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Zum Symbol des Kampfes gegen die Islamisten umgab sich Muammar el-Gaddafi, der libysche Staatschef, mit weiblichen Leibwächtern. Nachdem die NATO ihn gelyncht und begraben hatte, begründete sie jedoch ihre Verbrechen vor der westlichen Öffentlichkeit mit der "Enthüllung", dass die Amazonen in den Händen eines sexuellen Raubtiers nur Prostituierte waren. Dafür wurde mit einem Buch der Le Monde "Journalistin", Annick Cojean, Propaganda gemacht, die nur auf einer einzigen und alleinigen Zeugenaussage beruht.

Der Westen begrüßt die Bombardierung des Jemen durch Saudi Arabien und die Einnahme von Idlib durch al-Kaida. Offiziell wäre al-Kaida jedoch eine anti-Saudische Terror-Organisation, die für die Anschläge des 11. September verantwortlich ist. Was geht da nun vor, das die Anhänger von Osama Ben Laden wieder auf die Seite der "Freiheitskämpfer" bringt, wie einst, als sie die Sowjets in Afghanistan bekämpften, mit der Begründung, sie hätten Idlib dem Syrien von Baschar Al-Assad entrissen?

Die Realität vor Ort bestätigt leider, was ich vor zwei Wochen auf dieser Site geschrieben habe: der mörderische Wahnsinn, der die gesamte arabische Welt ergriffen hat, hat nichts mit sozialen Klassen, mit ideologischen Spaltungen oder religiösen Gefühlen zu tun. Seit vier Jahren haben viele Menschen ihre Position geändert und ihr Lager gewechselt. Die Dinge ändern sich langsam und eine neue Linie der Spaltung wird sichtbar, ohne Bewusstsein der Bevölkerung.

In den 1950er Jahren war die arabische Welt in pro-US-Amerikaner und pro-Sowjets geteilt. In den 1990er Jahren war sie in pro-Israel und Widerstand geteilt. Aber die Logik der staatlichen Interessen wurde durch George W. Bush und Dick Cheney zugunsten der Interessen der Ölgesellschaften gebrochen. Wir ernten heute die Früchte der Politik von Barack Obama.

Wir erleben einen Ausbruch von Gewalt der Anhänger der Polygamie gegen jene der Frauenrechte. Die arabischen Monarchien und die Muslimbruderschaft verteidigen eine Gesellschaft, die von Männern dominiert ist, während der Iran und seine Verbündeten eine neue Gesellschaft verteidigen, in der Männer und Frauen ihre Fruchtbarkeit beherrschen und gleichberechtigt sind. Man kann die Fakten herumdrehen wie man will, es gibt fast keine andere Spaltung zwischen den beiden Lagern.

Zwei Weltanschauungen stehen einander gegenüber.

Was haben die Ziele des Westens, Zinedine Ben Ali (Tunesien), Hosni Mubarak (Ägypten), Muammar al-Gaddafi (Libyen), Baschar Al-Assad (Syrien), Nuri al-Maliki (Irak), Sheikh Ali Salman (Bahrain), Abdul-Malik al-Huthi (Jemen) miteinander gemeinsam? Nichts, abgesehen davon, dass sie alle gegen Polygamie gekämpft haben. Was haben die vom Westen unterstützten Regierungen gemein: die Mitgliedstaaten des Rates der Golf-Zusammenarbeit und der Muslim-Bruderschaft? Sie sind alle für Polygamie.

Das ist heute die einzige Spaltungs-Linie, die mit Ausnahme des Irak und Ägyptens die gesamte arabische Welt durchquert. Im Irak haben die Vereinigten Staaten noch keinen eindeutigen Partner gewählt. Offiziell unterstützen sie Haider al-Abadi gegen Daesh, aber die iranische und irakische Presse hat bewiesen, dass sie ein abgekartetes Doppel-Spiel spielen und absichtlich Waffen an Daesh geliefert und irakische Soldaten getötet haben. Was Ägypten angeht, zögert Präsident al-Sissi noch zwischen seiner persönlichen, die Frauenrechte verteidigenden Ansicht, und jener seiner saudischen Sponsoren, deren Geld für die Wirtschaft des bankrotten Landes entscheidend ist.

Jahrlange Propaganda hat uns blind gemacht.

Wir glauben zu Unrecht, dass die iranische Kleidung jener der Saudis äquivalent ist. In Iran beherrschen die Frauen aber ihre Fruchtbarkeit seit den frühen Jahren der Revolution - d.h. vor den Frauen der meisten europäischen Staaten -. Sie sind viel zahlreicher in den Universitäten als die Männer und besetzen hohe verantwortungs-volle Posten. Im Gegenteil, in Saudi-Arabien haben sie kein eigenes Recht.

