Voltaire Netzwerk

Frankreich unter Einfluss des Terrorismus der eigenen NATO-Verbündeten

Frankreich wurde Ziel von einem neuen Terroranschlag, drei Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen. Für Thierry Meyssan muss Paris aufhören, Unsinn zu erzählen und angemessene Maßnahmen ergreifen: der internationale Terrorismus - an dem es beteiligt ist - wird selbst gegen Paris von einigen seiner Verbündeten in der NATO gefördert und instrumentiert.

| Damaskus (Syrien)
+
JPEG - 44.3 kB
Attentat auf den Champs-Elysées am 20. April 2017.

Anfangs 2017 wurden wir informiert, dass die Dschihadisten Aktionen vorbereiteten, um Frankreich und Deutschland zu zwingen ihre Wahlen später abzuhalten. Es war nicht klar, ob:
- die französischen Präsidentschaftswahlen (April-Mai) verschoben werden sollten oder die französischen Legislativwahlen (Juni) oder beide;
- Frankreich allein das Ziel war, oder ob die in Frankreich durchgeführten Aktionen eine Vorbereitung für künftige Maßnahmen gegen Deutschland sein sollten.

Unter den 11 Kandidaten der Präsidentschaftswahlen verurteilten nur François Fillon und Marine Le Pen die der Muslim-Bruderschaft gewährte Unterstützung. Ersterer hat sogar daraus eines der wiederkehrenden Themen seiner Kampagne gemacht.


Rede von Chassieu (Lyon), 22. November 2016.

Wir haben unsere Leser darauf aufmerksam gemacht, dass die gegen Donald Trump in den Vereinigten Staaten und gegen François Fillon in Frankreich gestarteten Pressekampagnen und Gerichtsprozesse von den gleichen Gruppen gesponsert wurden. Laut den Herrn Trump & Fillon, schrieben wir, dass „Es nicht möglich sein wird Frieden und Wohlstand wiederherzustellen, ohne zuerst der Instrumentierung des islamistischen Terrorismus ein Ende zu setzen, ohne die muslimische Welt den Klauen der Dschihadisten zu entreißen und ohne soweit vorzugehen, um den Schoss des Terrorismus anzugreifen: die Muslim-Bruderschaft.“ [1]

Damals, als die Franzosen irrtümlicherweise glaubten, dass die Muslim-Bruderschaft eine Tendenz innerhalb der islamischen Religion bildet, reagierten sie nicht. Später veröffentlichte ich ein Buch, Sous nos yeux. Du 11-Septembre à Donald Trump, dessen zweiter Teil zum ersten Mal ausführlich klar stellt, was diese von dem MI6, dem britischen Geheimdienst, erstellte und kontrollierte Geheimorganisation wirklich ist. Es ist diese Bruderschaft, die seit dem zweiten Weltkrieg versucht hat, den sunnitischen Islam in ein politisches Instrument zu verwandeln. Aus ihr sind alle Führer der dschihadistischen Gruppen, von Osama Ben Laden bis Abu Bakr al-Baghdadi, hervorgegangen.

Am 26. Februar veröffentlichte François Fillon ohne Erklärung ein Kommuniqué, das vielfach kritisiert wurde: "Wir sind in einer ganz neuen Situation: zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl leben wir nun in einer Situation eines quasi-Bürgerkrieges, der den normalen Gang der Kampagne stört (...). Ich erinnere, wir sind im Ausnahmezustand, und dennoch lässt die Regierung alles so laufen (...) Heute, als ehemaliger Premierminister, als gewählter Vertreter des Volkes, beschuldige ich feierlich den Premierminister und die Regierung, eine ruhige Ausübung der Demokratie nicht zu gewährleisten. Sie tragen eine sehr schwere Verantwortung an der Entwicklung eines quasi Bürgerkrieg-Klimas in dem Land, das nur den Extremen nützen kann (...) Unabhängig von den Kandidaten müssen sie alle das Recht haben, sich zu äußern und die Regierung muss Maßnahmen ergreifen, damit die Schläger und die Feinde der Demokratie aufhören weiterhin diesen Präsidentschaftswahlkampf zu stören" [2].

