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John McCain, der Dirigent des "arabischen Frühlings" und der Kalif

Jeder hat den Widerspruch derjenigen bemerkt, die vor kurzem das islamische Emirat als "Freiheitskämpfer" in Syrien bezeichneten und sich jetzt über ihre Menschenrechtsverletzungen im Irak empören. Aber wenn diese Rede auch in sich inkonsistent ist, ist sie absolut logisch mit dem strategischen Plan: die gleichen Individuen sollten gestern als Verbündete und heute als Feinde dargestellt werden, auch wenn sie immer noch Washington unterstehen. Thierry Meyssan blättert die Unterseite der Karten der US-Politik mit dem besonderen Fall des Senators John McCain auf, dem Dirigenten des "Arabischen Frühlings" und langjährigen Gesprächspartner des Kalifen Ibrahim.

| Damaskus (Syrien)
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Sind Barack Obama und John McCain politische Gegner, wie sie behaupten, oder arbeiten sie gemeinsam an der imperialistischen Strategie ihres Landes?

John McCain ist bekannt als der Führer der Republikaner, unglücklicher Kandidat für die US-Präsidentschaft im Jahr 2008. Das ist, wir werden es sehen, nur der Teil seiner tatsächlichen Biographie, die als Tarnung für die Durchführung von verdeckten Aktionen im Auftrag seiner Regierung dient.

Als ich während des Angriffs des „Westens“ in Libyen war, konnte ich einen Bericht der ausländischen Geheimdienste einsehen. Man konnte darin lesen, dass die NATO am 4. Februar 2011 in Kairo ein Treffen organisiert hatte, um den "Arabischen Frühling" in Libyen und Syrien zu starten. Laut diesem Dokument wurde es von John McCain geleitet. Der Bericht detaillierte die Teilnehmerliste der Libyer, deren Delegation von der Nummer 2 der damaligen Regierung, Mahmoud Jibril, geführt wurde, der plötzlich am Anfang dieses Treffens seine Stellung geändert hatte, um der Führer der Opposition im Exil zu werden. Ich erinnere mich, dass der Bericht unter den französischen Delegierten Bernard-Henry Lévy erwähnte, obwohl er nie eine offizielle Funktion innerhalb der französischen Regierung innehatte. Viele andere Persönlichkeiten nahmen an diesem Symposium teil, einschließlich einer großen Delegation von Syrern, die im Ausland lebten.

Am Ende dieses Treffens rief das geheimnisvolle Facebook-Konto Syrian Revolution 2011 zum Protest vor dem Volksrat (Nationalversammlung) in Damaskus, am 11. Februar auf. Obwohl dieses Konto behauptete, damals mehr als 40.000 followers zu haben, reagierte nur ein Dutzend Leute auf seinen Aufruf, und zwar vor den Blitzen der Fotografen und Hunderten Polizisten. Die Demonstration löste sich friedlich auf und die Auseinandersetzungen begannen nur, mehr als einen Monat später, in Deraa [1].

Am 16. Februar 2011, in Erinnerung an Mitglieder der islamischen Gruppe der Kämpfer in Libyen [2], die im Jahr 1996 im Gefängnis von Abu Selim massakriert worden waren, fand eine Demo in Bengasi statt und degenerierte in Schießereien. Am nächsten Tag, entwickelte sich eine zweite Demonstration, diesmal in Erinnerung an die Verstorbenen beim Angriff auf das dänische Konsulat, anlässlich der Mohammed-Karikaturen, und artete auch zu einer Schießerei aus. Zur gleichen Zeit griffen aus Ägypten kommende und von nicht-identifizierten, mit Kapuzen getarnten Personen geleitete Mitglieder der islamischen Gruppe der Kämpfer in Libyen gleichzeitig vier Basen in vier verschiedenen Städten an. Nach dem dreitagelangen Kampf und den Gräueltaten starteten die Randalierer den Aufstand von Kyrenaika gegen Tripolitanien [3]; einen Terroranschlag, den die westliche Presse fälschlicherweise als eine "demokratische Revolution" gegen "das System" von Muammar al-Gaddafi darstellte.

