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Geopolitik des Syrien-Krieges und Geopolitik des Krieges gegen Daesh

In dieser neuen und originellen Analyse legt Thierry Meyssan die geopolitischen Gründe für das Scheitern des Krieges gegen Syrien vor und die tatsächlichen Ziele des so genannten Krieges gegen Daesh. Dieser Artikel ist besonders wichtig für das Verständnis der aktuellen internationalen Beziehungen und der Kristallisation der Konflikte in der Levante (Irak, Syrien und Libanon).

| Rom (Italien)
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Die drei Krisen innerhalb der Koalition

Wir erleben die dritte Krise im Lager der Aggressoren seit dem Beginn des Krieges gegen Syrien.

- Im Juni 2012, während der Genfer Konferenz 1, die die Rückkehr zum Frieden und eine neue Aufteilung des Nahen Ostens zwischen den USA und Russland organisieren sollte, forderte Frankreich, das gerade François Hollande gewählt hatte, eine restriktive Auslegung des Schlusskommuniqués. Dann organisierte es die Wiederbelebung des Krieges, mit Hilfe von Israel, der Türkei und der Unterstützung von US-Außenministerin Hillary Clinton und des Direktors der CIA, David Petraeus.

- Nachdem Clinton und Petraeus von Präsident Obama eliminiert worden waren, organisierte die Türkei im Sommer 2013 mit Israel und Frankreich die chemische Bombardierung von Ghutta nahe bei Damaskus und schrieben sie Syrien zu. Aber die Vereinigten Staaten weigerten sich, sich auf eine Strafexpedition einzulassen.

- Im Januar 2014 ließen die Vereinigten Staaten in einer geheimen Sitzung des Kongresses die Finanzierung und Bewaffnung von Daesh wählen, mit der Mission, in die sunnitische Zone von Irak und in das kurdische Gebiet von Syrien einzudringen, um so diese großen Staaten zu teilen. Frankreich und die Türkei bewaffneten Al Kaida (al-Nusra Front), damit sie Daesh angreift und die USA zwingt, zum ursprünglichen Plan der Koalition zurückzukehren. Wenn sich auch Al-Kaida und Daesh im Mai nach einem Aufruf zur Ruhe von Ayman al-Zawahiri versöhnt haben, machen Frankreich und die Türkei noch immer nicht bei den alliierten Bombenangriffen mit.

Im Großen und Ganzen besteht die Koalition der Freunde von Syrien, die im Juli 2012 "ca. hundert Staaten und internationale Organisationen" ausmachte, nur mehr aus 11 Mitgliedern. Die Koalition gegen Daesh umfasst, offiziell, „mehr als 60 Staaten“, aber sie haben so wenig miteinander gemeinsam, dass ihre Liste geheim bleibt.

Unterschiedliche Interessen

In der Tat besteht die Koalition aus vielen Staaten, von denen jeder einzelne, spezifische Ziele verfolgt und sie können sich auch nicht auf ein gemeinsames Ziel einigen. Man kann vier Kräfte unterscheiden:

- Die Vereinigten Staaten versuchen das Öl in der Region zu kontrollieren. Im Jahr 2000 hatte die National Energy Policy Development Group (NEPDG), unter dem Vorsitz von Dick Cheney, die Weltreserven von Kohlenwasserstoffen durch Satellitenbilder und Daten aus Bohrungen identifiziert und hatte riesige syrische Gasreserven entdeckt. Während des Militärputsches von 2001 beschloss Washington, eines nach dem anderen, acht Länder anzugreifen (Afghanistan, Irak, Libyen, den Libanon und Syrien, Sudan, Somalia, und den Iran), um ihrer natürlichen Ressourcen Herr zu werden. Seine Mitarbeiter beschlossen dann den Plan der Umgestaltung des "Nahen und mittleren Ostens" (der auch den Abbau der Türkei und Saudi-Arabiens vorsieht), während das US-Außenministerium im Folgejahr seine Abteilung MENA schuf, um den "arabischen Frühling" zu organisieren.

