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Das Projekt der liberalen Falken

Die Anhänger Hillary Clintons haben eine Kampagne zu Gunsten eines offenen Kriegseintrittes der USA gegen Syrien gestartet. Die Obama Administration ist ihnen mit höflichem Schweigen begegnet. Wie dem auch sei, erlaubt diese Episode die Position der Kriegspartei besser zu verstehen.

| Damaskus (Syrien)
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Vize-Präsident Biden war bei der Jahresversammlung der CNAS als Gast geladen. Er hat sich damit beschieden Witze zu machen.

Die "liberalen Falken" d.h. diejenigen Demokraten, welche davon begeistert sind, mit weltweiten Militärinterventionen die Vorrangstellung der USA über den Rest der Welt zu bestätigen, haben im Schoße der Obama-Administration eine breite Operation gestartet. Sie hoffen, unter Ausnutzung der aktuellen Wahlkämpfe, den nächsten Präsidenten zum Sturz der Arabisch-Syrischen Republik zwingen zu können.

Der erste Akt dieser Kampagne wird die Unterzeichnung eines diplomatischen Telegramms von 51 Diplomaten gewesen sein, übermittelt an John Kerry durch ein legal vorgesehenes Verfahren, um seine Politik innerhalb des Staatsministeriums in Frage zu stellen. Unglücklicherweise sind die Namen der Unterzeichner, wie auch die von ihnen bekleideten Posten unbekannt, sodass man aktuell ihren Einfluss nicht abschätzen kann. Die Sache wurde am 17. Juni vom Wall Street Journal, traditionelles Organ der republikanischen Kriegstreiber, und der New York Times, veröffentlicht [1].

Der zweite Akt war, am 20. Juni, die Veröffentlichung eines Berichtes des Center for a New American Security (CNAS) (Zentrum für ein Neue Amerikanische Sicherheit) [2] über den Kampf gegen Daesh. Er wurde anlässlich der Jahresversammlung dieses Thinktank Verteidigungsminister Ashton Carter und Vizepräsident Joe Biden übergeben.

Dieses Dokument (per Download unten verfügbar), betitelt mit Defeating the Islamic State, A Bottom-Up Approach (Den islamischen Staat besiegen, eine Bottom-Up Planung), versichert, dass der Kampf gegen die islamistische Organisation sehr lang sein wird. Es sei nicht möglich zu triumphieren, ohne sich auf die sunnitischen Bevölkerungsteile zu stützen, was die aktuelle, auf die Kurden gestützte Strategie ausschließt, und, nach Ansicht der Autoren, den vorherigen Sturz des alewitischen syrischen Präsidenten einschließt. Man kommt also zurück auf "LOS": Der Regimewechsel in Damaskus wäre dringend geboten.

Indessen erhellt das Dokument die Position der liberalen Falken - und genau genommen diejenige des Generals David Petraeus, Mentor der CNAS und Mitglied er Arbeitsgruppe -. Diese versuchen nicht einmal mehr die Zerstörung der Arabisch-Syrischen Republik zu rechtfertigen, indem sie dem Regime Verbrechen zur Last legen. Ganz im Gegenteil, es wird sogar eingeräumt, dass Damaskus von einem breiten Teil der Bevölkerung unterstützt wird. Aber sie setzen als sicher zu erwartendes Dogma, dass bestimmte Sunniten weder ein laizistisches Regime noch einen alewitischen Präsidenten werden akzeptieren können; eine Position der Idelogie, wie sie den wahabitischen Monarchien Saudi-Arabiens, Katars und des Emirates von Sharjah eigen ist. Diese wird in gleicher Weise ebenfalls, nicht von der Türkei, aber, in eigener Person, von ihrem, aus der Millî Görüş (Zweig der Moslembrüder) entsprungenen, Präsidenten vertreten.

Versuchen die liberalen Falken lediglich "IHR" Werkzeug Daesh zu retten? Wie dem auch sei, ihre Taktik ist unmöglich ins Werk zu setzen, denn sie ignoriert die Gegenwart Russlands. Sie versteht sich dahingehend, in der Levante einen "Zustand permanenten Krieges" einzurichten, unter US-Kontrolle! Der Krieg dauert bereits an seit dem Fall der Taliban in Afghanistan an, seit dem Fall von Saddam Hussein im Irak und seit der Ermordung von Muhamar Gaddhafi in Libyen. Der Sturz von Regierungen ist kein Ziel, sondern ein Mittel um systematisch Chaos zu verbreiten. Diese Strategie, die seitens eines großen Staates überrascht, entspricht genau derjenigen der israelischen Armee gegenüber den Palästinensern seit 1967 [3].

Weder der Verteidigungsminister, noch der Vizepräsident haben auf den Bericht reagiert. Ersterer hat einer Rede gehalten über die Aufrechterhaltung der militärischen US-Vorherrschaft auf der Welt. Letzterer hat Sticheleien gegen Donald Trump abgefeuert. Die Administraion Obama bleibt kalt, die CNAS hofft auf die Wahl von Hillary Clinton.

Übersetzung
Ralf Hesse

Quelle
Al-Watan (Syrien)

beigefügte Dokumente

 

[1] “American Diplomats Protest U.S. Syria Policy”, Maria Abi-Habib, The Wall Street Journal. “51 U.S. Diplomats in Dissent Urge Strikes on Assad. A Break with Obama. Violence ‘Overwhelmed’ Hands-Off Policy, Memo Says”, Mark Landler, The New York Times, June 17th, 2016.

[2] „CNAS, die demokratische Version des erobernden Imperialismus“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Al-Watan (Syrien) , Voltaire Netzwerk, 6. Januar 2015.

[3] « Faire la paix avec les États, faire la guerre contre les peuples », par Youssef Aschkar, Réseau Voltaire, 19 juin 2003.

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