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Gegen die neo-Kalten Krieger

Kurz gefasst, zu den „grausamen Zwei“ («gruesome twosome») der amerikanisch-russischen Beziehungen, der stellvertretenden US-Außenministerin für europäische und eurasische Angelegenheiten Victoria Nuland und dem NATO Oberkommandeur General Philip Breedlove, kommt jetzt noch ein dritter neo-Kalter Krieger, der Marine Corps General Joseph Dunford, als prospektiver Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs (Joint Chiefs Of Staff), und sie werden zusammen die «schreckliche Troika» der amerikanischen Beamten bilden, die lautstark eine militärische Auseinandersetzung mit Moskau befürworten.

| Washington, D. C. (USA)
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Marine Corps General Joseph Dunford

Während seiner Bestätigungs-Anhörung vor dem Senatsausschuss für die Armeedienste sagte Dunford, er betrachte Russland als die größte Bedrohung für [US-] Amerika. Aber nicht nur als irgendeine «Bedrohung». In einer Sprache, wie sie aus einer US-Zeitung aus den 1960er Jahren genommen worden hätte können, bezeugte Dunford, «Wenn Sie über eine Nation sprechen möchten, die eine existenzielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellen könnte, müsste ich Russland zitieren», und fügte hinzu, «und wenn Sie sein Verhalten betrachten, ist es geradezu alarmierend».

Während die Rhetorik des Kalten Krieges von Dunford die Herzen der führenden Kriegsfalken des Senats-Ausschuss erwärmte, wie von John McCain, oder von seinem ewig mit ihm einverstandenen blassen Lindsey Graham – einem Präsidentschaftskandidaten von 2016 – und von dem Ted Cruz ähnlich sehenden Texaner Joseph McCarthy, wurde sie aber im Weißen Haus oder im Außenministerium nicht gut aufgenommen. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, John Earnest, distanzierte in einer Pressekonferenz Präsident Obama von Dunfords Ansichten, indem er sagte, Dunford bringe „seine eigene Meinung“ zum Ausdruck, und „reflektiere nicht notwendigerweise die... Konsens Analyse des nationalen Sicherheitsteams des Präsidenten ».

Der Sprecher des Außenministeriums, Mark Toner, war beim Kommentieren der Bemerkungen von Dunford mehr emphatisch, als er sagte, dass Staatssekretär John Kerry die Bemerkungen des Generals ablehnte: «Der Außenminister ist mit der Einschätzung, dass Russland eine existenzielle Bedrohung für die USA bedeute, auch nicht China, ehrlich gesagt, nicht einverstanden». Toner bezog sich auf Dunfords Behauptung, dass China als erhebliche Bedrohung für die Vereinigten Staaten nur an zweiter Stelle hinter Russland steht.

Jedoch war es Kerry, der Nuland, welche mit dem ur-Neokonservativen Robert Kagan und Architekten des Projekts für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert (PNAC) verheiratet ist, in ihre Position erhob, wo sie nun für die amerikanisch-russischen Beziehungen verantwortlich ist. Zuvor war Nuland Pressesprecherin der US-Außenministerin Hillary Clinton. Und wenn Frau Clintons Vorliebe für « ihren Frauen Beistand zu leisten» ein Indiz ist, könnte eine Präsidentschaft von Hillary Clinton, Nuland, die einmal für Vizepräsident Dick Cheney gearbeitet hatte, in eine höhere Position befördern, selbst bis zur Außenministerin oder zur Nationalen Sicherheitsberaterin. Obama und Kerry können sich von Dunfords alarmierenden Kommentaren distanzieren wie sie wollen, aber sie sind es, die Personen wie Nuland, Breedlove, Dunford und den Säbel rasselnden Verteidigungsminister Ashton Carter zu wichtigen politischen Beamten innerhalb der Obama-Administration befördert haben.

Dunford und Breedlove scheinen vom zentralen Casting für ein Remake der schwarzen Filmkomödie von Stanley Kubrick der 1960er Jahre « Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben » ausgesucht worden zu sein. Dunford, der den problematischen Spitznamen «Fighting Joe» trägt und als «Glühender Katholik» beschrieben wurde, hört sich an wie der tosende General Buck Turgidson, der, nachdem eine unberechenbare B-52 nach Russland fliegt, gegen den Befehl, seine nukleare Ladung auf eine Raketenstation abzustellen, einem verwirrten Präsidenten erklärt: «Jetzt ist es notwendig sich zu entscheiden, zwischen zwei zwar bedauerlichen aber dennoch ’unterscheidbaren’ Nachkriegs-Szenarien zu wählen: dem einen, wo Sie 20 Millionen Tote haben, und dem anderen, wo Sie 150 Millionen Tote haben werden». Breedlove andererseits, ist genauso ein Ideologe wie der fiktive General Jack Ripper der in « Dr. Seltsam» seinem britischen Verbindungsoffizier erklärt: «Heute ist der Krieg viel zu wichtig, um Politikern überlassen zu werden. Sie haben weder die Zeit, noch die Ausbildung, noch die Neigung zu strategischem Denken“.

