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Türkei bläst heiß und kalt auf Russland

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der die militärischen Zusammenstöße in Idlib kommentiert und den Mord von vier FSB-Offizieren durch turkmenische Milizen in Aleppo, Syrien ignoriert [1], sagte am 3. Februar 2020: "Ich möchte den russischen Behörden sagen, dass unser Gesprächspartner hier nicht Sie sind, sondern das ’Regime’. Kommen Sie uns nicht in die Quere."

Verteidigungsminister General Hulusi Akar bestätigte, dass die türkische Armee 54 Ziele angegriffen und 76 syrische Soldaten als Vergeltung für den Tod von fünf ihrer Soldaten und drei türkischen Zivilisten getötet habe.

In einem Telefonat zwischen den Außenministern von Russland und der Türkei, Sergej Lawrow und Mevlüt Çavuşoğlu, betonte Russland, dass die syrisch-türkischen Zusammenstöße das Ergebnis der mangelnden Umsetzung des türkischen Präsidenten bei seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin am 17. September 2018 sei. Russland wies auch darauf hin, dass die türkischen Streitkräfte ihn nicht im Voraus über ihren Schritt informiert hätten, im Gegensatz zu den Sotschi-Abkommen, was das türkische Militär aber dementierte.

Die russischen und die türkischen Armeen stellten ihre gemeinsamen Patrouillen sofort ein.

Die türkische Presse stellt fest, dass der syrische Angriff zu einer Zeit erfolgt, in der die Beziehungen Ankaras zur Europäischen Union über die Mittelmeerpipeline und Libyen kühl geworden sind.

Die russische Presse veröffentlicht Zeugenaussagen ehemaliger Al-Kaida-Dschihadisten, die behaupteten, 2011 von den Türken gewaltsam in die Al-Nusra-Front eingegliedert worden zu sein.

Am darauffolgenden Tag, dem 4. Februar, leitete Mevlüt Çavuşoğlu die Konferenz der türkischen Botschafter "Asien Wieder" in Ankara. Er nutzte die Gelegenheit, um Russland gegenüber sanft zu erscheinen und "die Arroganz des Regimes in Damaskus" anzuprangern. Er sagte, die Prozesse von Sotschi und Astana seien nicht tot, sondern nur "getrübt". "Wir halten die Vorwände der Russen, dass sie das syrische Regime nicht vollständig kontrollieren, nicht für angemessen“, sagte er.

Während der Woche zogen 151.000 Zivilisten, um den Kämpfen zu entkommen, in von der türkischen Armee besetzte Gebiete, konnten aber die Grenze nicht überqueren.

Präsident Erdogan, der zum 8. Türkisch-ukrainischen Strategischen Rat in der Ukraine ankam, hat stattdessen seinen Ton gegenüber Russland gestärkt. Er überprüfte die Nationalgarde. Er rief "Ruhm der Ukraine!", worauf die Soldaten antworteten: "Für die Helden des Ruhms!" nach dem Ritual der Kollaborateure der Nazis (Banderisten). Dieser Ruf wird erneut gegen die Separatisten im Donbass eingesetzt.

Er bekräftigte, dass er "die Annexion der Krim durch Russland" nicht anerkenne. Er empfing den Leiter der Internationalen Islamistischen Brigade, Moustafa Djemilev (bekannt als "Mustafa Kırımoğlu » [2]) [photo].

Übersetzung
Horst Frohlich

[1] „Türkei lässt 4 russische FSB-Offiziere erschießen“, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 5. Februar 2020.

[2] „Ukraine und Türkei schaffen eine islamische internationale Brigade gegen Russland“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 5. Oktober 2015.

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