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Die Französische Revolution wurde nicht durch einen königlichen Missbrauch ausgelöst. Die Franzosen dachten nicht daran, die Monarchie zu stürzen. Es waren die Pariser, die überzeugt waren, dass die Hauptstadt von ausländischen Armeen angegriffen würde und dass der König sie nicht verteidigen würde, die die Waffen ergriffen, die im Gefängnis der Bastille lagerten.

Die Krise des Kapitalismus

Historisch gesehen begann die Krise des Westens mit der Krise des amerikanischen Kapitalismus im Jahr 1929. Damals wurde in den Büchern und Zeitungen mehrheitlich behauptet, dass die Konzentration des Kapitals die Wirtschaft lahmlegt, indem sie den Wettbewerb in vielen Bereichen verhindert. Während in den USA die Hungersnot herrschte, wurden von der damaligen Presse drei politische Modelle vorgeschlagen, um aus dieser wirtschaftlichen Sackgasse herauszukommen:
- den Leninismus mit der Verstaatlichung aller Produktionsmittel auf die Gefahr hin, dass jegliche persönliche Initiative zunichte gemacht wird;
- den Faschismus des ehemaligen Vertreters von Lenin in Italien, Benito Mussolini, der vorsah, nicht die Konzentration des Kapitals zu bekämpfen, sondern sie in Konzernen zu organisieren, auf die Gefahr hin, dass die Arbeiter jegliche Möglichkeit verlieren, sich dem Missbrauch von Arbeitgebern zu widersetzen;
- den Progressismus von Franklin Roosevelt, für den die Technologie die Wirtschaft ankurbeln und die Lösung bringen sollte, sofern der Wettbewerb durch die Zerschlagung der großen Unternehmen (nach der Doktrin von Simon Patten) wiederhergestellt wird.

Es war Lenin selbst, der das Scheitern seiner Wirtschaftstheorie in Zeiten des Bürgerkriegs feststellte. Damals liberalisierte er den Außenhandel und erlaubte sogar einige private Unternehmen in der Sowjetunion (die Neue Wirtschaftspolitik - NEP). Der Faschismus konnte sich nur um den Preis schrecklicher Unterdrückung entwickeln. Er wurde vom Zweiten Weltkrieg weggefegt. Der Progressismus blieb die Regel bis in die 1980er Jahre, als er durch die Deregulierung von Ronald Reagan und Margaret Thatcher in Frage gestellt wurde.

Auch dieses vierte Modell ist nun durch die durch die Globalisierung hervorgerufene Zerstörung der Mittelschicht in Frage gestellt. Präsident Bush Senior dachte, dass mit dem Ende der UdSSR das Streben nach Wohlstand die militärische Rivalität zwischen Washington und Moskau ersetzen würde. Er erlaubte einigen US-Unternehmen, sich mit der Kommunistischen Partei Chinas zu verbünden und Fabriken an die chinesische Küste zu verlagern. Obwohl die chinesischen Arbeiter überhaupt nicht ausgebildet waren, die Arbeitskosten in China aber zwanzigmal niedriger waren als in den USA, sammelten diese Unternehmen enorme Profite, die es ihnen ermöglichten, in einigen Sektoren eine noch viel stärkere Konzentration als in 1929 zu erzwingen. Darüber hinaus erwirtschafteten sie den größten Teil ihrer Gewinne nicht mehr aus der Produktion von Waren und aus Dienstleistungen, sondern aus den Einnahmen aus ihrer Liquidität. Der Kapitalismus veränderte sich erneut. Er war nicht mehr produktiv, sondern wurde ein Finanzkapitalismus.

Die chinesischen Arbeiter, die nach und nach dazulernten, sind heute genauso teuer geworden wie die US-Arbeiter, so dass die Auslagerungen jetzt ihr eigenes Land betreffen, dieses Mal zugunsten von Vietnam und Indien. Wir sind wieder am Ausgangspunkt angelangt.