- Israel verteidigt seine nationalen Interessen: kurzfristig verfolgt es, Schritt für Schritt, seine territoriale Expansion. Gleichzeitig und ohne zu warten, den ganzen Raum zwischen den zwei Flüssen, dem Nil und Euphrat zu kontrollieren, will es die ganze wirtschaftliche Tätigkeit der Gegend überwachen können, worunter vor allem die Kohlenwasserstoffe. Um seinen Schutz im Zeitalter der Raketen zu sichern, will es erstens eine Sicherheitszone an seiner Grenze kontrollieren (heute hat es die UN-Blauhelme von der Grenze des Golan verjagt und sie durch Al Kaida ersetzt) und zweitens die ägyptischen und syrischen Armeen neutralisieren, indem es sie von der hinteren Seite bedroht (Entfaltung der Patriot-Raketen der NATO in der Türkei, Schaffung eines Kurdistans im Irak und des Süd-Sudans).

- Frankreich und die Türkei setzen ihren Traum der Wiederherstellung ihrer Imperien fort. Frankreich hofft, ein Mandat über Syrien zu bekommen, oder zumindest über einen Teil des Landes. Es hat die Freie Syrische Armee geschaffen und ihr die grüne, weiße und schwarze Flagge mit drei Sternen aus dem französischen Mandat gegeben. Die Türkei will ihrerseits das Osmanische Reich wiederherstellen. Sie hat seit September 2012 einen Wali zur Verwaltung der Provinz ernannt. Die türkischen und französischen Projekte sind kompatibel, da das Osmanische Reich eingeräumt hatte, dass einige seiner Provinzen von anderen Kolonialmächten verwaltet werden können.

- Schließlich wissen Saudi Arabien und das Katar, dass sie nur überleben können, wenn sie den Vereinigten Staaten dienen und die säkularen Regime bekämpfen, von denen die Arabische Republik Syrien jetzt der einzige Vertreter in der Region ist.

Die Entwicklung der Koalition

Diese vier Kräfte konnten nur während dem ersten Teil des Krieges, von Februar 2011 bis Juni 2012 zusammen arbeiten. Es handelte sich in der Tat um eine vierte-Generation-Strategie: einige Gruppen von Spezial-Kräften organisierten hier und da Vorfälle und Hinterhalte, während das Atlantische- und Golf-Fernsehen eine Alawiten-Diktatur, die eine demokratische Revolution unterdrückte, in Szene setzte. Die investierten Summen und die eingesetzten Soldaten machten nicht viel aus und jeder dachte, nach dem Sturz der Arabischen Republik Syrien ein wenig auf seinen Vorteil bedacht sein zu können.

Anfang 2012 jedoch begann die syrische Bevölkerung daran zu zweifeln, dass Präsident Baschar Al-Assad Kinder gefoltert habe und dass die Republik zugunsten eines konfessionellen Systems von libanesischer Art gestürzt würde. Die Belagerung der Takfiristen des islamischen Emirats von Baba Amr ließ die Niederlage der Operation voraussehen. Frankreich verhandelte dann einen Weg aus der Krise und die Rückerstattung der französischen Offiziere, die gefangen genommen worden waren. Die Vereinigten Staaten und Russland handelten aus, das Vereinigte Königreich und Frankreich zu ersetzen und sich die gesamte Region zu teilen, wie London und Paris es mit dem Sykes-Picot-Abkommen von 1916 gemacht hatten.

Seit dieser Zeit funktioniert nichts mehr in der Koalition. Ihre wiederholten Niederlagen zeigen, dass sie nicht gewinnen werden kann.

Im Juli 2012 versammelte Frankreich mit großem Tamtam in Paris das wichtigste Treffen der Koalition und setzte den Krieg fort. Die Rede von François Hollande war in Englisch geschrieben worden, wahrscheinlich von den Israelis, und dann ins Französische übersetzt. US-Außenministerin Hillary Clinton und Botschafter Robert S. Ford (von John Negroponte ausgebildet) begannen den größten geheimen Krieg der Geschichte. Wie einst in Nicaragua rekrutierten private Armeen Söldner und schickten sie nach Syrien. Aber diesmal wurden diese Söldner ideologisch geschult um Dschihadisten Horden zu bilden. Die Überwachung der Vorgänge entging dem Pentagon, das Außenministerium und die CIA bekamen sie. Die Kosten dieses Krieges waren ungeheuer, aber sie wurden nicht dem Finanzministerium der Vereinigten Staaten, von Frankreich oder der Türkei angelastet, weil sie von Saudi-Arabien und dem Katar voll übernommen wurden.

