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Syrien und München 2016

Sie verstehen nicht die Änderung der Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber Syrien? Das ist ganz normal, denn es gibt keine Relation zwischen dem was sie tun und was sie sagen. In München unternimmt Washington — das weiterhin gegen Syrien kämpfende Gruppen bewaffnet — die Förderung eines Abkommens für einen Waffenstillstand. Wir müssen in der Tat den Soldat Daesh retten, den die russischen und syrischen Armeen gerade besiegen.

| Montreal (Kanada)
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Am Donnerstag den 12. Februar trafen sich US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow in München. Kerry kündigte an, dass ein Waffenstillstandsabkommen «innerhalb von Tagen» umgesetzt werden könnte [1]. Lawrow antwortete, dass «das wichtigste Ergebnis des Treffens in München eine Bestätigung für die UN-Resolution zu Syrien war».

Viele Medienquellen sagen, dass «der Westen», weitgehend durch die Vereinigten Staaten und seinen britischen Sekretär dargestellt, in Panik sei, weil die russische militärische Unterstützung für Syrien den Strom der Schlacht auf die Proxys und den Bürgerkrieg nicht gegen die syrische Regierung in Damaskus gerichtet habe. Kerry beeilt sich jetzt, um die Katastrophe und einen bemerkenswerten russischen «Sieg» abzuwenden.

In der Tat kreist die syrische arabische Armee die Dschihad-Terroristen in Aleppo ein und drängt sie in Richtung der türkischen Grenze, um ihnen die Versorgungswege abzuschneiden. Welche süße Ironie, die Dschihadisten, die das durch Regierungstruppen gehaltene Aleppo einkreisen, riskieren nun selbst die Einkesselung. Ein Umschwung wird überall wohlwollend aufgenommen, mit Ausnahme von den westlichen Mainstream Medien (MSM).

Die Rolle der USA in dem Proxykrieg gegen Syrien ist gut bekannt – außer scheinbar in den USA.

Die Obama-Administration hat direkt oder indirekt den ISIS und verschiedene Ableger der Al-Qaida in Syrien unterstützt und beeilt sich jetzt, um sie durch ein Waffenstillstands-abkommen zu retten, das ihnen das Leben retten könnte und ihnen gestatten würde sich wieder zu erholen.

Die US-Politik erinnert an ein anderes Münchner Abkommen im September 1938, als Großbritannien und Frankreich die Tschechoslowakei verkauften, um zu einem besseren Verhältnis mit Nazideutschland zu kommen. Damals spielten die Russen wie heute eine positive Rolle [2], um einen Widerstand gegen einen Angreifer zu organisieren. Der Aggressor 1938 war Nazi-Deutschland; im Jahr 2016 ist der Angreifer eine «westliche» Koalition, die durch die Vereinigten Staaten angeführt wird, mit verschiedenen NATO- und regionalen Vasallenstaaten, unter ihnen, Saudi-Arabien, Katar und die Türkei. Alle diese Desperados wären geeignete Kandidaten für eine polizeiliche Untersuchung in Den Haag. Im Jahr 1938 war es die Idee, die Tschechoslowakei zu spalten; im Jahr 2016 ist die Idee die Zerstörung Syriens, durch den Sturz der rechtmäßigen Regierung in Damaskus. 1938 entschied sich die tschechoslowakische Regierung zur Kapitulation; im Jahr 2011 wählte die syrische Regierung den Kampf. Während die UdSSR 1938 nicht militärisch eingriff, ging die russische Regierung ein großes Risiko im Jahr 2015 ein und intervenierte auf Antrag von Damaskus, um gegen die in Syrien verschanzten ausländisch gestützten Dschihadisten-Streitkräfte zu kämpfen.

Man sollte meinen, dass Kerry einen anderen Ort für das Treffen mit Lawrow gewählt haben würde, um das Odium der Assoziation mit einer anderen westlichen bösen Tat zu vermeiden, die in München vor fast achtzig Jahren geschehen ist. Diesmal sind es die USA und ihre Vasallen, die Krieg gegen Syrien führen. Während ich diese Zeilen schreibe, bombardiert die Türkei in der Tat die Kurden und die in Nordsyrien positionierte syrische arabische Armee. Von den Vereinigten Staaten wird gesagt, dass sie mit ihrem türkischen NATO-Verbündeten Angriffe auf kurdische US-Verbündete stoppen würden, die gegen Dschihadisten kämpfen, die auch Verbündete der USA sind.

