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Gespräch von Baschar Al-Assad mit Russia Today

| Damaskus (Syrien)
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(Englische Originalfassung, Untertitel in Französisch)

INTERVIEW Baschar al-Assad für RT-NEWS ausgestrahlt 09.11.2012

Russia Today: (Sophie Schevarnadze): Präsident Baschar al-Assad von Syrien, herzlichen Dank für das Gespräch heute.

Baschar al-Assad: Sie sind herzlich willkommen in Damaskus.

RT: Es gibt viele Menschen, die vor einem Jahr davon überzeugt waren, dass Sie es nicht so weit schaffen würden. Jedoch sind wir hier in dem neu renovierten Präsidentenpalast für die Aufnahme dieses Interviews. Wer genau ist ihr Feind zu diesem Zeitpunkt?

BA: Mein Feind ist der Terrorismus und die Instabilität in Syrien. Dies ist der wahre Feind in Syrien. Es geht nicht um die Menschen, es geht nicht um Personen. Das wahre Problem geht auch nicht um mich, ob ich bleibe oder gehe. Es geht darum, ob das Land sicher sein wird oder nicht. Das ist der Feind, den wir als Syrer bekämpft haben.

RT: Ich war in den letzten zwei Tagen hier und hatte die Gelegenheit, mit ein paar Leuten in Damaskus zu sprechen. Einige von ihnen sagen, ob Sie nun (als Präsident) bleiben oder gehen ist nicht mehr wirklich entscheidend. Was sagen Sie dazu?

BA: Ich denke, ob der Präsident bleibt oder geht, ist Wille des Volkes und kein persönlicher. Und das einzige Mittel ihn zu kennen, geht über die Wahlurnen. Also, es geht nicht darum was man hört. Es geht darum, was die Wahlurnen sagen werden und dieses Ergebnis wird jedem Präsidenten sagen, zu bleiben oder zu gehen. Ganz einfach.

RT: Ich denke, was diese Leute meinten ist, dass zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Sie (als Präsident) gemeint sind; Syrien ist das Ziel.

BA: Ich war nicht das Ziel, ich war überhaupt nicht das Problem. Sie wissen, der Westen schafft seine Feinde. In der Vergangenheit war es der Kommunismus dann wurde es der Islam, und dann wurde es Saddam Hussein aus einem anderen Grund. Jetzt wollen sie einen neuen Feind schaffen, sie sagen Baschar al-Assad wäre das Problem und er müsste weg. Deswegen sagen sie, das Problem sei der Präsident, deswegen soll er gehen. Deshalb müssen wir uns auf das eigentliche Problem konzentrieren und nicht unsere Zeit damit verschwenden, anzuhören was sie sagen.

RT: Glauben Sie persönlich immer noch, dass Sie der einzige Mann sind, der Syrien zusammenhalten kann und der einzige Mann, der, was die Welt einen “Bürgerkrieg” nennt, beenden kann?

BA: Wir können es aus zwei Aspekten betrachten. Der erste Aspekt ist die Verfassung, und ich habe meine Autorität durch die Verfassung. Mit dieser Autorität und der Verfassung, muss ich in der Lage sein, das Problem zu lösen. Aber wenn Sie meinen, dass kein anderer Syrer Präsident sein kann: Nein, jeder Syrer könnte Präsident werden. Wir haben viele Syrer, die für diese Position geeignet sind. Sie können nicht das ganze Land an eine einzige Person knüpfen.

RT: Aber Sie kämpfen für Ihr Land. Glauben Sie, dass Sie dem Konflikt ein Ende setzen und Frieden wiederherstellen können?

BA: Ich muss derjenige sein, der das tun kann, und ich hoffe es, aber es ist nicht allein die Macht des Präsidenten, es geht um die ganze Gesellschaft. Wir müssen dabei sehr genau sein. Der Präsident kann nichts tun ohne die Institutionen und ohne die Unterstützung des Volkes. Also, der Kampf ist jetzt nicht der des Präsidenten, es ist der aller Syrer. Jeder Syrer ist daran beteiligt sein Land zu verteidigen.

