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Nach Sarkozy: Aufstand gegen den Euro und Bündnis mit den BRICS ?

Für Alfredo Jalife hätte der Machtbesitz von Nicolas Sarkozy in Frankreich Europa erheblich geschwächt und die Tel Aviv-London-Washington-Achse verstärkt. Während das neue globale geopolitische Gleichgewicht der Gas-Transportwege entsteht, werden die europäischen Nationen die Gelegenheit der neuen Allianzen nutzen können und vor allem den von dem israelisch-Angelsächsischen Lager entwickelten Strategien widerstehen?

| Mexiko-Stadt (Mexiko)
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Die Links-Rechts-Kategorien sind nicht ausreichend, um die End-Krise der verschlingenden Finanzglobalisierung zu berücksichtigen. In einer Phase wo die Radikalsten, von den beiden Extremen des politischen Spektrums, sich beide in dem Bemühen treffen, die Nationen, die mit dem Tod bedroht sind, zu verteidigen.

Es ist so, dass der Radikalismus von rechts und links eine dreifache Abneigung teilt, den Euro, Merkels Sparmaßnahmen (verschärften Besteuerung für die parasitäre Bancocratie) und die längst unfähigen IWF Maßnahmen, deren Fehlleistungen sich zuspitzen.

Today’s Zaman (05.08.12) schließt daraus, dass der Sieg von F. Holland zu einem Einhalt der Austeritäts-Politik führen kann, die Europa seit Jahren verdunkelt. Die Wähler haben die Pille zu bitter gefunden, die unverblümt von Sarkozy "dem Amerikaner" verabreicht wurde.

Der Bericht Wayne Madsen (05.07.12) unterstreicht die europäische Dimension der Revolte der Bürger, mit der Feststellung der Gleichzeitigkeit mehrere Phänomene: für die Franzosen klingt jetzt "Sparsamkeit" wie Gräuel. In Serbien ist es die Sozialistischen Partei, jene des ehemaligen Milosevic, die in vollendeter Opposition mit dem IWF entscheidet, wer regieren wird. In Griechenland gibt es jetzt die extreme Linke und die Faschisten: Dies ist der Abschied von den Pro-Austeritäts-Parteien. In Italien wird erwartet, dass die Anti-euro Linke die Wahlen gewinnt, während die rechts Parteien dazu neigen, aus der politischen Landschaft zu verschwinden. In Deutschland ist es die Mitte-Links, die die Regierung nach der Niederlage von Merkel in Schleswig-Holstein bilden wird. Und wir können hinzufügen, dass in England die konservative David Cameron Partei(Merkel Verbündeter und Unterstützer der Enthaltsamkeit bei Nachbarn) durch die Ergebnisse der Kommunalwahlen sich sehr gedemütigt fühlt.

Schließlich, nach dem Global Europe Anticipation Bulletin, erfährt Sarkozy, der flüchtige Öl-Eroberer in Bengasi, eine außer Kontrolle geratene Fäulnis: GEAB (16.04.12) nennt nicht weniger als 11 Mega-Skandale von Finanzbetrug, auf die das Gericht nun sieht, der spektakulärste davon wird die Tatsache der Finanzierung seiner vorherigen Kampagne von Gaddafi selbst sein, der sich zu diesem Zeitpunkt vom Jenseits her rächt.

Im Ergebnis der Wahlen in Frankreich sieht GEAB eine Revolte der Provinz gegen die Paris-Eliten. In der Tat gewann die PS in Paris, aber ihr Erfolg kommt zum Teil von der Unzufriedenheit des ländlichen Frankreichs: die Vereinigung von den Sarko-phobien von Marine Le Pen (ganz rechts), François Bayrou (Mitte-rechts) und Jean-Luc Mélenchon (Extreme-Links). GEAB prangert die intellektuelle Wüste der Söldner und kastrierten Elite an. Aber die gut geschmierte effektive Gehirnwäsche, ist sie nicht gerade ein Effekt des globalisierten Finanzsystems?

GEAB sagte voraus, dass Merkel, die von der Unterstützung durch die Sozialdemokratische Partei und den Grünen abhängt, gezwungen werden wird, um den neuen Pakt des Wachstums von Hollande zu akzeptieren. Es sieht bis zum Ende des Jahres, die Einführung von Euro-bonds und einer Superlativ öffentlichen Kreditaufnahme (Kreditaufnahme Charlemagne) für das Euro-Währungsgebiet, in Höhe von EUR 500 Milliarden in 10 Jahren mit einem Zinssatz von 5 %, garantiert durch das Europäische Währungssystem, mit zwei Zielen: Verringerung der Verschuldungshöhe in der Eurozone unter die Schwelle von 30 % der Staatsschulden, um den Einfluss der globalen Finanzmärkte von Wall Street und der City zu drosseln, und das Wachstum der Euro Zone durch strukturelle Investitionen in Infrastruktur zu fördern (öffentliche Verkehrsmittel, Bildung, Forschung, Gesundheit, usw.)... gerade das Gegenteil von dem was Neo-Liberalismus empfiehlt.

