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Venezuelas Kooperation mit der Großen Schwester China

Chinas wachsende Rolle in Venezuela ist ein direktes Resultat von Hugo Chávez’ systematischen Bemühungen, den Einfluss der USA auf sein Land zu mindern, ein Trend, der sich über ganz Lateinamerika verbreitet. Dieses umfangreiche Kompendium sino-venezolanischer Kooperationsprojekte, aufgestellt von der Pravda-Journalistin Olivia Kroth, zeigt emblematisch die Verschiebung des Schwergewichts in Richtung China innerhalb einer Region, welche die Vereinten Staaten von Amerika traditionell als ihren eigenen Hinterhof betrachteten und wo sie jetzt zum Trocknen in der Luft hängen.

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Präsident Hugo Chávez mit Zhang Xiaoqiang, dem Vizedirektor der chinesischen nationalen Entwicklungs- und Reformkommission. Seit 1998, als Chávez zum Präsidenten gewählt wurde, sind die Zahlen im Handel zwischen China und Venezuela von 200 auf 16.000 Millionen US Dollar im Jahre 2011 gestiegen.

Seit 2009 macht sich ein Aufschwung in der chinesisch-venezolanischen Kooperation bemerkbar, Agrikultur, Energie, Wohnungsbau, Telekommunikation, Handel, Transport und Tourismus betreffend.

Große Energieprojekte wuren während der letzten drei Jahre ins Leben gerufen, von Ölbohrungen in Venezuelas Orinoco-Bassin bis zur Einrichtung einer chinesisch-venezolanischen Öltankerfabrik und von Ölraffinerien.

Venezuela verfügt über die größten Ölreserven der Welt”, sagt Präsident Hugo Chávez. “Alles Öl, das China braucht, befindet sich hier in Venezuela.”

Die Faja del Orinoco enthält 520 Milliarden Tonnen Rohöl. Der Ölgürtel des Orinoco wurde in drei Blocks aufgeteilt, in denen chinesisch-venezolanische Gemeinschaftsunternehmen Öl fördern. Hierbei hält Venezuelas staatliche Ölgesellschaft PDVSA einen Mehrheitsanteil von mindestens 60 Prozent.

Führungskräfte von PDVSA treffen sich regelmäßig mit ihren Kollegen von der chinesischen Ölindustrie, um weitere Schritte für die Ölförderung, den Bau von Plattformen, Raffinerien und einer Öltankerflotte zu planen.

Zur Zeit exportiert Venezuela 400.000 Tonnen Öl täglich nach China. Als Ziel ist geplant, die Ausfuhr auf eine Million Tonnen pro Tag bis 2025 zu steigern.

Hugo Chávez spricht von “gradueller Steigerung und gemeinsamer Entwicklung”. Chinesisch-venezolanische Projekte stellen einen Teil des “strategischen langfristigen Entwicklungsplanes” dar, der nach Aussage des venezolanischen Präsidenten “in mehreren Etappen bis 2025″ erfüllt werden soll.

Chinas Vizepräsident Xi Jinping sagt von Hugo Chávez, dass “seine Präsenz ein sehr wichtiges positives Attribut für die kommerzielle Entwicklung zwischen China und Venezuela” sei.

Hugo Chávez wandte sich der Großen Schwester zu, um die Ölexportmärkte seines Landes zu diversifizieren. Während seiner Präsidentschaft wurde Venezuela zum fünftgrößten lateinamerikanischen Wirtschaftspartner und zum viertgrößten Öllieferanten für China.

Der venezolanische Präsident liebt China und ist sehr beeindruckt von der wirtschaftlichen Entwicklung der Großen Schwester. Er lobt den asiatischen Gigangen als “den größten existierenden Motor, um die Welt über die kapitalistische Krise hinaus zu treiben. Niemand kann bezweifeln, dass das Schwergewichtszentrum der Welt sich in Richtung Peking verschoben hat.”

Hugo Chávez wünscht auch, dass die Mitgliedsstaaten von ALBA sich mehr mit der Großen Schwester befassen. Er ermutigt sie bei ALBA-Gipfeltreffen stetig, “eine geeinte Front” von Lateinamerika mit China zu bilden.