Laut der Atlantik- und Golfpresse kamen Tausende von Ausländern, um der "syrischen demokratischen Revolution" Hilfe zu leisten. Vor Ort jedoch war nirgends etwas von einer "demokratischen Revolution" zu sehen, sondern Gruppen von Fanatikern skandierten Parolen wie "friedliche Revolution: die Christen nach Beirut, die Alawiten ins Grab!“ [1] oder "Nein dem Hisbollah, nein dem Iran, wir wollen einen Präsidenten, der Gott fürchtet!“ [2]. Laut der syrischen arabischen Armee sind es keine paar tausende, sondern 250.000 ausländische Dschihadisten, die ab Juli 2012 bis Juli 2014 gekommen wären, um zu kämpfen und zu sterben.

Jedoch am Tag nach der Wiederwahl zwang Barack Obama den Direktor der CIA, General David Petraeus zum Rücktritt, und entledigte sich Hillary Clintons bei der Bildung seiner neuen Regierung. So war die Koalition Anfang 2013 fast nur mehr auf Frankreich und die Türkei gestützt, die Vereinigten Staaten machten so wenig wie möglich. Das ist offensichtlich der Augenblick auf den die syrische arabische Armee wartete, um ihre unerbittliche Rückeroberung des Territoriums zu starten.

François Hollande und Recep Tayyip Erdoğan, Hillary Clinton und David Petraeus wollten die säkulare Republik stürzen und ein sunnitisches Regime verhängen, das unter die direkte Verwaltung der Türkei gestellte würde, aber auch mit einigen französischen Beamten. Ein von Ende des 19. Jahrhunderts geerbtes Modell, das aber für die Vereinigten Staaten kein Interesse darstellte.

Barack Obama und seine beiden Sekretäre der Verteidigung, Leon Panetta und Chuck Hagel, sind von einer ganz anderen politischen Vision animiert: Panetta kommt von der Baker-Hamilton-Kommission und Obama wurde mit dem Programm dieser Kommission auch gewählt. Ihrer Meinung nach sollten die Vereinigten Staaten nicht eine Kolonialmacht im mediterranen Sinn des Wortes sein, was bedeutet, dass sie nicht die Kontrolle eines Gebietes durch die Installation von Siedlern erreichen sollten. Das Experiment von Bush im Irak war extrem teuer im Vergleich zu seiner Rendite. Es sollte nicht wiedergemacht werden.

Nachdem die Türkei und Frankreich versucht hatten, die Vereinigten Staaten durch die Inszenierung der chemischen Krise des Sommer 2013 zu einer weiten Bombardierung Syriens zu verleiten, haben das Weiße Haus und das Pentagon beschlossen, wieder das Steuer in die Hand zu nehmen. Januar 2014 riefen sie eine geheime Sitzung des Kongresses zusammen und erließen ein geheimes Gesetz zur Genehmigung eines Teilungsplans des Irak in drei Teile und zur Abspaltung der kurdischen Gegend von Syrien. Dazu beschlossen sie, eine Dschihad-Gruppe zu finanzieren und zu bewaffnen, die in der Lage wäre zu realisieren, was das internationale Recht der US-Armee verbietet: eine ethnische Säuberung.

Barack Obama und seine Armeen betrachten die Umgestaltung des „Nahen erweiterten Ostens“ nicht als ein Ziel an sich, sondern nur als ein Mittel, um die natürlichen Ressourcen zu kontrollieren. Sie verwenden ein klassisches Konzept, Teilen um zu erobern, nicht um sich Königs- und Präsidenten Positionen in neuen Staaten zu schaffen, sondern um die Politik der Vereinigten Staaten seit Jimmy Carter weiterzuführen.

In seiner Rede zur Lage der Union am 23. Januar 1980 bestimmte Präsident Carter die Doktrin, die seinen Namen trägt: die USA sind der Ansicht, dass Öl aus dem Golf entscheidend für ihre Wirtschaft wäre und ihnen gehöre. Dementsprechend würde jegliche Infragestellung dieses Axioms als "Beeinträchtigung der vitalen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika eingeschätzt werden und eine solche Gefährdung mit allen notwendigen Mitteln, einschließlich militärischer Gewalt, zurückgewiesen werden". Im Laufe der Zeit hat Washington das Instrument dieser Politik, das CentCom, aufgebaut und hat seine Reichweite bis zum Horn von Afrika erweitert.

Deshalb hat die aktuelle Bombardierung durch die Koalition nichts mehr mit dem ursprünglichen Wunsch, die Arabische Republik Syrien zu stürzen, zu tun. Sie hat auch nichts mit seiner Anzeige für den "Krieg gegen den Terror" zu tun. Sie soll nur die wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten verteidigen, ggf. durch die Schaffung neuer Staaten, aber nicht unbedingt.