Wir glauben fälschlicherweise, dass die muslimische Welt in Sunniten und Schiiten geteilt ist, die sich einen gnadenlosen Krieg liefern. Nun hätten aber die Huthis im Jemen, wenn auch auf nationaler Ebene weitgehend mehrheitlich, Sanaa oder Aden nicht ohne Unterstützung durch eine starke sunnitische, in diesen beiden Städten vorherrschende Kraft, einnehmen können. Und hier in Syrien, besteht die syrische arabische Armee, die vom Iran gegen die Takfiristen unterstützt wird, aus mehr als 70% Sunniten.

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Yussef al-Qaradawi, Führer der Muslimbruderschaft und spiritueller Berater des katarischen TV Senders Al-Dschasira, machte sich eine Spezialität aus der Verteidigung der Polygamie und dem Recht, seine Frauen schlagen zu dürfen. Während der Wahlkampagne von Mohamed Mursi in Ägypten, trat er auf dem Kairoer Tahrir-Platz auf und predigte, dass die politische Priorität nicht der Kampf gegen Israel sei, sondern um Homosexuelle zu töten. Abgebildet hier (im Zentrum), Ehrengast bei einem Treffen der „syrischen moderaten Opposition“.

Man kann ungläubig sein, wenn man sieht, dass die erste Tat der tunesischen "Revolution" - vor jeglicher legislativen Entscheidung - war, die Rückkehr von Raschid Ghannouchi, einem muslimischen Bruder zu organisieren, der sofort nach seiner Ankunft wieder die Polygamie einführte.

Man kann erstaunt gewesen sein, als Mitglieder der syrischen Baath-Partei sich gegen den Staat wendeten oder sogar jemenitische Kommunisten sich gegen ihre Partei erhoben und sich alle der al-Kaida anschlossen. Es genügt jedoch ihre Familien anzusehen, um zu verstehen, warum sie ins andere Lager überwechselten.

Und was soll man von den libyschen Siegern sagen, die die Restaurierung der Scharia ankündigten?

Diese überraschenden Beispiele passieren oft, aber die Passagen von dem pro-westlichen Lager zum anti-westlichen sind häufiger.

Wie immer verbündeten sich die Kolonialmächte mit Kräften, die nicht ohne ihre Hilfe triumphieren konnten, in diesem Fall die Befürworter einer vergangenen Welt. Die Vereinigten Staaten haben natürlich die Folgen ihrer Entscheidungen nicht vorausgesehen. Ihre Strategen dachten nur an ihre kurzfristigen imperialistischen Interessen. Heute surfen sie auf der Gewaltwelle die sie provoziert haben, die sie aber überfordert, wie sie auch die Bevölkerung überfordert.

Niemand wird das Feuer löschen können, das die arabische Welt heimsucht, weil diese sich zu schnell geändert hat. Niemand kann der Frage der Frauen-Rechte entkommen.

Im Westen begann die industrielle Produktion von Kondomen 1844, aber es dauerte bis zur AIDS-Epidemie, eineinhalb Jahrhunderte später, damit alle westlichen Staaten seine Werbung zulassen. Das Diaphragma wurde 1880 erfunden und die Spirale ist in den 1930er Jahren weit verbreitet, während die Pille in den 1950er Jahren erschienen ist.

Die Fruchtbarkeits-Kontrolle hat das Leben der heterosexuellen Paare grundlegend geändert. Die arrangierte Ehe, die im Westen bis zum ersten Weltkrieg die Norm war, machte der Hochzeit aus Liebe Platz, nach dem zweiten Weltkrieg. Infolgedessen hat die Gesellschaft die Homosexualität zugelassen, die sie zuvor als "wider-natürlich" bezeichnete, obwohl sie bei allen untersuchten Säugetieren und vielen anderen Arten bezeugt ist [1].

Seit Mai 68 sind in den westlichen Gesellschaften unter dem Einfluss der "Konsumgesellschaft" heute mehrfache Scheidungen Gang und Gebe. Es sind nicht mehr nur die Frauen, sondern beide Geschlechter, die als Konsum- und Wegwerfgut betrachtet werden. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wird Polygamie eine Tatsache der Gesellschaft, aber zeitlich nacheinander. Wir können so viele Frauen oder Männer wie möglich haben, vorausgesetzt, dass sie aufeinander folgen.

Zur gleichen Zeit versuchen die Feministinnen, die einst kämpften, um die Frauen zu befreien, sie heute wieder einzusperren, aber in männlichen Rollen. Sie argumentieren, dass beide Geschlechter, voneinander unterschiedlich, gleichzeitig absolut identisch seien und leugnen die Existenz von zwischen-sexuellen Menschen (in einem Fall von 700 Menschen mit weiblichen Genitalien, sind sie nicht Träger der XX Chromosomen sondern XXY, in einem Fall von 20 000, haben sie XY-Chromosomen, obwohl diese als männliche bekannt sind) [2]. Das ist diese Weltanschauung, die in den Vereinigten Staaten von der feministischen Anwältin Hillary Clinton verkörpert wird, die jetzt als Staatssekretär und begabte Organisatorin des "Arabischen Frühlings" fungiert. Diese Ideologie triumphiert in Frankreich mit der Sozialistischen Partei und ihren Konzepte von der "Ehe für alle" und der "Parität": bei den letzten Wahlen [in Frankreich] konnte kein Bürger allein kandidieren. Er war gezwungen, eine "Paar" mit einem anderen Bürger des anderen rechtlichen Geschlechts zu bilden.

