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Parallel zu den US-Iran Verhandlungen

Exklusiv: Geheime Projekte von Israel und Saudi Arabien

Die Antwort von Tel-Aviv und Riyad auf die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran befindet sich in der Verlängerung der Finanzierung des Gaza Krieges von 2008 durch Saudi Arabien: das Bündnis eines kolonialen Staates und einer fortschrittsfeindlichen Monarchie. Während der Nahe Osten sich auf eine Wende seiner Spielregeln für zehn Jahre vorbereitet, gibt Thierry Meyssan hier den Inhalt der geheimen Verhandlungen zwischen Riad und Tel Aviv.

| Damaskus (Syrien)
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Etliche Leute im Nahen Osten sind bewusst, dass die geheimen Absprachen, die von Washington und Teheran am 30. Juni signiert werden sollen – am Rande des multilateralen Abkommens über Kernfragen - wahrscheinlich die Spielregeln für die nächsten zehn Jahre festlegen werden.

Diese Abkommen kommen jetzt, obwohl die Vereinigten Staaten die weltweit führenden Hersteller von Öl geworden sind, noch vor Saudi-Arabien und der Russischen Föderation. Sie brauchen also das nahöstliche Öl für sich selbst nicht mehr und sind nur daran interessiert, den Weltmarkt in Dollar beizubehalten.

Darüber hinaus hat Washington eine Neupositionierung seiner Truppen begonnen, von Westeuropa und dem Nahen Osten weg in den Fernen Osten. Das bedeutet aber nicht, dass es diese Bereiche aufgibt, sondern dass es versucht, ihre Sicherheit anders zu bewerkstelligen.

Israel

Laut unseren Informationen führt Tel-Aviv seit 17 Monaten (d.h. seit der Ankündigung der Verhandlungen zwischen Washington und Teheran, die schon 27 Monaten dauern) Geheimverhandlungen mit Saudi Arabien. Delegationen von sehr hohem Niveau haben sich fünf Mal in Indien, Italien und Tschechien getroffen.

Die Zusammenarbeit zwischen Tel Aviv und Riad gehört zu dem US-Plan zur Schaffung einer "gemeinsamen arabischen Streitkraft", unter der Schirmherrschaft der Arabischen Liga, aber unter israelischem Befehl. Diese ist bereits im Jemen effektiv, wo israelische Soldaten saudische Bomber fliegen, im Rahmen einer arabischen Koalition, deren Sitz von den Israelis in Somaliland, in einem nicht-anerkannten Staat auf der anderen Seite der Meerenge von Bab al-Mandab, installiert wurde [1].

Jedoch beabsichtigt Riyad nicht diese Zusammenarbeit offiziell zu machen, solange Tel-Aviv die auf der arabischen Liga in 2002 von Prinz Abdullah, bevor er König wurde, präsentierte Arabische Friedensinitiative zurückweist [2].

Israel und Saudi Arabien haben sich bei mehreren Zielen geeinigt.

Auf politischer Ebene :
- Die Golfstaaten "demokratisieren", d.h. die Völker an der Verwaltung ihres Landes beteiligen, aber die Unantastbarkeit der Monarchie und den wahhabitischen Lebensstil behaupten;
- Das politische System im Iran ändern (und nicht mehr Krieg mit dem Iran machen);
- Ein unabhängiges Kurdistan erstellen, um den Iran, die Türkei (obwohl schon seit langem ein Verbündeter Israels) und den Irak (aber nicht Syrien, das bereits dauerhaft geschwächt ist) zu schwächen.

Auf wirtschaftlicher Ebene :
- Das Ölfeld von Rub’al-Khali ausbeuten und eine Föderation zwischen Saudi-Arabien, Jemen und vielleicht auch Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten organisieren;
- Die Ölfelder des unter äthiopischer Kontrolle stehenden Ogaden betreiben, den Hafen von Aden im Jemen sichern und eine Brücke zwischen Dschibuti und Jemen bauen.

Mit anderen Worten, wenn Tel-Aviv und Riyad "gute Miene zum bösen Spiel machen" und zugeben, dass zwei Drittel vom Irak, Syrien und die Hälfte vom Libanon, vom Iran kontrolliert werden, werden sie:
- Sicherstellen, dass der Iran darauf verzichtet seine Revolution zu exportieren;
- Den Rest des Gebietes kontrollieren, und die Türkei ausschließen, die Saudi-Arabien bei der Führung des internationalen Terrorismus abgelöst hat und gerade Syrien verloren hat.

Palästina

Die internationale Anerkennung eines palästinensischen Staates, gemäß dem Oslo-Abkommen und der arabischen Friedensinitiative, wird nur wenige Monate nach der Unterzeichnung der US-Iran Abkommen stattfinden.

Die palästinensische Regierung nationaler Einheit, die noch nie funktioniert hat, trat plötzlich zurück. Es scheint sicher, dass die Fatah von Mahmoud Abbas von seinem Volk stark unterstützt werden wird, sobald der palästinensische Staat in die Vereinten Nationen aufgenommen wird.

Die Hamas, die seit 2008 den Widerstand verkörperte, hat sich durch die Offenlegung ihrer Zugehörigkeit zu der Muslimbruderschaft (als die Bruderschaft mehrere Staatsstreiche in Saudi-Arabien versuchte) und durch die Waffenaufnahme gegen den einzigen Staat in der Region, der tatsächlich pro-palästinensisch war, die Arabische Republik Syrien, plötzlich diskreditiert. Sie beschloss daher, um ihren Ruf zu verbessern, diskret zu sein und von jetzt ab eher gewaltlose Aktionen zu unterstützen.

