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Vor fünfzig Jahren

Kennedy, die Lobby und die Bombe

Vor genau 50 Jahren spielte sich eine wichtige Episode in der Geschichte der "Amerikanischen Demokratie" ab; ein epischer Kampf, dessen Ende die Zukunft der Welt beeinflusste. Laurent Guyénot erinnert uns an das Thema.

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Kennedy und das AIPAC

Im Mai 1963 begann das Foreign Relations Committee des Senats der Vereinigten Staaten eine Untersuchung der geheimen Operationen ausländischer Agenten auf amerikanischem Boden, besonders ausgerichtet auf den American Zionist Council und die Jewish Agency for Israel [1]. Die Untersuchung war durch einen Bericht des Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses, William Fulbright motiviert, im März 1961 geschrieben (freigegeben [declassified] im Jahr 2010): "In den letzten Jahren gab es eine wachsende Zahl von Vorfällen, von Versuchen von ausländischen Regierungen oder deren Vertretern, um die US-Außenpolitik mit Methoden außerhalb der normalen diplomatischen Kanäle zu beeinflussen." Er erwähnte diese Methoden, einschließlich der "verdeckten Aktivitäten in den Vereinigten Staaten und anderswo", wo Fulbright auf die „Lavon-Affäre“ von 1953 anspielte [2], in der ägyptische, in Israel trainierte Juden mehrere Bombenanschläge gegen britische Ziele begangen hatten, die auf das Konto der Muslimbruderschaft gehen sollten, um damit Nasser in den Augen der Briten und Amerikaner zu diskreditieren. Die Senats-Untersuchung deckte eine Geldwäscheaktion auf, bei der die Jewish Agency (untrennbare Organisation des Staates Israel, dessen Vorläufer sie gewesen war) zig Millionen von Dollar an den American Zionist Council, die größte israelische Lobby in den USA, sendete. Nach dieser Untersuchung forderte das Justizministerium, unter Aufsicht von Justizminister Robert Kennedy, dass auf Grund seiner Finanzierung durch den Staat Israel der American Zionist Council als "ausländischer Agent" registriert werde und den Verpflichtungen des Foreign Agents Registration Act von 1938 unterliegen müsse, welche eine genaue Überwachung seiner Aktivitäten mit sich bringt.

Dieser Versuch, die wachsende Einmischung von Israel in die US-Politik einzudämmen, erhielt natürlich die Unterstützung des Präsidenten. Zum Zeitpunkt, als er noch ein junger Journalist war, und sich mit der ersten Konferenz der Vereinten Nationen beschäftigte, war John Kennedy beunruhigt über die Fähigkeit Israels, Politiker kaufen zu können, selbst bis zum Präsidenten hinauf. Mit der Anerkennung des Staates Israel am 15. Mai 1948 (zehn Minuten nach seiner offiziellen Proklamation), gegen den einstimmigen Rat seiner Regierung, erwarb Präsident Harry Truman nicht nur einen Platz in der biblischen Geschichte ("die historische Tat der Anerkennung von Truman bleibt für immer mit goldenen Buchstaben graviert, in den vier tausend Jahren Geschichte des jüdischen Volkes“ [3], verkündete der israelische Botschafter); Truman steckte auch $ 2 Millionen ein, um seine Wiederwahlkampagne wieder flott zu machen. "Das ist, warum unsere Anerkennung Israels so schnell ging" vertraute Kennedy seinem Freund, Romancier und Essayist Gore Vidal an [4]. 1960 erhielt John Kennedy selbst ein Angebot von der israelischen Lobby für eine finanzielle Unterstützung für seinen Wahlkampf. Er fasste den Vorschlag des Philanthropen Abraham Feinberg vor seinem Freund und Journalist Charles Bartlett so zusammen: „Wir wissen, dass Ihre Kampagne Schwierigkeiten hat. Wir sind bereit, Ihre Rechnungen zu zahlen, wenn Sie uns die Kontrolle Ihrer Nahost-Politik überlassen“. Bartlett erinnert sich, dass Kennedy sich selbst versprach, „wenn er jemals Präsident werden sollte, würde er etwas tun, um das zu ändern“. [5] 1962 / 63 reichte er sieben Gesetzesvorschläge ein, um die Finanzierung der Wahlkämpfe des Kongresses zur reformieren; alle wurden erfolgreich von den Einfluss-Gruppen, gegen die sie vorgingen, bekämpft.