RT: Das stimmt und eine Menge von Zivilisten sterben auch in diesem Kampf. Also, wenn Sie diesen Krieg gewinnen könnten, wie würden Sie sich mit Ihren Menschen versöhnen nach allem, was passiert ist?

BA: Lassen Sie uns nochmal präzise bleiben. Das Problem liegt nicht zwischen mir und dem Volk, ich habe kein Problem mit dem Volk, weil die Vereinigten Staaten gegen mich sind und der Westen gegen mich ist und viele andere arabische Länder, darunter die Türkei, die nicht arabisch ist, sind natürlich gegen mich. Wenn das syrische Volk gegen mich wäre, wie könnte ich dann noch immer hier sein?

RT: Ist es nicht gegen Sie?

BA: Wenn die ganze Welt, oder sagen wir einen großer Teil der Welt, einschließlich Ihrer eigenen Leute gegen Sie sind, sind Sie dann nicht ein Supermann? Sie sind einfach nur ein Mensch. Also, das ist nicht logisch. Es geht nicht um die Versöhnung mit dem Volk und es geht auch nicht um die Versöhnung zwischen den einen Syrern und anderen Syrern, wir haben keinen Bürgerkrieg. Es geht um Terrorismus und um die Unterstützung von Terroristen aus dem Ausland, um Syrien zu destabilisieren. Dies ist unser Krieg.

RT: Sie glauben nicht an einen Bürgerkrieg, weil ich weiß, es gibt viele,- abgesehen von terroristischen Handlungen in Syrien die jedermann zugibt - und es gibt auch eine Menge konfessionell motivierte Konflikte. Zum Beispiel haben wir alle gehört, über die Mutter, die zwei Söhne hat, ein Sohn kämpft für die Regierungstruppen und der andere Sohn für die Rebellen. Wie kann das kein Bürgerkrieg sein?

BA: Es gibt Spaltungen, aber Spaltungen bedeuten nicht Bürgerkrieg. Das ist etwas völlig anderes. Bürgerkriege sind auf ethnischen oder konfessionellen Problemen basiert. Manchmal haben Sie ethnische oder religiöse Spannungen, aber sie werden nicht zu einem Problem. Also, wenn es Meinungsverschiedenheiten in der gleichen Familie oder in einem größeren Stamm gibt, oder auch in der gleichen Stadt, bedeutet das nicht Bürgerkrieg. Dies ist etwas völlig anderes und das ist normal. Wir sollten das erwarten.

RT: Als ich Sie über die Versöhnung mit Ihrem Volk gefragt habe, ist es dies, was ich meinte: Ich habe Sie öfters wiederholen gehört, dass das einzige, was Sie interessiert, ist, was das syrische Volk über sie denkt und was die Syrer Ihnen gegenüber empfinden und ob Sie Präsident sein sollten oder nicht. Fürchten Sie nicht letztlich, da es so viel Schaden gegeben hat, aus welchem Grund auch immer, dass die Syrer sich nicht für die Wahrheit interessieren werden und sie Sie nur für das Gemetzel tadeln werden, das sie erlitten haben?

BA: Das ist eine hypothetische Frage, denn was die Leute denken, ist das Richtige, und über das, was sie denken, müssen wir sie befragen. Aber ich habe darüber jetzt keine Informationen. Also, ich bin nicht besorgt darüber, was einige Leute denken, ich bin besorgt um mein Land. Darauf müssen wir uns fokussieren.

RT: Seit Jahren gibt es viele Geschichten über die mächtige syrische Armee, die wichtigen und starken syrischen Geheimdienste, aber dann sehen wir, dass die Regierungstruppen nicht in der Lage sind, den Feind wie erwartet zu zerschlagen. Stattdessen sehen wir fast jeden Tag Terroranschläge in der Mitte von Damaskus. Waren dies Mythen über die syrische Armee und über die starken syrischen Geheimdienste?

BA: In der Regel und unter normalen Umständen, wenn Sie die Armee, die Sicherheitskräfte und die Geheimdienste nehmen, konzentrieren wir uns auf den äußeren Feind, auch wenn wir einen inneren Feind, wie den Terrorismus haben, weil die Gesellschaft uns dabei hilft, zumindest keine terroristischen Brutkästen entstehen zu lassen. Jetzt in diesem Fall ist es eine neue Art von Krieg, Terrorismus durch Stellvertreter, entweder Syrer die in Syrien leben oder ausländische Kämpfer, die aus dem Ausland kommen. Also, es ist eine neue Art von Krieg, das ist das erste, und Sie müssen sich darauf einstellen und das braucht Zeit, es ist nicht leicht. Und zu sagen, das ist so einfach wie der normale wäre, oder, sagen wir, ein traditioneller oder regulärer Krieg, nein, es ist viel schwieriger.

Zweitens ist die Unterstützung, die die Terroristen in jeder Hinsicht, einschließlich Waffen, Geld und politischer Art angeboten wurden, beispiellos. Also müssen Sie damit rechnen, dass es ein harter und schwieriger Krieg werden wird. Sie können nicht erwarten, dass ein kleines Land wie Syrien, all jene Länder, die uns durch solche Stellvertreter bekämpfen, in wenigen Tagen oder Wochen besiegt.

RT: Ja, aber wenn man es so betrachtet, einerseits haben Sie einen Führer mit einer Armee, und er befiehlt dieser Armee geradeaus, nach links, nach rechts zu gehen und die Armee gehorcht. Auf der anderen Seite haben Sie Splittergruppen von Terroristen, die nicht einheitlich sind und keine einheitliche Strategie haben gegen Sie zu kämpfen. Also, wie kann das wirklich funktionieren, mit der Bekämpfung?

BA: Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass diese Terroristen im inneren der Städte kämpfen, und in den Städten haben wir Zivilisten. Wenn Sie diese Art von Terroristen bekämpfen, müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie Schäden an der Infrastruktur und an der Zivilbevölkerung vermeiden müssen. Aber Sie müssen kämpfen, Sie können nicht einfach zulassen, dass die Terroristen töten und zerstören. Das ist die Schwierigkeit, bei dieser Art von Krieg.

RT: Sie wissen, dass die Infrastruktur und Wirtschaft leiden; es ist fast so, als ob Syrien bald verfallen wird und die Zeit ist gegen Sie. Ihrer Meinung nach, wie viel Zeit brauchen Sie, um den Feind zu vernichten?

BA: Man kann diese Frage nicht beantworten, weil niemand behaupten kann, wann der Krieg beendet sein wird, außer wir wüssten, wann der Schmuggel von ausländischen Kämpfern aus verschiedenen Teilen der Welt aufhört, vor allem aus dem Nahen Osten und der islamischen Welt und wann sie den Waffennachschub an jene Terroristen beenden werden. Wenn sie damit aufhören, könnte ich Ihnen eine Antwort geben; dann kann ich Ihnen sagen, dass wir innerhalb von Wochen alles beenden können. Dies ist kein Problem. Aber solange man die kontinuierliche Versorgung der Terroristen mit Waffen, Logistik und alles anderem aufrechterhält, wird es zu einem langfristigen Krieg werden.

RT: Wenn man auch daran denkt, dass Sie 4.000 km spärlich bewachte Grenzen haben, so dass Ihre Feinde jederzeit über Jordanien oder die Türkei sich medizinisch versorgen können und wiederbewaffnet wieder zurückkehren, um gegen Sie zu kämpfen!