Sino-venezolanische Kooperation in Energie reicht sogar weiter als nur Öl. China hilft Venezuela, das Elektrizitätsnetzwerk des Landes mit erhöhter Produktion von Hydro- und Thermoelektrizität zu entwickeln.

Die chinesische Sinohydro Corporation und der staatliche venezolanische Elektrizitätskonzern CORPOELEC kooperieren im Ausbau von Venezuelas Hydroelektrizität.

Überdies geben chinesische Spezialisten Venezuela technische Hilfe und transferieren Technologie zur Produktion von Thermoelektrizität. Ein thermoelektrisches Werk mit der Kapazität von 500 Megawatt wurde bereits im Bundesstaat Mérida installiert. Drei weitere Elektrizitätswerke mit einer Kapazität von jeweils 300 Megawatt sind im Norden und Osten des Landes geplant.

Auf dem Gebiet der Agrikultur erhielt Venezuela von China Hilfe beim Bau einer Bewässerungsanlage mit dem Guárico-Fluss im Bundesstaat Guárico.

Die staatliche chinesische Handelsgesellschaft für Farmhandel, Heilongjiang Beidahuang, gründete eine gemeinschaftliche Lebensmittelfirma in Venezuela, um in der agrikulturellen Entwicklung behilflich zu sein, hauptsächlich in der Produktion von Saatgut, Obst, Gemüse und Milch.

Zur Zeit untersuchen chinesische Agrarexperten die Erd-, Wasser- und Vegetationsbedingungen in Venezuela für künftige Verbesserungen. Sie trainieren auch venezolanische Bauern und vermitteln ihnen Technologie.

Mit der Assistenz der Großen Schwester konnten in Venezuela große Wohnbauprojekte vollendet werden. Circa 4000 neue Heime wurden mit der chinesischen Citic-Gruppe im Bundesstaat Barinas gebaut. Weitere 20.000 neue Heime wurden im Fuerte Tiuna Distrikt von Caracas errichtet.

Die chinesische Firma XCMG, eine der weltweit größten Firmen für Baumaschinen, verkauft modernes Gerät an Venezuela: Bagger, Betonmischer, Krane, Lastwagen und Walzen.

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Präsident Hugo Chávez stellt das Regierungsprogramm „Mein gut ausgestattetes Haus“ vor.

Um die neuen Heime zu füllen werden angemessene Haushaltsgeräte benötigt. “Mein gut ausgestattetes Haus” heißt das Programm der venezolanischen Regierung zum Verkauf chinesischer Haushaltsgeräte zu günstigen Preisen.

Im Mai 2010 wurde ein Vertrag unterzeichnet, dass Venezuela 300.000 Haushaltsgeräte der chinesischen Firma Haier Elektrik kauft. Im Mai 2012 genehmigte Präsident Hugo Chávez den Bau der Fabrik “Haier Venezuela” im Bundesstaat Miranda. Sie wird elektrische Küchengeräte zu erschwinglichen Preisen für die Bevölkerung herstellen.

Ein anderes Gebiet, auf dem Venezuela mit Hilfe der Großen Schwester ein gewaltiger Sprung nach vorne gelang, ist die Telekommunikation.

Im November 2008 wurde in Xichang/China der erste venezolanische Satellit, Venesat-1 “Simón Bolívar”, gestartet. Dieser Satellit schafft Verbindungen zwischen isolierten venezolanischen Gemeinden, indem er ihnen Kommunikationsmöglichkeiten und Bildungsprogramme anbietet.

Mit Venesat-1 erhielt das Land unabhängige Internet- und Telefonverbindungen. Der Satellit ermöglichte zwei Millionen neuen Nutzern den Anschluss an Internet- und Telefondienste.

Die installierten Antennen helfen den staatlichen Lebensmittelmärkten Mercal, den Armeebasen zum Schutz der Landesgrenzen sowie Schulen auf dem gesamten venezolanischen Territorium.

