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Goldman Sachs lässt die Ölpreise fallen

„Wir müssen auf das schlimmste Szenario eingestellt sein, aber es wäre schön, wenn wir widerlegt werden“ – das ist das Leitmotiv praktisch aller großen Schlagzeilen. Dabei wird deutlich, dass das Opec Öl-Kartell, das an sich geschaffen wurde, um die Erdölproduzenten selbst zu schützen, sich wegen all dieser Geschichten in einer sehr schwierigen Lage befindet.
Wahrscheinlich haben die Mitglieder des Kartells festgestellt, dass es viel besser ist, die Ölpreise hoch zu halten und dadurch den Konkurrenten mit der Schieferölförderung (Fracking) zu helfen oder zu niedrigen Kosten zu produzieren, als überhaupt nicht zu produzieren. Michail Leontjew hat die Märkte genau beobachtet und dabei festgestellt, dass die pessimistischsten Voraussagen von den aktivsten Mitspielern stammen.

| Moskau (Russland)
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Die Ölpreise scheinen unaufhaltsam in Richtung null zu rutschen, was begründet ist durch die Erwartung, dass China in eine Hauptrezession gerät, dass iranisches Öl die Weltmärkte überfluten und das Angebot über die Nachfrage wild hinausschießen wird – zumindest sollen wir dies glauben. Brent-Rohöl fiel unter 30 Dollar pro Barrel und wird immer noch billiger. Der Wert des sog. Opec-Ölkorbs fiel auf 25 Dollar pro Barrel, das mexikanische Pemex wurde mit Verlust gehandelt, wobei es einen Dollar pro Barrel Öl verlor, das kanadische Rohöl fiel bis auf 15 Dollar. „Unser Geschäft ist in seinem Kern am Sterben“, zitierte das Wall Street Journal den Eigentümer der Ölgesellschaft in Illinois. Die Zeitung bezieht sich auf die Analysten von Barclay’s, die die Voraussage gemacht haben, dass die branchenüblichen Kosten um 20 Prozent gesenkt werden, nachdem sie im vergangenen Jahr schon um ein Viertel gefallen waren.

Der zeitliche Ablauf der fallenden Ölpreise – um die gegenwärtigen Schwankungen bereinigt – war im Wesentlichen eine gerade Linie seit September 2015, als die Preise von 50 Dollar pro Barrel zu den aktuellen 29 Dollar einbrachen. Was ist im September so Bedeutsames auf dem Weltmarkt passiert? Im September hat Goldman Sachs seine Erwartungen für den durchschnittlichen Ölpreis für 2016 gesenkt und unterstellt, er werde auf 20 Dollar pro Barrel fallen. Die „Erwartungen“ von Goldman Sachs wurden „voll und ganz“ von Merrill Lynch, der Bank of America und anderen unterstützt.

Und jetzt kommt es: Die von Goldman Sachs genannten 20 Dollar waren keine Voraussage. Sie waren das Ziel. Nur unser Wirtschaftsministerium macht Voraussagen, Goldman Sachs hingegen schafft die Nachfrage. Der Ölmarkt ist nicht der Rohstoffmarkt. Lieferverträge für reales Öl machen nur 2 Prozent des Marktes aus, der Rest – spekulative Wertpapiere, Termingeschäfte und andere Derivate. Die Preisnotierungen von Termingeschäften werden nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern durch „Erwartungen“. Der Terminmarkt wird vollständig von den größten US-Banken kontrolliert. Dies ist der Markt der Erwartungen, der eine wahre „Erwartungsbranche“ schafft und dabei die berüchtigten Rating-Agenturen sowie „unabhängige“ Fachleute und Medien benutzt.

