Voltaire Netzwerk
Falsche Experten und echte Lügen

9/11: Die gefälschte Spur nach Saudiarabien

Die Theorie, wonach die Attentate des 11.September 2001 von den Saudis finanziert worden wären, hat sich lange gehalten. Die Pseudo-Experten Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié, welche diese gestützt haben, gestehen ein, sich in allen Punkten geirrt zu haben. Jedenfalls hat diese Täuschung ein internationales Echo gefunden und dient denjenigen weiterhin als Ausgangspunkt ihrer Argumentation, die behaupten, daß die USA nicht den Irak hätte angreifen sollen, sondern Saudi-Arabien. Das Voltaire-Netz kommt im folgenden auf diese unglaubliche mediale Mystifikation zurück.

| Paris (Frankreich)
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Eine seltene Demütigung: Die beiden weltweit am meisten zitierten Experten im Bezug auf die Finanzierung der Attentate des 11. Semptember 2001, haben in den großen Tageszeitungen, zum Anzeigentarif, ihre platten Entschuldigungen dafür veröffentlicht, sich von A bis Z geirrt zu haben [1]. Diese Initiative ist das Ergebnis einer Übereinkunft unterzeichnet mit der Familie Bin Mahfouz um die fortlaufenden Verleumdungen zu beenden. Hingegen müssen sich die Leser, mangels Platz, mit einem dürftigen und endgültigen Dementi bescheiden, während das gesamte Widerrufs-Protokoll, zu 42 schweren Fehlern, 12 Seiten umfasst.

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Öffentliche Entschuldigung von MM. Dasquié und Brisard

Die beiden Medienexperten sind der Franzose Guillaume Dasquié und der Franco-US-Amerikaner Jean-Charles Brisard. Sie haben ein brilliantes Team gebildet umd die Presse der ganzen Welt und nationale, wie internationale Institutionen mit Falschmeldungen zu überschwemmen und haben sich dann zum Ersten darauf spezialisiert Thierry Meyssan zu verleumden, um zum Zweiten, mit Tariq Ramadan, einer nach Sündenböcken gierigen Presse, noch aller Art weitere Falsch-Informationen zu liefern. Wenn auch die Administration Bush die Theorie vorgegeben hatte, wonach die Attentate des 11. September 2001 von Al Kaidas Kamikaze-Agenten begangen worden sein sollen, so sind es die Herren Dasquié und Brisard, welche die Theorie-Ergänzung erfunden haben, wonach die Attentate von saudischen Milliardären finanziert worden seien.

Bei der Lektüre der Bekanntmachung ihrer Entschuldigungen, könnte man einen Augenblick an ihren guten Willen glauben, aber die Ausdehnung ihrer Manöver und die Chronologie der Ereignisse sprechen nicht zur ihren Gunsten. Die einzige ehrliche Frage ist, zu Verstehen, wer eine dermaßen breitangelegte Mord-Operation hätte in Auftrag geben können.

Alles beginnt im Jahr 2000. Jean-Charles Brisard, ehemaliger Assistent des parlamentarischen Abgeordneten der RPR, Christian Estrosi, dann von Alain Marsaud und offizieller Biograf von Charles Pasqua [2], wurde Mitglied des wirtschaftlichen Incentive-Centers des Multis Vivendi (ex Compagnie générale des eaux, seitdem umbenannt in Veolia). Diese kleine Gruppe wird geleitet von ehemaligen Anti-Terroristen Richter, Abgeordneten und Pasqua-Anhänger, Alain Marsaud. Ohne daß man weiss warum, recherchieren sie über die Finanzierung von muslimischen NGOs durch saudische Milliardäre und über die Beziehung zwischen diesen NGOs und der islamistischen Bewegung. Sie arbeiten zusammen mit FBI-Agenten, namentlich John O’Neill, mit welchem sich Alain Marsauld bei einer Konferenz am Sitz des FBI in Quantico trifft [3].

