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Das Erdöl und die Buchhaltervorschriften von Mexiko und Irak

Trotz des Druckes der USA, verweigerte der Irak seine Ölreserven in seine Bilanz einzuschreiben, d. h. sie durch eine einfache Buch führende Notiz auf die ausländischen Unternehmen zu übertragen. Mexiko hat es aber wohl gemacht. Fazit: Es ist unwahrscheinlich, dass Mexiko von einer privaten Armee überfallen wird, wie es dem Irak heute passiert.

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Zwei Kinder beobachten ein gestern in der Stadt Mosul in Brand gestecktes Fahrzeug, das gerade während einer Auseinandersetzung zwischen irakischen Sicherheitskräften und dem Islamischen Staat im Irak und in der Levante (EIIL), einer mit Al-Qaida verbundenen Organisation, passierte. Trotz des Krieges widerstand der Irak dem ausländischen Druck, seine Ölreserven in die Börse einzuführen.
Photo : Reuters

Das Finanz-Projekt, dass die Wall-Street-Banken (einschließlich der anrüchigen Investmentbank Goldman Sachs) die in den tiefen Gewässern des Golfs von Mexiko befindlichen Reserven, gemäß den Kriterien der Wertpapieren-Kommission der USA (SEC) kontrollieren könnten, indem man sie einfach durch einen neuen Rechnungsstandard, der diese Reserven in die Bilanz aufnimmt, auf der Börse registriert, hat Wind in den Segeln.

Goldman Sachs macht eine reiche Heirat dank "der nordamerikanischen Energie-Integration" und fördert den nordamerikanischen Energie-Gipfel vom 10. und 11. Juni, den Gipfel, an dem „die größten Denker und Entscheider aus öffentlichen und privaten Bereichen, einschließlich den Regierungsvertretern und Experten aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko, sowie internationalen Großinvestoren und nordamerikanischen Energiesektor-Multis teilnahmen.“

In der Tat, nur Megabanken und angelsächsische Öl-Multis interessieren sich für die Ausbeutung durch hydraulisches „Fracking“ von Schiefer-Gas und -Öl in den tiefen Gewässern des Golfs von Mexiko.

Die Produktionskurve von Schiefergas in den Vereinigten Staaten bringt zwei Szenarien, ein "optimistisches" und ein "stabiles" (Status quo), so dass man aus der Analyse der Kurven von Kanada und Mexiko ableiten kann, dass im Rahmen des dreigliedrigen "nordamerikanischen", unter der geopolitischen und geoökonomischen Schirmherrschaft des Northern Command (NorthCom) stehenden Projektes, die eigentliche "Anstrengung" vor allem durch das neoliberale, „itamistische“ [1] Mexiko gemacht werden wird.

In der Tat profitiert das dreigliedrige Projekt in erster Linie den Vereinigten Staaten. Es wird interessant sein die Krümel zu sehen, die Mexiko gelassen werden, einem Land, das nicht die angemessene Wachsamkeit hat und dessen unglückliche nationale Kommission der Kohlenwasserstoffe sich eher erwies, als wolle sie die Interessen der multinationalen Shell verteidigen.

Man sieht also drei Achsen, nach denen sich die "nordamerikanische Energiesicherheit" entwickelt: die militärische Achse (Northern Command); die Achse der angelsächsischen Öl-Multis und die der finanziellen Wallstreet Megabanken, die die Börsennotierung der Reserven der tiefen Gewässer des Golfs von Mexiko verlangen, eine Anfrage, auf die Peña/Videgaray positiv reagiert hat.

So werden heute im 21. Jahrhundert, zu einer Zeit wo sich die Deregulierung der finanziellen Globalisierung aufdrängt, die Länder durch ihre Bank Entnationalisierung und durch die Finanziarisierung ihrer Rohstoffe kontrolliert, die das Eigentum von den großen Investmentbanken von Wall Street werden.

Bloomberg kündigte im letzten Jahr die Ausarbeitung von "Erleichterungsplänen" an, durch die Aufnahme in die Bilanz der Reserven Mexikos, um "Exxon und Chevron zu ködern“.

Chevron hat bereits Condoleezza Rice unter seinen Führungspersönlichkeiten, die eine "Mexikaner"-Gruppe bilden, die Mitglieder des Wilson Center sind, einer Agentur, die durch das US-Außenministerium gesteuert wird.

Julio Zamora, Börsen-Stratege der Citigroup/Banamex hat gesagt, dass die Eintragung der Reserven auf die Bilanz für multinationale Unternehmen eine Möglichkeit ist, diese Reserven in ihre Finanz-Abschlüsse einzubeziehen und dass es den Benutzern des Jahresabschlusses ermöglichen würde zu verstehen, wo sie ausgeben und wo sie investieren und sehen können, in welche Richtung sie sich bewegen sollen, um ihre zukünftige Produktion zu verkaufen".