Wie es der Held des Films „Verkäufer der Luft“ sagte: „Ich bin kein Geschäftsmann. Aber ich kann Ihnen so viel sagen: Bald werden die beliebtesten Waren sich als Trauerkränze herausstellen. Die Luft ist dabei, das Gold aus dem Rennen zu schlagen. Die Luft wird die wertvollste Währung der Geschichte werden. Wissen Sie, was unser ehrenwerter Chef im Sinn hat? Morgan, Rockefeller und alle anderen Fords zusammen.“

Der wunderbare Mechanismus, Erwartungen zu verwalten, macht es möglich, den Märkten immer und immer wieder dieselben verrotteten Mantras einzugeben. Vergessen wir nicht, dass der Hauptgrund für den Fall der Ölpreise die Ölschiefer-Revolution in den Vereinigten war, durch die Amerika seine Produktion um die Hälfte erhöhen konnte.

Die Zahl der in den USA noch betriebenen Bohrtürme hat kontinuierlich abgenommen, zur Zeit beträgt sie zwei Drittel des Anlagen-Spitzenwertes in 2014. Gleichzeitig schafften sie es bis vor kurzem, die Produktion auf einem stabilen Niveau zu halten – etwa 9,2 Millionen Barrel täglich.

Das Phänomen des amerikanischen Schiefervorkommens geht über die Preisfrage hinaus, weil es überflüssig wird zu bohren. Wie unser erstklassiger Saltykov-Shchedrin witzelte: „Folglich, als der Schlingel geboren war, schrien sie und gingen in den giftigen Dämpfen des Stolzes zu Boden.“ In der Tat waren es die Banken, die das Spiel kreditwürdig machten und den Ölschiefer-Gesellschaften halfen, sich um jeden Preis zu halten, und so die amerikanische Produktion stützten. Denn der Produktionsrückgang in den Vereinigten Staaten ist in der Lage, das ganze Spiel zu ruinieren. Ohne ein Genie wären solche Spiele jedenfalls nicht möglich.

Seit Beginn des Preisverfalls kündigte Saudi-Arabien an, es werde seine Produktion nicht herunterfahren, was die vollständige Lähmung der traditionellen Tätigkeit der Opec, die Märkte zu kontrollieren, zur Folge hatte. Von diesem Zeitpunkt an brachte jede Ankündigung von Vertretern der Monarchie die Preise zum Fallen. Gleichzeitig beendete Saudi-Arabien selbst das Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 100 Billionen Dollar und die aktuelle Produktion der letzten sechs Monate hat um 400.000 Barrel täglich abgenommen. Das sind etwa 4 Prozent der saudischen Produktion. „Wir werden die Kundennachfrage befriedigen, wir werden die Produktion nicht mehr beschränken“, sagte der Ölminister Saudi-Arabiens Anfang Januar. Ein Genie kann natürlich Zauber bewirken, man braucht die Herrschaft des alten Hottabych (einer Figur der russischen Volkskunde) aber nicht zu übertreiben. Immerhin hat jeder Hottabych seinen eigenen Wolf.

„Der Ölpreis wird sich zum Ende des Jahres stabilisieren und 50 Dollar pro Barrel erreichen“, sagte am Donnerstag die Direktorin der Frankfurter Filiale von Goldman Sachs. Darüber hinaus erklärte sie, der Preisverfall wäre eine Folge des verlangsamten Wachstums in China und von viel geringerer Nachfrage.

Am Schluss war es wie mit dem Handaufheben. Wenn die „Karte“ der „chinesischen Konjunkturabkühlung“ gespielt wird, warum in aller Welt sollte der Prozess des Wachstums in China dann am Ende des Jahres wieder einsetzen?! Um im Spiel zu gewinnen, sollte man wissen, wann man aufhören muss. Es scheint Zeit dafür zu sein.

Jedoch – auf Wiedersehen!

Übersetzung
Sabine

Quelle
1tv (Russland)

Michail Leontjew

Michail Leontjew Verlagsleiter der Zeitschrift Odnako. Redakteur des russischen Fernsehsenders Erster Kanal. Leiter der Informations- und Werbeabteilung von Rosneft.

 
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