Alle Bemühungen der Regierung, um die Korruption der amerikanischen Demokratie durch die Agenten Israels einzudämmen, wurden durch die Kennedy-Ermordung und den Austausch seines Bruders in der Justiz durch Nicholas Katzenbach abrupt gestoppt. Der American Zionist Council entkam dem „ausländischen-Agentenstatus“, indem er sich auflöste und zum American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) umbenannte. Zehn Jahre später (am 15. April 1973) bemerkte Fulbright auf CBS: „Israel steuert den US-Senat. […] Die überwiegende Mehrheit des US-Senats - ca. 80 % - unterstützt Israel vollständig. Israel bekommt, was es will“ [6]. Das AIPAC praktiziert weiterhin die gleichen Methoden, entkommt jeglicher Sanktion, selbst wenn seine Mitglieder auf frischer Tat von Spionage und Hochverrat ertappt werden: im Jahr 2005 wurden zwei Mitglieder des AIPAC, Steven Rosen und Keith Weissman, freigesprochen, nachdem sie von einem Mitglied des Office of Special Plans im Pentagon, Larry Franklin, geheime Verteidigungs-Dokumente erhalten und sie dann einem hohen Beamten von Israel übergeben hatten. 2007 zeigten John Mearsheimer und Stephen Walt in ihrem Buch über die „Pro-israelische Lobby und die amerikanische Außenpolitik“, dass das AIPAC und pro-Israel-Lobbys von untergeordneter Bedeutung die Hauptursache für den Krieg im Irak waren, und im weiteren Sinne, der bestimmende Faktor der US-Außenpolitik im Nahen Osten. Da sich nichts geändert hat, gibt es keinen Grund, dass Benjamin Netanyahus Regierung nicht erfolgreich wäre, von den Vereinigten Staaten die seit langem geforderte Zerstörung des Iran zu erhalten.

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„Wir, das jüdische Volk, kontrollieren Amerika und die Amerikaner wissen es“ [7], hätte Ministerpräsident Ariel Scharon seinem Außenminister Schimon Peres am 3. Oktober 2001 gesagt, laut dem israelischen Radio Kol Israel. Sein Nachfolger Benjamin Netanyahu machte die Demonstration am 24. Mai 2011 vor dem US-Kongress, wo er 29 Mal mit einer Standing Ovation bejubelt wurde, einschließlich aller folgenden Zitate: "in Judäa und Samaria sind die Juden keine ausländischen Besatzer"; "keine Verzerrung der Geschichte kann die alten Bande von 4.000 Jahren zwischen dem jüdischen Volk und dem jüdischen Land verneinen.“ „Israel wird nicht auf die unhaltbaren Grenzen von 1967 zurückkehren"; „Jerusalem darf nie wieder geteilt werden. Jerusalem muss die vereinigte Hauptstadt Israels bleiben“. [8]