Am 22. Februar war John McCain im Libanon. Er traf dort Mitglieder der Zukunftsströmung (Courant du Futur, die Partei von Saad Hariri), die er beauftragte, die Waffenübergabe nach Syrien um den Parlamentarier Okab Sakr herum, zu überwachen [4]. Dann, nachdem er Beirut verlassen hatte, inspizierte er die syrische Grenze und wählte Dörfer aus, besonders Ersal, das den Söldnern für den bevorstehenden Krieg als eine hintere Basis dienen sollte.

Die Vereinbarungen unter dem Vorsitz von John McCain fanden eindeutig zu dem Zeitpunkt des Auftaktes eines lange vorher von Washington beschlossenen Plans statt; eines Plans, der den gleichzeitigen Angriff auf Libyen und Syrien durch das Vereinigte Königreich und Frankreich, in Übereinstimmung mit der Doktrin der "Führung von hinten" und im Anhang zum Vertrag vom Lancaster Haus vom November 2010 vorsah [5].

Die illegale Reise nach Syrien, von Mai 2013

Im Mai 2013 ging Senator John McCain illegal in die Nähe von Idlib in Syrien, über die Türkei, um sich mit Führern der "bewaffneten Opposition" zu treffen. Seine Reise wurde erst nach seiner Rückkehr in Washington bekannt [6].

Diese Reise wurde von der Syrian Emergency Task Force organisiert, die, im Gegensatz zu ihrem Titel, eine zionistische Organisation unter der Leitung von einem palästinensischen Mitarbeiter der AIPAC ist [7].

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John McCain in Syrien. Im Vordergrund auf der rechten Seite erkennt man den Direktor der Syrian Emergency Task Force. In der Tür, in der Mitte, Mohammad Nur.

Auf den damals veröffentlichen Fotografien, stellte man die Gegenwart von Mohammad Nur fest, Sprecher der Sturm-Brigade vom Norden (von der Al-Nusra-Front, d. h. Al Kaida in Syrien), die 11 libanesische schiitische Pilger entführt hatten und in Azaz festhielten [8]. Über seine Nähe zu Mitgliedern von Al-Kaida-Geiselnehmern befragt, beteuerte der Senator, Mohammad Nur nicht zu kennen, der sich auf eigene Initiative zu diesem Foto eingeladen habe.

Der Fall machte großen Lärm, und die Familien der entführten Pilger reichten eine Beschwerde beim libanesischen Gerichtshof gegen Senator McCain wegen Mittäterschaft bei der Entführung ein. Am Ende konnte eine Vereinbarung gefunden werden, und die Pilger wurden freigelassen.

Nehmen wir an, dass Senator McCain die Wahrheit gesagt habe und dass er durch Mohammad Nur missbraucht worden wäre. Der Zweck seiner illegalen Reise nach Syrien war, den Generalstab der syrischen freien Armee zu treffen. Ihm zufolge hätte diese Organisation "ausschließlich aus Syrern" bestanden, die für die "Freiheit", gegen die "Alawiten Diktatur“ (sic) kämpften. Die Organisatoren der Reise veröffentlichten dieses Foto, um das Treffen zu attestieren.

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John McCain und der Generalstab der syrischen freien Armee. Im Vordergrund Links, Ibrahim al-Badri, mit dem der Senator diskutiert. Kurz dahinter, Brigadegeneral Salim Idriss (mit Brille).

Wenn man da Brigadegeneral Salem Ibrahim, Leiter der freien Syrische Armee, sehen kann, kann man auch Ibrahim al-Badri (im Vordergrund Links) sehen, mit dem der Senator diskutiert. Nach der Rückkehr von dieser überraschenden Reise behauptete John McCain, dass alle verantwortlichen Militärs von der freien syrische Armee "Gemäßigte wären, denen wir vertrauen können" (SIC!).