1999 verfasst M. Brisard über dieses Thema einen ersten Bericht, der innerhalb der OECD schnell in Umlauf gelangt. Diese zwischenstaatliche Organsisation, die aus dem Marshall-Plan hervorgegangen war, spielt eine zentrale Rolle im Kampf gegen Geldwäsche. In den beschuldigten Strukturen existiert eine französische Firma, die Société bancaire arabe (SBA), bei welcher Salim Mahfouz Aktionär ist. Kopflos kopiert die Banque de France höchstselbst den Bericht und übermittelt diesen an mehrere ihrer Partner um diese zu warnen. Nach Le Pli, einem "vertraulichen politischer Brief", übergibt der entflammte Vorstandsvorsitzende von Vivendi, Jean-Marie Messier, höchstpersönlich eine Version des Berichtes dem Präsidenten Jaques Chirac.

Am Tag nach den Attentaten des 11. September 2001, während die Asche des Word Trade Center noch heiß war, produziert Jean-Charles Brisard eine aktualisierte Version seines Recherche-Berichtes. Auf 71 Seiten arbeitet er die nebuleuse Finanzierung von Osama Bin Laden aus und beweist die Verwicklung der höchsten saudischen Finanziers in die Finanzierung des internationalen Terrorismus. Die Wahabiten sind schuld. Die ersten Auszüge dieses Dokumentes werden in der Tageszeitung "La Tribune" am 13. September 2001 veröffentlicht [4]. Die Zeitung präsentiert diese als "Bericht einer offiziellen Franco-Amerikanischen Untersuchung". Die Redaktion war in der Tat überzeugt, daß Brisard mit DST und FBI zusammen arbeitet. Angesichts der Beziehungen dieses Untersuchenden scheint diese Behauptung plausibel. Zumal Brisard auch in der "Revue de la Défense nationale" schreibt [5].

Das Dokument wird bald in seiner Gesamtheit auf der Site des "lettre politique confidentielle" (vertraulicher, politischer Brief), "Intelligence On Line" im Internet veröffentlicht, dessen Chefredakteur Guillaume Dasquié ist. Dieses Mal wird hervorgehoben, daß der Bericht "das Ergebnis eines internationalen Experten ist, der dieses im Rahmen einer Mission für eine Steuerbehörde bearbeitet hat" [6].
Das Dokument wird von der französischen Nationalversammlung als Anhang zum Bericht der, Mission zur Information über die Geldwäsche von Kapitalien in Europa, publiziert [7]. Eine Entscheidung, die getroffen wurde vom Berichterstatter dieser Mission, dem Abgeordneten Arnaud Montebourg, ausgebildet von John Negroponte in der French American Foundation [8].

Die Vergiftung ist allumfassend. Zahlreiche Medien melden sie weiter, im Glauben sich auf einer Bericht stützen zu können, der schließlich von dermaßen viele Institutionen kontrolliert wurde. Namentlich Brisard wird vom Magazin des franzöischen Fernsehens "Pieces a conviction" (Beweisstücke) eingeladen, wo er als Mitarbeiter der DST (franz. Geheimdienst) vorgestellt wird und wo er seine Anschuldigungen wiederholt. Für "Le Monde" hingegen, war der Bericht Brisard vom FBI bestellt worden [9].
Das Voltaire-Netz veröffentlicht eine Untersuchung von Thierry Meyssan mit einem stark abweichenden Blickwinkel: "Die verborgenen finanziellen Verbindungen zwischen den Bush’s und den Bin Laden’s". Nach dieser Analyse sind die beiden Familien, weit entfernt davon miteinander verfeindet zu sein, seit langem miteinander im Geschäft. Allerdings wiederholt der Artikel selbst auch einige der Beschuldigungen dieses Dokumentes. [10].

Problem: Die Familie Bin Mahfouz und die SBA reagieren wie bei einer Verleumdungskampagne. Intelligence On Line nimmt das Dokument von seiner Internetpräsenz und informiert seine Leser. Die Nationalversammlung unterbricht die Verbreitung ihres Berichtes und stampft verbleibende Exemplare ein. Voltaire-Netz veröffentlicht eine Aktualisierung mit ersten Einzelheiten der Manipulation [11]. Schließlich veröffentlicht es eine korrigierte Version seiner Untersuchung in der mexikanischen Wochenzeitschrift Proceso [12].

Eine weitere Falschmeldung ist seit drei Jahren im Umlauf, um die Verbindung zwischen saudischen Finanziers und dem internationalen Terrorismus glaubhaft zu machen: Die Schwester von Khaled ben Mahfouz hätte Osama Bin Laden geheiratet. Sie entspringt der, unter Eid erfolgten, Zeugenaussage von James Woolsey, Direktor des CIA vor dem US-Senat [13]. Diese Verleumdung wird erst wesentlich später dementiert werden [14].