Kennedy, die Bombe und Dimona

Wenn Kennedy weitergelebt hätte, wäre der Einfluss Israels sicherlich auch auf einer anderen Front aufgehalten worden, jener der Atomwaffen. Bereits in den 1950er Jahren hatte David Ben-Gurion, der Premierminister und Verteidigungsminister zu gleicher Zeit war, sein Land für die Herstellung von Atombomben engagiert, indem er das Programm der friedlichen Zusammenarbeit Atom for Peace, das von Eisenhower naiv ins Leben gerufen wurde, von seinem Ziel ablenkte. Sofort nach seiner Machtübernahme im Weißen Haus, durch die CIA über die wirkliche Berufung von Dimona informiert, tat Kennedy sein Möglichstes, um Israel zu zwingen, darauf zu verzichten. Er verlangte von Ben Gourion regelmäßige Inspektionen von Dimona, zuerst wörtlich in New York 1961, dann mit immer eindringlicheren offiziellen Briefen. In dem letzten, datiert vom 15. Juni 1963, forderte Kennedy eine sofortige Untersuchung, gefolgt von regelmäßigen Besuchen alle sechs Monate, ohne die „das Engagement und die Unterstützung unserer Regierung von Israel wirklich leiden könnten“. [9] Der Empfang dieser Nachricht war überraschend: Ben Gourion trat am 16. Juni zurück und vermied so den Erhalt des Briefes. Sobald der neue Ministerpräsident Levi Eshkol sein Amt antrat, schickte ihm Kennedy einen identischen Brief, vom 5. Juli 1963 datiert.

Für Kennedy ging es nicht darum, Israel eine Macht zu verbieten, die den USA und ihren NATO-Verbündeten vorbehalten wären. Der Ansatz des Präsidenten war Teil eines viel ehrgeizigeren Projektes, das er schon am 25. September 1961, neun Monate nach seinem Amtsantritt vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen angekündigt hatte: „Heute, muss jeder Bewohner dieses Planeten den Tag betrachten, wenn dieser Planet vielleicht nicht mehr bewohnbar ist. Jeder Mann, jede Frau und Kind, lebt unter einem nuklearen Damoklesschwert, das an einem dünnen Faden hängt, der jederzeit durch Unfall oder Fehler bzw. durch Wahnsinn zerrissen werden kann. Diese Waffen des Krieges müssen abgeschafft werden, bevor sie uns abschaffen. […] Daher ist es unsere Absicht, eine Herausforderung an die Sowjetunion zu richten, nicht für ein Wettrüsten, sondern für ein Wettrennen für Frieden – um gemeinsam voranzuschreiten, Schritt für Schritt, Etappe nach Etappe, bis zu Erreichung der allgemeinen und vollständigen Abrüstung“ [10]. Die Nachricht wurde von Nikita Khruschtschow gut aufgenommen, der mit einem vertraulichen Brief von 26 Seiten am 29. September 1961, durch einen geheimen Kanal überbracht, positiv beantwortet wurde. Nach der Kubakrise von Oktober 1962 brachte der Atomkrieg, den sie durch ihre Gelassenheit vermeiden konnten, die beiden Staatschefs einander noch näher im Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung, die Menschheit von der atomaren Bedrohung zu befreien. Khruschtschow sandte Kennedy einen zweiten privaten Brief, in dem er seine Hoffnung äußerte, dass in acht Jahren Präsidentschaft von Kennedy: „wir gute Voraussetzungen für das friedliche Zusammenleben auf Erden schaffen könnten, und es von den Völkern unserer Länder sowie von anderen Völkern geschätzt werden würde [11].“ Trotz anderer Krisen setzten Kennedy und Khruschtschow diese geheime, heute freigegebene Korrespondenz fort, die insgesamt 21 Briefe enthält, in denen das Projekt zur Abschaffung von Atomwaffen einen wichtigen Platz einnahm.