Die Reichweite von Venesat-1 erstreckt sich von der Karibik bis zur Südspitze des Kontinents und trägt dazu bei, die lateinamerikanische Einheit zu stärken.

Venesat-1 hat zwei Landstationen und einen TV Port. Er wird von Venezuelas staatlicher Telekomgesellschaft CANTV verwaltet und teilt den Orbit von Uruguay gemäß einer Vereinbarung zwischen Venezuela und Uruguay.

2009 weihte Venezuela die erste Fabrik für Mobiltelefone im Bundesstaat Falcón ein. Die venezolanische Telefonfabrik VTELCA wurde mit chinesischer Technologie und Unterstützung errichtet.

Venezuelas zweiter Satellit VRSS-1 wird im Oktober 2012 ebenfalls in China gestartet werden. Er soll der Landüberwachung dienen, insbesondere dem Umweltschutz, der Städteplanung und Wetterbeobachtung.

Ricardo Menéndez, Venezuelas Minister für Wissenschaft und Technologie, sagte: “Wir werden einen Satelliten haben, der uns ermöglicht, 24 Stunden am Tag das nationale Territorium zu beobachten. Dies bietet ein enormes Potential für Hilfeleistung in extremen Situationen, zum Beispiel bei starken Regenfällen.”

Für 2013 wird die Konstruktion einer venezolanischen Satellitenfabrik im Bundesstaat Carabobo vorbereitet. Die Regierung strebt hiermit nach technologischer Unabhängigkeit. Chinesische und venezolanische Experten kooperieren bei dieser neuen Unternehmung.

Für den Transport umfasst Venezuelas “Nationaler Eisenbahn-Entwicklungsplan” 8500 Schienenmeilen, um die entferntesten Landesteile miteinander zu verbinden. Der Plan soll bis 2030 umgesetzt werden. Er behinhaltet 380 neue Bahnstationen und 550 neue Züge. Sie sollen 210 Millionen Passagiere und 190 Tonnen Frachtgut jährlich befördern.

Das Eisenbahnnetz wird mit chinesischer Technologie konstruiert. Der 2008 gegründete Strategische Entwicklungsfond China-Venezuela finanziert das 800-Millionen-Dollar-Projekt.

China bietet Venezuela außer Zügen auch Autos an. Vier Verkaufsniederlassungen von Chery wurden kürzlich auf venezolanischem Territorium eröffnet, eine in Caracas, drei weitere in anderen Landesteilen. Sie ziehen Venezolaner an, die entweder das “Arauca”- oder das “Orinoco”-Modell erwerben wollen, nach zwei Flüssen benannt, welche durch Venezuela fließen.

Achtzehn weitere Verkaufsniederlassungen von Chery sind geplant. Die Wagen werden gemäß einer Vereinbarung mit China in Venezuela hergestellt. 5000 Fahrzeuge wurden bereits 2011 gefertigt, zusätzliche 28.000 sind bis Ende dieses Jahres avisiert. Die Unternehmung wird von Chery und einer venezolanischen Firma gemeinsam finanziert.

Venezuela hegt ebenso ehrgeizige Pläne auf dem Gebiet des Tourismus. Die Regierung von Präsident Chávez will mehr Gäste aus China anziehen.

Eine venezolanische Gruppe nahm dieses Frühjahr an der Internationalen Touristikmesse in Peking teil. Der Stand von Venezuela zeigte Plakate und Videos von karibischen Stränden, Regenwäldern des Amazonas, schneebedeckten Gipfeln der Anden und von den Llanos, des weiten Graslandes in Zentralvenezuela mit seinen Viehherden und seiner Llanero-Kultur.

Venezuela bietet Abenteuer- und Naturreisen durch die Llanos-Staaten Apure, Barinas, Cojedes und Guárico an. Die spezielle Fauna und Flora des Graslandes könnte chinesischen Touristen gefallen, die an ökologischem Tourismus interessiert sind.

Alejandro Fleming, Venezuelas Minister für Tourismus, berichtete über die Internationale Touristikmesse von Peking in “Todo Venezuela” (Ganz Venezuela), einem Fernsehprogramm des staatlichen Senders Venezuela de Televisión.