Er ist «illegal», pflegen manche westliche Kommentatoren von dem Krieg gegen Syrien zu sagen, aber das ist nur eine politisch korrekte Umschreibung für Aggression. Es gibt keine andere Möglichkeit es zu sagen, es sei denn, Sie glauben den westlichen Märchen über die Verbreitung der «Demokratie». Aber wer hat dem Westen das Recht zur Verbreitung der «Demokratie» gegeben, mit vorgehaltener Pistole, und mit arabischen absoluten Monarchien verbündet?

Also, plötzlich sind die Vereinigten Staaten humanitär geworden und wollen die Schlacht beenden, die sie seit fünf Jahren vermittelt und gepflegt haben. Wir sollen Flüchtlingen helfen, die Aleppo verlassen, um der russischen Bombardierung zu entkommen, sagen die Amerikaner, um Kinder und Unschuldige zu retten, die von diesem «Fass-bombardierenden» Tyrannen, Präsident Baschar al Assad, bedroht werden. Das Problem ist, dass Flüchtlinge aus Aleppo, die sich in die Türkei in Sicherheit bringen, auch Dschihadisten sind, auf der Flucht vor der anrückenden syrischen arabischen Armee.

Ach ja, wie sehr hasst der Westen jene «anderen», die sich nicht vor der westlichen Hegemonie beugen.

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Wir müssen «humanitäre Hilfe» hungernden Syrern erteilen. «Das ist, was die Welt will,» garantiert die USA, «Die globale Meinung ist klar... Wir sehen eine Menge getötete Leute... Die Russen bombardieren Krankenhäuser, ermorden Zivilisten...» So geht es wieder weiter. Wird der Esel endlich aufhören den Anderen Langohr zu schelten? Wird der Westen endlich aufhören zu denken, er vertrete die «globale Meinung»? Werden die USA und ihre Vasallen endlich durch ihre groteske Heuchelei und Doppelmoral beschämt sein? Eindeutig nicht.

Dieses falsche westliche Skript erinnert an «Responsibility to Protect» (R2P), die trügerische US-Begründung für die Aggression gegen den Irak und Libyen. Es ist jetzt ein wiederkehrender Refrain, um dieses Mal ausländisch belieferte, ausländische Dschihadisten zu schützen. Die westlichen Mainstream-Medien sind wegen der russischen Bombardierung der «moderaten» Dschihadisten hysterisch geworden, obwohl es ja keine «moderaten» Dschihadisten gibt.

Und haben Sie bemerkt? Es gibt jetzt praktisch keine Nachricht mehr in den MSM über die Zusammensetzung des ISIS und der Al-Kaida Truppen die in Syrien kämpfen, über die ausländischen Dschihadisten, die geschätzt werden, aus mindestens vierzig Ländern her zu kommen, und die mehrere Zehntausende ausmachen sollen. In Wirklichkeit sprechen die MSM nur über Saudi Arabien und die Türkei, die mehr Ressourcen dem kämpfenden ISIS zukommen lassen. Wen glauben die MSM irre machen zu können? In Wirklichkeit sind Saudi Arabien und die Türkei die wichtigsten Waffen Lieferanten und Quartiermeister des ISIS und seiner Al-Kaida-Verbündeten. Ersteres ist ein intimer US-Vasall, Letztere ist Mitglied der NATO. Ein amerikanischer Bericht [3] zeigt, dass "Verbündete der USA [gerade] eine massive Lieferung von Boden-Boden ’Grad’ Raketen an Rebellen in Syrien geliefert haben". Das war ein Tag nach dem Vertragsschluss des «Waffenstillstandes». Man fragt sich, was gewöhnliche Europäer und Kanadier von NATO-Mitgliedern halten, die einen Dschihad Proxy Krieg gegen Syrien unterstützen und eine Konfrontation mit Russland riskieren, um ihre ins Stocken geratenen «moderaten» Dschihad Verbündeten zu verteidigen.

Natürlich ist die «moderate Opposition» eine imaginäre Abdeckung um die Verantwortung „R2P“ zu rechtfertigen. Eine deutsche Nachrichtendienst Quelle schätzt, dass 95 % der gegen die Regierung von Damaskus kämpfenden Leute keine Syrer sind [4]. Wie ein Kommentator es ausdrückt [5], werden die «Gemäßigten» nur «in schicken Anzügen in westlichen Hotelhallen» gesehen. Die «vier oder fünf» Gemäßigten, die durch die Vereinigten Staaten zu einem Preis von $ 500 Millionen bewaffnet wurden, sind allein jene, die als militärische Kraft am Boden in Syrien präsent sind. Was für ein Fiasko. Die US bewaffneten «Gemäßigten» sind längst fort, entweder weggelaufen oder zur Al-Kaida übergelaufen. «Wenn Sie sich fragen, warum Assad noch der Präsident Syriens ist», sagt der oben genannte Kommentator, «ist die Antwort nicht einfach Russland oder der Iran, sondern die Tatsache, dass seine Armee elastisch bleibt und pluralistisch, indem sie ein Syrien verkörpert, in welchem die Religion allein nicht bestimmt, wer zur Spitze aufsteigt».