Wie auch immer, Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié veröffentlichen gemeinsam eine Version "für die große Öffentlichkeit" (grand publique) des Müllberichtes in Form eines Buches: Ben Laden, La Vérité interdite (Bin Laden, die verbotene Wahrheit) [15].
Am Vorabend der Auslieferung an den Buchhandel veröffentlicht Le Monde einen Vorab-Auszug. Die atlantische Tageszeitung behauptet, daß der ursprüngliche Bericht von Jean-Charles Brisard "auf Anfrage eines französischen Geheimdienstes" verfasst wurde und daß er "George Bush von Jacques Chirac bei seinem ersten Besuch nach dem 11. September, in Washington überreicht worden sei" [16].

Das Werk erlebt einen internationalen Erfolg. Es läßt die These einer saudischen Verantwortung und der Machtlosigkeit der US-Bürokratie, die nicht rechtzeitig auf die Warnungen eines tugendhaften FBI-Offiziers gehört hätte, glaubhaft erscheinen. Anläßlich seiner Veröffentlichung in den USA [17], deutet die Presseinformation, die vom Herausgeber Nation Books verteilt wird an, daß Jean-Charles Brisard Berater des demokratischen Senators aus Colorado, Marty Wirth gewesen sei [18]. Problem: Dieser Senator hat nie existiert und M. Brisard war noch nie im Register der für den Kongress zugelassenen Personen eingetragen [19].
Das Werk, welches offensichtlich dazu dient einen Krieg vorzubereiten, den die Neokonservativen gegen Saudi-Arabien anzetteln wollen [20] wird von den Gegnern Geoge W. Bush’s, zu Unrecht, als eine revolutionäre Kritik an den Regierungsgrundsätzen aufgenommen. Es wird ausgezeichnet mit dem Projekt Censored in 2003 [21]. In Bezug auf Revolution, dient das Buch der Herren Brisard und Dasquié als Grundlage für einen Bericht, der von hohen US-Persönlichkeiten für den CFR (Council of Foreign Relations) hinsichtlich des Kampfes gegen die Finanzierung des Terrorismus, verfasst wird [22]. Unter dem Dutzend der Redakteure finden sich Verantwortliche des Nationalen Sicherheitsrates und ein ehemaliger CIA-Direktor.

Sehr stutzig über die Tatsache, daß Guillaume Dasquié als Chef-Redakteur von "Intelligence On Line" den Bericht Brisard zunächst verbreitet, dann aber widerrufen und nur als Privatperson eine Version "für die große Öffentlichkeit" herausgegeben hat, begibt sich Thierry Meyssan in dessen Büro um ihn zu treffen [23]. Zwar erhält er keine klare Antwort, aber ein Einstellungs-Angebot, welches er ausschlägt.
Im März 2002 veröffentlicht Thierry Meyssan L’Effroyable imposture [24], eine Analyse der Attentate des 11. September und ihre Konsequenzen für die Innen- und Aussenpolitik der USA. Darin widerlegt er die Regierungs-These eines weltweiten, von den Saudis finanzierten, islamischen Komplotts. Er wird ausgebuht von einer äußerst heftigen Pressekampagne, animiert vom französichen Ableger des Manhattan Institute [25] und der Foundation for the Defense of Democracies [26].

Guillaume Dasquié zögert nicht, mit dem Jornalisten des Point, Jean Guisnel, eine Entgegung L’Effroyable mensonge herauszubringen [27]. Beide Autoren hüten sich sehr, die Analyse der politischen Abdrift der USA, innen, wie aussen, zu diskutieren. Sie konzentrieren sich auf ein Kapitel, welches in Frankreich besonders medienwirksam war, die Anzweiflung, daß ein Flugzeug in das Pentagon geflogen sei. Problem: Sie brechen dafür die Gesetze der Newtonschen Pysik und versichern ohne mit der Wimper zu zucken, daß das Flugzeug sich mit einem "horizontalen Stich" in das Gebäude gebohrt hätte. Das wesentliche ihres Pamphletes sind aber, Vermutungen über die die Mitarbeiter des Voltaire-Netzes, darauf abzielend Glauben zu machen, daß die Gemeinschaft in die extreme Rechte abgedriftet sei [28].