Das Pentagon wird derzeit symbolisch durch einige saudi-arabische und katarische Flugzeuge unterstützt, aber nicht von Frankreich oder der Türkei. Es beansprucht selbst, mehr als 4.000 Luftangriffe durchgeführt zu haben, aber nicht mehr als 300 Kämpfer des islamischen Emirats getötet zu haben. Wenn wir uns an die offizielle Rede halten, macht das mehr als 13 Luftangriffe und man weiß nicht wie viele Bomben und Raketen, um einen einzigen Dschihadisten zu töten. Dies wäre dann die teuerste und am wenigsten effiziente Luftoperation der Geschichte. Aber wenn man die vorangegangene Argumentation bedenkt, kommt der Angriff von Daesh gegen den Irak einer Manipulation des Ölpreises gleich, der von $ 115 auf $ 83 pro Barrel gefallen ist, ein Rückgang von 25 %. Nuri al-Maliki, der rechtmäßig gewählte irakische Premierminister, verkaufte die Hälfte seines Öls an China, wurde aber plötzlich beschuldigt und gestürzt. Daesh und die regionale Regierung von Kurdistan haben selbst ihren Öl-Diebstahl und Export um ca. 70 % verringert. Die gesamten chinesischen Öl-Installationen, die von chinesischen Unternehmen verwendet wurden, wurden schlicht und einfach zerstört. De facto ist das irakische und syrische Öl dem chinesischen Käufer entkommen und wurde dem internationalen, von den Vereinigten Staaten gesteuerten Markt, einverleibt.

Letztlich ist diese Luft-Kampagne eine direkte Anwendung der "Carter-Doktrin" und eine Warnung für Präsident Xi Jinping, der vereinzelt versucht, bilaterale Verträge für die Belieferung seines Landes mit Kohlenwasserstoffen zu schließen, ohne auf den internationalen Markt zu gehen.

Vorgriff auf die Zukunft

Aus dieser Analyse schließen wir, dass:

- In der laufenden Periode akzeptieren die Vereinigten Staaten nur Kriege, um ihre strategischen Interessen der Beherrschung des internationalen Ölmarkts zu verteidigen. Daher könnten sie Krieg gegen China machen, aber nicht gegen Russland.

- Frankreich und die Türkei werden niemals ihre Träume über die Wiederkolonisierung durchsetzen können. Frankreich sollte über die Rolle, die das AfriCom ihm auf dem schwarzen Kontinent zugewiesen hat, nachdenken. Es kann weiterhin in allen Staaten intervenieren, die sich China nähern möchten (Elfenbeinküste, Mali, Zentralafrikanische Republik) und die „westliche“ Ordnung wiederherstellen, aber es wird nie in der Lage, sein Kolonialreich wiederherzustellen. Die Türkei sollte auch den Ton senken. Selbst wenn es Präsident Erdoğan gelingt, eine widernatürliche Allianz zwischen der Muslimbruderschaft und den kemalistischen Offizieren aufzubauen, sollte er seine neo-osmanischen Ambitionen aufgeben. Vor allem sollte er sich daran erinnern, dass sein Land als NATO-Mitglied mehr denn je Opfer eines Pro-US Staatsstreichs werden könnte, wie es vor ihm dem Griechen Georgios Papandreou oder dem Türken Bülent Ecevit ergangen war.

- Saudi Arabien und Katar werden nie die umsonst investierten Summen für den Sturz der Arabischen Republik Syrien zurückbekommen. Schlimmer noch, es ist wahrscheinlich, dass sie für einen Teil des Wiederaufbaus zahlen werden müssen. Die Familie Saud müsste weiterhin den US-Wirtschaftsinteressen dienen, aber vermeiden, große Kriege zu führen und immer daran denken, dass Washington jederzeit beschließen kann, ihr Privateigentum, Saudi Arabien, zu teilen.

