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Ebola, das Pentagon kommt nach Afrika

Mit einem großen Sinn für Kommunikation - oder mit einer vollendeten Scheinheiligkeit - hat Präsident Obama seinen Plan zur Bekämpfung der Ebola Seuche angekündigt. Das Unglück, das die Afrikaner trifft, ist für ihn nur ein Vorwand, um seine Truppen auf dem Kontinent zu entfalten. [Das Original war vom 20. September 2014 und wurde ohne Veränderung übersetzt.]

| Rom (Italien)
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Washington kündigt die Schaffung einer militärischen Kommandozentrale in Liberia an

Angesichts der "beispiellosen Epidemie von Ebola, die sich in Westafrika exponentiell verbreitet", hat Präsident Obama angekündigt, dass die Vereinigten Staaten "auf Antrag der Regierung von Liberia", ein militärisches Kommandozentrum in Liberia einrichten werden. Es ist ein „Hauptquartier der gemeinsamen Befehlszentrale“ sagt das AfriCom (dessen „Verantwortungsbereich“ den gesamten Kontinent mit Ausnahme von Ägypten umfasst). Das Hauptquartier, unter dem Kommando von General Darryl Williams (bereits in Liberia vor Ort) wird über mindestens 3000 US-Soldaten, eine Luftbrücke und einen Hub in Senegal verfügen. Es ist dieses Hauptquartier, das die "Befehls- und Kontroll-Funktion" von der internationalen Anti-Ebola-Operation ausüben wird, die Sanitäter und Feldlazarett Sendungen vorsieht. Laut Obama ist es "ein Beispiel, für das was geschieht, wenn Amerika die Führung zur Bewältigung großer globaler Herausforderungen übernimmt“. Er hat sie in seiner letzten Rede- urbi et orbi-aufgezählt, und behauptet, dass nur Amerika "die Fähigkeit und den Willen habe, die Welt gegen die Terroristen von ISIS [islamisches Emirat] zu mobilisieren", "die Welt gegen die russische Aggression aufzurufen ", und "die Ebola-Epidemie aufzuhalten und zu vernichten."

Selbst wenn die Möglichkeit einer Ebola-Verbreitung in den Vereinigten Staaten extrem gering sei, sagte Obama in seiner Rede in dem Präventions- und Kontrollzentrum [1] in Atlanta (Georgia), hat sie in Westafrika den Tod von "mehr als 2400 Männern, Frauen und Kindern" verursacht. Ein sicherlich tragisches Ereignis, aber ein begrenztes, wenn man es mit der Tatsache vergleicht, dass Westafrika eine Bevölkerung von rund 350 Millionen Einwohnern hat und die ganze Sub-Sahara Region fast 950 Millionen. Wenn man daran denkt, dass jedes Jahr in der Region mehr als 1 Million Erwachsene und Kinder wegen AIDS sterben; dass die Malaria jedes Jahr mehr als 600.000 Todesfälle, vor allem bei Kindern verursacht; dass der Durchfall in Afrika südlich der Sahara und in Südasien jährlich ungefähr 600.000 Kinder unter fünf Jahren (mehr als 1600 pro Tag) tötet. Diese und einige andere Krankheiten, alle "Armuts-Krankheiten", welche jedes Jahr im sub-saharischen Afrika Millionen vorzeitige Todesfälle und Behinderungen verursachen, wegen Unterernährung und schlechter Ernährung, Mangel an Trinkwasser, schlechter hygienisch-gesundheitlichen Bedingungen, in denen die arme Bevölkerung lebt, die 70 Prozent der Gesamtbevölkerung (nach Angaben der Weltbank selbst) ausmachen, wovon 49 % sich in extremer Armut befinden. Die Kampagne von Obama gegen Ebola hat einfach die Züge eines Vorwandes.

Westafrika, wo das Pentagon mit der offiziellen Motivation gegen Ebola zu kämpfen, seinen eigenen Sitz installiert, ist sehr reich an Rohstoffen: Erdöl in Nigeria und Benin, Diamanten in Sierra Leone und in der Elfenbeinküste, Phosphate in Senegal und Togo, Kautschuk, Gold und Diamanten in Liberia, Gold und Diamanten in Guinea und Ghana, Bauxit in Guinea. Die fruchtbarsten Ländereien sind für die Monokultur von Kakao, Ananas, Erdnüsse und Baumwolle reserviert, für den Export. Die Elfenbeinküste ist der größte Produzent der Welt von Kakao. Von der Nutzung dieser Ressourcen kommt fast nichts der Bevölkerung zu Gute, weil die Einnahmen zwischen Multis und der lokalen Eliten geteilt werden, die sich auch durch den Export von Edelhölzern mit schwerwiegenden ökologischen Folgen der Entwaldung anreichern.

Die Interessen der US-amerikanischen und europäischen Multis sind jedoch durch populäre Rebellionen gefährdet (wie z. B. die vom Niger-Delta, verursacht durch die ökologischen und sozialen Folgen der Ölausbeutung) und durch die Konkurrenz aus China, deren Investitionen für die afrikanischen Länder viel nützlicher und vorteilhafter sind. Um ihren eigenen Einfluss auf dem Kontinent zu bewahren, haben die USA im Jahr 2007 das AfriCom gebildet, das unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe afrikanische Offiziere und lokale Spezialeinheiten durch Hunderte militärische Aktivitäten rekrutiert und ausbildet. Ein wichtiger Stützpunkt für diese Operationen ist Sigonella (Sizilien), wo die Task Force des Marine Corps bereitgestellt wurde, die mit hybriden Ospreys-Flugzeugen ausgerüstet, abwechselnd Staffeln vor allem nach Westafrika sendet.

Genau dort, wo die Obama-Kampagne "gegen das Ebola-Virus“ beginnt.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Il Manifesto (Italien)

[1] „Der Ursprung des CDC (Center für Kontrolle und Prävention von Krankheiten) ist in erster Linie militärischer Natur. In den Vereinigten Staaten haben die militärischen Institutionen eine wichtige Rolle im Gesundheitswesen und insbesondere bei der Epidemiologie, erste Überwachung und die Untersuchung der Gesundheit der Truppen gespielt und dann durch das Studium der Epidemien, indem sie als Massenvernichtungswaffen oder Bioterrorismus verwendet werden können“. (Hinweis vom italienischen Übersetzer).

Manlio Dinucci

Manlio Dinucci Geograph und Geopolitiker. Letztes veröffentliche Werk : Laboratorio di geografia, Zanichelli 2014 ; Geocommunity Ed. Zanichelli 2013 ; Escalation. Anatomia della guerra infinita, Ed. DeriveApprodi 2005.

 
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