Die britisch-französische "Entente Cordiale", von Thierry Meyssan
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Die britisch-französische "Entente Cordiale"

Die im Westen unbemerkt durchgeführte Wiederbelebung des Vertrags von Lancaster House durch London und Paris etabliert eine Super "Entente Cordiale", die viel tiefgreifender ist als die von 1904. Sie hat an der Wiederherstellung einer bipolaren Weltordnung teil und wird unweigerlich zum Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union und zur Rückkehr der Spannungen zwischen Paris und Berlin führen.

| Damaskus (Syrien)
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Im Jahr 2010 beschlossen David Cameron und Nicolas Sarkozy den Zusammenschluss der Eingreiftruppen des Vereinigten Königreichs und Frankreichs [1]. Unter "Eingreiftruppen" muss man die ehemaligen Kolonial-Truppen verstehen. Der Lancaster House Vertrag enthielt mehrere Anhänge, wovon einer eine riesige gemeinsame Übung Southern Mistral vorsah. Es wird sich einige Monate später herausstellen, das sich die Übung in eine echte Mobilisierung der gleichen Einheiten und am selben Tag, in einen echten Krieg gegen Libyen verwandelte, unter dem Namen Operation Harmattan (wörtliche Übersetzung des Southern Mistral) [2].

Damals wurde die britisch-französische Initiative von Washington geleitet, gemäß der Umsetzung der Strategie der "Führung von hinten“. Die Truppen der beiden Länder spielten im Vorderteil der Bühne, während Washington ihnen von den Kulissen aus, bestimmte Missionen zuteilte.

Der Vertrag von Lancaster House hatte die Schaffung eines rechtlichen Rahmens für Eingriffe zum Ziel, wie jenen (kommenden) gegen Libyen und die Vereinigung der Kräfte im Interesse der Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Diese Entscheidung erfordert eine wahre Revolution: eine gemeinsame Außenpolitik.

Aber der durch den Vertrag und durch den Feldzug gegen Libyen inspirierte Aufschwung verblasste allmählich mit der Besorgnis der öffentlichen Meinung und der britischen Diplomaten, die den irakischen Widerstand gegen die britische Besatzung verfolgten [3]. Daher hat das Vereinigte Königreich ab 2004 begonnen, eine neue "Arabische Revolte" wie in 1915 vorzubereiten, unter dem Namen des "Arabischen Frühlings" [4], und hat sich dann geweigert Damaskus zu bombardieren.

London ist derzeit im Begriff seine Verteidigung nach dem Brexit zu reorganisieren, gegen Donald Trumps Weigerung, weiterhin den islamischen Terrorismus zu manipulieren und gegen die russische Präsenz in Syrien.

London hat zunächst bilaterale Abkommen mit Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und den baltischen Staaten unterzeichnet, die den Rahmen für mögliche zukünftige gemeinsame Aktionen bilden. Dann hat es begonnen, die Dschihadisten-Netze im Nahen Osten rund um die Türkei und Katar zu reorganisieren. Es hat die militärische Annäherung der Türkei, von Somalia, Sudan und Tschad erleichtert. Basierend auf dem Vertrag von Lancaster House, entwickelt London heute schließlich eine Super- "Entente Cordiale" mit Frankreich.

Wenn der von David Cameron und Nicolas Sarkozy ausgehandelte Vertrag auch als eine Gelegenheit erscheinen konnte, in Libyen Krieg zu entfachen, ist die Wiederbelebung dieses Vertrags durch Theresa May und Emmanuel Macron das Ergebnis einer auf lange Sicht hin konzipierten Entscheidung [5]. Diese neue Phase wurde von dem Mentor des Präsidenten Macron, Jean-Pierre Jouyet, neuer Botschafter von Frankreich in London, ausgehandelt.

London und Paris haben beide einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat. Sie haben Atomwaffen. Gemeinsam haben sie ein militärisches Budget, das 30 % höher ist als das von Russland (aber niedriger als jene der Vereinigten Staaten und China).

Durch den Entschluss, seine militärische Allianz mit London zu stärken, entfernt sich Paris von Berlin, das seine Wiederaufrüstung vorbereitet und die Führung der anderen europäischen Armeen übernehmen will [6]. Wenn dieser Prozess weitergeht, muss Paris auch die Europäische Union verlassen, deren Führung Berlin faktisch bereits innehat.

Die Erklärungen von Emmanuel Macron und Theresa Mays’ Schaffung einer militärischen Einheit gegen die russischen "Lügen" [7] kündigen die Rückkehr einer bipolaren Weltordnung und die Zensur der Nachrichten aus Moskau an. Der Verzicht auf das deutsch-französische Paar zu Gunsten eines französisch-britischen Übereinkommens, kündigt die Rückkehr der so sehr gefürchteten Spannungen zwischen Paris und Berlin an.

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser

Quelle
Al-Watan (Syrien)

[1] “Treaty between the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and the French Republic for Defence and Security Co-operation”, Voltaire Network, 2 November 2010.

[2] « Washington regarde se lever "l’aube de l’odyssée" africaine », par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 19 mars 2011.

[3] “Letter of the 52 Diplomats to Tony Blair”, Voltaire Network, 26 April 2004.

[4] When progressives threat with reactionaries. The British State flirtation wih radical Islamism, Martin Bright, Policy Exchange, 2004.

[5] “UK-France declaration on security and defence 2010”, “UK-France declaration on security and defence 2012”, “UK-France declaration on security and defence 2014”, “UK-France declaration on security and defence 2016”, “UK-France declaration on security and defence 2018”, Voltaire Network.

[6] « Pour Berlin, prendre le leadership de l’Otan, ça en vaut la peine », par German Foreign Policy, Traduction Christine Maurel, Réseau Voltaire, 7 septembre 2017. (Auch in Englisch)

[7] „Die britische Armee stattet sich mit einer Einheit gegen russische Propaganda aus“, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 30. Januar 2018.

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