Den US-Unternehmen, deren Geschäftsmodell in der Verlagerung ihrer Arbeitsplätze nach China und der Ausnutzung der Möglichkeiten des Finanzsystems bestand, ist es gelungen, ihre Ideologie der "wirtschaftlichen Globalisierung" mit der Globalisierung des Einsatzes neuer Technologien zu vermischen; Zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Die neuen Techniken können zwar überall auf der Welt eingesetzt werden, können aber nicht überall zugleich eingesetzt werden, da sie so viel Energie und Rohstoffe benötigen.

Sie haben daher Verteidigungsminister Donald Rumsfeld überzeugt, die Welt in zwei Teile zu gliedern: auf der einen Seite eine globale Konsumzone um die USA, Russland und China herum, auf der anderen Seite ein Ressourcengebiet, das die erste Zone versorgen soll. Das Pentagon beschloss darauf, die staatlichen Strukturen des erweiterten Mittleren Ostens zu zerstören, damit die Bevölkerung dieser Region keinen Widerstand gegen dieses Projekt leisten konnte; das war, was George W. Bush den "endlosen Krieg" nannte. In der Tat begannen ewige Kriege in Afghanistan, im Irak, in Libyen, in Syrien, im Jemen, jedes Mal, angeblich aus verschiedenen Gründen, aber immer mit denselben Aggressoren, den Dschihadisten.

2017 beschlossen Donald Trump und Xi Jinping gleichzeitig, dieses Phänomen zu bekämpfen, der erste durch den protektionistischen Nationalismus und der zweite durch den wirtschaftlichen Nationalismus. Die von Trump vorgeschlagene Steuerreform wurde jedoch vom Kongress abgelehnt: Der Border Adjustment Act sah vor, die Ausfuhren zu liberalisieren und alle Einfuhren mit 20 Prozent zu besteuern. Xi Jinping gründete seinerseits auf dem 19. Parteitag der KPC ein Gremium, die Vereinigte Front, die die Übereinstimmung der Unternehmensziele mit den Zielen der Nation überwacht. Ein Vertreter des Staates wurde im Vorstand jedes großen Unternehmens eingesetzt.

Trumps Scheitern, sein Steuerprojekt durchzubringen, veranlasste ihn zum Versuch, die gleichen Vorteile zu erzielen, indem er einen Zollkrieg allein gegen China ausrief. Die KPC reagierte darauf und versuchte, sowohl ihren Binnenmarkt auszubauen als auch ihre Überproduktion auf Europa auszurichten. Europa zahlte sofort den Preis dafür. Wie immer, wenn die Regierenden nicht auf die Not ihres Volkes achten, verursacht das wirtschaftliche Problem eine politische Krise.

Die Krise der Demokratie

Entgegen der weit verbreiteten Auffassung, die sich auf die Erscheinungsebene der Dinge stützt, ist es nicht die Entscheidung für ein neues politisches Regime, sondern die Verteidigung kollektiver Interessen, die Revolutionen hervorruft. In der modernen Welt handelt es sich immer um eine Form des Patriotismus‘. In jedem Fall denken diejenigen, die sich auflehnen, zu Recht oder zu Unrecht, dass ihre Regierenden in den Diensten ausländischer Interessen stehen, dass sie keine Verbündeten mehr sind, sondern Feinde.

Die internationale Ordnung, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg durchsetzte, sollte dem allgemeinen Interesse dienen, sei es durch eine Form der Demokratie oder durch eine Form der Diktatur des Proletariats. In nicht souveränen Staaten wie denjenigen der NATO oder jenen des Warschauer Paktes konnte dieses System jedoch nicht auf Dauer funktionieren. Irgendwann waren die Führer dieser Staaten gezwungen, ihr Volk zu verraten und ihrem Lehnsherrn, den USA oder der UdSSR zu dienen. Dieses System wurde die ganze Zeit akzeptiert, in der jeder es zu Recht oder zu Unrecht für notwendig hielt, um in Frieden zu leben. Dieser Grund existiert heute nicht mehr, aber die NATO ist immer noch da, aber ohne Legitimität.

