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Der Wind einer neuen Rezession weht stark aus USA

Man hat sich darauf versteift die Idee zu unterstützen, wonach die US-Wirtschaft seit einer gewissen Zeit, wieder Fahrt aufnehme. sogar die hohen Funktionäre der internationalen Finanzorganisationen, hatten gerade erklärt, dass es der US-Ökonomie gelungen sei, sich von der Tendenz eines schwachen Wachstums, welche in anderen Industrie-Ländern vorherrscht, abzukoppeln. Indessen steht dieser hemmungslose Optimismus in Kontrast zur Wirklichkeit: Der Inflation gelingt es nicht signifikant zu wachsen und die Arbeitslosigkeit ist, in mehr als dreißig Staaten in welchen die Gefahren von Deflation und Rezession bestehen bleiben, chronisch geworden.

| Mexiko-Stadt (Mexiko)
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Janet Yellen

Die US-Wirtschaft hat das Risiko erhöht, das Epizentrum der nächsten weltweiten Rezession zu werden. Obwohl der Zinssatz für Staatsanleihen auf einem historischen Tiefstand zwischen 0,25 und 0,50 % bleibt, verweigern die Banken den Unternehmen weiterhin Kredite. [1] Tatsache ist, daß die Bankiers kein Vertrauen in die Rückzahlung der Kredite haben, ganz einfach, weil sie keine überzeugenden Anzeichen eines Aufschwunges in der Sphäre der realen, produktiven Wirtschaft sehen. [2]

Zur aktuellen Stunde ist es für die US-Finanzmagnaten viel profitabler Fusionen und Unternehmens-Einkäufe umzusetzen, ihre eigenen Aktien zurück oder Immobilien in den Schwellenländern auf-zukaufen. Der Produktiviätszuwachs ist nicht ausreichend. [3] Die Investitionen der Unternehmen sind zu gering und die Löhne stagnieren. In Konsequenz bleibt die Inflation gut unter dem Zielwert von 2% [4]. Diese Situation ist für die Präsidentin der FAD , Janet Yellen hoffnungslos, die nicht mehr weiss, wie sie die Wirschaft stimulieren soll.

Der Erholungsprozess ist so fragil, dass das Federal Open Market Committe (FOMC) den Zinssatz für Staatsanleihen unberührt gelassen hat. Erinnern wir uns an letzten Dezember, als die erste Erhöhung des Referenzzinssatzes in fast einem Jahrzehnt stattfand. Dean Turner, Analyst im Service-Büro der UBS hatte prognostiziert, daß die Mitglieder des FOMC den Zins bei mindestens vier Gelegenheiten im Lauf des Jahres 2016 würden steigen lassen [5].

Indessen schätzen heute selbst die optimistischsten Investoren an der Börse, dass es zu maximal zwei Erhöhungen kommen wird, damit die Inflation steigt: Zunächst die Stärkung des Arbeitsmarktes [6], dann schließlich eine neue Erhöhung des Referenzzinssatzes durch die FED von mehr als einem viertel Prozent-Punkt im Lauf des zweiten Semesters. In Wahrheit ist das Panorama heute sehr viel düsterer. Jedes mal wenn das Vertrauen in den Aufschwung der Weltwirtschaft unter der Leitung der US-Lokomotive gesetzt worden war, endete es in einer Ohnmacht, es gibt sogar einige, die schätzen, dass die USA in die Rezession stürzen werden.

Nach den Berechnungen des Beratungsteams der Citygroup unter der Verantwortung von Willem Buiter, ist die Weltwirtschaft nur um 2% im Lauf des Jahres 2015 gewachsen, der niedrigste Wert seitdem die Euro-Zone infolge der Staatsschuldenkrise [7] im Lauf der Jahre 2012 und 2013 von den schlimmsten Verwüstungen heimgesucht wurde. [8]. Die Ökonomen der Citigroup zeigen sich nicht überrascht, daß die Industrieländer, also diejenigen, welche vom Wachstum stärker über das Brutto-Inlandsprodukt (PIB/BIP) im Lauf der letzten Monate profitieren, jetzt stark nachlassen, insbesondere die USA.

Für den berühmten US-Unternehmer, Jim Rogers, ist das Szenario noch pessimistischer. Seiner Meinung nach wird die US-Wirtschaft mit 100%-tiger Wahrscheinlichkeit im Lauf des Jahres in die Rezession versinken. "Achten Sie nicht auf die Zahlen der Regierung, achten Sie lieber auf die realen Zahlen", hat er in einem Interview erklärt [9].

Es zeigt sich, dass während der drei ersten Monate des Jahres, die US-Wirtschaft neue Zeichen der Verwundbarkeit gezeigt hat. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes ist nicht so dynamisch, wie jedermann geglaubt hat [10]. Nach den Daten, welche das Arbeitsministerium veröffentlicht hat, ist die Beschäftigung im nicht ländlichen Bereich um einen Rekord von 242.00 Arbeitsplätzen im Februar gestiegen, wodurch die Arbeitslosenquote für den zweiten Folgemonat unter 4,9% bleibt und damit den tiefsten Wert seit acht Jahren erreicht. Außerdem hatte, nach den aktualisierten Daten der Vormonate, die Beschäftigung im Januar um 172.000 zugenommen, während sie sich im Dezember 2015 auf 2710.000 erhöhte, eine Revision nach oben in beiden Fällen von +30.000 Arbeitsplätzen.