Die Internationale Presse ist zufrieden, die Herren Dasquié und Guisnel haben "bewiesen", daß die Journalisten zum 11. September gut gearbeitet haben und daß die Arbeiten von Meyssan vernachlässigt werden können. Problem: Das Buch ist Gegenstand einer Verurteilung in einem Strafprozess. [29]

Jean-Charles Brisard, seinerseits, hält sich jedoch nicht auf. Er wird Ermittler für ein prestigeträchtiges Anwaltsbüro, Motley Rice LLC, welches 5600 Eltern von Geschädigten bei den Attentaten des 11. September vertritt und von der königlich-saudischen Familie Schadensersatz fordert [30]. In diesem Rahmen übergibt Brisard Dokumente an den Richter Renaud van Ruymbeke (Nahestehender des Richters Alain Marsaud). Yeslam Bin Laden und sein Halbbruder Osama verfügten von 1990 - 1997 bei der UBS (Union des banques suisses) über eine gemeinsames Konto [31]. Im Jahr 2000 sollen zwischen der Schweiz und Pakistan Beträge in Höhe von 300 Mill US$ transferiert worden sein um die Attentate zu finanzieren. Die Staatsanwaltschaft von Paris eröffnet die Ermittlungen. Problem: Nach der Durchsuchung von neun Gesellschaften stellt die Schweiz fest, daß die Beschuldigungen in keiner Weise begründet sind und weist die internationale Untersuchungskomission ab [32]. Nach AFP sollen die Erklärungen von M. Brisard auf Informationen der US-Geheimdienste beruhen [33]. Wie bereits der Rest, es ist falsch.
Problem: M. Brisard hat sich mit seiner Beratungsfirma in Lausanne niedergelassen. Er wurde vom Ministerium für Öffentlichkeitsarbeit beauftragt eine Expertise zu erstellen. Aber die Schweiz wusste nicht, daß er ein Informant des Richters Van Ruymbeke war und daß er für ein US-Anwaltsbüro arbeitete. Oder - Elemente der schweizerischen Akte, die unter dem Ermittlungsgeheimnis steht, schlagen im Büro der US-Anwälte LLC Motley Rice auf, als ob ein Experte eine undichte Stelle organisiert hätte... [34]

Im Dezember 2002 bringt er einen neue Version seines Berichtes in Umlauf, dieses mal präsentiert als Auftrag des columbianischen Präsidenten des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen [35]. Problem: Botschafter Alfonso Valdiviesco dementiert und wettert lautstark gegen diesen Spinner.

Am 22. Oktober 2003 darf Jean-Charles Brisard beim Bank-Ausschuß des US-Senats vorsingen. Unter Benutzung seines dortigen, falschen Lebenslaufes, wiederholt er daselbst seine falschen Verdächtigungen. Er versichert daselbst, daß sein Freund der französische Minister Charles Pasqua, bereits im November 1994 bei der saudischen Regierung Alarm geschlagen hätte [36].

Wieder zurück in seinem Büro in Lausanne (Schweiz), widmet sich Jean-Charles Brisard dem Studium einer Dokumentation, die er via Klageschrift vom Anwaltsbüro Motley Rice LLS erhalten haben will: 1,5 Millionen Seiten, beschlagnahmt in den Räumen einer saudischen NGO in Bosnien, der Benevolence International Foundation [37]. Außerdem beteiligt er sich an einer Kampagne gegen den schweizer Intellektuellen Tariqu Ramadan.

Im Januar 2005 veröffentlicht Jean-Charles Brisard ein neues Werk, Zarkaoui, le nouveau visage d’Al-Qaida (Zarkaui, das neue Gesicht von Al-Kaida) [38]. Diesmal handelt es sich darum einer Person, welche die USA in Szene setzen will um den irakischen Widerstand zu diskreditieren, Zusammenhang zu verleihen [39]. Aus diesem Grund wird er vom Richter Juan del Olmo, als Experte in den Ermittlungen der Attentate von Madrid, in Anspruch genommen. Er verfasst einen Bericht in welchem er feststellt, daß die Operation von Al-Zarkaoui in Auftrag gegeben worden sei, um Spanien dafür zu bestrafen, daß es sein Truppen in den Irak entsandt habe [40]. Problem: Diese Behauptungen werden von der parlamentarischen Untersuchungskommisssion dementiert. Egal wie, zwei Jahre später stellt Jean-Charles Brisard, mit derselben Sicherheit, eine Verbindung zwischen den vermuteten Autoren der Attentate von Madrid und denjenigen von London her [41].