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Nun, seit dem 4. Oktober 2011 stand Ibrahim al-Badri, alias Abu Du’a auf der Liste der fünf meistgesuchten Terroristen von den Vereinigten Staaten (Rewards for Justice). Eine Prämie bis zu $ 10 Millionen wurde angeboten, wer bei seiner Festnahme helfen würde [9]. Am nächsten Tag, den 5. Oktober 2011, wurde Ibrahim al-Badri auf die Liste des Sanktions- Ausschusses der Vereinten Nationen als Mitglied von Al-Kaida gesetzt [10].

Darüber hinaus, ein Monat vor dem Empfang von Senator McCain erstellte Ibrahim al-Badri, unter dem Kriegsnamen Abu Bakr Al-Baghdadi, den islamischen Staat im Irak und in der Levante (EIIL) – obwohl er noch immer dem Personal der sehr ’moderaten’ Freien Syrischen Armee angehörte -. Er beanspruchte den Angriff auf die Gefängnisse von Tadsch und Abu Ghraib im Irak, von denen er zwischen 500 und 1.000 Dschihadisten befreite, die sich dann seiner Organisation anschlossen. Dieser Angriff war mit anderen fast gleichzeitigen Operationen in weiteren acht Ländern koordiniert. Jedes Mal traten die ausgebrochenen Dschihadisten den kämpfenden Organisationen in Syrien bei. Dieser Fall war so seltsam, dass Interpol eine Notiz erließ und die Unterstützung der 190 Mitgliedsländer forderte [11].

Ich, meinerseits, habe immer gesagt, dass es auf dem Terrain keinen Unterschied gab zwischen der syrischen freien Armee, der Al-Nusra Front, dem islamischen Emirat usw.... Alle diese Organisationen bestehen aus den gleichen Personen, die dauernd ihre Fahne wechseln. Wenn sie sich zur freien syrischen Armee bekennen, tragen sie die Flagge der französischen Kolonialisierung und sprechen nur vom Sturz des „Hundes Baschar“. Wenn sie behaupten, der Al-Nusra Front anzugehören, tragen sie die Fahne von Al-Kaida und sagen, den Islam in die ganze Welt bringen zu wollen. Schließlich, wenn sie sich auf das islamische Emirat berufen, schwenken sie jetzt die Fahne des Kalifats und verkünden, dass sie die Gegend von allen Ungläubigen reinigen werden. Aber was auch immer ihr Label, sie verüben die gleichen Misshandlungen: Vergewaltigung, Folter, Enthauptungen und Kreuzigungen.

Jedoch haben weder Senator McCain noch seine Begleiter von der Syrian Emergency Task Force dem Außenministerium die in ihrem Besitz befindlichen Angaben über Ibrahim al-Badri gegeben und um diesen Preis gebeten. Sie haben auch nicht den Anti-Terror-Ausschuss der Vereinten Nationen informiert.

In keinem Land der Welt, unabhängig von seinem politischen Regime, könnte man akzeptieren, dass der Oppositionsführer in direktem, öffentlichen und freundlichen Kontakt mit einem sehr gefährlichen, gesuchten Terroristen sei.

Wer ist also Senator McCain?

John McCain ist nicht nur der Führer der politischen Opposition zu Präsident Obama, er ist auch einer seiner hohen Beamten!

Er ist nâmlich seit Januar 1993 Präsident von dem Internationalen Republikanischen Institut (IRI), dem republikanischen Zweig der NED/CIA [12]. Diese so genannte ’NRO’ entstand offiziell durch Präsident Ronald Reagan, um bestimmte Aktivitäten der CIA in Verbindung mit den britischen, kanadischen und australischen Geheimdiensten zu erweitern. Entgegen seinen Behauptungen ist es eine zwischenstaatliche Agentur. Ihr Budget ist ein vom Secretary Of State abhängiger und vom Kongress gewählter Haushaltsposten.