- Israel kann hoffen, weiterhin heimlich zu agieren, um mittelfristig die effektive Teilung des Irak in drei zu erreichen. Es würde so ein irakisches Kurdistan bekommen, vergleichbar mit dem von ihm geschaffenen Süd Sudan. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass es den Norden von Syrien mit dem irakischen Kurdistan verbinden kann. Ebenso ist es unwahrscheinlich, dass es die UNIFIL des Südens vom Libanon verdrängen und sie durch die Al-Kaida ersetzen kann, wie Israel es mit der UNDOF an der syrischen Grenze gemacht hat. Aber Israel hat sich in 66 Jahren daran gewöhnt, viel zu wagen, um oft ein wenig mehr zu erhalten. Es ist tatsächlich der einzige Sieger von diesem Krieg gegen Syrien und dann innerhalb der Koalition. Es hat nicht nur seit vielen Jahren den syrischen Nachbarn geschwächt, sondern auch erreicht, dass Syrien sein chemisches Arsenal aufgibt. So dass es jetzt der einzige Staat der Welt ist, der offiziell sowohl ein ausgezeichnetes Kernwaffen-Arsenal als auch ein chemisches und biologisches Arsenal besitzt.

- Der Irak ist de facto in drei separate Staaten geteilt, wovon einer, das Kalifat, nie von der internationalen Gemeinschaft anerkannt werden kann. In einem ersten Schritt sieht man nicht, was die Abspaltung des Kurdistan verhindern könnte, abgesehen von der Schwierigkeit zu erklären, durch welchen Zauber es sein Gebiet um 40 % mit Hinsicht auf seine administrative Definition vergrößert hat, nämlich durch die Besetzung der Kirkuk Ölfelder. Das Kalifat sollte allmählich einem sunnitischen Staat Platz machen, der wahrscheinlich von Männern, die offiziell von „Daesh“ ausgeschieden sind, regiert werden wird, aber in einer weniger grausamen Weise. Dies wäre ein mit Libyen vergleichbarer Vorgang, wo die Veteranen der Al-Kaida ohne den geringsten Protest ans Ruder gebracht wurden.

- Syrien wird allmählich zum Frieden zurückkehren und sich dem langen Wiederaufbau widmen. Es wird sich dafür an chinesische Unternehmen wenden, aber es wird Beijing von den Kohlenwasserstoffen weghalten. Um seine Öl-Industrie wieder aufzubauen und seine Gas Reserven zu nutzen, wird es sich an russische Firmen wenden. Das Thema der Pipeline, die Syrien durchkreuzen, wird von seinen russischen und iranischen Unterstützern abhängen.

- Der Libanon wird weiterhin unter der Drohung von Daesh leben, aber die Organisation wird nie eine andere Rolle als die der Terroristen spielen. Die Dschihadisten werden nur ein Mittel sein, um das politische Funktionieren eines Landes, das schon in Anarchie versinkt, ein wenig mehr einzufrieren.

- Schließlich sollten Russland und China dringend gegen Daesh im Irak, in Syrien und im Libanon eingreifen, nicht aus Mitgefühl für die lokale Bevölkerung, sondern weil dieses Werkzeug bald gegen sie von den Vereinigten Staaten verwendet werden wird. Wenn Daesh auch durch Prinz Saudi Abdul Rahman dirigiert wird, der es finanziert, und von dem Kalifen Ibrahim kommandiert wird, der die Operationen leitet, sind seine Offiziere ja schon jetzt Georgier, alle Mitglieder des militärischen Geheimdienstes und manchmal auch chinesisch Sprechende. Darüber hinaus gab der georgische Verteidigungsminister zu, bevor er sich dann besann, Gastgeber von Dschihad-Trainingslagern zu sein. Wenn Moskau und Peking zögern, werden sie Daesh im Kaukasus, im Fergana Tal und im Xinjiang begegnen müssen.

Übersetzung
Horst Frohlich

[1] ’Friedliche Revolution’ bedeutet hier, dass man Sunniten nicht wehtun wird.

[2] Zu Beginn des Krieges war die Hisbollah nicht in Syrien, aber die Arabische Republik Syrien unterstützte die Hisbollah militärisch in ihrem Kampf gegen die israelischen Angreifer. Es ging daher nicht um die Hisbollah aus Syrien zu vertreiben, sondern aufzuhören, den Widerstand (der Hisbollah) zu unterstützen.

Thierry Meyssan

Thierry Meyssan Französischer Intellektueller, Präsident und Gründer des Réseau Voltaire und der Konferenz Axis for Peace. Er veröffentlicht Analysen über ausländische Politik in der arabischen, latein-amerikanischen und russischen Presse. Letztes, auf Französisch veröffentlichte Werk : L’Effroyable imposture : Tome 2, Manipulations et désinformations (hg. JP Bertand, 2007).

 

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