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Die Rumsfeld/Cebrowski-Strategie ist ein Plan zur Anpassung der Mission des Pentagons an die Globalisierung des Kapitalismus. So müssen in mehreren Regionen der Welt, angefangen mit dem Großraum Mittlerer Osten, staatliche Strukturen zugunsten eines „konstruktiven Chaos“ zerstört werden. Das ist der „endlose Krieg“, der von George Bush angekündigt, von Barack Obama verfolgt und von Donald Trump angeprangert wird.

In der Londoner Erklärung [1] haben die 29 Mitgliedsstaaten der NATO „das Engagement für die Sicherheit und die langfristige Stabilität Afghanistans“ bekräftigt. Eine Woche später gelang es der Washington Post, auf der Grundlage des Freedom of Information Act (bei dem je nach politischer Notwendigkeit eine Reihe von älterer Leichen aus dem Keller geholt wurden), die Freigabe von 2.000 Seiten aus Dokumenten zu erzwingen, die zeigen, dass „die US-Beamten die Öffentlichkeit über den Krieg in Afghanistan getäuscht haben“ [2]. Im Grunde verbargen sie seine katastrophalen Auswirkungen, einschließlich der wirtschaftlichen Effekte, eines Krieges, der sich seit 18 Jahren hinzieht.

Die interessantesten Daten, die sich herauskristallisieren, sind die über die wirtschaftlichen Kosten. 1.500 Milliarden Dollar wurden für militärische Operationen ausgegeben, eine Zahl, die „undurchsichtig“ bleibt - oder mit anderen Worten, unterschätzt - niemand weiß, wie viel die Geheimdienste für den Krieg ausgegeben haben oder die tatsächlichen Kosten der Dienstleister, der für den Krieg rekrutierten Söldner (derzeit etwa 6.000).

Da „der Krieg mit geliehenem Geld finanziert wurde“", sind die aufgelaufenen Zinsen auf 500 Milliarden gestiegen, was die Gesamtausgaben auf 2.000 Milliarden Dollar bringt. Hinzu kommen weitere Posten: 87 Milliarden für die Ausbildung der afghanischen Streitkräfte, 54 Milliarden für den „Wiederaufbau“, von denen ein großer Teil „durch Korruption und gescheiterte Projekte verloren ging“. Mindestens 10 Milliarden mehr wurden für den „Kampf gegen den Drogenhandel“ ausgegeben, mit dem triumphalen Ergebnis einer stark gestiegenen Opiumproduktion - heute liefert Afghanistan 80 % des Heroins auf dem Weltmarkt.

Mit den Zinsen, die sich weiter anhäufen (im Jahr 2023 werden sie auf 600 Milliarden ansteigen) und den Kosten für die laufenden Operationen übersteigen die Ausgaben leicht 2.000 Milliarden. Wir müssen auch die Kosten für die medizinische Versorgung der Veteranen berücksichtigen, die mit schweren Wunden oder invalide aus dem Krieg zurückkehren. Bislang wurden bereits 350 Milliarden Dollar für diejenigen ausgegeben, die in Afghanistan oder im Irak gekämpft haben, und diese Summe wird in den nächsten 40 Jahren auf 1.400 Milliarden Dollar steigen. Da die Hälfte dieser Summe für die Veteranen Afghanistans ausgegeben wird, betragen die Kosten des Krieges für die USA mehr als 3.000 Milliarden Dollar.

Nach 18 Jahren Krieg und einer nicht zu beziffernden Anzahl von zivilen Opfern sind die Ergebnisse auf militärischer Ebene wie folgt: „Die Taliban kontrollieren einen großen Teil des Landes, und Afghanistan bleibt eine der größten Quellen von Flüchtlingen und Migranten“. Die Washington Post kommt daher zu dem Schluss, dass die freigegebenen Dokumente „die brutale Realität der Fehler und des Scheiterns der amerikanischen Bemühungen um die Befriedung und den Wiederaufbau Afghanistans“ offenbaren.

Auf diese Weise täuscht die prestigeträchtige Nachrichtenagentur, die die Art und Weise erklärt, in der die US-Beamten „die Öffentlichkeit getäuscht haben“, nun erneut die Öffentlichkeit, indem sie den Krieg als „die amerikanischen Bemühungen um die Befriedung und den Wiederaufbau Afghanistans“ darstellt. Das wahre Ziel des von den USA geführten Krieges in Afghanistan, an dem sich die NATO seit 2003 beteiligt, ist die Kontrolle dieser Region, die von größter strategischer Bedeutung ist - an der Schnittstelle zwischen dem Nahen Osten, Mittel-, Süd- und Ostasien , insbesondere unter Berücksichtigung der Nähe von Russland und China.

Auch Italien beteiligt sich an diesem Krieg unter amerikanischem Kommando, da das Parlament im Oktober 2002 die Lieferung eines ersten Militärkontingents ab März 2003 genehmigt hat. Die Kosten für Italien, die wie in den USA aus der Staatskasse bezahlt werden, werden auf etwa 8 Milliarden Euro geschätzt, zu denen noch verschiedene andere Kosten hinzukommen. Um die von den Kürzungen der Sozialausgaben stark betroffene Bevölkerung davon zu überzeugen, dass weitere Summen für Afghanistan notwendig sind, wird ihr gesagt, dass das Geld zur Gewährleistung besserer Lebensbedingungen für das afghanische Volk verwendet wird. Und die Brüder des Sacro Convento von Assisi überreichten Präsident Mattarella die „Friedenslampe von San Francesco“ und erkannten damit an, dass „Italien mit seinen Missionen und seinen Soldaten aktiv an der Förderung des Friedens überall in der Welt mitwirkt“.

Übersetzung
K. R.
Quelle
Il Manifesto (Italien)

[1] “London Declaration”, Voltaire Network, 4 December 2019.

[2] “The Afghanistan Papers. A secret history of the war. At war with the truth”, Craig Whitlock, The Washington Post, December 9, 2019.