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Bagdad verlangt die Rückgabe der von den Kurden in 2014 besetzten Gebiete

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Die irakische Regierung fordert die Rückgabe der im Jahr 2014 durch die kurdische Regionalregierung besetzten Gebiete.

Im Jahr 2014 wurde durch die Vereinigten Staaten, Israel, Jordanien und die Türkei, im Einvernehmen mit dem Katar und Saudi-Arabien, der Versuch einer Teilung des Irak koordiniert. Der ursprüngliche Plan sah die Besetzung von al-Anbar durch Daesh und die der Ölfelder von Kirkuk durch die kurdische regionale Regierung Iraks vor [[„Enthüllungen der PKK über den Angriff des EIIL und die Schaffung von "Kurdistan"“, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 8. Juli 2014.]. Die irakischen Truppen zogen sich zurück, ohne Daesh noch die Kurden zu bekämpfen, und überließen den Dschihadisten wie abgemacht die neuen Waffen, die von Washington gerade geliefert worden waren.

Zur dieser Zeit organisiert Washington die Enthebung des irakischen Ministerpräsidenten Nouri al-Maliki, der sich der Zerstückelung seines Landes widersetzte. Eine internationale Presse-Kampagne wird organisiert, die darin besteht, dass er die Schiiten vor den Sunniten begünstigt habe, obwohl er gerade von den beiden Gemeinschaften reichlich wiedergewählt worden war.

Angesichts des langsamen und unaufhaltsamen Vormarsches der syrischen Armee und Russlands auf der anderen Seite der Grenze, sowie des Abkommens zwischen Moskau und Washington, scheint man jedoch die Idee der Schaffung eines Kurdistans auf beiden Seiten der irakisch-syrischen Grenze aufgegeben - oder aufgeschoben – zu haben. [[„Die Kurdistan-Projekte“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 5. September 2016.].

Genauso wenig wie der Norden von Syrien, sind die Ölfelder von Kirkuk historisch kurdische Gebiete. Der irakische Staatshaushalt sah die Zahlung von Lizenzgebühren von diesen Ölfeldern an die nationale Staatskasse vor. Doch die Regionalregierung der Kurden im Irak hat sie zu ihrem eigenen Vorteil abgezweigt und ihr Öl zugleich mit dem von Daesh gestohlenen über eine eigene Pipeline exportiert.

Der neue irakische Ministerpräsident, Haider al-Abadi (Foto), hat sich aber in das Spielchen eingeschaltet. Er hat es geschafft, einen Teil der durch Washington bezahlten Politiker auszuschließen und am 15. August 2016 eine neue Regierung zu bilden. Er nimmt also die Politik seines Vorgängers wieder auf.

In Erbil, Sitz der kurdischen regionalen Regierung Iraks, macht man sich Bedenken über die Konsequenzen des Friedens: Präsident Massoud Barzani, dessen Amtszeit im Juni 2013 abgelaufen war, nutzte die Krise, um die Wahlen auf unbestimmte Zeit zu verschieben und sich durch Eliminierung seiner Gegner an der Macht zu halten. Die Rückgabe der eroberten Gebiete würde eine Reduzierung von 40 % der verwalteten Oberfläche ausmachen. Vor allem würde der Verlust der Ölfelder von Kirkuk seine kolossalen Einkommen drastisch vermindern und den Schleichhandel, den er mit Daesh und der Türkei betreibt, unterbinden.

Übersetzung
Horst Frohlich

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