1963 führten die Verhandlungen zum Vertrag der ersten Beschränkung der Kern-Versuche, die Atomtests in der Atmosphäre und unter Wasser verboten, der von der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich am 5. August 1963 unterzeichnet wurde. Sechs Wochen später, am 20. September 1963 drückte Kennedy seinen Stolz und seine Hoffnung vor den Vereinten Nationen aus: „Vor zwei Jahren sagte ich in diesem Haus, dass die Vereinigten Staaten vorgeschlagen hatten und bereit waren, einen begrenzten Kernwaffenteststopp-Vertrag zu unterzeichnen. Heute ist der Vertrag unterzeichnet. Er bereitet dem Krieg kein Ende. Er wird die grundlegenden Konflikte nicht aufheben. Er wird nicht Allen Freiheit gewährleisten. Aber er kann ein Hebel sein, und es wird berichtet, als Archimedes das Prinzip des Hebels erklärte, seinen Freunden gesagt zu haben: "Gebt mir eine Stelle, wo ich eingreifen kann, und ich werde die Welt bewegen." Meine lieben Mitbewohner dieses Planeten, nehmen wir hier in dieser Versammlung der Nationen Stellung. Und sehen wir, in unserer Zeit, ob wir die Welt in Richtung eines gerechten und dauerhaften Friedens bewegen können“ [12]. In seinem letzten Brief an Kennedy, der dem US-Botschafter Roy Kohler überreicht, aber nie an den Adressaten weitergeleitet wurde, zeigte sich Khruschtschow auch stolz auf diesen ersten historischen Vertrag, der "einen frischen Geist in die internationale Atmosphäre injizierte." Er fügte andere Vorschläge hinzu, und benützte die Worte von Kennedy: "ihre Umsetzung könnte den Weg in Richtung einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung ebnen und damit die Völker von der Gefahr eines Krieges befreien“ [13].

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Für Kennedy war die Atomwaffe die Negation aller historischen Bemühungen, um den Krieg zu zivilisieren und die Zivilisten zu schonen. "Ich denke immer an die Kinder; nicht nur an meine Kinder oder deine, sondern an die Kinder der ganzen Welt, "sagte zu seinem Freund und Helfer Kenneth O’Donnell während seiner Kampagne für das Verbot von Nuklearversuchen [Test Ban Treaty]. Er wiederholte es in seiner Rede am 26. Juli 1963 im Fernsehen: "dieser Vertrag ist für uns alle und insbesondere für unsere Kinder und Enkel, die hier in Washington keine Lobby haben. [14]. »

In den 1960er Jahren war die nukleare Abrüstung ein realistisches Ziel. Nur vier Länder verfügten über Atomwaffen. Es gab eine historische Chance, und Kennedy war entschlossen, sie nicht auszulassen. „Ich bin durch das Gefühl verfolgt, dass 1970, falls wir scheitern, es möglicherweise 10 Atommächte statt vier geben wird und 1975, fünfzehn oder zwanzig“ [15], sagte er bei seiner Pressekonferenz des 21. März 1963, in visionärer Art und Weise. Während hinter den USA und der Sowjetunion, alle Länder der NATO und des Ostblocks erste Schritte zur nuklearen Abrüstung unternahmen, blieb Israel heimlich abseits und Kennedy war fest entschlossen das zu verhindern.

Kennedy starb wenige Monate später, was den Druck auf Israel aufhob. Johnson entschied, seine Augen vor den Tätigkeiten des Dimona-Komplexes zu schließen. John McCone, der von Kennedy ernannte Direktor der CIA, trat 1965 zurück unter der Klage über das mangelnde Interesse von Johnson zu diesem Thema. Israel erwarb seine erste Bombe 1967 ohne es jemals zuzugeben. Nixon sorgt sich nicht mehr als Johnson, während sein Berater für Nationale Sicherheit, Henry Kissinger, privat seine Anerkennung für die Idee in Israel einen Alliierten mit Atommacht zu haben, ausdrückte. Nixon, mit dem der „tiefe Staat“ sozusagen im Weißen Haus einzieht, spielte ein doppeltes Spiel: Obwohl er öffentlich den Nicht-Verbreitungs-Vertrag von 1968 unterstützte (der keine US-Initiative war), hat er eine widersprüchliche Nachricht seiner Bürokratie durch ein streng geheimes National Security Decision Memorandum (NSDM-6) erlassen, das sagte: „Es darf keine Bemühungen seitens der Vereinigten Staaten geben, um andere Länder zu zwingen [...], [den Vertrag] anzuwenden. Diese Regierung in ihrer öffentlichen Haltung, soll einen optimistischen Ton widerspiegeln, den andere Länder unterzeichnen oder ratifizieren, sich aber enthalten, andere Länder unter Druck zu setzen, damit sie unterzeichnen oder ratifizieren“ [16].

Nach Angaben von SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) für 2011 gibt es heute weltweit etwa 20.000 Atombomben mit durchschnittlich 30-mal mehr Energie als die von Hiroshima, was insgesamt 600 000 Mal Hiroshima entspricht. 1.800 dieser Bomben sind in Bereitschaft, das heißt bereit, innerhalb von Minuten abgeschossen zu werden. Mit weniger als 8 Millionen Einwohnern ist Israel die sechste globale Atommacht.

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„Wenn man den Präsidenten machen ließe, hätte man jede Woche einen Atomkrieg“ [17], sagte Kissinger. Ab den 1950er Jahren hatte Nixon Eisenhower die Verwendung einer Atombombe in Indochina und Korea empfohlen.

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Man musste bis 1986 auf die Veröffentlichung in der Sunday Times der Fotografien von dem israelischen Techniker Mordechai Vanunu vom Inneren von Dimona warten, damit die Welt entdeckt, dass Israel sich im Geheimen mit der Atombombe ausgestattet hatte. Nachdem er vom israelischen Geheimdienst entführt worden war, wurde Vanunu für "Verrat an Staatsgeheimnis“ verurteilt. Er verbrachte 18 Jahre im Gefängnis, darunter 11 vollständig isoliert. Seit seiner Entlassung im Jahr 2004 wurde ihm verboten, das Land zu verlassen und mit dem Ausland zu kommunizieren.

Johnson und die USS Liberty

Kennedy hat Tel Aviv nicht die Erinnerung eines Freundes von Israel hinterlassen. Neben seinen Angriffen gegen die unerhörte israelische Lobbyarbeit und gegen seine Kernkraft-Ambitionen, hatte Kennedy sich für das Recht auf Rückkehr der 1947 / 48 aus ihren Nachbarschaften und Dörfern vertriebenen 800.000 palästinensischen Flüchtlingen eingesetzt. Am 20. November 1963 forderte seine Delegation bei den Vereinten Nationen die Umsetzung der Resolution 194 zu diesem Zweck. Kennedy hatte wahrscheinlich nicht die Muße, die empörten Reaktionen Israels in den Zeitungen zu lesen: zwei Tage später war er tot. Die Machtübernahme von Johnson wurde in Israel mit Erleichterung begrüßt: „Es steht außer Frage, dass wir mit dem Eintritt von Lyndon Johnson mehr Gelegenheit haben werden, dem Präsidenten direkt näher zu kommen, wenn wir feststellen, dass die amerikanische Politik gegen unsere vitalen Interessen geht“, [18] schätzte die israelische Zeitung Yedio Ahoronot. Weit davon entfernt, Israel an seine ethnische Säuberungen zu erinnern, adoptierte Johnson vollkommen den Mythos des "Landes ohne Volk für ein Volk ohne Land", indem er sogar eines Tages vor einem jüdischen Publikum, „die jüdischen Pioniere, die ein Haus in der Wüste bauen“[ « The Jewish pioneers building a home in the desert. »]] mit seinen eigenen Vorfahren, die die neue Welt kolonisierten, verglich –, was im Grunde die Gleichwertigkeit der Verweigerung von Israel der ethnischen Säuberung Palästinas und die Verweigerung von den Amerikanern ihrer eigenen Völkermord-Geschichte unbeabsichtigt unterstreicht.

Während Kennedy die Hilfe für Israel gesenkt hatte, erhob Johnson sie von 40 Millionen auf 71 Millionen und 130 Millionen im Folgejahr. Während die Kennedy-Regierung den Verkauf von ein paar defensiven Flugkörper-Batterien nach Israel genehmigt hatte, finanzierte unter Johnson mehr als 70 % der Hilfe den Kauf von Militärausrüstung, einschließlich von 250 Panzern und 48 offensiven Skyhawk Flugzeugen. Die Militärhilfe an Israel erreichte 92 Millionen im Jahr 1966, mehr als die Summe aller vorhergehenden Jahre kombiniert. Umgekehrt, indem Johnson Ägypten und Algerien der US-Hilfe beraubte, zwang er sie, sich an die Sowjetunion zu wenden, um weiterhin ihre Abwehrkräfte aufrechtzuhalten. Im Juni 1967 gab Johnson Israel ein "gelbes Licht" für seinen angeblichen "Präventivkrieg" gegen Ägypten, mit dem Schreiben vom 3. Juni, in dem er den israelischen Ministerpräsident Levi Eshkol versicherte, „die territoriale Integrität des Staates Israel schützen" zu wollen und [...] eine so effizient wie mögliche amerikanische Unterstützung für die Erhaltung des Friedens und der Freiheit von Ihrer Nation und der Region zu bieten.“ [19]