BA: Genau, kein Land der Welt kann seine Grenzen versiegeln. Manchmal wird diese Bezeichnung verwendet, sie ist aber nicht korrekt, sogar die Vereinigten Staaten beispielsweise können ihre Grenze mit Mexiko nicht versiegeln. Das gleiche gilt für Russland, das ein großes Land ist. Also kein Land kann seine Grenzen dicht machen. Sie können jeweils nur eine bessere Situation an der Grenze schaffen, wenn Sie gute Beziehungen zu den Nachbarn haben, und das ist etwas, was wir zumindest mit der Türkei derzeit nicht haben. Die Türkei unterstützt mehr als jedes andere Land den Schmuggel von Terroristen und Waffen.

RT: Kann ich Sie etwas fragen? Ich war vor kurzem in der Türkei und die Menschen dort sind wirklich sehr besorgt über einen möglichen Krieg zwischen Syrien und der Türkei. Glauben Sie, dass ein Krieg mit der Türkei ein realistisches Szenario darstellt?

BA: Rational, nein, ich denke nicht – aus zwei Gründen: Der Krieg braucht die Unterstützung der Öffentlichkeit und die Mehrheit der türkischen Bevölkerung braucht diesen Krieg nicht. Also, ich glaube kein vernünftiger Offizieller würde gegen den Willen der Bevölkerung in seinem eigenen Land vorgehen und das gleiche gilt für das syrische Volk. Also, der Konflikt oder Zwiespalt besteht nicht zwischen der türkischen und der syrischen Bevölkerung, es geht um ihre Regierung und offiziellen Vertreter und unsere offiziellen Vertreter hinsichtlich ihrer Politik. Also, ich sehe keinen Krieg zwischen Syrien und der Türkei am Horizont.

RT: Wann war das letzte Mal, als Sie mit Erdogan gesprochen haben und wie endete das Gespräch?

BA: Im Mai 2011, nachdem er die Wahl gewonnen hatte.

RT: Also sie haben ihm gratuliert und es war das letzte Mal,

BA: Ja, das war das letzte Mal.

RT: Wer setzt die Türkei unter Beschuss? Sind es die Regierungstruppen oder die Rebellen?

BA: Um die Antwort zu finden, muss man ein gemeinsames Komitee zwischen den beiden Armeen bilden, um zu erfahren, wer wen beschießt, weil an den Grenzen Sie eine Menge von Terroristen haben, die Mörser haben, die das Gleiche tun können. Man müsste hingehen, die Bombe in dem Ort selbst zu untersuchen und das ist nicht geschehen. Wir baten die türkische Regierung ein Untersuchungskomitee zu bilden, aber sie weigerten sich, also kennen wir die Antwort nicht. Aber wenn Sie Terroristen an ihren Grenzen haben, können Sie das nicht ausschließen, dass sie so was tun, da die syrische Armee keine Befehle hat, die Türkei anzugreifen, weil wir daran kein Interesse haben, wir haben keine Feindschaft mit dem türkischen Volk. Wir betrachten sie als Brüder, also warum sollten wir das tun, es sei denn es geschehe aus Versehen, deshalb braucht man eine Untersuchung.

RT: Akzeptieren Sie es, dass es irrtümlicherweise durch Regierungstruppen geschehen ist?

BA: Das könnte passieren. Dies ist eine Möglichkeit, und in jedem Krieg passieren Fehler. Wie Sie von Afghanistan wissen, reden sie immer über „friendly fire“, wenn Sie ihre eigenen Soldaten töten. Das heißt, das kann in jedem Krieg passieren, aber man kann nicht sagen, dass es der Fall war.

RT: Warum ist die Türkei, die Sie eine befreundete Nation nennen, ein Standbein für die Opposition geworden?

