büros erstürmt haben, gab Herr Roshacher eine Erklärung bei Swiss Info ab. Am selben Tag, am 7. November 2001, ist Herr Bush am Bildschirm erschienen und er hat über mich gesprochen. Hier war es morgens, als sie mein Haus erstürmt haben und am Abend, d.h. also am Morgen in Washington, erschien Herr Bush im Fernsehen, um über uns zu sprechen (die Bank und die Geschäftspartner) und er sagte: „Wir werden sie aushungern“.

Silvia Cattori : Wenn diese Lügen von einigen Auskunftsdiensten fabriziert wurden, und nicht von Herr Olimpio, würde das mit anderen Worten bedeuten, dass er nur eine Marionette in dieser Geschichte gewesen wäre?

Youssef Nada : Er und die anderen sind nur die Instrumente, die in diesem Fall benutzt wurden. Wie ich es Ihnen schon gesagt habe, habe ich sie vergessen; erst seitdem Sie darüber reden, erinnere ich mich wieder an sie.

Silvia Cattori : Seit wann können Sie Campione nicht mehr verlassen?

Youssef Nada : Im Grunde genommen hat mich niemand darüber informiert, dass es mir verboten ist Campione zu verlassen, bis ich mich nach London begab. Es war am 10. November 2001, drei Tage nachdem die Polizisten mein Haus und meine Büros erstürmt hatten. Ich habe Herrn Claude Nicati, dem stellvertretenden Bundesstaatsanwalt darüber informiert, dass ich nach London reisen würde. Aljazeera hatte mich eingeladen. Er hat mir gesagt: „Es gibt keine Einschränkungen (er hat es mir schriftlich gegeben), aber wenn ich Sie anrufe müssen Sie kommen, anderseits werde ich Sie festnehmen“.

Im Jahre 2003 bin ich nochmals nach London gereist. 6 Monate lang war ich kontinuierlich bei Aljazeera, jede Woche konnten Sie mich dort am Bildschirm sehen (und das, was ich dort sagte, wurde übrigens vom Wall Street Journal und von der Washington Post übersetzt). Als ich von Aljazeera ins Hilton zurückkam, habe ich festgestellt, dass meine Tür sich nicht öffnen liess und suchte den Concierge auf. Er sagte zu mir: „Einen Moment bitte Herr Nada“. Er liess mich ungefähr fünf Minuten warten und brachte mir einen neuen Schlüssel: „Entschuldigung, diese Magnetkarten funktionieren manchmal nicht“. Ich begab mich wieder in den 5. Stock und als die Aufzugstür sich öffnete, stürmten fünf Personen auf mich zu: „Scotland Yard!“. Ich fragte sie: „ Stimmt irgend etwas nicht?“ Einer antwortete mir „Gehen wir auf Ihr Zimmer“. Wir sind also auf mein Zimmer gegangen und er hat mir verdeutlicht „Herr Nada, nehmen Sie Ihr Gepäck“. Ich erklärte ihm: „Es tut mir Leid, aber ich muss zuerst meine Gebete verrichten“. Er erwiderte: „Wir haben keine Zeit dafür“. Ich antwortete ihm: „Tun Sie was Sie wollen, aber ich werde meine Gebete verrichten, falls Sie mich zwingen wollen, dann zwingen Sie mich, aber ich muss meine Gebete verrichten bevor wir gehen“. Ich bin ins Badezimmer gegangen. Einer von ihnen wollte mir folgen. Ich habe ihm gesagt: „Nein, ich lasse die Tür offen“. Ich habe meine Gebete verrichtet, dann sagte er mir: „Nehmen Sie Ihr Gepäck“. Ich habe ihm geantwortet: “Ich habe das Alter Ihres Grossvaters, ich kann es nicht tragen. Entweder tragen Sie es oder Sie werfen es aus dem Fenster“. Sie haben das Gepäck bis nach unten getragen.

Silvia Cattori : Sie sind ein sehr starker Mann!

Youssef Nada : Ich bin ein gebranntes Kind. Was können sie noch mehr mit mir machen?