Bloomberg fügte hinzu, dass in ihrer Anleitung des Jahres 2001 die SEC [Börsenüberwachung] "es Unternehmen ermöglicht, das Äquivalent ihrer Reserven in der Bilanz zu registrieren, was George Baker, Energieberater in Houston, als eine "echte Ideen-Evolution der Regierung in Bezug auf die Reserven" begrüßte, und was "explizit in den Verordnungen hervorgehoben werden muss". Mal sehen, welch rechtliche Erfindung der sehr selbstgefällige Kongress noch erfinden wird.

Forbes sagte, dass "die multinationalen Ölkonzerne gewöhnlich wenig Interesse an gemeinsamen Verträgen zeigen, da sie vorziehen, Eigentümer des Öls zu sein". Forbes zitierte den britischen Unternehmer syrischen Ursprungs Ayman Asfari, ein hohes Tier des Ölunternehmens Petrofac, der sich an der Idee der Anwendung der neuen Rechnungsstandards auf die Kohlenwasserstoffe aus Mexiko erfreut, um die aktuelle Phase der Verträge der Verteilung der Ressourcen ans Tageslicht zu bringen, die ergab, dass "Pemex und die mexikanische Regierung" mit der SEC verhandelt, um "ausländischen Investoren die neue Bilanzierung zu erlauben, sowohl für den Teil ihres Einkommens als auch für ihre Reserven".

Vor einem Jahr dachte Forbes noch dass „die Idee, die Reserven der neuen Methode der Buchhaltung zu unterziehen "könnte, eine explosive politische Frage für die Mexikaner sein."

Jedoch sehe ich wegen der vorherrschenden eklatanten Fehlinformation nicht, wie das so "explosiv" sein könnte, da der Großteil der Bevölkerung, ganz zu schweigen vom Kongress, die Ins und Outs der neuen Rechnungsstandards nicht versteht.

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Im Kapitel 26 seines Buches mit dem Titel Private Empire. Exxon Mobil and American Power (Privates Imperium: Exxon Mobil und die amerikanische Macht), beschreibt Steve Coll den von der Multi Exxon Mobil über die Botschaft der USA in Bagdad ausgeübten Druck auf die irakische Regierung, damals ein erobertes und besetztes Land, um es zu zwingen, seine Ölreserven unter Verwendung der neuen Rechnungsstandards in die Börse einzuführen.

Das betreffende Kapitel endet mit den Worten, die der Titel sind: "Wir sind überzeugt, dass sie die Reserven eintragen werden" und enthüllt, dass „etwas mehr als sieben Jahre nach dem Einfall der US-Armee im Irak, über die Grenze mit Kuwait, die Exxon Mobil-Aktionäre, zumindest auf dem Papier, Eigentümer eines kleinen Teiles der Erdöl-Reserven des Landes geworden sind“. Sieben Jahre, das ist genau die Zeit, die laut der Prognosen am Kriegsbeginn von Lee Raymond (damals der große Mann der Multi) nötig wäre, ’damit der Irak ausreichend befriedet sei, damit große Ölgesellschaften Geschäfte machen kommen können".

Steve Coll übernimmt die Worte von Rob Franklin, einer Spitzenkraft von Exxon Mobil: "Wir sind zuversichtlich, dass sie die Reserven eintragen werden“.

Abgesehen von dem Bekenntnis von Hilary Clinton, der Kandidatin für die Präsidentschaft, dass ihre Zustimmung zur Invasion vom Irak ein "Fehler" von ihr gewesen wäre, ist es wichtig zu betonen, dass die irakische Regierung schließlich die Idee abgelehnt hat, ihre Devisenreserven in eine ausländische Börse einzutragen und das Eigentum auf Exxon Mobil und andere große angelsächsische Erdölfirmen durch die Methode des Eintrags in die Bilanz zu übertragen. Das neoliberale, „itamistische“ Mexiko ist jedoch bereit, das Gegenteil zu tun, auch wenn das Land nicht militärisch besetzt und kein Schuss abgefeuert wurde.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
La Jornada (Mexiko)

[1] ITAM (Instituto Tecnológico Autónomo de México) ist eine Privatuniversität, die die mexikanische Elite ausbildet. Sie spielt eine ähnliche Rolle wie die Ecole Nationale d’Administration (ENA) in Frankreich.

Alfredo Jalife-Rahme

Alfredo Jalife-Rahme Professor für politische und soziale Wissenschaften an der nationalen autonomen Universität von Mexico (UNAM). Er veröffentlicht Berichte der internationalen Politik im Tageblatt La Jornada. Letztes veröffentlichte Werk : China irrumpe en Latinoamérica: ¿dragón o panda? (Orfila, 2012)..

 

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