BA: Nicht die Türkei, sondern nur die Regierung Erdogan, um genau zu sein. Das türkische Volk will gute Beziehungen mit den Syrern. Erdogan meint, wenn die Muslimbruderschaft in der Region und vor allem in Syrien an die Macht kommt, kann er seine politische Zukunft sichern, dies ist einer der Gründe. Der andere Grund, er persönlich glaubt, dass er der neue Sultan des Osmanischen Reiches ist, und er könne die Region, wie sie während des Osmanischen Reiches war, unter einem neuen Dach kontrollieren, das islamisch ist, und nicht osmanisch, nicht um Kalif zu werden. Aber in seinem Herzen denkt er, er sei der Kalif. Dies sind die beiden wichtigsten Gründe für ihn, seine Politik von „null Problemen“ auf „null Freunde“ zu verschieben.

RT: Aber es ist nicht nur der Westen, der zu diesem Zeitpunkt gegen Sie steht, es gibt ebenso viele Feinde in der arabischen Welt; das heißt vor zwei Jahren noch wollte man in der arabischen Welt die Beziehungen zu Ihnen stärken, und jetzt bei der ersten Gelegenheit werden Sie verraten, warum haben Sie so viele Feinde in der arabischen Welt?

BA: Sie sind keine Feinde. Die Mehrheit der arabischen Regierungen unterstützt Syrien in ihren Herzen, aber sie trauen sich nicht, dies explizit zu sagen.

RT: Warum nicht?

BA: Unter dem Druck des Westens, und manchmal unter dem Druck der Petro-dollar in der arabischen Welt.

RT: Wer aus der arabischen Welt unterstützt Sie?

BA: Viele Länder unterstützen Syrien, aber trauen sich nicht, das explizit zu sagen. Vor allem Irak, der eine sehr aktive Rolle bei der Unterstützung Syriens während der Krise gespielt habt, weil er ein Nachbarland ist und versteht und erkennt, dass, wenn es einen Krieg in Syrien gibt, werden Sie den Krieg in den benachbarten Ländern bekommen, darunter auch in Irak. Ich denke, es gibt andere Länder, die gute Positionen einnehmen, wie Algerien und Oman hauptsächlich und es gibt noch weitere Länder, die ich jetzt nicht alle aufzählen will, aber ich würde sagen, sie haben positive Positionen, aber ohne aktiv zu sein.

RT: Saudi-Arabien und Katar, warum sind die so hartnäckig bezüglich Ihrer Abdankung und wie würde ein instabiler Naher Osten in deren Agenda passen?

BA: Lassen Sie uns ehrlich sein, ich kann nicht in deren Namen sprechen. Sie müssen diese Frage selbst beantworten, aber ich kann sagen, dass das Problem zwischen Syrien und anderen Ländern, ob in der arabischen Welt oder in der Region oder im Westen, darin besteht, dass wir „Nein“ sagen, wenn wir denken, dass wir „Nein“ sagen müssen. Das ist das Problem. Und einige Länder glauben, dass sie Syrien durch Aufträge, durch Geld oder Petro-dollar kontrollieren können und das ist in Syrien unmöglich. Das ist das Problem. Vielleicht wollen sie eine Rolle spielen. Wir haben kein Problem damit, sie können eine Rolle spielen, ob sie diese verdienen oder nicht, aber sie können keine Rolle zu Lasten unserer Interessen spielen.

RT: Geht es darum Syrien zu kontrollieren oder ihre Vision des Islam nach Syrien zu exportieren?

BA: Sie können das nicht als staatliche Politik bezeichnen. Manchmal sind es Institutionen in bestimmten Ländern, dann sind es Personen, die dies zu fördern versuchen, aber sie kündigen es nicht als offizielle Politik an. Sie haben uns nicht gebeten, um die, sagen wir mal, extremistische Haltung ihrer Institutionen zu fördern, aber das passiert in der Realität, es sei durch indirekte Unterstützung ihrer Regierung oder durch die Gründer der Institutionen und des Personals. Also, das ist Teil des Problems, aber wenn ich als Regierung sprechen will, muss ich über die angekündigte Politik sprechen. Die angekündigte Politik ist wie jede andere Politik, es geht um Interessen, es geht darum eine Rolle zu spielen, aber man kann nicht übersehen, was erwähnt wurde.