Anscheinend lief alles gut für die US-Wirtschaft. Die Zunahme der nicht landwirtschaftlich Beschäftigten letzten Monat hat die 230.000 Stellen, monatlicher Durchschnitt von 2015, weit übertroffen. Indessen, nach den eigenen Zahlen des Arbeitsministeriums zählen 80% der neuen Stellen zu den Niedriglohnsektoren: Gesundheitspflege, Sozialhilfe, Einzelhandel, Lebensmittelverarbeitung und privater Unterricht [11]. Andererseits hat die Unterbeschäftigung, wenn man diejenigen miteinberechnet, welche es aufgegeben haben eine Beschäftigung zu suchen (1,8 Millionen ohne Beschäftigung) und diejenigen, welche nur teilzeitbschäftigt sind (6 Millionen), 9,7% erreicht. [12].

Es ist unübersehbar, dass die USA keine Vollbeschäftigung genießen. Zur aktuellen Stunde leiden 36 Staaten unter chronischer Arbeitslosigkeit, wobei ihre mittlere Arbeitslosenquote (im jährlichen Durchschnitt) 2015 höher ist als 2007. In der Tat hat eine Recherche von Danny Yagan [13], veröffentlicht von der Berkeley-Universität in Kalifornien, dargelegt, dass mit dem aktuellen Erholungs-Rhythmus der Arbeitsmarkt, der am meisten getroffenen Regionen, sich nicht vor 2020 normalisieren wird: Mehr als ein Jahrzehnt nach der Großen Rezession, dieselbe, wie diejenige, welche droht zurückzukehren, stärker als je zuvor.

Übersetzung
Ralf Hesse

Quelle
Russia Today (Russland)

[1] Anm.d.Übers. Wer möchte denn schon einen Kredit vergeben, wenn er keine Zinsen dafür erhalten wird? Kredite werden erst dann wieder vergeben werden, wenn die Kosten für "Das Parken von Liquidität" hoch genug sein werden. Durch das Sinken der Inflation nahe 0% sind auch diese Kosten gefallen. Aus genau diesem Grund haben einige Zentralbanken, wie die Schweizerische NB, die Schwedische NB wie auch die EZB daher Negativ-Zinsen eingeführt und sind der FED damit einen Schritt voraus.Denn durch diese "Gebühren" steigen die Kosten für Liquidität wieder an und "drängen" die Banken diese durch Kreditvergabe abzuwälzen.s.a.: Wieviel Inflation? Zum Streit der Notenbanken um Inflationsziele

[2] Anm.d.Übers. Hier wird deutlich, daß ohne Kreditvergabe, der gesamte Wirtschaftskreislauf zum Stocken und die Konjunktur zum Erliegen kommt. Alternativ siehe z.B.: Wie liefe es mit alterndem Geld?

[3] Anm.d.Übers. Ohne Investitonen kann auch die Produktivität nicht weiter wachsen. Wir befinden uns somit in einem Teufelskreis. Somit wird auch deutlich, daß die Ursache offensichtlich in der Geld-Politik der ZB/FED liegt.

[4] «La deflación es la peor pesadilla para Estados Unidos», por Ariel Noyola Rodríguez, Russia Today (Rusia) , Red Voltaire , 20 de septiembre de 2015.

[5] «Federal Reserve hikes interest rates seven years after financial crisis – as it happened», Alan Yuhas, Graeme Wearden & Sam Thielman, The Guardian, December 16, 2016.

[6] Anm.d.Übers. Im Gegensatz zur EZB ist die FED durch ihre Satzung bzw. gesetzliche Vorgaben nicht nur auf die Geldstabilität, also die Inflationsrate verpflichtet, sondern auch auf die Beschäftigung. Steigt die Arbeitslosenquote über 5 % so setzt die FED aktuell die Priorität, zu Lasten des Zinssatzes und der Inflation, beim Arbeitsmarkt. Dies gibt der FED eine wesentlich größere Flexibilität in ihren Entscheidungen. Aber auch das Management des Euro durch die EZB ist leider mangelhaft! s.a.: Der Euro-Leitzins ist nicht konjunkturgerecht!

[7] Anm.d.Übers. Die Staatschuldenkrise ist entgegen landläufiger Meinung nicht die Ursache dieser Krise. Die Ursache lag in einer falschen Einschätzung des Marktes durch die FED und eine zu starke Beschleunigung des Zinsanstieges durch die FED. s.a Lehren aus der Finanzkrise

[8] «Citi: Here Comes a Global Recession», Julie Verhage, Bloomberg, February 25, 2016.

[9] «Jim Rogers: There’s a 100% Probability of a U.S. Recession Within a Year», Luke Kawa, Bloomberg, March 4, 2016.

[10] «El crecimiento del empleo se sumerge en el estancamiento», por Ariel Noyola Rodríguez, Russia Today (Rusia) , Red Voltaire , 19 de octubre de 2015.

[11] «The employment situation: February 2016», US Bureau of Labor Statistics, March 4, 2016.

[12] «Table A-15: Alternative measures of labor underutilization», US Bureau of Labor Statistics.

[13] «The Enduring Employment Impact of Your Great Recession Location», Danny Yagan, UC Berkeley, March 2016.

Ariel Noyola Rodríguez

Ariel Noyola Rodríguez Wirtschaftswissenschaftler mit Diplom der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM, - Nationale Autonome Universität von Mexiko), ist Mitglied des Global Research in Kanada. Seine Reportagen zur Weltwirtschaft werden in der Wochenschrift Contralínea und seine satirischen Kolummnen auf Russia Today veröffentlicht. Der mexikanische Journalistenbund "Club de Periodistas de México" hat ihn, für seine 2015 auf Reseau Voltaire veröffentlichten Artikel, in der Kategorie "Beste Wirtschafts- und Finanz-Analyse", mit dem National Preis des Journalismus ausgezeichnet.

 
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