Voltaire Netzwerk
Es wird keinen Dritten Weltkrieg geben

Obama und Putin kooperieren gegen den globalen Dschihadismus

Prof. Alfredo Jalife-Rahme, einer der wichtigsten aktuellen Geopolitiker und Sprecher in vielen militärischen und diplomatischen Akademien sowohl im Western als auch in Russland und China, widmet seine Chronik in seiner Kolumne der führenden Zeitung Lateinamerikas der neuen Lage in Syrien. Er bemerkt, dass sich die meisten Journalisten geirrt haben, sowohl mit dem Krieg als auch mit dem Auftritt Russlands und der OVKS. Er würdigt unsere Pionierarbeit.

| Mexiko-Stadt (Mexiko)
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Die Präsidenten Obama und Putin hatten mehrere private Gespräche am Rande der Eröffnung der 70. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Am Ende einer 90 Minuten langen Sitzung betonte die russische Seite die "konstruktive, überraschend offene" Natur des Gesprächs.

In der zweiten Septemberhälfte entfernte sich die Gefahr eines dritten Weltkrieges, dank der Besuche von Papst Franziskus, von Präsident Xi Jinping und Präsident Vladimir Putin in den USA und den Vereinten Nationen, ganz zu schweigen von der bedeutenden Reise von dem indischen Premierminister Narendra Modi. Sie haben eine gesunde Verhandlung über ihren komplexen Rechtsstreit gewählt.

Thierry Meyssan, Präsident vom Voltaire Netzwerk und einziger ausländischer Journalist in Damaskus seit 2011, war der erste auf der Welt, der am 24. August erklärte, dass die russische Armee sich in Syrien engagieren werde, was 7 Tage später durch die israelische Webseite YNet [1] übernommen wurde, ohne aber dem französischen Journalisten den Verdienst zuzuerkennen.

Ich traf Thierry Meyssan zehn Tage später im Sheraton Hotel in Damaskus. Laut ihm, "musste Russland, das eine regionale Allianz gegen das Islamische Emirat [ISIS] unter Beteiligung von Saudi-Arabien, Syrien und der Türkei verhandelt hatte, nach der türkischen Wende seine Strategie ändern" [2]. Ich war in diesem Moment nicht genug aufmerksam, als er seine Polemik gegen den im Ruhestand befindlichen General John Allen machte, der sehr umstritten war, und der von Obama wegen seines falschen Kampfes gegen den islamistischen Dschihadismus, den er faktisch unter dem Tisch ermutigt hatte, entlassen wurde [3].

Obama hat eine Säuberung von Dutzenden hochrangigen Militärs unternommen [4]. Was passierte also?

Thierry Meyssans Hypothese war, dass die Kabale der Falken des Pentagon und des State Department, nämlich der Generäle David Petraeus und John Allen, verbunden mit dem streitsüchtigen Senator John McCain und dem perversen US-israelischen "Diplomaten" Jeffrey Feltman, auf die Sabotage des Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran abzielte [5], das die tektonischen Platten der Geopolitik rund um die Hauptspalte in Kleinasien, die durch Syrien geht, erschüttert hat. Zumindest für den Augenblick wird der dritte und nukleare Weltkrieg nicht stattfinden [6].

Nach Thierry Meyssans Ansicht geht der neue starke Mann des Pentagons, Ashton Carter [7], zum geopolitischen Spiel im Stil von Kissinger zurück, was die Konfrontation mit Russland und China, die Brezinski Denkweise, mit ihren Hollywood Montagen von pseudo- ’demokratischen Revolutionen’ und anarchistischem "Regimewechsel", die Hand in Hand gehen, in der Versenkung verschwinden lassen wird.

Der Artikel von Thierry Meyssan war somit ein Vorläufer und brachte die Exklusivität der Koordination zwischen Moskau und Washington, die gemeinsam beschlossen haben, die in der Türkei stationierten Patriot Raketen abzuziehen, was die "No Fly Zone" der NATO an der Grenze der Türkei und Syrien zu Nichte machte und er nahm dann den Gipfel der Organisation des Vertrags kollektive Sicherheit (OVKS) vorweg, der ein paar Tage später in Duschanbe, in der Hauptstadt von Tadschikistan stattfand und was auch mit Pünktlichkeit passiert ist; und er bemerkt, dass "entgegen der allgemeinen Meinung soll dieser Militäreinsatz weniger den Irak und Syrien verteidigen, als die OVKS-Mitgliedstaaten selbst“. [8]. Eine treffende Information... Der französische Journalist, respektabler jüdischer Abstammung (unabhängig von der Bedeutung dieses Ausdrucks), ein Sephardim und unbarmherziger Antizionist, hat auch die Grenzen der Zusammenarbeit zwischen dem Kreml und dem Weißen Haus festgelegt, während Russland mit den Dschihadisten aufräumen will, bevor sie sich gegen die OVKS-Länder wenden, "wie es zuvor in Afghanistan, in Bosnien und Herzegowina in Tschetschenien und im Kosovo der Fall war.“

Er denkt, dass derzeit Elemente des Islamischen Emirats in der Region von Cherson, Ukraine, angekommen sind, wo sich bereits eine selbsternannte "Krim Exilregierung" befindet. [9]. Es besteht daher eine ernsthafte Gefahr für eine Dschihad-Kontamination und für eine Verbindung mit den Neonazis der Ukraine.

Thierry Meyssan glaubt nicht an eine himmlische Kooperation zwischen Obama und Putin. „Es ist klar, dass auf amerikanischer Seite, der Abzug der Patriot Raketen eine Falle ist. Washington würde sich freuen, wenn Russland die Zahl der Dschihadisten reduzierte, aber würde auch nicht verärgert sein, wenn es sich in Syrien festfahren sollte. Daher geht der russische Bär mit Vorsicht voran ».