RT: Der Iran, ein sehr enger Verbündeter, ist auch wirtschaftlichen Sanktionen ausgesetzt, auch vor einer Bedrohung der militärischen Invasion. Wenn Sie mit der Option konfrontiert wären, die Beziehungen mit dem Iran zu beenden, im Austausch für Frieden in Ihrem Land, würden Sie das tun?

BA: Wir haben keine widersprüchliche Optionen in dieser Hinsicht, warum, weil wir gute Beziehungen mit dem Iran seit 1979 bis heute pflegen, und werden jeden Tag besser, gleichzeitig bewegen wir uns Richtung Frieden. Wir hatten Friedensprozesse und wir hatten Friedensverhandlungen. Iran war kein Faktor gegen den Frieden. Also, das ist Desinformation, die der Westen versucht zu fördern, dass, wenn wir den Frieden brauchen, dürften wir kein gutes Verhältnis mit dem Iran pflegen. Es gibt da keinen Zusammenhang, es sind zwei völlig unterschiedliche Themen. Der Iran unterstützte Syrien, unterstützt unsere Sache, die Sache der besetzten palästinensischen Territorien, und wir müssen sie in ihrer Sache unterstützen. Dies ist sehr einfach. Der Iran ist ein sehr wichtiges Land in der Region. Wenn wir Stabilität wollen, brauchen wir gute Beziehungen mit dem Iran. Man kann nicht über Stabilität reden, während man schlechte Beziehungen mit dem Iran, der Türkei und den Nachbarn pflegt und so weiter. Das ist es einfach.

RT: Haben Sie Informationen, dass westliche Geheimdienste Rebellen hier in Syrien finanzieren?

BA: Nein, soweit wir wissen, unterstützen sie die Aufklärungserkenntnisse der Terroristen hauptsächlich durch die Türkei und manchmal durch den Libanon. Aber es gibt andere Geheimdienste, nicht die westlichen, sondern regionale Dienste, die sehr aktiv sind, aktiver als die westlichen, die aber unter der Aufsicht der westlichen Geheimdienste stehen.

RT: Welche Rolle spielt Al-Kaida in Syrien im Moment? Steuern sie die Koalitionstruppen der Rebellen?

BA: Nein, ich glaube nicht, dass sie versuchen zu steuern; sie versuchen, ihre eigenen Königreiche oder Emirate in ihrer Sprache zu schaffen, aber vor allem versuchen sie, die Menschen durch Explosionen, Attentate, Selbstmordattentäter und Dinge wie diese in Angst und Verzweiflung zu versetzen um diese als Realität zu akzeptieren. Also, sie gehen Schritt für Schritt vor, aber ihr endgültiges Ziel ist es, sozusagen ein islamisches Emirat in Syrien zu errichten, von wo aus sie ihre eigene Ideologie in den Rest der Welt exportieren können.

RT: Von denen, die gegen Sie kämpfen und diejenigen, die gegen Sie sind, mit wem würden Sie reden?

BA: Wir sprechen mit jedem, der wahren Willens ist, Syrien zu helfen, aber wir verlieren keine Zeit für diejenigen, der unsere Krise für ihre eigenen Interessen nutzen wollen.

RT: Es kam schon öfter vor … nicht gegen Sie, sondern dass Regierungstruppen wegen Kriegsverbrechen gegen die eigenen Zivilisten beschuldigt wurden. Akzeptieren Sie, dass Regierungstruppen Kriegsverbrechen gegen ihre eigene Zivilbevölkerung begangen haben?