Zu Recht ist GEAB der Auffassung, dass der Sieg von Hollande den angelsächsischen Angriff auf gefährdete Länder des Euro-Währungsgebiets, die verachteten "PIIGS“ (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) erhöhen wird, während sich die finanzielle und wirtschaftliche Situation in Großbritannien weiter verschlechtert (die Rezession verschlechtert auf beiden Seiten), und das Trugbild von der Erholung in den USA verschwindet.

In der Tat werden die ersten zwei Jahre, unter Hollande, den gaullistischen (oder Mitterrand-Gaullistischen) Trend auf europäischem Gebiet sehen, d. h. die strategische Priorität für Unabhängigkeit in der Außenpolitik bekräftigen; und ein neuer Weg wird geöffnet, der eine Vereinigung mit den BRIC-Staaten bewirkt. Aber wird die Israel-Angelsächsische Triade den Ungehorsamen die Zügel locker lassen?

Die angelsächsischen Presse, worunter The Economist, hat das "laissez-faire" von Obama gebracht, und man kennt das Entsetzen von Israel über den Verlust seines Verbündeten Sarkozy (siehe DEBKA 05.07.12, die in obszöner Weise gegen Holland zum Ausdruck kommt).

GEAB behandelt das nächste Gipfeltreffen der G 20 in Los Cabos (das aus meiner Sicht genau durch das Israel-Angelsächsische Finanzsystem gesteuert werden wird) mit Verachtung, aber dem folgenden Gipfel enorme Bedeutung gibt, der in Moskau nächstes Jahr stattfindet, wo internationale Europa-Brics Übereinstimmungen (Reform des IWF und der UNO-Sicherheitsrat) klar werden, und vor allem die inhaltliche Reform des internationalen Währungssystems (Ersetzung des US-Dollars als Reservewährung), was ernsthaft der Regierbarkeit der Welt helfen wird, wenn wir in der Post-Krisen Phase sein werden.

GEAB denkt daher in einer geopolitischen Perspektive, die von der lokalen Ebene bis zur NATO und ihren Alternativen reicht, dass die Wahl von F. Hollande, einem Sozialo-gaullisten in seiner Art, wichtiger ist als die US-Wahlen, wo das politische System unter einer allgemeine Lähmung leidet.

Aus seiner Sicht sind wir am Anfang einer Reihe von strategischen Aufständen, die Europa treffen, und die einen beschleunigenden Impuls zu den aktuellen geopolitischen Veränderungen auf der ganzen Welt seit 2008 geben werden. Auch wenn Frankreich ein weniger starkes Land als die USA ist, nimmt es eine strategische Position in Europa und der Welt ein, was ihm eine wichtige Rolle für die Folge gibt.

Es muss daran erinnert werden, dass F. Hollande seine Absicht klargelegt hat, aktiv die Möglichkeit einer Vereinigung mit der BRIC-Staaten zu erforschen, was Bruch mit der "fleischlichen" Integration bedeutet (wie es Präsident Menem in Argentinien vor der Finanzkrise, die sein Land ruiniert hat, ausdrückte), die so leidenschaftlich von Sarkozy in der Washington-Tel Aviv Achse durchgeführt wurde.

Nun geben die euro-zentrierten Kreise in den BRIC-Staaten noch ein „I“ dazu, das von Indonesien, das die größte Bevölkerung von Moslems der Welt hat, und das eine Energiemacht ist. Die geostrategische Bedeutung Indonesiens wird gut von Obama eingeschätzt, ebenso wie vom ehemaligen stellvertretenden Direktor des Pentagon Paul Dunde Wolfowitz, dem Fenstergestürtzten, welcher der Zar der Neo-Kon-Straussianer bleibt, und derTeil des Systems der Vetternwirtschaft von Bush ist.

GEAB leidet an einem gewissen Franco-Zentrismus, natürlich, und an einer gewissen Engelhaftigkeit gegenüber Projekten für eine bösartige Balkanisierung durch die Israel-Angelsächsische Triade.

Aber auf der anderen Seite versichern mir meine europäischen Quellen, dass der Vatikan die katholische Annäherung an die BRICS als günstig betrachtet, um dem hyper-materialistischen Heidentum der verderblichen Finanz-Spekulation ein Ende zu setzten, jenem des postmodernen Shylocks beider Seiten des Nordatlantiks.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
La Jornada (Mexiko)

Alfredo Jalife-Rahme

Alfredo Jalife-Rahme Professor für politische und soziale Wissenschaften an der nationalen autonomen Universität von Mexico (UNAM). Er veröffentlicht Berichte der internationalen Politik im Tageblatt La Jornada. Letztes veröffentlichte Werk : China irrumpe en Latinoamérica: ¿dragón o panda? (Orfila, 2012)..

 

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