Nach dem Tod von Kennedy herrschte tiefe Trauer in der arabischen Welt, wo sein Porträt viele Häuser zierte. „Von nun ab ist De Gaulle das einzige westliche Staatsoberhaupt, auf dessen Freundschaft die Araber zählen können ", sagte Abdul Gamal Nasser. Bei gleichzeitiger Reduzierung der Hilfe an Israel, hatte Kennedy Ägypten großzügig Korn im Rahmen des Food-for-peace-Programms zur Verfügung gestellt. Die kurze Präsidentschaft von Kennedy war für Ägypten nur ein verzaubertes Zwischenspiel, ein zu schnell gebrochener Traum. Unter Eisenhower, 1954, war Ägypten das Ziel von „falscher-Flagge“, von Israel verübten Terrorakten, mit dem Ziel „das Vertrauen des Westens in das vorhandene ägyptische Regime zu brechen [und] um die wirtschaftliche und militärische Hilfe aus dem Westen für Ägypten zu verhindern“ [20], mit den eigenen Worten des Chefs des militärischen Nachrichtendienstes (Aman) Benjamin Givli, in einem geheimen, jetzt freigegebenen Telegramm. Die versehentliche Detonation eines Sprengkörper erlaubte, die Verschwörung des Skandals der „Lavon-Affäre" (der Name des verantwortlichen Verteidigungs-Ministers Pinhas Lavon) zu entlarven, ein Skandal der in Israel und den Vereinigten Staaten schnell erstickt wurde. Der Ministerpräsident Moshe Sharett, der einen gemäßigten, internationale Regel respektierenden Zionismus verteidigte, stellte zu dieser Zeit (aber privat) den unaufhaltsamen Aufstieg der Extremisten fest, unter die er den zukünftigen Präsident Shimon Peres zählte, „der den Westen terrorisieren will, um ihn dazu zu bringen, die Ziele Israels zu unterstützen“ und der „den Terrorismus auf die Ebene des heiligen Prinzips erhebt“ [21].