Die Anerkennung des palästinensischen Staates wird der Rückkehr der aus ihrem Land vertriebenen Palästinensern ein Ende setzen, aber wird ihnen einen neuen Status offerieren. Die USA und Saudi-Arabien werden stark investieren, um die Wirtschaft des neuen Staates zu entwickeln.

Mehrere Kandidaten drängen sich bereits für die Nachfolge von Mahmoud Abbas (der 80 Jahre alt ist und dessen Amtszeit seit 2009 abgelaufen war). Unter ihnen ist Mohammed Dahlan, der ehemalige Sicherheitschef, der angeblich die Vergiftung von Yasser Arafat organisiert hatte und im Jahr 2007 zur Ausreise gezwungen worden war. Nachdem er für die Vereinigten Arabischen Emirate gearbeitet und die Staatsbürgerschaft von Montenegro und Serbien erworben hatte – wie der ehemalige Premier von Thailand, Thaksin Shinawatra -, kehrte er dann im Februar mit Hilfe seiner ehemaligen Gegner der Hamas nach Palästina zurück. Als Milliardär kauft er dann Kämpfer und Stimmen, ohne Kosten zu scheuen. Ein ernsterer Anwärter könnte Maruane Barghuti sein, der derzeit fünf Freiheitsstrafen auf Lebenslänge in Israel absitzt, und der im Rahmen des Friedensabkommens freigesetzt werden könnte. Er ist in der Tat die einzige nicht korrupte palästinensische Persönlichkeit, die den Mördern des israelischen Geheimdienstes Mossad entgangen ist.

Saudi-Arabien

In diesem Zusammenhang hat die Russland Reise von Prince Mohamad bin Salman, Sohn von König Salman von Saudi-Arabien, viel Sorgen bereitet, da eine Pressekampagne darauf hindeutete, dass er die Einstellung der russischen Hilfe für Syrien verhandeln wollte. Die Reise erfolgte eine Woche nach der des Direktors der Organisation für islamische Zusammenarbeit, Iyad bin Amin Madani. Er wurde von mehreren Ministern und 30 Geschäftsleute begleitet. Die saudische Delegation nahm an dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg teil und der Prinz wurde von Präsident Wladimir Putin empfangen.

Seit seiner Gründung unterhält das wahhabitische Königreich privilegierte Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und betrachtet die Sowjetunion und später Russland, als Gegner. Es scheint, als ändere sich das alles jetzt.

Die große Bedeutung der Wirtschaftsabkommen und Zusammenarbeit, die unterzeichnet wurden, initiiert eine neue Politik. Saudi Arabien hat 16 Kernkraftwerke gekauft, hat akzeptiert, an dem russischen Weltraum-Forschungsprogramm teilzunehmen und auch Erdöl-Vereinbarungen ausgehandelt, deren Inhalt vorerst nicht veröffentlicht wurde.

Um Mehrdeutigkeiten auf diese Annäherung auszuschalten, hielt Präsident Putin es für angebracht zu erklären, dass Russland absolut nichts an seiner Unterstützung Syriens ändern und, dass es jeglicher politischen Lösung gemäß den Wünschen des syrischen Volkes beistehen würde. In früheren Interventionen hatte er schon darauf hingewiesen, dass dies die Beibehaltung an der Macht von Präsident Al-Assad bis zum Ende seiner sieben Jahre langen Amtszeit bedeutete, für die er demokratisch gewählt worden war.

Die Verlierer in dem neuen Kartenspiel

Das alles deutet darauf hin, dass nach der Unterzeichnung der US-Iran Abkommen [3], die Verlierer sein werden:
- Das palästinensische Volk, welchem das unveräußerliche Recht auf Rückkehr entzogen sein wird, für das drei Generationen gekämpft haben;
- Die Türkei, die wahrscheinlich ihren hegemonialen Traum, ihre Unterstützung der Muslimbruderschaft und ihre Niederlage in Syrien teuer bezahlen wird [4] ;
- Frankreich, das vier Jahre keine Mühe scheute, um seine kolonialen Interessen in der Region wieder aufzubauen und das sich letztlich in der einfachen Rolle eines Lieferanten von Israel und Saudi Arabien befindet [5].

Übersetzung
Horst Frohlich

[1] „Die gemeinsame "arabische" Verteidigungskraft“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 20. April 2015.

[2] « L’Initiative de paix arabe présentée par le prince Abdullah bin Abdul-Aziz », Réseau Voltaire, 28 mars 2002.

[3] „Was wird aus dem Nahen Osten nach dem Abkommen zwischen Washington und Teheran?“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Sabine, Voltaire Netzwerk, 18. Mai 2015.

[4] „Das nahende Ende des Systems Erdoğan“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 15. Juni 2015.

[5] „Die voraussehbare Niederlage Frankreichs“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 8. Juni 2015.

Thierry Meyssan

Thierry Meyssan Französischer Intellektueller, Präsident und Gründer des Réseau Voltaire und der Konferenz Axis for Peace. Er veröffentlicht Analysen über ausländische Politik in der arabischen, latein-amerikanischen und russischen Presse. Letztes, auf Französisch veröffentlichte Werk : L’Effroyable imposture : Tome 2, Manipulations et désinformations (hg. JP Bertand, 2007).

 

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