Der Minister sagte, dass chinesische Reiveranstalter großes Interesse zeigten, Touren nach Venezuela zu organisieren. Viele chinesische Privatleute besuchten ebenfalls den Stand, hauptsächlich um die Videos anzuschauen, welche den venezolanischen Rennfahrer Pastor Maldonado, Sieger des Formel-1-Rennens, in seinem Rennwagen zeigen.

Inzwischen ist die erste Biografie von Hugo Chávez in chinesischer Sprache (Mandarin) erschienen. Der chinesische Autor Xu Shicheng beschreibt den venezolanischen Präsidenten als “den größten Leiter der südamerikanischen Linken im 21. Jahrhundert”.

Das Buch mit dem Titel ‘Biografie von Hugo Chávez: Von der Bolivarischen Revolution zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts’ wurde im Sommer 2011 in der venezolanischen Botschaft von Peking vorgestellt. Botschafter Rocío Maneiro und 300 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil, von chinesischen Intellektuellen bis zu ausländischen Diplomaten.

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Buchpräsentation in der venezolanischen Botschaft von Peking, China: Die Biografie von Hugo Chávez in Mandarin.

Es war eine große Herausforderung, über eine Persönlichkeit zu schreiben, die in der politischen Weltszene so aktiv ist, eine Persönlichkeit, die große wirtschaftliche, politische, soziale und diplomatische Veränderungen im Lande bewirkte. Ich bemühte mich, mit großer Ehrlichkeit die wichtigsten Schritte der Annäherung an Russland und China zu beschreiben”, sagte der chinesische Autor.

Hugo Chávez ist bereits zu einem Bestandteil lateinamerikanischer Geschichte geworden, weil er das Erscheinen linker Bewegungen durch Wahlen auf dem lateinamerikanischen Kontinent initiierte. Seit 1999 hat sich dieses Auftauchen der Linken bis nach Argentinien, Bolivien, Ecuador, Nicaragua, Peru und Uruguay ausgebreitet. Chávez ist ein bedeutender Staatsmann für Lateinamerika und die Welt”, betonte Xu Shicheng in einem Interview.

Der chinesische Schriftsteller wies darauf hin, dass eine vorhergehende Analyse der Gedanken von Hugo Chávez ihm geholfen habe, seinen “exemplarischen Charakter” zu verstehen seit seinem Besuch der Militärakademie. Laut Xu Shicheng ist der venezolanische Präsident eine “sehr agile Person”. Er hat seit dem Machtantritt seine Lektionen gelernt und seinen Kurs korrigiert, was ihm 2009 zum Sieg in dem Referendum verhalf.

Für Hugo Chávez plante ich, Elemente einzuführen, die seine Figur im Rahmen seines 13jährigen Mandats bewerten”, erklärte der Autor. Xu Shicheng widmet sich seit über 40 Jahren dem Studium Lateinamerikas und reiste mehrfach auf dem Kontinent.

Xu Shicheng gratulierte Hugo Chávez zum 57. Geburtstag und stellte fest, dass von allen lateinamerikanischen Präsidenten er der derjenige sei, welcher China am häufigsten besucht habe, insgesamt sechsmal, was die guten Beziehungen zwischen beiden Ländern beweise.

Die Biographie wurde bereits ins Spanische übersetzt. Der Band von 400 Seiten wird im “Publikationshaus der Volksrepublik China” verlegt. Die umfangreiche Bibliografie enthält einige Reden und Artikel der Internetseite “Líneas de Chávez”.“Líneas de Chávez.”

Einer der vielen bemerkenswerten Gedanken des venezolanischen Präsidenten ist, dass China und Venezuela das gemeinsame Ziel verfolgen, “Gleichgewicht in der Welt, eine multipolare Welt” zu schaffen. “China und Venezuela haben nur ein einziges Projekt, eine einzige Vision: eine Welt der Gerechtigkeit, eine Welt der Gleichheit, eine Welt des Fortschritts.”

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