Immer in derselben Marktnische, veröffentlicht Guillaume Dasquié, inzwischen der Liebling von Fernsehsendungen und Forscher am Institut de relations internationales et stratégiques (IRIS), Al Qa’ida vaincra (Al-Kaida wird siegen) [42]. Vorabdrucke erscheinen in der Revue Amnistia, enquêtes interdites die sich darauf spezialisiert hat mit der Gewalt der Vermischung das Voltaire-Netz und alle arabischen Widerstandsbewegungen ohne Unterscheidung als Avatare des Faschismus zu präsentieren. [43] Herr Dasquié erweitert sein Angebot indem er heftigst l’IIRO, die saudische, caritative Hauptorganisation, in Frage stellt, wobei er eine Verbindung herstellt zwischen einem franco-saudischen Bewaffnungsvertrag und den Männern von Osama Bin Laden [44]. Der letzte Punkt zieht die Aufmerksamkeit des Geheimdienstausschusses des Kongresses der USA auf sich, der hier eine Gelegenheit mehr sieht, die französische Weigerung, im Irak zu intervenieren und geheime saudische Interessen in Verbindung zu bringen [45]. Problem: Für die US-Ermittler ein Schuss in den Ofen.

Guillaume Dasquié hat Sinn für Kameraderie: So fügt er in sein Märchenbuch eine Unterhaltung mti dem Anti-Terror-Richter Jean-Louis Bruguière ein [46]. Dieser vertraut ihm an: "Brisard, der, wird mit einer Kugel im Kopf enden. Es gibt Leute, die das sehr gut machen. Wissen Sie, die Kreise, für die Sie sich interessieren, sind gefährlich. Da gibt es manchmal Tote." Na also - endlich eine Sache, die es Herrn Brisard, Ex-Co-Autor, ermöglicht wieder in die Mitte der Szene zu kommen und die Staatsgewalt um Schutz zu beanspruchen [47]. Niemand deckt auf, daß Jean-Louis Bruguière Freund und Nachfolger des Richters Alain Marsaud ist, der Privatier geworden ist und Jean-Charles Brisard benutzt um seinen allzu berühmten Bericht zu verfassen.

Die Story hört da aber noch nicht auf. Die Hirngespinste der Herren Brisard und Dasquié werden in der revidierten Version eines bekannten Werkes von Michael Griffin über die Taliban, wieder aufgegriffen [48]. Die Gerüchte werden weiter aufgeblasen. Dieses mal erfährt der Leser, daß die Saudis über Al-Kaida auch 1995 den Mord des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak beauftragt hätten. Michael Griffin ist ein Mitarbeiter von Transparency International, eine NGO eng verbunden mit NED/CIA um der Welt angelsächsische Geschäftsmethoden beizubringen. Problem: M. Griffin erkennt seine Fehler und zieht sein Buch vom Verkauf zurück.

Vor allem in angelsächsischen Ländern finden die Verdächtigungen der Herren Brisard und Dasquié, durch Rachel Ehrenfeld, eine neokonservative Akademikerin, Verbreitung, Sie hat sich seit vielen Jahren spezialisiert auf die Denunzierung geheimer Finanzierungen von nationalen Befreiungsbewegungen. Sie veröffentlicht 2003 eine Synthese von ihren persönlichen Theorien und denjenigen von Jean-Charles Brisard. "Das Schlechte subventionieren: Wie Terrorismus finanziert wird und wie er gestoppt werden kann [49]. Problem: Dieses Buch ist Objekt eine Verurteilung in einem Strafprozess. [50]