Am 17. April informierte die Nationalpolizei die vier wichtigsten Kandidaten über Bedrohungen für ihre Sicherheit und verstärkte ihren Schutz.

Am 18. April wurden M. (29 Jahre) und Clemens B. (23 Jahre) verhaftet, als sie ein Attentat auf einer Kundgebung für François Fillon vorbereiteten.

Am 20. April wurde in einem Attentat auf den Champs-Elysées ein Polizist getötet und zwei andere schwer verletzt.

François Fillon und Marine Le Pen sagten ihre für den 21. April geplanten Wahl-Meetings ab. Dem Beispiel folgend und obwohl es keine reale Drohung für ihn gibt, hat Emmanuel Macron das gleiche getan.

Die Verantwortung des nächsten Präsidenten der französischen Republik

Die Sicherheit der Franzosen wird im Zentrum der nächsten fünf Jahre stehen. Diese Frage ist umso schwieriger, weil die jüngsten auf französischem Boden verübten Terroranschläge von drei unserer NATO-Verbündeten begangen wurden: dem tiefen Staat der USA, Großbritannien und der Türkei.

Ich habe die Frage der Attentate von Paris (13. November 2015) und von Brüssel (22. März 2016) ausführlich besprochen [3]. In meinem letzten Buch habe ich gesagt, dass wenn diese Angriffe von Präsident Recep Tayyip Erdoğan und seiner Presse behauptet wurden, sie durch "getrennte Kommandos, mit Ausnahme von einem gemeinsamen Akteur, Mohammed Abrini vom MI6, realisiert wurden" (s. 231) [4].

Seit Jahren haben die aufeinander folgenden Regierungen von Nicolas Sarkozy und Alain Juppé und der von François Hollande und Laurent Fabius den Franzosen ihre kriminellen Aktivitäten und die Konsequenz, was sie gesät haben, verborgen: den Terrorismus im eigenen Land.

Es ist absurd zu glauben, dass Al-Kaida und Daesch so viel Geld und Waffen ohne die Unterstützung der großen Staaten haben können. Es ist absurd zu glauben, dass Frankreich an dem Umbau des "Erweiterten Nahen Ostens" teilnehmen konnte ohne Gegenschläge zu erhalten. Es ist absurd zu glauben, dass es einfach sei, den internationalen Terrorismus zu bekämpfen, wenn er von unseren eigenen Verbündeten in der NATO gesponsert wird.

Übersetzung
Horst Frohlich

Weitere Informationen zum geheimen Krieg gegen den Erweiterten Nahen Osten: Sous nos yeux. Du 11-Septembre à Donald Trump

[1] „Wer nutzt Presse und Justiz gegen Trump & Fillon?“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 11. Februar 2017.

[2] « Violences perturbant la campagne présidentielle », François Fillon, Fillon2017.fr, 26 février 2017.

[3] Siehe zum Beispiel: „Die Französische Republik als Geisel“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 17. November 2015 und „Der Beweggrund der Attentate von Paris und Brüssel“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Sabine, Voltaire Netzwerk, 28. März 2016.

[4] Zu diesen Attentaten siehe auch s. 91.

Dieser Beitrag ist unter Lizenz der Creative Commons

Sie können die Artikel des Réseau Voltaire frei vervielfältigen unter der Bedingung die Quellen anzuführen, ohne die Artikel zu verändern und ohne diese für kommerzielle Zwecke zu nutzen (Lizenz CC BY-NC-ND).

Das Netzwerk unterstützen

Sie benützen diesen Website auf dem Sie Qualitätsuntersuchungen finden, die Ihnen helfen Ihr Weltverständnis zu verbessern. Um dieses Werk fortzufahren brauchen wir Ihre Mitarbeit.
Helfen Sie uns mit einer Gabe.

Wie teilnehmen beim Voltaire Netzwerk ?

Die Gesprächsleiter des Réseau Voltaire sind alle ehrenamtlich.
- Übersetzer mit beruflichem Niveau : Sie können bei der Übersetzung mitwirken.