Der Tod von Kennedy erleichterte wieder diesen machiavellistischen Terrorismus, aus dem sich Israel eine Spezialität gemacht hat. Zwei Tage vor Ende des Sechstage-Krieges startete die israelische Armee gegen das Schiff USS Liberty ihre bekannteste und unheilvollste Aggression unter falscher Flagge. Eines sonnigen Tages, am 8. Juni 1967, bombardierten drei Mirage-Bomber ohne israelische Kennzeichen und drei Torpedoboote mit israelischer Flagge, beschossen und torpedierten während 75 Minuten dieses unbewaffnete, leicht erkennbare Schiff der NSA (National Security Agency) in internationalen Gewässern, mit der offensichtlichen Absicht, niemanden überleben zu lassen, da auch die Rettungsboote beschossen wurden. Sie hielten erst ein, als sich ein sowjetisches Schiff näherte, nachdem sie 34 Mitglieder der Besatzung vor allem Ingenieure, Techniker und Übersetzer getötet hatten. Es wird angenommen, dass, wenn die Israelis es geschafft hätten, das Schiff ohne Zeugen zu versenken, ihre Verbrechen Ägypten aufgebürdet hätten, um so die Vereinigten Staaten in den Krieg auf Israels Seite hineinzuziehen. Laut Peter Hounam, Autor von Operation Cyanide: Why the Bombing of the USS Liberty Nearly Caused World War III (2003) [Warum die Bombardierung von der USS Liberty fast den III. Weltkrieg verursachte (2003)], war der Angriff auf das Liberty-schiff durch das Weiße Haus heimlich genehmigt worden, im Rahmen des Projekts Frontlet 615, „ein geheimes politisches Übereinkommen aus 1966, in dem Israel und die Vereinigten Staaten sich verpflichteten, Nasser zu vernichten.“ Die damaligen Anordnungen des Weißen Hauses, die die Rettung mehrere Stunden verzögerten, lassen den Gedanken zu, dass Johnson nicht nur die Israelis im Nachhinein abgedeckt, sondern auch mit ihnen komplottiert habe. Oliver Kirby, damals Deputy Director for Operations [stellvertretender Direktor für Operationen] an der NSA, berichtete dem Journalisten John Crewdson von der Chicago Tribune (2. Oktober 2007), dass die Abschriften der von der NSA abgefangenen und sofort nach Washington gesendeten Kommunikationen der israelischen Flugzeuge keinen Zweifel über die Identität der Angreifer zuließen und die Tatsache, dass sie ihr Ziel den USA angehörend, vor dem Angriff erkannt hatten : „Ich bin bereit, auf einen Stapel von Bibeln zu schwören, dass wir wussten, dass sie wussten“, [dass das Schiff ein amerikanisches war] [22]. Nachdem Israel demaskiert war, gab es vor, einen Fehler des Ziels begangen zu haben und bot seine Entschuldigung an, mit welcher Lyndon Johnson sich begnügte unter dem Vorwand, „ich werde nicht unsere Verbündete verärgern“ [23] Als Johnson im Januar 1968 den israelischen Ministerpräsident Levi Eshkol in Washington empfing und ihn dann auf seine Ranch in Texas einlud, waren die Beziehungen herzlich. Israel zog daraus eine Lektion der Straflosigkeit, deren Einfluss auf sein zukünftiges Verhalten nicht unterschätzt werden sollte: der Preis, der beim Scheitern einer Operation unter falscher Flagge gegen die Vereinigten Staaten bezahlt werden muss, ist null. Ein Scheitern ist in der Tat unmöglich, da die Amerikaner die Führung selbst übernehmen, um das Verbrechen Israels zu decken. Noch besser, Johnson belohnt Israel durch die Aufhebung aller Beschränkungen für militärische Ausrüstung: US-Waffen und Flugzeuge fließen sofort nach Tel Aviv, was aus Israel bald den ersten Kunden der US-Rüstungsindustrie macht.

Übersetzung
Horst Frohlich

[1] The Senate Foreign Relations Committee Investigates the Israel Lobby.

[2] «In recent years there has been an increasing number of incidents involving attempts by foreign governments, or their agents, to influence the conduct of American foreign policy by techniques outside normal diplomatic channels. (...) there have been occasions when representatives of other governments have been privately accused of engaging in covert activities within the United States and elsewhere, for the purpose of influencing United States Policy (the Lavon Affair). »

[3] « Truman’s historic act of recognition will remain forever inscribed in golden letters in the 4000-year history of the Jewish people. »

[4] « That’s why our recognition of Israel was rushed through so fast » (Zitat von Gore Vidal, Vorwort zu Israel Shahak’s, Jewish History, Jewish Religion, 1994).

[5] « We know your campaign is in trouble. We’re willing to pay your bills if you’ll let us have control of your Middle East policy » ; « if he ever did get to be President, he was going to do something about it » (Zitat von Seymour Hersh’s: The Samson option).

[6] « We, the Jewish people control America, and the Americans know it, »

[7] « We, the Jewish people control America, and the Americans know it, »

[8] « in Judea and Samaria, the Jewish people are not foreign occupiers » ; « No distortion of history could deny the 4,000-year-old bond between the Jewish people and the Jewish land » ; « Israel will not return to the indefensible boundaries of 1967 » ; « Jerusalem must never again be divided. Jerusalem must remain the united capital of Israel. »

[9] « This Government’s commitment to and support of Israel could be seriously jeopardized » (Zitat von Seymour Hersh’s: The Samson option).

