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Kobané widersteht noch

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Die syrische Stadt Kobané (in Arabisch Ain al-Arab) mit kurdischer Bevölkerung wird seit dem 16. September 2014 immer noch durch das islamische Emirat («Daesh") belagert. Die Stadt liegt an der türkischen Grenze und ist nur mehr von der Türkei aus zugänglich, weil das Hinterland von Daesh besetzt ist.

Die Haltung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat Verwirrung gestiftet was seine wahren Absichten betrifft und hat sein Land politisch isoliert. So unterstützten vergangene Woche nur 60 der 193 Staaten die Kandidatur der Türkei in dem UN-Sicherheitsrat.

Herr Erdoğan sagt, das angekündigte Massaker der Kobané-Bevölkerung verhindern zu wollen, aber er verhindert, dass die türkisch-kurdischen PKK-Kämpfer ihr zu Hilfe kommen. Er hat die Grenze mit Minen verlegt und verweigert Zivilisten den Zugang. Letztlich hat er unter dem Druck von Washington zugestimmt, 200.000 der 300.000 Einwohner der Stadt Zugang zu gestatten.

Um seine Position zu rechtfertigen bezeichnete der türkische Außenminister, Mevlüt Çavuşoğlu, am 24. Oktober den syrischen PYG als "Terroristengruppe", genau so wie Daesh. Der PYG hat niemals terroristische Handlungen begangen, aber seine wichtigsten Führungskräfte sind ehemalige Mitglieder der türkischen PKK, die wegen der Repression in ihrem Land geflohen waren und die die syrische Staatsangehörigkeit zu Beginn des Krieges erhalten haben.

Mit der Behauptung, der Bevölkerung gegenüber Daesh helfen zu wollen, kündigte Recep Tayyip Erdoğan die Ankunft von kurdischer Verstärkung an: 5000 Peschmergas von der regionalen Regierung des irakischen-Kurdistan (pro-israelisch) und 1300 andere der freien syrischen Armee (pro-französische und anti-syrische-arabische-Republik). Allerdings hätten sich bislang nur 155 Peschmergas auf den Weg gemacht, und kein Mann sei noch in Kobané angekommen.

Die türkische Luftwaffe hat nicht eingegriffen, aber sie hat eine Großübung durchgeführt, die eine Aktion zum Schutz des Grabes von Süleyman Şah auf syrischem Gebiet simulierte. Im Rahmen einer französisch-türkischen Vereinbarung von 1921 spielt dieses Grab die Rolle der Extraterritorialität. Es ist jedoch weit von Kobané entfernt.

Die Anti-Daesh-US-Koalition hat per Fallschirm dem PYG Waffen abgeworfen, aber unabsichtlich oder nicht, wurde die Hälfte davon von Daesh erhalten (wie es schon zuvor in Mosul der Fall war). Sie macht auch 10 bis 15 Bombardements pro Tag, ohne wirklich einen Einfluss auf die Schlacht zu haben.

Ihrerseits verfolgt die syrische arabische Armee auch ihre Bombardierungen weiter, aber auf einer viel intensiveren und gezielteren Art und Weise (ca. 150 pro Tag). Obwohl sie auch angekündigt hat, Waffen und Munition herbeiholen zu wollen, ist bis heute nichts angekommen.

Laut der syrischen Informationsstelle für Menschenrechte (erstellt durch die muslimischen Brüder und dem britischen MI6 als ein Aushängeschild dienend) wurden seit Beginn der Belagerung 815 Personen getötet, von denen mehr als die Hälfte dem Daesh angehören.

Übersetzung
Horst Frohlich

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