Und weil es eine gemeinsame Einrichtung der angelsächsischen Geheimdienste ist, untersagen ihr viele Staaten der Welt jegliche Tätigkeit auf ihrem Hoheitsgebiet.

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Da die beiden Mitarbeiter von dem Republican Institute IRI (International) in Kairo beschuldigt wurden, den Sturz des Präsidenten Hosni Mubarak im Namen der Muslimbruderschaft vorbereitet zu haben, nahmen John Tomlaszewski (zweiter von rechts) und Sam LaHood (Sohn von dem amerikano-libanesischen Verkehrsminister einer demokratischen Regierung, Ray LaHood) (zweiter von links) Zuflucht auf der Botschaft der Vereinigten Staaten. Hier sind sie zusammen mit den Senatoren John McCain und Lindsey Graham in der vorbereitenden Sitzung des "arabischen Frühlings" von Libyen und Syrien. Sie werden vom Bruder Mohamed Mursi befreit werden, als er Präsident wurde.

Die Liste von John McCains Interventionen im Auftrag des Außenministeriums ist beeindruckend. Er war an allen Farben-Revolutionen der zwanzig letzten Jahre beteiligt.

Um nur einige Beispiele zu zitieren, immer im Namen der Demokratie, bereitete er den gescheiterten Putsch gegen den konstitutionellen Präsidenten Hugo Chávez in Venezuela [13] vor, den Sturz des verfassungsmäßigen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide in Haiti [14], den Versuch, den verfassungsmäßigen Präsidenten Mwai Kibaki in Kenia zu stürzen [15], und vor kurzem, den des verfassungsmäßigen Präsidenten der Ukraine, Viktor Janukowitsch.

In jedem Staat der Welt kann ein Bürger, wenn er eine Initiative gegen das Regime eines anderen Staates unternimmt, gelobt werden, wenn er erfolgreich ist, und das neue Regime sich als Verbündeter erweist, aber er wird heftig verurteilt werden, wenn seine Initiativen schädliche Folgen für sein eigenes Land haben. Jedoch Senator McCain wurde noch nie für seine antidemokratischen Aktionen in den Staaten gerügt, wo er versagt hatte und die sich gegen Washington wendeten. In Venezuela zum Beispiel. Das kommt daher, weil John McCain für die Vereinigten Staaten kein Verräter, sondern ein Agent ist.

Und ein Agent, der die beste denkbare Abdeckung besitzt: Er ist der offizielle Gegner von Barack Obama. Er kann als solcher überall in der Welt reisen (er ist der US-Senator, der am meisten reist) und kann treffen, wen er will, ohne Angst. Wenn seine Gesprächspartner Washingtons Politik genehmigen, verspricht er ihnen sie weiterzuführen, und wenn sie sie bekämpfen, wälzt er die Verantwortung auf Präsident Obama ab.

John McCain ist bekannt für seine Gefangenschaft im Vietnam-Krieg, während 5 Jahren und dort gefoltert worden zu sein. Er war Opfer eines Programms, nicht um Informationen freizugeben, sondern um eine Rede zu vermitteln. Es ging darum, seine Persönlichkeit zu ändern, um gegen sein eigenes Land auszusagen. Dieses, aus dem koreanischen Beispiel für die Rand Corporation von Professor Albert D. Biderman ausgearbeitete Programm diente Dr. Martin Seligman als Grundlagenforschung in Guantanamo und anderswo [16]. Das unter George W. Bush auf mehr als 80.000 Gefangene angewendete Programm erlaubte, einige von ihnen in echte Kämpfer im Dienste von Washington zu verwandeln. John McCain, der in Vietnam zusammengebrochen war, versteht es daher sehr gut. Er weiß, wie man Dschihadisten ohne Skrupel manipuliert.