Silvia Cattori : Sind Sie dabei Ihre Geschichte nieder zu schreiben?

Youssef Nada : Ja, ich bin sehr beschäftigt. Ich habe viele Dinge zu erledigen, ich muss mit den Anwälten in Kontakt bleiben, denn sie können nicht alleine arbeiten, ich muss ihnen die Akten vorlegen. Wie Sie wissen, erlaubt das Schweizer Gesetz, dass wenn einmal die Akte geschlossen wurde, man das Recht hat, seine Akte einzusehen und Kopien davon zu machen. Ich habe die Erlaubnis zweimal erhalten, und ich bin mit meinem Anwalt dorthin gegangen. Das erste Mal haben wir die Sachregister kopiert; das machte alleine 40 Kästen aus, mit 10 Akten pro Kasten. Und das zweite Mal, habe ich 2500 Belege kopiert. Ich habe alle Akten. Die Anwälte kommen ab und an zu mir.

Silvia Cattori : Wenn ich daran denke, was Sie wegen der Haltung meines Landes ertragen müssen, schäme ich mich...

Youssef Nada : Nein. Sie brauchen sich nicht zu schämen, denn ich sage es Ihnen ohne Umschweife; der Respekt, den ich für dieses Land, die Schweiz habe, ist grösser als für jedes andere Land. Die Fehler, das ist eine andere Sache. Aber den Respekt, den man mir gegenüber hier zeigt, ob von normalen Menschen auf der Strasse, ob vom Staatsanwalt, den Anwälten, den Parlamentariern, den Ärzten, den Journalisten, den Arbeitern, den Ingenieuren, alle bedenken mich mit dem tiefsten Respekt und ich empfinde Respekt für sie. Nachdem sie mein Haus erstürmt hatten und während ich die Strasse hinunterging, haben sich drei Personen mir genähert und sagten „Viva Signor Nada“.

Es stimmt in den Medien hat es viele üble Sachen gegeben. Wie ich es Ihnen schon gesagt habe, benutzen die ignoranten Leute noch ignorantere Leute als sie. Und genau das geschah mit Richard Labévière. Als er nach Ägypten ging, benutzte er ignorante Leute, und er war noch ignoranter als sie, um ihm Informationen zu geben. Er hat diese Informationen in seinem Film und seinem Buch benutzt; alles nur Unsinn.

Können Sie sich vorstellen, dass er folgendes geschrieben hat: Youssef Nada war Hadj Amin al-Husseini, dem Mufti von Palästina, bei seiner Flucht aus Deutschland, über die Schweiz, behilflich, um Ägypten zu erreichen und von dort Palästina, nachdem er Hitler getroffen hatte! Ich war 13 Jahre alt, als der Mufti aus Deutschland geflohen ist! Als Richard Labévière diesen Unsinn geschrieben hat, hat er nicht erwähnt, dass ich damals 13 Jahre alt war. Das ist sogar in Wikipedia hervorgehoben worden. Unter anderen Absurditäten haben sie auch gesagt, dass „Nada während des Kriegs mit Admiral SS Canaris in Ägypten zusammenarbeitete“! Auch dort haben sie vergessen mein Geburtsdatum zu überprüfen. Und sie haben nicht darüber nachgedacht dass Canaris und der Mufti kein 13 Jahre altes Kind brauchten, um ihnen zu helfen.

Silvia Cattori : Ich kann mir gut vorstellen wie hart dass war.

Youssef Nada : Ich habe in 27 Ländern gearbeitet, um mich hier, in diesem Dorf von 1,6 Quadratkilometern, isoliert wieder zu finden. Aber, dank der Gnade Gottes, habe ich Besucher, die aus der ganzen Welt kommen. Ich kenne meine Werte, die mir die Kraft geben, die mir helfen, in den schlechten Tagen, sowie in den guten Tagen, aufrecht zu stehen. Ich trage meinen Kopf hoch und ich werde ihn bis zu meinem Ableben hoch tragen.

Silvia Cattori : Wir danken Ihnen für dieses Interview.