Frau Ehrenfeld arbeitet mit dem Büro Benador Associates zusammen welches freie Foren und zahlreiche Zeitschriften und Video-Debatten vertreibt. Insgesamt ca 50 "Experten" denen die Welt die spektakulärsten, medialen Falschmeldungen der Bush-Jahre (Michael Ledeen, Laurie Mylroie, Richard Perle, Walid Phares, Daniel Pipes, Natan Sharansky, Amir Taheri etc…) verdankt. Unter ihnen natürlich James Woolsey, ehemaliger Herr des CIA, der die Verwandtschaft zwischen Osama Bin Laden und dem saudischen Milliardär Bin Mahfouz erfunden hatte. Rachel Ehrenfeld selbst hat sich vom Status der Priesterin des "Krieges gegen die Drogen" unter Vater Bush zur Expertin des "Krieges gegen den Terrorismus", unter Sohn Bush, hochgearbeitet. Sie wurde berühmt durch die Erfindung ihrer Theorie, daß Fidel Castro ein Drogenhändler sei [51] und auch daß Yassir Arafat die Gelder der PLO privaten Zwecken zuführe und persönlich verwende, um im Luxus eines Nabab zu leben [52]. Problem: Diese Behauptung wurde beim Tod des Präsidenten von den Palästinensischen Autoritäten vollständig dementiert. [53]

Am Ende des kalten Krieges versicherte Rachel Ehrenfeld der Héritage Fondation, daß die UdSSR gleichzeitig den weltweiten Drogenhandel und den internationalen Terrorismus dirigiere [54]. Heute ist es der französische Richter Jean-Louis Bruguière, der im Klub der Bilderberger versichert, daß alles nur die Schuld der Muslime sei.

Jean-Charles Brisard (inzwischen vorgestellt als ehemaliger französischer Geheimdienst Offizier) und Rachel Ehrenfeld arbeiten in diversen Organisationen zusammen, schreiben im Terror-Finanz- Blog und beteiligen sich beim Intelligence Summit. Ersteres bringt Knüller welche den islamischen Theologen Tariq Ramadan in den eng begrenzten Kreis der Lenker des internationalen Terrorismus verstricken, letzteres bringt sie in die US-Medien [55]. Problem: Auch da ist wieder alles falsch und diese Verdächtigungen verhindern nicht, daß Herr Ramadan von der britischen Regierung in eine "natonale Kommission zur Mediation" berufen wird.

Nach Jahren der Verleumdungen und Anmaßungen bedurfte es der ganzen Hartnäckigkeit der Familie Bin Mahfouz, persönlich und mit anderen saudischen Persönlichkeiten angegriffen, um die Herren Brisard und Dasquié, bedroht vom geschäftlichen Ruin durch die zu erwartenden Urteile in Großbritannien und den USA, dazu zu bewegen, öffentlich einzugestehen, daß sie die saudische Spur erfunden haben. Immer wieder haben sie mit allen Mitteln versucht ihren Verantwortungen zu entfliehen. Jean-Charles Brisard ist sogar soweit gegangen, als parlamentarischer Zeuge, die Immunität zu beantragen, weil er vom Congress befragt worden war [56]. Die zahllosen Autoren und Journalisten hingegen , die zitiert und kommentiert und Schlüsse aus den ungültigen Arbeiten gezogen haben, haben ihre Werke noch nicht korrigiert.

Übersetzung
Ralf Hesse

[1] « Excuses publiques de Jean-Charles Brisard et Guillaume Dasquié à Khalid bin Mahfouz et Abdulrahman bin Mahfouz » par Jean-Charles Brisard et Guillaume Dasquié, Le Figaro, 31 octobre 2006.

[2] Charles Pasqua. Une force peu tranquille par Jean-Charles Brisard et Géraud Durand, éd. Granger, 1994. Nebenbemerkung, aber ohne Einfluß auf die Folgen dieser Geschichte: Thierry Meyssan ist der Autor einer nicht autorisierten Biographie der selben Persönlichkeit, L’Énigme Pasqua, Golias, 2000.

[3] « Tué par son plus fidèle ennemi » par Éric Pelletier, L’Express, 12 septembre 2002.

[4] «Les complexes réseaux de Ben Laden», La Tribune, 13 septembre 2001.

[5] «Services de renseignement et intérêts commerciaux américains » par Jean-Charles Brisard, Revue de la Défense nationale, juillet 2000.

[6] «Ussama Bin Laden : un Saoudien, surtout ! », Éditorial d’Intelligence On Line n°413, 20 septembre 2001.