Was ist die amerikanische Strategie mit den Dschihadisten in der Levante?

1990 haben die Vereinigten Staaten beschlossen, ihre ehemaligen irakischen Verbündeten zu vernichten. Nachdem sie Präsident Saddam Hussein glauben ließen, dass sie den Angriff auf Kuwait als eine innere irakische Angelegenheit betrachten würden, haben sie diesen Angriff zum Vorwand genommen, um eine breite Koalition gegen den Irak zu mobilisieren. Jedoch wegen der Opposition der UdSSR haben sie das Regime nicht gestürzt, sondern begnügten sich, die Flugverbotszone zu verwalten.

Im Jahr 2003 war die Opposition Frankreichs nicht genügend stark, um den Einfluss des Komitees für die „Befreiung“ des Irak auszugleichen. Die Vereinigten Staaten griffen das Land erneut an und stürzten dieses Mal Präsident Hussein. John McCain war natürlich einer der wichtigsten Leiter dieses Ausschusses. Nachdem sie ein Jahr lang einem privaten Unternehmen das Land zum Plündern anvertraut hatten [17], versuchten sie, das Land in drei getrennte Staaten aufzuteilen, aber mussten wegen dem Widerstand der Bevölkerung darauf verzichten. Sie versuchten es wieder im Jahr 2007 mit der Biden-Brownback Resolution, aber auch da versagten sie. [18]. Daher die aktuelle Strategie, die versucht, es mittels eines nichtstaatlichen Akteurs zu erreichen: mit dem islamischen Emirat.

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In diesem im September 2013 veröffentlichten Dokument, informiert der Botschafter von Katar in Tripolis sein Ministerium, dass eine Gruppe von 1800 Afrikanern in Libyen zum Dschihad ausgebildet wurde. Er schlägt vor, sie in drei Gruppen in die Türkei zu liefern, damit sie dem islamischen Emirat in Syrien beitreten.

Die Operation wurde lange Zeit vorher vorbereitet, sogar noch vor dem Treffen von John McCain mit Ibrahim al-Badri. So zeigt die interne Korrespondenz des katarischen Außenministeriums, die von meinen Freunden, James und Joanne Moriarty veröffentlicht wurde, [19], dass 5000 Dschihadisten auf Kosten des Katars, in Libyen von der NATO im Jahr 2012 ausgebildet wurden und dass $ 2,5 Millionen vom zukünftigen Kalifen zur gleichen Zeit bezahlt wurden.

Im Januar 2014 hat der Kongress der Vereinigten Staaten ein geheimes Treffen abgehalten, in dem er, unter Verletzung des Völkerrechts, die Finanzierung bis September 2014 der Al-Nusra Front (Al-Kaida) und des islamischen Emirats im Irak und in der Levante akzeptiert hat [20]. Obwohl unklar ist, was sich wirklich in diesem, von der britischen Agentur Reuters aufgedeckten [21] Treffen gesagt hat, und wofür kein amerikanisches Medium gewagt hat, die Zensur zu riskieren, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Gesetz eine Komponente über die Bewaffnung und Ausbildung der Dschihadisten enthält.

Stolz auf diese amerikanische Finanzierung, hat Saudi-Arabien auf seinem öffentlichen Fernsehen, dem Al-Arabiya Kanal behauptet, dass das islamische Emirat unter der Autorität des Prinzen Abdul Rahman al-Faisal, dem Bruder von Prinz Saud al-Faisal (Minister für auswärtige Angelegenheiten) und Prinz Turki al-Faisal (Botschafter von Saudi-Arabien in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich) stehe [22].