BA: Wir bekämpfen den Terrorismus. Wir vollziehen unsere Verfassung, indem wir das syrische Volk schützen. Gehen wir einmal zurück zu dem, was vor mehr als einem Jahrzehnt in Russland passiert ist, als sie in Tschetschenien und anderen Orten mit Terrorismus konfrontiert waren; sie griffen Menschen in Theatern und Schulen und so weiter an, und die russische Armee schützte die Bevölkerung. Würden Sie das als Kriegsverbrechen bezeichnen? Nein, würden Sie nicht.

Vor zwei Tagen, anerkannte Amnesty International die Verbrechen, die vor wenigen Tagen von den bewaffneten Gruppen begangen wurden, als sie Soldaten gefangen genommen und hingerichtet haben. Auch Human Rights Watch hat dies anerkannt. Human Rights Watch hat mehr als einmal die Verbrechen dieser terroristischen Gruppen anerkannt und vor wenigen Tagen diese Verbrechen als Kriegsverbrechen beschrieben, das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt, wenn Sie eine Armee haben, die Verbrechen gegen ihr eigenes Volk begeht, ist das ohne Logik, weil die syrische Armee aus syrischem Volk besteht. Wenn Sie Verbrechen gegen das eigene Volk anordnen wollten, dann wird die Armee sich zerteilen, wird zerfallen. Sie können keine starke Armee haben, wenn sie Landsleute töten lassen.

Drittens, kann die Armee nicht seit 20 Monaten in diesen schwierigen Umständen durchhalten, ohne Rückhalt durch die Öffentlichkeit in Syrien. Also, wie könnte man diesen Rückhalt haben, wenn man die eigenen Menschen tötete? Das ist ein Widerspruch. Das ist meine Antwort.

RT: Wann war es das letzte Mal, als Sie mit einem westlichen Führer sprachen?

BA: Es war vor der Krise.

RT: Gab es einen Zeitpunkt, an dem versucht wurde, Ihnen Bedingungen aufzuerlegen, dass, wenn Sie den Posten des Präsidenten aufgäben, es dann Frieden in Syrien geben würde oder nicht?

BA: Nein, niemand hat das direkt vorgeschlagen, nein, aber ob sie es auch direkt oder indirekt vorgeschlagen würden, bleibt es einzig eine Frage der Souveränität; nur das syrische Volk hat darüber etwas zu sagen. Wer auch immer darüber in den Medien oder in einer Erklärung direkt oder indirekt spricht, es hat keine Bedeutung und kein Gewicht in Syrien.

RT: Haben Sie überhaupt eine Wahl, weil so wie es von außen aussieht, könnten Sie nirgends hingehen. Wo würden Sie hingehen, wenn Sie wirklich (Syrien) verlassen wollten?

BA: Nach Syrien. Ich würde von Syrien nach Syrien gehen. Dies ist der einzige Ort, wo ich leben kann. Ich bin keine Marionette. Ich wurde nicht vom Westen gemacht, um in den Westen oder in ein anderes Land zu gehen. Ich bin Syrer, ich wurde in Syrien geboren, ich muss in Syrien leben und in Syrien sterben.

RT: Denken Sie, dass es zu diesem Zeitpunkt eine Chance für Diplomatie oder Gespräche gibt, oder nur die Armee es schaffen kann?

BA: Ich habe immer an Diplomatie geglaubt und ich glaube immer an den Dialog auch mit denen, die das nicht verstehen oder daran glauben. Wir müssen es immer wieder versuchen. Ich denke, dass wir damit immer einen Teilerfolg erreichen können. Wir müssen nach diesem Teilerfolg streben, bevor wir den vollen Erfolg erzielen können. Aber wir müssen realistisch sein. Glauben Sie ja nicht, dass nur der Dialog etwas erreichen kann, denn diese Leute, die solche Taten begangen haben, sind von zweierlei Art:

Die einen glauben nicht an Dialog, besonders die Extremisten und Banditen, die vor Jahren vor der Krise vom Gericht verurteilt worden sind, und ihr natürlicher Feind ist die Regierung, weil sie verhaftet werden, wenn wir eine normale Situation in Syrien haben werden.