[7] Le blanchiment des capitaux en Europe, Tome 4 : Londres, Gilbraltar et les dépendances de la Couronne, Assemblée nationale, 2001.

[8] « Un ministre français adulé aux États-Unis », Voltairenet, 7 octobre 2005.

[9] «La toile financière d’Oussama Ben Laden s’étend des pays du Golfe à l’Europe », par Babette Stern, Le Monde, 25 septembre 2001.

[10] « Les liens financiers occulte entre les Bush et les Ben Laden », Notes d’information du Réseau Voltaire n°237, octobre 2001.

[11] «Qui veut nuire à la SBA ?», communiqué diffusé mi-novembre, reproduit dans Notes d’information du Réseau Voltaire n°241, 16 décembre 2001.

[12] « Los lazos financieros ocultos entre las familias Bush y Ben Laden », dossier traduit par Anne-Marie Mergier, Proceso, 21 octobre 2001.

[13] Testimony before Senate Judiciary Committee Subcommittee par James R. Woolsey, 3 septembre 1998.

[14] M. Woolsey erklärt sich nicht mehr gut zu erinnern… einen arabischen Namen schlecht ausgesprochen zu haben… die Transcription seines Interviews nicht genau gelesen zu haben (« Top investigator in 9/11 victims’s lawsuit faces libel action » par Ken Silverstein, Los Angeles Times, 26 février 2003). Schließlich zieht er sich zurück am 15. Dezember 200, anläßlich seiner Zeugenschaft vor dem Hohen Gerichtshof von Queen’s Bench Division, obwohl er gekommen war um das Wall Street Journal, angeklagt wegen Verleumdung, zu unterstützen.

[15] Ben Laden, La Vérité interdite par Jean-Charles Brisard et Guillaume Dasquié, Denoël, 2001.

[16] «Quand Washington négociait avec les talibans », Le Monde, 13 novembre 2001.

[17] Forbidden Truth: U.S. -Taliban Secret Oil Diplomacy and the Failed Hunt for Bin Laden par Jean-Charles Brisard et Guillaume Dasquié, Nation Books, 2002.

[18] Auszug aus den Pressemitteilungen: « Jean-Charles Brisard is former head of corporate intelligence for Vivendi Universal. Featured on radio and television around the world, Brisard is the first expert to fully investigate the financial links between Islamic banking institutions and worldwide terrorist organizations. Former advisor to Senator Marty Wirth (D/CO), Brisard studied international law in Paris and diplomacy at Georgetown University. Currently, CEO of a financial investigation company, he resides in Paris and will be available for interviews in the United States in August 2002 ».

[19] «9/11 Author Seeks Senate Protection » par Ethan Wallison, Roll Call, 15 juillet 2004.

[20] Bezüglich des Planes Raus mit denSaudi’s, „Der „Kampf der Kulturen““ Thierry Meyssan, Übersetzung Sabine, Voltaire Netzwerk, 4. Juni 2004.

[21] The Top 25 Censored Media Stories of 2001-2002, Project Censored, 2003.

[22] Terrorist Financing, Council on Foreign Relations, 2002.

[23] Entretien le 14 décembre 2001 à 10h.

[24] L’Effroyable imposture par Thierry Meyssan, Carnot, 2002.

[25] « Le Manhattan Institute, laboratoire du néo-conservatisme » par Paul Labarique, Voltairenet, 15 septembre 2004.

[26] « Les trucages de la Foundation for the Defense of Democracies », Voltairenet, 2 février 2005.

[27] L’Effroyable mensonge. Thèse et foutaises sur les attentats du 11 septembre par Guillaume Dasquié et Jean Guisnel, La Découverte, 2002.

[28] Alle diese Verdächtigungen sind Fantasieen, mit Ausnahme der Bestellung von Kommandant Pierre-Henri Bunel, was aber öffentlich bekannt war.

[29] TGI de Paris, XVIIe chambre correctionnelle, 15 décembre 2003. Ce jugement n’est pas définitif, les défendeurs ayant fait appel.

[30] « Members of Saudi royal family sued for alleged complicity in September 11 » et « Lawyer for families of 9/11 investigated Saudi princess » par Francis Temman, AFP, 16 août et 25 novembre 2002.