Das islamische Emirat ist ein neuer Schritt des Söldnertums. Im Gegensatz zu den Dschihadisten, die in Afghanistan, Bosnien und Tschetschenien um Osama Ben Laden herum kämpften, bildet es keine Aushilfskraft, sondern vielmehr eine Armee in sich selbst. Im Gegensatz zu den vorhergegangenen Gruppen im Irak, Libyen und Syrien, um Prinz Bandar Ben Sultan herum, verfügt es über anspruchsvolle, integrierte Kommunikationsmittel, die aufrufen um ihm zu folgen, und über leitende zivile, in großen westlichen Schulen ausgebildete Verwalter, die sofort die Verwaltung eines Territoriums übernehmen können.

Funkelnagelneue ukrainische Waffen wurden von Saudi-Arabien gekauft und vom türkischen Geheimdienst vermittelt, der sie dem islamischen Emirat übergeben hat. Die letzten Details wurden mit der Barzani Familie anlässlich eines Treffens der Dschihad-Gruppen, in Aman, am 1. Juni 2014 koordiniert [23]. Der gemeinsame Angriff des Irak durch das islamische Emirat und der regionalen Regierung von Kurdistan begann vier Tage später. Das islamische Emirat besetzte den sunnitischen Teil des Landes, während die kurdische Regionalregierung ihr Hoheitsgebiet um mehr als 40 % vergrößerte. Die religiösen Minderheiten flohen aus dem sunnitischen Bereich vor den Gräueltaten der Dschihadisten, und ebneten somit den Weg für die Partition des Landes in drei.

Unter Verletzung des Verteidigungsvertrags zwischen Irak und den USA hat das Pentagon nicht eingegriffen und ließ das islamische Emirat die Eroberung und die Massaker weiterführen. Ein Monat später, als die Peschmergas der kurdischen Regionalregierung ohne Schlacht zu liefern sich zurückzogen, und als die Emotion die Weltöffentlichkeit zu stark wurde, gab Präsident Obama den Befehl, Positionen des islamischen Emirats zu bombardieren. Jedoch laut General William Mayville, Operationsdirektor am Generalstab: „diese Bombardierungen werden kaum Auswirkungen auf die Gesamtkapazität des islamischen Emirats oder ihre Aktivitäten in anderen Teilen des Iraks oder Syrien haben“. [24]. Natürlich waren sie nicht dafür gedacht, die Dschihad-Armee zu zerstören, sondern nur um sicherzustellen, dass jeder Akteur nicht über sein Gebiet, das ihm zugewiesen wurde, hinausgeht. Übrigens sind sie derzeit rein symbolisch und haben nur eine Handvoll Fahrzeuge zerstört. Es ist letztlich die Intervention der Kurden der türkischen und syrischen PKK, die den Fortschritt des islamischen Emirats angehalten hat und einen Korridor für Zivilisten eröffnet hat, um dem Massaker entkommen zu können.

Viele Falschmeldungen sind über das islamische Emirat und den Kalifen im Umlauf. Die Gulf Daily News Zeitung behauptete, Edward Snowden hätte Enthüllungen über sie gemacht [25]. Nun, nach Überprüfung, hat der ehemalige amerikanische Spion nichts zu diesem Thema veröffentlicht. Gulf Daily News erscheint in Bahrain, in einem von saudischen Truppen besetzten Staat. Der Artikel soll nur Saudi-Arabien und Prinz Abdul Rahman al-Faisal von ihren Verantwortungen reinwaschen.

Das islamische Emirat ist vergleichbar mit den Söldner-Armeen des 16. europäischen Jahrhunderts. Sie führten Religionskriege im Namen der Fürsten, die sie manchmal in einem Lager, manchmal in einem anderen bezahlten. Der Kalif Ibrahim ist ein moderner Condottiere. Obwohl er im Auftrag von Prinz Abdul Rahman (Mitglied des Clans der Sudeiris) steht, wäre es nicht überraschend, wenn er sein Epos in Saudi Arabien (nach einem kurzen Abstecher in den Libanon oder gar nach Kuwait) fortsetzte und damit die königliche Erbfolge zugunsten des Clans der Sudeiris gegen Prinz Mithab (Sohn und nicht Bruder von König Abdallah) entscheide.

John McCain und der Kalif

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Ibrahim al-Badri, alias Abu Du’a, alias Abu Bakr Al-Baghdadi, alias Kalif Ibrahim, Söldner des Prinzen Abdul Rahman al-Faisal von Saudi Arabien, den das Katar und die Vereinigten Staaten finanzieren. Er kann alle Schrecken begehen, die die Genfer Konvention den Staaten verbietet.

In der letzten Ausgabe seines Magazins widmete es dem islamischen Emirat zwei Seiten, um Senator John McCain als "Feind" und "Kreuzritter" zu verurteilen, indem es an seine Unterstützung der US-Invasion des Irak erinnerte. Aus Furcht, dass dieser Vorwurf in den Vereinigten Staaten unbekannt bleibe, hat der Senator sofort eine Erklärung herausgegeben, in der er das Emirat als die "gefährlichste islamistische Terrororganisation der Welt“ bezeichnete. [26]

Diese Kontroverse ist nur dazu da, um die Galerie zu amüsieren. Wir würden gerne daran glauben, wenn es nicht dieses Foto vom Mai 2013 gäbe.

Übersetzung
Horst Frohlich

- „France24 versucht das Foto von John McCain mit Ibrahim al-Baghdadi zu widerlegen“, von Voltaire Netzwerk, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 11. Oktober 2014.
- „John McCain hat zugegeben mit dem IE in ständigem Kontakt zu sein“, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 22. November 2014.

[1] Wir haben die Presseberichte weitergeleitet, die versichern, dass die Manifestation von Deraa ein Protest nach der Verhaftung und Folter von Studenten war, welche der Republik feindliche Parolen markiert hätten. Zwar haben viele Kollegen versucht, die Identität dieser Schüler und ihrer Familien zu enthüllen, keine aber war es gelungen; die einzigen Zeugen die gesprochen haben, haben sich vor der britischen Presse ausgedrückt, aber anonym, daher nicht überprüfbar. Heute sind wir davon überzeugt, dass dieses Ereignis nie existierte. Die Studie der syrischen Dokumente der Zeit zeigt, dass die Veranstaltung in Wirklichkeit auf eine Gehaltserhöhung der Beamten und Rentner abzielte. Sie wurde von der Regierung zur Zufriedenheit geregelt. Zu diesem Zeitpunkt sprach keine Zeitung von diesen Studenten, diese Geschichte wurde erst zwei Wochen später von Al-Dschasira erfunden.

[2] Die Mitglieder der islamischen Gruppe der Kämpfer in Libyen, d.h. von Al-Kaida in Libyen, hatten versucht, Muammar el-Gaddafi im Auftrag des britischen MI6 zu ermorden. Der Fall wurde von einem Offizier der britischen Spionageabwehr, David Shyler aufgedeckt. Siehe « David Shayler : "J’ai quitté les services secrets britanniques lorsque le MI6 a décidé de financer des associés d’Oussama Ben Laden" », Réseau Voltaire, 18 novembre 2005. [Ich habe den britischen Geheimdienst verlassen, als der MI6 beschloss die Verbündeten von Osama Ben Laden zu finanzieren] (Auch auf Englisch).

[3] Bericht von der Erkundungsmission über die aktuelle Krise in Libyen, Juni 2011.

[4] „Ein libanesischer Abgeordneter leitet Waffenhandel nach Syrien“, Voltaire Netzwerk, 7. Dezember 2012.

[5] Siehe dazu in meiner Serie von sechs Programmen 10 ans de Résistance, über den Krieg der USA gegen Syrien.

[6] „John McCain tritt illegal in Syrien ein“, Voltaire Netzwerk, 30. Mai 2013.