Der andere Teil sind die Menschen, die von außen zugeführt wurden und sie können nur von den Regierungen, die sie bezahlen und bewaffnen, belangt werden, sie haben keine Wahl, weil sie keine eigene Entscheidungsgewalt besitzen. Also, man muss realistisch sein.

Und wir haben den dritten Teil der Menschen, ob Kämpfer oder Politiker, die den Dialog akzeptieren. Darum stehen wir in diesem Dialog seit Monaten sogar mit Militanten und viele von ihnen haben ihre Waffen abgegeben und kehrten zurück in ihr normales Leben.

RT: Denken Sie, dass eine ausländische Invasion unmittelbar bevorsteht?

BA: Ich denke, der Preis dieser Invasion, wenn sie passiert, wird mehr sein als die ganze Welt sich leisten kann, denn wenn es auch ein Problem in Syrien gibt, sind wir das letzte Bollwerk des Säkularismus und der Stabilität in der Region und des Zusammenlebens. Dann wird es einen Dominoeffekt geben, der die Welt vom Atlantik bis zum Pazifik und Sie kennen die Auswirkungen auf den Rest der Welt. Ich glaube nicht, dass der Westen in diese Richtung gehen wird, aber wenn er dies tut, kann niemand sagen, was dann kommt.

RT: Herr Präsident, geben Sie sich selbst irgendeine Schuld? Normalerweise müssen Sie bei Entscheidungen die sie treffen, Fehler finden, sonst wären Sie nicht menschlich. Was war Ihr größter Fehler?

BA: Ich weiß jetzt nicht, um ehrlich zu sein. Aber ich berücksichtige immer, sogar bevor ich Entscheidungen treffe, dass ein Teil davon falsch sein kann, aber man kann nicht (im Voraus) über seine Fehler sprechen. Manchmal, vor allem während der Krise, sieht man nicht, was richtig und was falsch ist, bevor man die Situation überwunden hat, in der man sich befindet. Ich würde also nicht objektiv sein, jetzt über Fehler zu reden, weil wir immer noch in der Mitte der Krise stehen.

RT: Also, Sie bereuen bis jetzt noch nichts?

BA: Nicht jetzt. Wenn alles klar ist, kann man über Fehler sprechen, und man macht auf jeden Fall Fehler, und das ist normal.

RT: Wenn heute der 15. März 2011 wäre, das heißt, als der Protest zu eskalieren begann, was würden Sie heute anders machen?

BA: Ich würde tun, was ich am 15. März gemacht habe.

RT: Genau das gleiche?

BA: Genau das gleiche: Verschiedene Parteien einladen, um in den Dialog zu gehen und Terroristen widerstehen, weil es so angefangen hat. Es begann nicht mit Demonstrationen. Sie waren der Deckmantel. Aber innerhalb dieser Märsche gab es Militante, die begannen, Zivilisten und die Armee gleichzeitig zu beschießen. Vielleicht hätte man auf taktischer Ebene etwas anderes tun können, aber als Präsident sind Sie kein Taktiker, Sie treffen Entscheidungen immer auf strategischer Ebene, es ist anders.

RT: Präsident Baschar al-Assad, wie sehen Sie sich in zehn Jahren?

BA: Ich sehe mich durch mein Land, nicht für mich selbst, aber für mein Land nach zehn Jahren. Da ist es, wo ich mich sehen kann.

RT: Sehen Sie sich in Syrien?

BA: Auf jeden Fall, ich muss in Syrien sein. Das liegt nicht an meiner Position. Ich sehe mich nicht als Präsident oder als Nicht-Präsident. Das ist nicht mein Interesse. Ich kann mich in diesem Land sehen, ein sicheres Land, stabiles Land und wohlhabendes Land.

RT: Präsident Baschar al-Assad von Syrien, ich danke Ihnen für das Gespräch mit RT.

BA: Danke, dass Sie wieder nach Syrien gekommen sind.

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