(*) Siehe: Video der Zeugenaussage von Youssef Nada über die Ablehnung der UNO, seinen Namen von der „Schwarzen Liste der UNO“ zu streichen

Übersetzung aus dem Französischen: Monica Hostettler & Eva Hirschmugl

[1] Siehe:
- „UN Security Council black lists - Introductory memorandum“,Berichterstatter: Herr Dick Marty, Committee on Legal Affairs and Human Rights of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe, 19. März 2007.

- „Terrorverdächtige: Dick Marty kritisiert UNO-Liste“, swissinfo.ch 25. April 2007.

[2] Siehe:
- „Alleged secret detentions and unlawful inter-state transfers of detainees involving Council of Europe member states“, Berichterstatter: Herr Dick Marty, Committee on Legal Affairs and Human Rights of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe, 12. Juni 2006.

- „Secret detentions and illegal transfers of detainees involving Council of Europe member states: second report“, Berichterstatter: Herr Dick Marty, Committee on Legal Affairs and Human Rights of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe, 11. Juni 2007.

[3] Siehe: „Official site of Youssef Nada“.

[4] Siehe: In Bezug auf Herr Olimpio, die offiziele Homepage von Youssef Nada.

Guido Olimpio, ist Korrespondent von „Il Corriere della Sera“. 1996 machte Guido Olimpio in Washington bei der „Task Force“ eine Zeugenaussage über den Terrorismus und unkonventionelle Waffen. Er wird als „Internationaler Terrorismus-Experte“ vorgestellt. Herr Olimpio berichtet seit den achtziger Jahren über die Ereignisse im Mittleren Osten. Er war von 1999 bis im Sommer 2003 Chef Korrespondent für Il Corriere della Sera in Israel.

[5] Siehe: In Bezug auf Richard Labévière , Autor des Buchs: „Dollars for Terror: The U.S. and Islam“, die offiziele Homepage von Youssef Nada.

[6] Sylvain Besson, Journalist der Schweizer Tageszeitung, Le Temps. Autor des Buchs: „La Conquête de l’Occident“ (Die Eroberung des Westens), Oktober 2005.

[7] Der Artikel von Guido Olimpio „Hamas perde meta’ del tesoro“, Corriere della Sera, vom 20. Oktober 1997 der die Beschuldigung der Finanzierung der Hamas durch die Bank Al Taqwa von Youssef Nada lanciert hat.

Herr Youssef Nada schrieb folgendes auf seiner Homepage: „Es hat von 1997 bis 2005 gedauert, um die Verurteilung des Kriminalgerichts in Mailand gegen Guido Olimpio, Autor des Artikels im „Corriere della Sera“, zu erzielen. Ein Zivilprozess ist im Gange. Die Lügen des Artikels von Guido Olimpio sind überall gesendet und verbreitet worden“. (Übersetzung)

[8] Herr Youssef Nada schrieb auf seiner Homepage: „Man kann die folgenden Namen jener zitieren, die an der Verbreitung dieser Lügen teilgenommen haben. Entweder handelten sie aus Neid oder aus Hass, mit Sachkenntnis oder ohne, absichtlich oder nicht, seien sie angeworben worden, um die islamistischen Aktivisten in die Enge zu treiben, seien sie politisch oder finanziell motiviert oder durch ihre persönlichen beruflichen Ziele oder seien sie irregeführt worden: Richard Labévière, Roland Jacquard, Leo Sisti, Kevin Coogan, Paolo Fusi, Daniel Pipes, Victor Comras, Sylvain Besson und andere, die demnächst benannt werden.“ (Übersetzung)

Während all dieser Jahre, in denen Israel und die Vereinigten Staaten ihren Krieg gegen den Islam führten, sah man Terror-Experten, Theoretiker der Islamophobie, wie Daniel Pipes aufkommen.
Siehe: „Daniel Pipes, the expert of hate “, Red Voltaire; 2. März 2006.

[9] Original auf Arabisch. Baldige Veröffentlichung auf Deutsch, Englisch, Französisch.