[10] « Today, every inhabitant of this planet must contemplate the day when this planet may no longer be habitable. Every man, woman and child lives under a nuclear sword of Damocles, hanging by the slenderest of threads, capable of being cut at any moment by accident or miscalculation or by madness. The weapons of war must be abolished before they abolish us. […] It is therefore our intention to challenge the Soviet Union, not to an arms race, but to a peace race — to advance together step by step, stage by stage, until general and complete disarmament has been achieved » (Zitat von James Douglass, JFK and the Unspeakable).

[11] « We could create good conditions for peaceful coexistence on earth and this would be highly appreciated by the peoples of our countries as well as by all other peoples » (Zitat von James Douglass, JFK and the Unspeakable).

[12] « Two years ago I told this body that the United States had proposed and was willing to sign, a limited test ban treaty. Today that treaty has been signed. It will not put an end to war. It will not remove basic conflicts. It will not secure freedom for all. But it can be a lever, and Archimedes, in explaining the principles of the lever, was said to have declared to his friends: ‘Give me a place where I can stand – and I shall move the world.’ My fellow inhabitants of this planet let us take our stand here in this Assembly of nations. And let us see if we, in our own time, can move the world to a just and lasting peace » (Zitat von James Douglass, JFK and the Unspeakable).

[13] « Has injected a fresh spirit into the international atmosphere » ; « Their implementation would clear the road to general and complete disarmament, and, consequently, to the delivering of peoples from the threat of war » (Zitat von James Douglass, JFK and the Unspeakable).

[14] « I keep thinking of the children, not my kids or yours, but the children all over the world. » / « This treaty is for all of us. It is particularly for our children and our grandchildren, and they have no lobby here in Washington » (Zitat von James Douglass, JFK and the Unspeakable).

[15] « I am haunted by the feeling that by 1970, unless we are successful, there may be ten nuclear powers instead of four, and by 1975, fifteen or twenty » (Zitat von James Douglass, JFK and the Unspeakable).

[16] « There should be no efforts by the United States government to pressure other nations […] to follow suit. The government, in its public posture, should reflect a tone of optimism that other countries will sign or ratify, while clearly disassociating itself from any plan to bring pressure on these countries to sign or ratify » (Zitat von Seymour Hersh, The Samson Option).

[17] « If the President had his way, there would be a nuclear war each week » (Zitat von Anthony Summers, The Arrogance of Power).

[18] « There is no doubt that, with the accession of Lyndon Johnson, we shall have more opportunity to approach the President directly if we should feel that U.S. policy militates against our vital interests. »

[19] « I want to protect the territorial integrity of Israel […] and will provide as effective American support as possible to preserve the peace and freedom of your nation and of the area. »

[20] « [Our goal] is to break the West’s confidence in the existing [Egyptian] regime. The actions should cause arrests, demonstrations, and expressions of revenge. The Israeli origin should be totally covered while attention should be shifted to any other possible factor. The purpose is to prevent economic and military aid from the West to Egypt » (Zitat von Livia Rokach, Israel’s Sacred Terrorism, 1980).

[21] « He wants to frighten the West into supporting Israel’s aims »; « raises terrorism to the level of a sacred principle » (Zitat von Livia Rokach, Israel’s Sacred Terrorism, 1980).

[22] « I’m willing to swear on a stack of Bibles that we knew they knew. »

[23] « I will not embarrass our ally. »

Laurent Guyénot

Laurent Guyénot Ingénieur (Ecole Nationale Supérieure de Techniques Avancées, 1982) et médiéviste (docteur en Études Médiévales à Paris IV-Sorbonne, 2009). Il a publié La mort féerique: Anthropologie médiévale du merveilleux (XIIe-XVe siècle) chez Gallimard et La Lance qui saigne - Métatextes et hypertextes du "Conte du Graal" de Chrétien de Troyes chez Champion. Il se consacre depuis trois ans à l’histoire profonde des États-Unis, où il a vécu cinq ans.

 

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