Die NATO, eine Art Ausländische Legion der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs, hat erdacht und geschaffen, was aus der Europäischen Union geworden ist. Ursprünglich ging es darum, Westeuropa im westlichen Lager zu verankern. Heute unterstellt die Europäische Union durch die Verträge ihre Verteidigung der NATO. In der Praxis ist die Nordatlantikallianz für die Völker der EU der militärische Teil eines Ganzen, dessen ziviler Teil die EU ist. Die NATO setzt ihre Standards durch, lässt die Infrastruktur, die sie braucht, aufbauen und lässt sich über undurchsichtige Institutionen finanzieren. All dies wird den Augen ihrer Einwohner verschleiert, denen beispielsweise erklärt wird, dass das Europäische Parlament über die Normen abstimmt, während es lediglich die von der Kommission vorgelegten NATO-Texte ratifiziert.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Bürger, obwohl sie sie ohne Murren erleiden, diese Organisation nicht akzeptieren: Sie haben sich der Idee einer europäischen Verfassung immer wieder widersetzt.

Gleichzeitig wurde das Konzept der Demokratie grundlegend verändert. Es geht nicht mehr darum, die "Macht des Volkes" zu gewährleisten, sondern sich der "Rechtsstaatlichkeit" zu unterwerfen; Zwei unversöhnliche Konzepte. Von nun an entscheiden die Richter anstelle des Volkes, welche Bürger das Recht haben werden, es zu vertreten und welche nicht. Diese Übertragung der Souveränität von den Völkern auf die Justizsysteme ist unerlässlich, um die tatsächliche Herrschaft der Angelsachsen über die EU-Mitglieder aufrechtzuerhalten. Daher ist Brüssel so hartnäckig, Polen und Ungarn die "Rechtsstaatlichkeit" aufzuzwingen.

Die Revolte

Der Zusammenbruch des Lebensstandards der kleinen Leute in den USA unter Barack Obama löste die Wahl von Donald Trump aus. Die Beschleunigung der Auslagerungen aus Europa infolge des Zollkrieges zwischen den USA und China hat die Gelbwestenbewegung in Frankreich ausgelöst.

Dieser Volksaufstand wurde in den ersten Wochen dieser Bewegung Wirklichkeit (mit der Forderung des Referendums zur Bürgerinitiative - RIC - von Étienne Chouard). Er steht im Einklang mit der Kandidatur des Komikers Coluche für das französische Präsidentenamt im Jahr 1981 (« Tous ensemble pour leur foutre au cul » ["Alle zusammen um sie in den Arsch zu treten"] und den Demonstrationen des italienischen Komikers Beppe Grillo im Jahr 2007 ("Vaffanculo", das heißt, „dass sie sich ficken lassen gehen“). Nach und nach geht der Spott mit einer immer stärkeren und obszöneren Wut einher.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Frage der Ablehnung der US-Militärherrschaft der wirtschaftlichen Globalisierung vorausging, dass es aber letztere war, die den Aufstand eröffnete. Ebenso muss man die patriotischen Forderungen der Gelb-Westen, mit der nationalen Flagge an der Spitze, von den der Trotzkisten unterscheiden, die schnell die Kontrolle über ihre Bewegung übernahmen und sie verdarben, indem sie Symbole der Nation angriffen, indem sie den Triumphbogen und die Statue der Marseillaise vandalisierten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die derzeitige Revolte das Ergebnis eines dreiviertel Jahrhunderts angelsächsischer Herrschaft über die Mitglieder der Europäischen Union und der Hyperkonzentration des globalisierten Kapitals ist. Zusammen bilden diese beiden Krisen eine tickende Zeitbombe, die, wenn sie nicht entschärft wird, zum Nachteil aller explodieren wird. Diese Revolte hat jetzt ein echtes Problembewusstsein erreicht, hat aber noch nicht die Reife, um nicht von den europäischen Regierenden untergraben zu werden.

Da sie nicht einmal versuchen, die aufgeworfenen Probleme zu lösen, hoffen sie, ihre Privilegien so lange wie möglich zu genießen, ohne ihre Verantwortung übernehmen zu müssen. Dabei bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den Krieg zu fördern oder zu riskieren, mit großer Gewalt gestürzt zu werden.

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser