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France24 versucht das Foto von John McCain mit Ibrahim al-Baghdadi zu widerlegen

Jedes Reden ist sinnlos, wenn jemand nicht hören will. Der TV-Sender France24 versucht das Feuer zu löschen und die Zuschauer davon zu überzeugen, dass unsere Informationen über die Unterstützung des islamischen Emirats durch Washington falsch wären. Sein Beweis ist nicht nur nicht überzeugend, sondern er zeigt seine Arglist.

| Washington, D. C. (USA)
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Auf diesem im Mai 2013 ausgestrahlten Foto, um von seinem Treffen mit den Mitarbeitern der freien syrischen Armee (FSA) zu zeugen, sehen wir Senator McCain in Diskussion mit einer Person mit mehreren Identitäten: Er wird von dem State-Department der Vereinigten Staaten unter dem Namen Abu Du’a gesucht, von den Vereinten Nationen unter dem Namen Ibrahim el-Baghdadi, und gehört dem Generalstab der FSA an, unter dem Namen Abu Yussef.

In seiner Sendung " Les Observateurs" streitet France24 die von Senator John McCain dem zukünftigen Kalifen Ibrahim gegebene Unterstützung ab [1]. Seine Argumentation begnügt sich mit der Aussage, dass dieser Skandal nicht möglich sei, weil er skandalös wäre.

Laut dem französischen öffentlichen Fernsehsender hätte Senator McCain im Mai 2013

«Kämpfer der Fraktion „Nordsturm“ der freien syrischen Armee (FSA) in Azaz in Syrien getroffen, Fraktion, die von Spezialisten als eine pro-westliche säkulare Brigade präsentiert wurde. Es ist also unvorstellbar, dass Baghdadi den Reihen dieser Brigade angehörte, da man weiß, dass zu der Zeit die größten Feinde dieser syrischen Kämpfer die Dschihadisten des islamischen Staates im Irak und in der Levante waren, die später die Organisation des islamischen Staates geworden ist. »

Das Problem aber ist, dass entgegen den Behauptungen des Senders, die FSA im Mai 2013 ausgezeichnete Beziehungen zu dem islamischen Staat im Irak und in der Levante unterhielt. Die beiden Gruppen sind erst im Januar 2014 in bewaffneten Konflikt geraten.

Mit der Art, seine Sicht der Dinge als eine von fast allen geteilte Evidenz zu präsentieren, verurteilt der Sender unsere Arbeit als eine einfache Behauptung „vom Internet“. Unabhängig von der Zahl der Websites, unabhängig von der Zahl der Zeitungen die sie in den letzten drei Monaten aufgegriffen haben, unabhängig von den vielen Fernsehsendern, die sie aufgenommen haben. Die meisten dieser Medien werden in Ländern veröffentlicht, die unsere Aufmerksamkeit nicht verdienen, von Venezuela bis nach Russland.

Im Vorbeigehen wird Thierry Meyssan fälschlicherweise beschuldigt, gesagt zu haben, dass "der 11. September von den USA inszeniert wurde " (SIC!), während es sich für ihn genau um einen durch eine Splittergruppe des militärisch-industriellen Komplexes orchestrierten Staatsstreich handelt und nicht um eine Entscheidung der Bush-Verwaltung und sogar noch weniger um ein islamistisches Attentat [2].

Um den kritischen Geist seiner Zuschauer einzuschläfern, umgibt der Sender seine Behandlung dieser Informationen durch andere Themen, die tatsächlich Propaganda sind, indem er sie alle den "Verschwörungstheoretikern" in die Schuhe schiebt.

Der Sender schließt seinen Bericht mit der Behauptung, dass jede Art von Desinformation vom Iran käme. Auch hier hat er wieder schlecht ausgesucht: die Behauptung, dass Edward Snowden kompromittierende Enthüllungen über den Kalifen Ibrahim gegeben hätte, kommt nicht vom Iran, sondern im Gegenteil von einer Tageszeitung aus Bahrain [3]. Wir waren die ersten, die diese Täuschung denunzierten, genau am Ende des Artikels, welcher der Fotografie von John McCain gewidmet war.

Wir schrieben:

Viele Falschmeldungen sind über das islamische Emirat und den Kalifen im Umlauf. Die Gulf Daily News Zeitung behauptete, Edward Snowden hätte Enthüllungen über sie gemacht. Nun, nach Überprüfung, hat der ehemalige amerikanische Spion nichts zu diesem Thema veröffentlicht. Gulf Daily News erscheint in Bahrain, in einem von saudischen Truppen besetzten Staat. Der Artikel soll nur Saudi-Arabien und Prinz Abdul Rahman al-Faisal von ihren Verantwortungen reinwaschen.“ [4].

Seit Beginn der syrischen Krise hat France24 beschlossen, falsche Nachrichten zu liefern, um seine Zuschauer in die Irre zu führen und sich an den Kriegsanstrengungen zu beteiligen. So gab der Sender am 7. Juni 2011 die Stimme einer Person durch, die behauptete, Lamia Schakkur, die Botschafterin von Syrien in Paris zu sein, welche ihren Rücktritt ankündigte und die Syrische Arabische Republik wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigte [5]. Es war in Wirklichkeit die Stimme einer Journalistin des Senders, die von einem anderen Studio her sprach. Als die echte Botschafterin eine Korrektur forderte, antwortete man ihr, sie hätte gerade das Wort gehabt. Den ganzen Tag veröffentlichten die verbündeten Sender (BBC, Sky, CNN, Al-Dschasira und Al-Arabiya) die Nachricht von dem "Rücktritt". Der Quai d’Orsay rief Syriens Botschafter weltweit an, um sie "auch" zum Rücktritt zu bewegen, vergeblich. Letztlich konnte Frau Schakkur auf nicht französischen aber französischsprechenden Sendern das Wort ergreifen, und später auf BFM-TV. Erst dann sendete France24 ein Dementi für seine Fopperei.

Im Fall Schakkur war es kein Interpretationsfehler, wie es jedermann passieren kann, sondern eine von Journalisten von France24 in Verbindung mit dem Quai d’Orsay und verbündeten Sendern, im Rahmen des Krieges der 4.Generation, fabrizierte falsche Nachricht.

Es sei darauf hingewiesen, dass der Sender die anderen Informationen, die wir über das islamische Emirat veröffentlicht haben, nicht behandelt:

- worunter die Lieferung von französischen und türkischen Waffen an die al-Nusra Front (Al-Kaida) im Januar 2014 [6] ;
- die Abhaltung einer geheimen Sitzung des Kongresses der Vereinigten Staaten, um dem islamischen Emirat Finanzmittel und Waffen zu geben [7] ;
- die Behauptung durch den öffentlichen saudischen al-Akbhariya Sender des Oberbefehls des islamischen Emirats durch Prinz Abdul Rahman al-Faisal [8] ;
- die Offenbarungen des Leiters des israelischen Militärgeheimdienstes General Aviv Kochavi über die Gegenwart von drei Stützpunkten in der Türkei für Ausbildung der Al-Kaida [9] ;
- die Enthüllungen der PKK von zwei Vorbereitungstreffen für die Invasion des Irak, an denen das islamische Emirat und die Regionalregierung des irakischen Kurdistan auf Einladung von Washington beteiligt waren [10].

Und dabei handelt es sich nur um die letzten den Zuschauern von France24 verborgen gehaltenen Nachrichten. Diese können nur dann verstanden werden, wenn sie mit den von den Strategen geschriebenen Schriften der USA seit 2001 und einem Verständnis für das Funktionieren der US-Geheimdienste (einschließlich des NED, dessen ’republikanischer’ Zweig von John McCain geführt wird) relativiert werden, Kenntnisse, die den Journalisten des TV-Senders zu fehlen scheinen.

Diese Debatte ist nicht sinnlos: das islamische Emirat verfolgt den amerikanischen Plan der seit 2001 im Zusammenhang mit der "Umgestaltung des Nahen und mittleren Ostens“ geplanten ethnischen Säuberung. [11]. Wie auch immer die Schlussfolgerungen der einen und anderen, die grundlegenden Fragen bleiben:

- Warum kauft die Europäische Union, unter Verstoß gegen eine Resolution der Vereinten Nationen, noch immer das durch das islamische Emirat und die regionale Regierung des irakischen Kurdistans gestohlene Öl (womit das islamische Emirat finanziert wird) statt es zu bekämpfen?
- Warum hat die Türkei (Mitglied der Koalition) ihre Grenze mit Syrien geschlossen, wodurch sie dem islamischen Emirat (das sie bekämpfen sollte) hilft, die syrischen Kurden des YPG (Yekîneyên Parastina Gel) zu massakrieren?
- Warum hat die von den USA gebildete Koalition gegen das islamische Emirat bis jetzt keine Ergebnisse gehabt?

Übersetzung
Horst Frohlich

[1] « Un soldat américain chez l’EI ? Non, une manipulation des théoriciens du complot », Ségolène Malterre, Les Observateurs, France24, 8 octobre 2014. Archive de l’article de France24 sur le site du Réseau Voltaire [« Ein US-Soldat beim IS? Nein, eine Manipulation der Verschwörungstheoretiker »].

[2] „Dreizehn Jahre nach dem 11. September herrscht noch immer die Verblendung“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 11. September 2014.

[3] « Baghdadi ’Mossad trained’ », Gulf Daily News, 15. Juli 2014.

[4] „John McCain, der Dirigent des "arabischen Frühlings" und der Kalif“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 18. August 2014.

[5] « Le mystère de la « démission » d’une diplomate syrienne », von Tristan Vey, Le Figaro, 8. Juni 2011. [Das Geheimnis des Rücktritts einer syrischen Diplomatin].

[6] Siehe das von dem syrischen Botschafter an den Sicherheitsrat übergebene Dokument während des Treffens vom réunion 14 juillet 2014. (Auch auf Englisch).

[7] Siehe den Bericht der britischen Agentur ReutersCongress secretly approves U.S. weapons flow to ’moderate’ Syrian rebels”, von Mark Hosenball, 27. Januar 2014.

[8] Siehe Vidéoauszug von Al-Akhbariya.

[9] Lesen Sie diese Depesche von Reuters: “Israeli general says al Qaeda’s Syria fighters set up in Turkey”, von Dan Williams, 29. Januar 2014.

[10] « Yer : Amman, Tarih : 1, Konu : Musul », Akif Serhat, Özgür Gündem, 6 juillet 2014.

[11] “Stability, America’s Ennemy”, Colonel Ralph Peters, Parameters, Winter 2001-02, pp. 5-20, Strategic Studies Institute, US Army.

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