[10] Die UNO-Sicherheitsrat Resolution 1267 von 1999 betrifft Al-Qaida und die Taliban. Der UNO-Sicherheitsrat führte die Anwendung der „gezielten Sanktionen“ gegen Personen und (nicht gegen Staaten) im Oktober 1999 ein, um „die Taliban-Herrschaft in Afghanistan zu vereiteln“.

[11] Die Resolution 1373 des UNO-Sicherheitsrats, die nach dem 11. September 2001 angenommen wurde, legt den Schwerpunkt auf den Kampf gegen Terrorfinanzierung.

[12] Siehe: „Swiss firm shut down after terrorism probe“, swissinfo.ch, 9. Januar 2002.

[13] Siehe: „Man bedient sich des Terrorismus, um Angst zu schüren und die Grundfreiheiten einzuschränken“ Interview mit Dick F. Marty, Zeit-Fragen, 29. Januar 2008.

[14] Siehe:
- „Official visit to Egypt - Statements made by M. Nicolas Sarkozy, President of the Republic, during his joint press briefing with Mr Hosni Mubarak, President of Egypt“ (Auszüge), 30. Dezember 2007.

Interview given by M. Nicolas SARKOZY, President of the Republic, to the "Al-Ahram" egyptian newspaper“ (Auszüge), 1. August 2007.

[15] Siehe: „Egypt: Sentences against Muslim Brothers a perversion of justice“, Press release, Amnesty International, 15. April 2008.

Silvia Cattori

Silvia Cattori Unabhängige Journalistin aus der Schweiz, italienischer Muttersprache. Ihre, in Übersee verbrachten Jahre, namentlich in Südost-Asien und im Indischen Ozean, in engem Kontakt mit diplomatischen Kreisen und den UN-Agenturen, haben ihr ein sicheres Verständnis der Welt, sowie der dort herrschenden Machtverhältnisse und Ungerechtigkeiten, verliehen. In 2002 war sie Zeugin der von Tsahal in Cisjordanien geführten Operation „Abwehrschild“. Seither widmet sie sich der Aufgabe, die Aufmerksamkeit der Welt auf das, durch die israelische Besetzung, erlittene Los des palästinensischen Volkes, zu ziehen.

 
Darf man israelische Waren boykottieren?
Darf man israelische Waren boykottieren?
Ein Gespräch mit Herrn Jean-Claude Willem
 
„Das Schlussdokument von Genf entspricht nicht dem Bestreben der Völker“
„Das Schlussdokument von Genf entspricht nicht dem Bestreben der Völker“
Aufklärung über die durban-überprüfungskonferenz
 
Investigativer Journalismus und die Bombenleger von Beirut
Investigativer Journalismus und die Bombenleger von Beirut
Ein Gespräch mit Jürgen Cain Külbel
 
Muss man Tyrannei mit den Instrumenten der Tyrannen bekämpfen
Muss man Tyrannei mit den Instrumenten der Tyrannen bekämpfen
Europa im 21. Jahrhundert: Entführungen und Folterhandlungen
 

Dieser Beitrag ist unter Lizenz der Creative Commons

Sie können die Artikel des Réseau Voltaire frei vervielfältigen unter der Bedingung die Quelle anzuführen, ohne die Artikel zu verändern und ohne sie für geschäftliche Ziele zu benützen (Lizenz CC BY-NC-ND).

Das Netzwerk unterstützen

Sie benützen diesen Website auf dem Sie Qualitätsuntersuchungen finden, die Ihnen helfen Ihr Weltverständnis zu verbessern. Um dieses Werk fortzufahren brauchen wir Ihre Mitarbeit.
Helfen Sie uns mit einer Gabe.

Wie teilnehmen beim Voltaire Netzwerk ?

Die Gesprächsleiter des Réseau Voltaire sind alle ehrenamtlich.
- Autoren : Diplomaten, Wirtschaftswissenschaftler, Journalisten, Militär, Philosophen, Soziologen…Sie können uns Ihre Beitragsvorschläge unterbreiten.
- Übersetzer mit beruflichem Niveau : Sie können bei der Übersetzung mitwirken.