Was der Westen in fast zwei Jahrhunderte mit Schwierigkeiten durchgemacht hat, hat die arabische Welt in einer einzigen Generation erlebt.

Wenn im Allgemeinen die Anhänger von Saudi-Arabien sunnitische Muslime sind, während die vom Iran allen religiösen Gemeinschaften angehören, gibt es viele Ausnahmen, die nur durch ihre Einstellung gegenüber den Verhütungsmitteln erklärt werden können.

Im 19. Jahrhundert waren die christlichen Kirchen absolut gegen Empfängnis-verhütung. Im Jahr 1958 verurteilte Papst Pius XII. die Pille, während im Jahr 2015 Papst Franziskus die "verantwortliche Elternschaft" preist und die Christen anprangert, die sich "wie Karnickel vermehren". Noch vor Kurzem lehrte die katholische Kirche, dass Homosexualität im Gegensatz zu "Gottes Plan" ein Sünde wäre, während Papst Franziskus heute sagt, dass er Homosexuelle nicht verurteilen würde.

Trotzdem ist die Entwicklung der Mentalitäten noch nicht abgeschlossen, da viele Christen noch die Abtreibung während der ersten Wochen der Schwangerschaft als einen Mord betrachten, obwohl der Hl. Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert schon gezeigt hat, dass ein wenige Wochen alter Fötus kein menschliches Wesen sein kann. Und die Unterstützung von Daesh durch junge westliche Muslime bestätigt, dass der Kampf für die "verantwortliche Elternschaft" in Europa noch nicht gewonnen ist.

Seit vier Jahren analysiere ich die Strategien der Staaten gegenüber dem "arabischen Frühling", aber heute stelle ich fest, dass die Völker nicht mehr denjenigen gehorchen, die sie manipulieren. Die Leute werden durch eine andere Kraft getrieben, eine mächtigere, die sie ohne ihr Wissen beeinflusst, und sie entfesselt.

Ab 1936 öffnete das Dritte Reich „Lebensborn“, eine von dem Ministerium für Landwirtschaft abhängige Institution, die für die Herstellung und Erziehung von jungen "Ariern" im Auftrag der SS verantwortlich waren.

Vielleicht könnten wir unsere eigene Geschichte wieder neu lesen, mit dem Hintergrund, was heute in der arabischen Welt geschieht. Wir würden dann mit der gleichen Überraschung herausfinden, dass während des zweiten Weltkriegs die Alliierten (Großbritannien, das freie Frankreich [France libre], die Sowjetunion und die USA) von Frauenbewegungen erschüttert wurden, und sie den Frauen Verantwortlichkeiten anvertrauten, wenn ihre Männer gefallen waren. Die Achsenmächte (Deutschland, Italien, Japan, der französische Staat) aber verboten strengstens die Empfängnisverhütung und hielten die Frauen, trotz der Dringlichkeit, von allen Verantwortungsposten entfernt.

Übersetzung
Horst Frohlich

[1] Die Schwierigkeit liegt darin, dass westliche Forscher seit Jahrhunderten die Sexualität des Tieres einzig als Reproduktions-Verhalten definiert haben, obwohl Aristoteles schon homosexuelle Paare des Rebhuhns beobachtet hatte. Seit den 1990er Jahren wurden zahlreiche Studien über mehr als 1 500 Arten durchgeführt. Man findet ganz andere Ergebnisse, je nach dem man die Brautwerbung, die Zuneigung, das gepaarte Leben und die Erziehung durch die Familie betrachtet. Biological Exuberance: Animal Homosexuality and Natural Diversity, Bruce Bagemihl, St. Martin’s Press (1999). Im Jahr 2006 organisierte die Universität Oslo eine bemerkenswerte Ausstellung, Against Nature ? - an exhibition on animal homosexuality, die das Problem ausgiebig erläuterte. Diese Arbeit führte zu einer neuen Diskussion über die Theorie der Evolution; Wissenschaftler wie Joan Roughgarden, entwickeln das Konzept der "Sozialauswahl", um die "Sexuelle Selektion" zu ersetzen. Evolution’s Rainbow: Diversity, Gender and Sexuality in Nature and People, University of California Press (2004).

[2] Es gibt sehr viele unterschiedliche Fälle, die einerseits von Menschen mit biologischen Merkmalen beider Geschlechter ausgehen, ohne dass es möglich ist, mit Sicherheit zu sagen, welchem Geschlecht sie angehören, bis andererseits zu Personen, deren Karyotype nicht mit ihrer körperlichen Erscheinung [Phänotyp] übereinstimmt. Das einzige was klar ist, ist dass manche Individuen weder exakt Männer noch genau Frauen sind.