Nach dem Gipfel zwischen Obama und Putin bei den Vereinten Nationen ruft Meyssan zur Unterstützung der neuen Koalition des Präsidenten Putin auf: "Durch die Unterstützung der Muslimbruderschaft, öffneten wir die Pforten der Hölle. Helfen wir den Syrern und Irakern sie zu schließen. Schließen wir uns dem Aufruf des Präsidenten Putin an! " [10].

Laut Thierry Meyssan ist "der Konflikt, der Syrien heimsucht, kein Bürgerkrieg zwischen Gemeinschaften des Landes, sondern ein Krieg zwischen zwei Projekten der Gesellschaft“.

Er erinnert daran, dass General "David Petraeus, gegen den Rat des Weißen Hauses, den "arabischen Frühling" unterstützte. [Aber in] 2012 verlangte das verärgerte Weiße Haus die Abdankung des Emirs von Katar und entledigte sich des David Petraeus. »

Er fügt hinzu, dass "angesichts des ständigen Ansturms der Dschihadisten aus aller Welt, darunter auch aus unseren Ländern [den westlichen Ländern, unabhängig von der Grenze, die man sich für den Westen vorstellen kann], haben die Syrer beschlossen, zuerst ihr Volk zu retten, bevor sie ihr Land verteidigen.“

Bis jetzt "haben 4 Millionen [Syrer] in den Nachbarländern Zuflucht gefunden, während 8 Millionen durch Übersiedlung in Gebiete, die von der Republik verwaltet werden, sich retten konnten. Von den restlichen 19 Millionen, die noch in Syrien leben, sind etwa 500.000 im Griff von Dschihadisten, verteilt über ein riesiges Gebiet." Das ist genau der Ursprung der tragischen Massen-Migration nach Europa.

Es wird gesagt, dass 30 000 ausländische Dschihadisten in Irak und Syrien angekommen sind und dass sie bald Russland im Kaukasus und China in der muslimischen Provinz Xinjiang destabilisieren werden.

Thierry Meyssan meint, dass "wir durch die Kriegspropaganda unserer Verbündeten [sic] verblendet bleiben, wie durch die von der "OSDH" [Syrisches Observatorium der Menschenrechte], ein London-Ableger der Muslimbruderschaft, oder des "Nationalrates", einer nicht gewählten Versammlung, die von den Brüder dominiert wird.“ Ein Jammer!

Der israelische Ministerpräsident, Bibi Netanyahu, hat den New Deal in Syrien kapiert, und er eilte nach Moskau, um ein Gespräch mit dem Zar Vladimir Putin zu bekommen [11].

Sogar die Financial Times, Wortführer des finanzieristischen, kriegstreiberischen globalen Neoliberalismus, denkt, trotz des Austauschs von gegenseitigen Beschuldigungen bei den Vereinten Nationen, dass die Präsidenten Obama und Putin sich vereinbart haben so weit wie möglich zu kooperieren, um den Krieg in Syrien zu beenden [12] und der Dschihad Pandemie im Nahen und mittleren Osten, die Europa destabilisiert hat, endlich Einhalt zu gebieten.

Wir werden sehen, wie die vier islamischen Großmächte, Iran, Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten gegenüber dieser neuen Situation reagieren werden. Im Moment ist ein chinesischer Flugzeugträger im Mittelmeer vor dem syrischen Hafen Tartus stationiert, um den Iran und Russland zu unterstützen, laut Debka, einer Mossad-nahen Website.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
La Jornada (Mexiko)

[1] “Russian jets in Syrian skies”, Alex Fishman, YNet, August 31, 2015. Information durch Israël Shamir bestätigt, auf Grund von Quellen innerhalb des Kabinets von Präsident Putin: “Russia and Syria: The Die Is Cast”, Israël Shamir, September 3, 2015.

[2] „Die russische Armee beginnt sich in Syrien zu engagieren“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Sabine, Neue Rheinische Zeitung (Deutschland), Voltaire Netzwerk, 24. August 2015.

[3] “Obama’s Islamic State War Czar Stepping Down”, Josh Rogin & Eli Lake, Bloomberg, September 22, 2015.

[4] “Why Are Dozens Of High Ranking Officers Being Purged From The U.S. Military?”, Michael Snyder, End of the American Dream, January 16, 2014.

[5] « La tentative Allen-Erdoğan de sabotage de l’accord de paix USA-Iran », par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 31 juillet 2015.

[6] „Der Dritte Weltkrieg wird nicht stattfinden“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 4. Oktober 2015.

[7] „Ashton Carter ernennt den neuen Strategen des Pentagon“, Übersetzung Sabine, Voltaire Netzwerk, 21. Mai 2015.

[8] „Die OVKS kommt nach Irak und Syrien“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 22. September 2015.

[9] „Ukraine und Türkei schaffen eine islamische internationale Brigade gegen Russland“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 5. Oktober 2015.

[10] „Vereinigen wir uns gegen das Projekt von Al-Kaida und Daesh!“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Sabine, Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 30. September 2015.

[11] “Putin’s Speech Shows UN Who’s in Charge”, Anshel Pfeffer, Haaretz, September 29, 2015.

[12] “US and Russia cast some light on Syria”, Geoff Dyer, Financial Times, September 29, 2015.

Alfredo Jalife-Rahme

Alfredo Jalife-Rahme Professor für politische und soziale Wissenschaften an der nationalen autonomen Universität von Mexico (UNAM). Er veröffentlicht Berichte der internationalen Politik im Tageblatt La Jornada. Letztes veröffentlichte Werk : China irrumpe en Latinoamérica: ¿dragón o panda? (Orfila, 2012)..

 

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