[7] « La Syrian Emergency Task Force, faux-nez sioniste », Réseau Voltaire, 7 juin 2013. [Die Syrian Emergency Task Force, eine zionistische Pappnase].

[8] „John McCain traf in Syrien Entführer“, Voltaire Netzwerk, 1. Juni 2013.

[9] “Wanted for Terrorism”, Rewards for Justice Program, Department of State.

[10] Der durch die Resolution 1267 (1999) am 15. Oktober 1999 geschaffene Ausschuss des Sicherheitsrates, ist auch als der "Sanktions-Ausschuss gegen Al-Kaida" bekannt. Fiche d’inscription d’Ibrahim al-Badri (Diesmal mit dem Kriegsnamen al-Samarrai).

[11] „Gleichzeitige Ausbrüche von Dschihadisten in 9 Ländern“, Voltaire Netzwerk, 7. August 2013.

[12] „NED, das legale Schaufenster der CIA“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Оdnako (Russland), Voltaire Netzwerk, 11. Oktober 2013.

[13] « Opération manquée au Venezuela », par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 18 mai 2002.

[14] « La CIA déstabilise Haïti », « Coup d’État en Haïti », par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 14 janvier et 1er mars 2004.

[15] „Die afrikanische politische Erfahrung von Barack Obama“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 13. März 2013.

[16] „Das Geheimnis von Guantánamo“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Оdnako (Russland), Voltaire Netzwerk, 17. Oktober 2013.

[17] « Qui gouverne l’Irak ? », [Wer regiert den Irak ?] par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 13 mai 2004. (Auch auf Englisch).

[18] « La balkanisation de l’Irak », par Manlio Dinucci, Traduction Marie-Ange Patrizio, Il Manifesto (Italie), Réseau Voltaire, 17 juin 2014. [Die EIIL (ISIS) hat die Vereinigten Staaten im Irak nicht überrascht, weil einfach die historischen Kommandanten formell Verbündete der NATO in Libyen waren. Trotz dem rhetorischen Getue in Washington ist die Offensive des islamischen Staates im Irak und in der Levante konform mit der Strategie der Zerstörung des Irak, vom Senat im Jahr 2007 adoptiert, auf Vorschlag von... Joe Biden.].

[19] «Official Document Qatar Embassy Tripoli Confirms Sending 1800 Islamic Extremists Trained in Libya to Fight in Syria», Libyan War The Truth, 20. September 2013.

[20] „Die Vereinigten Staaten, die ersten globalen Finanziers des Terrorismus“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Al-Watan (Syrien), Voltaire Netzwerk, 3. Februar 2014.

[21] “Congress secretly approves U.S. weapons flow to ’moderate’ Syrian rebels”, Mark Hosenball, Reuters, 27. January 2014.

[22] « L’ÉIIL est commandé par le prince Abdul Rahman », Réseau Voltaire, 3 février 2014. (Auch auf Englisch).

[23] „Enthüllungen der PKK über den Angriff des EIIL und die Schaffung von "Kurdistan"“, Voltaire Netzwerk, 8. Juli 2014.

[24] “U.S. Air Strikes Are Having a Limited Effect on ISIL”, Ben Watson, Defense One, 11. August 2014.

[25] «Baghdadi ’Mossad trained’», Gulf Daily News, 15. July 2014.

[26] “Statement by senator John McCain on being targeted by terrorist group ISIL as "the ennemy" and "the crusader"”, Office of John McCain, 28. July 2014.

Thierry Meyssan

Thierry Meyssan Französischer Intellektueller, Präsident und Gründer des Réseau Voltaire und der Konferenz Axis for Peace. Er veröffentlicht Analysen über ausländische Politik in der arabischen, latein-amerikanischen und russischen Presse. Letztes, auf Französisch veröffentlichte Werk : L’Effroyable imposture : Tome 2, Manipulations et désinformations (hg. JP Bertand, 2007).

 

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