[31] «L’un des demi-frères de Ben Laden s’explique sur ses comptes bancaires », Associated press, 28 septembre 2004.

[32] «La France traque le demi-frère de Ben Laden en Suisse», Libération, 28 mars 2002.

[33] «Fin de l’enquête française sur les comptes de Yeslam Binladin», AFP, 14 septembre 2006.

[34] «Plainte pénale du demi-frère de Ben Laden après des « fuites » à Berne» par Jean-Noël Cuenod, La Tribune de Genève, 11 décembre 2004.

[35] «Terrorism financing : roots and trends of Saudi terrorism financing» Jean-Charles Brisard Consulting, décembre 2002.

[36] Written Testimony of Jean-Charles Brisard, International Expert on Terrorism Financing, Lead Investigator 911 Lawsuit, CEO JCB Consulting International, Committee on Banking, Housing and Urban Affairs, United States Senate, 22 octobre 2003.

[37] «Les financiers d’Al-Qaïda traqués depuis Lausanne » par Sylvain Besson, Le Temps, 2 août 2003.

[38] Zarkaoui, le nouveau visage d’Al-Qaida par Jean-Charles Brisard et Damien Martinez, Fayard, 2005.

[39] « Abou Moussab al-Zarkaoui, super-héros du Mal » par Vladimir Alexe, Voltairenet, 19 juillet 2005.

[40] « Un informe del equipo legal del 11-S liga la red de Al Zarqawi con detenidos del 11-M » par J.A. Rodriguez, El País, 7 septembre 2005.

[41] « Profile: British authorities find fingerprints from bomb material; search homes in north of London », NBC News, 12 juillet 2005.

[42] Al Qa’ida vaincra par Guillaume Dasquié, Privé, 2005.

[43] Amnistia.net, 8 juillet 2005.

[44] « "Al Qaïda vaincra", le journal d’une dernière enquête sur ben Laden », AFP, 16 avil 2005.

[45] « Le Congrès américain s’intéresse à un livre français sur Al-Qaïda », AFP, 20 mai 2005.

[46] « Jean-Louis Bruguière, un juge d’exception » par Paul Labarique, Voltairenet, 29 avril 2004.

[47] « Bruguière prié par un enquêteur de préciser des menaces pesant sur lui », AFP, 9 mai 2005.

[48] Reaping the Whirlwind: The Taliban Movement in Afghanistan par Michael Griffin, Pluto Press, édition révisée et augmentée de 2003.

[49] Funding Evil; How Terrorism is Financed and How to Stop It par Rachel Ehrenfeld, Bonus Book, 2003.

[50] Haute Cour d’Angleterre, 3 mai 2005.

[51] « The Narcotic-Terrorism Connection » par Rachel Ehrenfeld et Michael Kahan, « The Americas: Castro Is Shocked! Shocked! to Find Drug-Dealing Comrades » par Rachel Ehrenfeld, The Wall Street Journal, 10 février 1986 et 23 juin 1989.

[52] « Poor, wealthy Yasser » par Rachel Ehrenfeld, Jerusalem Post, 22 novembre 1994.

[53] In Mangel eines Palästinensischen Staates wurde ein Teil der Gelder über ein Konto, welches auf den Namen Präsident Arafat lief, abgewickelt. Das hatte keinerlei Verbindung mit irgendeiner persönlichen Nutzung.

[54] Narco-Terrorism : The Kremlin Connection, Heritage Foundation Lecture n°89, 1986. Cité dans The Terrorism Industry. The Experts and Institutions that Shape our View of Terror par Edward Herman et Gerry O’Sullivan, Pantheon Books, 1989.

[55] « Une plainte fait état de liens supposés avec les milieux terroristes internationaux » et « Hani, un frère provocateur et encombrant », Le Monde, 23 décembre 2003. « Peace Professor Singled Out Jews of France » par Elie Lake et « Why Revoke Tariq Ramadan’s U.S.Visa? » par Daniel Pipes, The New York Sun, 7 janvier et 27 août 2004. « Why Tariq Ramadan lost ; Washington was right to deny visa » par Rachel Ehrenfeld et Alyssa A. Lappen, The Washington Times, 11 octobre 2006.

[56] Ethan Wallison op. cit.

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