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Können Sie sich etwas Verächtlicheres als die Rolle des Westens in Syrien und anderswo im Nahen Osten vorstellen? Jetzt haben wir das München in 2016, wo der Westen wieder auf der falschen Seite steht. Ein Waffenstillstand würde natürlich die Dschihadisten von der Niederlage retten, ihnen erlauben, sich frisch zu versorgen und sich durch die Türkei, Jordanien und dem Apartheid Israel neu unterstützen zu lassen und ihnen ermöglichen, eines Tages wieder zu kämpfen. Die USA sind noch immer im Gespräch über eine «Übergangsregierung», d.h. ohne Assad. So auch Saudi Arabien und die Türkei. Humanitäre Hilfe würde schließlich nicht durch Abwürfe geliefert werden, sondern durch die USA und andere westliche Streitkräfte auf dem Boden, für «moderate» Al-Kaida Ableger und Verbündete, die dann die rechtmäßige Regierung in Damaskus angreifen würden. Es wird berichtet, dass Großbritannien 1600 Truppen nach Jordanien sendet, um Maßnahmen gegen Russland zu trainieren. Wen wollen sie denn damit in die Irre führen? Und es ist sicher nur ein Zufall, dass die MSM jetzt von humanitärer Hilfe für das syrische Volk sprechen, für das durch westliche militärische feindliche Aggression in Not befindliche Volk. Kerrys Vorschlag für einen Waffenstillstand hat nichts mit «humanitärer Hilfe» zu tun, aber hat alles zu tun mit dem Dschihad Proxy Krieg gegen Syrien, um ihm ein neues Leben einzuflößen. Es hat alles mit Gesichtswahrung zu tun. Können Sie sich die Erniedrigung in Washington vorstellen und das für die US-Karikaturisten gefundene Fressen mit dem Friedensnobelpreisträger Obama, dargestellt als feiger Winzling, der Russland nicht aufhalten kann?

Kerrys Vorschlag eines Waffenstillstandes ist eine Formel für permanenten Krieg in Syrien und im Nahen Osten. Wird die Türkei während eines Waffenstillstands die Versorgung von ISIS und Al-Kaida über ihre Grenzen hinweg einstellen? Werden Saudi-Arabien und das Katar die Finanzierung der Salafi Dschihad Kräfte in Syrien einstellen? Natürlich werden sie es nicht. Und der Irak? Wer wird den ISIS im Irak daran hindern, sich inzwischen zu stärken und von der Macht des ISIS und der Al-Kaida in Syrien zu profitieren? Eine US-amerikanische Dissidentengruppe sagt, dass die Münchner Waffenruhe nicht das Papier wert ist, auf dem sie geschrieben wurde, übrigens die gleiche Metapher wie für das Münchner Abkommen von 1938.

Lawrow beharrt darauf, dass es keine Waffenruhe gegen den ISIS und die al-Nusra Front geben wird. Das ist alles nur zu gut. Aber was ist mit den anderen, durch die USA und ihre Vasallen unterstützten dschihadistischen Gruppen? Außenminister Lawrow weiß sicherlich, dass Kerry versucht Russland zu manipulieren, damit es seine Unterstützung der syrischen arabischen Armee aufgibt, so dass die USA ihren Sieg den Krallen der Niederlage entreißen könnten. Die Zeit wird zeigen, ob Kerry erfolgreich ist oder nicht. Wird Russland seine Freunde verkaufen, um seine Feinde zu kaufen, wie der Westen es in München 1938 tat? Diesmal nicht. Gebranntes Kind scheut das Feuer. Ich hoffe, dass Lawrow nicht wieder durch seine unaufrichtigen, russenfeindlichen westlichen «Partner» getäuscht werden wird.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Strategic Culture Foundation (Russland)

[1] “Press Availability at the International Syria Support Group”, Voltaire Network, 12 February 2016.

[2] "’Only the USSR has... Clean Hands’ : the Soviet Perspective on the Failure of Collective Security and the Collapse of Czechoslovakia, 1934-1938" part 2, Michael Jaraba Carley,

[3] “While Kerry Talks Ceasefire, US Allies Secretly Ship Grad Missiles to Syria Rebels”, Daniel McAdams, The Ron Paul Institute for Peace and Prosperity, February 12, 2016.

[4] “Asian rebels in Aleppo, Western blind spot”, Christina Lin, Asia Times, February 8, 2016.

[5] “Why Assad’s Army Has Not Defected”, Kamal Alam, The National Interest, February 12, 2016

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