Dunford, Breedlove, Nuland und Carter könnten die Vereinigten Staaten und Russland sehr gut bis an den Rand eines heißen Krieges drängen. Breedlove verfocht die Erstellung der Joint Task Force der NATO sehr hoher Bereitschaft (Very High Readiness Joint Task Force) oder VHRJTF, wie sie als Abkürzung der Abkürzung-süchtigen des Pentagons bekannt ist. Die VHRJTF bringt Bodentruppen aus neun NATO-Staaten an Russlands Grenzen. Die neue schnelle Reaktions-Einheit nahm an der seit dem Ende des Kalten Krieges erster «live fire» Übung in Polen teil, mit dem Codenamen NOBLE JUMP. Die VHRJTF besitzt auch US- gelieferte Drohnen. Die Möglichkeit, dass eine unbemannte Drohne eine Wiederholung des U-2 Vorfalls von 1960, bei dem ein bemanntes amerikanisches Spionageflugzeug über Russland abgeschossen wurde, bringen könnte, dass diesmal eine Drohne sich aus einem der baltischen Staaten auf russischen Luftraum verirrt, kann nicht ausgeschlossen werden.

Obama und Kerry beeilten sich, sich von «Fighting Joe» Dunford dem Säbelrassler vor dem Senatsausschuss zu distanzieren. Jedoch, wollten sie wirklich die Beziehungen zu Russland wiederherstellen, könnte Kerry Nuland hinauswerfen, könnte Obama Dunfords Nominierung rückgängig machen, und beide könnten bei der NATO anfragen, um einen neuen Ober-Kommandeur zu bekommen. Jedoch, wie Präsident Dwight Eisenhower in seiner Abschiedsrede von 1961 über die Bedrohung durch die «militärisch-industriellen Komplex» gewarnt hatte, sind Obama und Kerry aber machtlos, diejenigen loszuwerden, die eingesetzt wurden, von dem was jetzt der «Militär-Intelligenz-Auftragnehmer» Komplex geworden ist.

Was noch beunruhigender ist, ist, dass Breedlove, Dunford, Nuland und Carter bereit erscheinen, nicht nur Russland und China in einen neuen Kalten Krieg zu verwickeln, sondern auch bereit sind, die neue «Anti-NATO» Organisation, die Shanghai Zusammenarbeit-Organisation (SCO) zu konfrontieren, die gerade ihren Gipfel in Ufa, der Hauptstadt der russischen autonomen Republik Baschkortostan abgehalten hat. Wenn die «grausamen Zwei» („gruesome twosome“) [US-Film AdÜ], Nuland und Breedlove, bald die «schreckliche Troika» werden, nachdem Dunford vom Senat bestätigt sein wird, und ihren Weg gehen, werden die NATO und die USA nicht nur bereit sein, den SCO-Mitgliedern China und Russland sondern auch den neuen Mitgliedern Pakistan und Indien, zusätzlich zu den Gründungsmitgliedern Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan und Tadschikistan, militärisch gegenüberzustehen.

Russland hat die Versuche der Isolationspolitik des Westen heftigst gekontert, und China hat Amerikas Versuch, eine militärische Einschließung, einen «cordon sanitaire» um China herum zu machen, vereitelt, indem Belarus als eine neue Beobachter-Nation bei der SCO aufgenommen wurde, und sich Afghanistan, der Mongolei und dem Iran, als potenzielles Vollmitglied der Allianz anschloss. Kambodscha, Nepal, Armenien und Aserbaidschan traten der Organisation als Dialogpartner bei, und komplettieren somit die bestehenden Partner, Sri Lanka und die Türkei. Ägypten, Bangladesch und Syrien sind auch potenzielle Mitglieder der Organisation, die ein Gegner der immer größer werdenden NATO ist. Die geopolitische Aufgabe der SCO auf dem Sicherheitssektor, gepaart mit der aufstrebenden Wirtschaftsmacht der BRICS-Allianz Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, entspricht einer Mehrheit der Weltbevölkerung, die US-Amerikas militärische und wirtschaftliche Dominanz und die der NATO und die bedrohliche Großtuerei des Pentagons ablehnt. Es ist, als ob Dunford, Breedlove und Nuland noch nie von der SCO, den BRICS-Staaten oder der eurasischen Wirtschaftsunion gehört hätten.

Es ist erstaunlich, dass Dunford und Breedlove ihren wahrgenommenen Feinden Herausforderungen schicken können, nachdem Carter einen Schnitt von 40.000 Truppen für die US-Armee angekündigt hat. Stattdessen will Carter die NATO-Streitkräfte in Europa mit mehr Bradley Kampf- Fahrzeugen und Panzern ergänzend ausstatten, die mit einer kleineren Anzahl von US-Truppen besetzt werden würden. Wie das römische Reich haben sich die USA selbst auf der ganzen Welt überfordert.

Es sind nicht Russland oder China, die Truppen in 150 Ländern auf der ganzen Welt unterhalten. Die zweifelhafte Auszeichnung kommt den Vereinigten Staaten zugute. „Fighting Joe“ Dunford und General Breedlove können über die russische und chinesische «Bedrohung» sagen was sie wollen. Aber für den Rest der Welt, der die SCO und die BRICS als willkommene Vereitelung der Pläne für die NATO-Erweiterung sieht, ist es Amerika und seine Politik der Förderung «farbiger Revolutionen» und militärischer Kraftentfaltung, die die wahren Bedrohungen für die globale Stabilität darstellen.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Strategic Culture Foundation (Russland)

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