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Der Klima-Vorwand 2/3

1982-1996: Die Ökologie des Marktes

In den Jahren 80-90 wurde die Ökologie von Verteidigungsfragen getrennt, um sich mit den wirtschaftlichen Problemen zu vermischen. In diesem zweiten Teil seiner Studie über die Geschichte der ökologischen Rhetorik analysiert Thierry Meyssan, wie die Multis die Situation umgekehrt haben und von der Position des Angeklagten zu der des Sponsors der grünen Verbände übergegangen sind. Der Originaltext stammt von April 2010 und ist unverändert übersetzt worden.

| Damaskus (Syrien)
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Dieser Artikel ist die Folge von:
- 1. Die Ökologie des Krieges

1982: Nairobi, der zweite "Erdgipfel" und die Führung von Margaret Thatcher

Allmählich verschiebt sich die Debatte von dem Umwelt-Programm der Vereinten Nationen (UNEP) zum Fonds der Vereinten Nationen für die Bevölkerung (UNFPA), wo sie zu Auseinandersetzungen über die sexuelle Moral zwischen den Vereinigten Staaten auf der einen Seite, dem Heiligen Stuhl und dem Iran auf der anderen führt. Innerhalb des kapitalistischen Lagers verlieren die Neo-Malthusianer Einfluss zugunsten der Unterstützer der Deregulierung. Präsident Ronald Reagan betrachtet mit Verachtung den zweiten "Erdgipfel" (Nairobi, 1982) der unbemerkt bleibt. Es wird nicht geplant, eine neue Konferenz einzuberufen.

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Für Jessica Mathews (WRI) sind es nicht der Kapitalismus und die multinationalen Konzerne, die für die Zerstörung der Umwelt verantwortlich sind. Vielmehr sind es diese großen Unternehmen und der Markt, die die Lösung haben.

Die amerikanischen Demokraten nehmen die Dinge ernster. James Gus Speth, ehemaliger Umwelt-Berater von Jimmy Carter und Jessica Mathews (ehemalige Vertreterin von Zbigniew Brzezinski im nationalen Sicherheitsrat und Direktorin der Rockefeller-Stiftung) gründen eine ökologische Denkfabrik, das World Resources Institute (WIR), um die Weltbank zu beeinflussen. Gefördert durch multinationale Konzerne, wird es die erste Organisation dieser Art, um der politischen Studie des Klimawandels große Budgets zu widmen. Es bezweifelt die Fähigkeit der Staaten, auf Umweltprobleme reagieren zu können und fordert eine Weltordnungspolitik, die seiner Meinung nach, über den Markt und nicht über die Vereinten Nationen gehe. Verträge seien unnötig. Die multinationalen Unternehmen sollen Fortschritte in diesen Fragen machen, und sie würden es nur tun, wenn ihre Aktionäre ein Interesse darin fänden.

Nach dem Scheitern der Konferenz von Nairobi reduzieren die Vereinten Nationen ihre Ambitionen und begnügen sich das Wiener Übereinkommen und das Montrealer Protokoll über das Verbot der Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die für das "Loch in der Ozonschicht verantwortlich sind“, auszuhandeln.

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Für Gro Harlem Brundtland (Weltkommission für Umwelt und Entwicklung) ist der Zugang zu den Ressourcen nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

Um die Debatte wiederzubeleben, die dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, dem Peruaner Javier Pérez de Cuellar entgeht, ernennt er eine Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, deren Vorsitz dem Staatsminister (d.h. Premierminister), Dr. Gro Harlem Brundtland anvertraut wird und deren General Sekretariat an Jim MacNeill geht. Diese Organisation, der Maurice Strong u.a. angehört, macht einen pessimistischen und mehrdeutigen Bericht, Unser aller Zukunft [1]. Mit Berücksichtigung der Belange der dritten Welt wird er innovativ. In diesem Sinne erwähnt er zum ersten Mal in einem internationalen Dokument den Begriff der "beständigen Entwicklung" (später übersetzt durch "nachhaltige Entwicklung"). Das industrielle Wachstum ist nicht der Feind der Menschheit, aber es muss geregelt werden, damit nicht die Rechte zukünftiger Generationen gefährdet würden. Was natürlich bedeutet, dass die menschliche Tätigkeit nicht die Umwelt zerstören dürfe, aber dass sie auch keine Ungleichheiten schaffen solle, damit Kinder in einem armen Land nicht ohne Zukunft geboren werden könnten. Die Frage des Zugangs zu natürlichen Ressourcen und deren Bewirtschaftung entgeht den Neo-Malthusianern, um eine revolutionäre Dimension anzunehmen, die nicht von allen gleichartig verstanden wird: für die Dritte-Welt-Militanten müssten die Staaten Gesetze erlassen, um jedermann den Zugang zum Gemeingut zu gewährleisten, während für die Kapitalisten sie stattdessen deregulieren müssten, um den Zugang der Multis sicherzustellen.

Diese doppelte Lesung macht einigen entwickelten Staaten Sorge, aber zwei Faktoren werden sie ermutigen, sich für die Fortsetzung der Verhandlungen einzusetzen.

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Der alarmierende James Hansen wiederbelebt die Treibhauseffekt-Theorie. Er gestattet seinem Arbeitgeber, der NASA, eine neue Nützlichkeit zu finden: die Satellitenbeobachtung des Klimas.

1986 explodiert die Raumfähre Challenger 73 Sekunden nach dem Abheben, im Flug. Die Vereinigten Staaten beschließen die sofortige Unterbrechung der Flüge. Die NASA beginnt eine Phase der Selbstbeobachtung und Reorganisation. Um ihren Haushalt zu retten, plant sie sich in die Satellitenüberwachung des Klimas umzuschulen.

Der Direktor des Instituts für Klimatologie der NASA, James Hansen, dramatisiert während seiner Anhörung von einem Ausschuss des Senats das Problem [2]. Durch ihn bekommt die amerikanische Umweltbewegung eine wissenschaftliche Unterstützung und die NASA behält ihren Haushalt. Hansen wiederbelebt die "Treibhauseffekt"-Theorie: die Präsenz in der Atmosphäre bestimmter Gase, wie das Kohlendioxyd CO2, würde die globale Temperatur der Erdoberfläche erhöhen; ein Konzept, das schon 1896 von dem schwedischen Chemiker und Physiker, Svante Arrhenius, formuliert wurde. Dieser wissenschaftsgläubige Gelehrte hatte spekuliert, dass die Menschheit dank der Wärmeentwicklung ihrer Produktionsbetriebe einer neuen Eiszeit entkommen könnte. Seine Idee stellte sich als improvisiert heraus und die Idee wurde aufgegeben. James Hansen greift sie aber wieder auf - ohne sie zu kontrollieren -, um einen entgegengesetzten Schluss daraus zu ziehen: die industrielle Entwicklung wird eine für die Menschheit schädliche Erwärmung bewirken.

Margaret Thatcher greift ihrerseits die Klimafrage auf und behauptet sich schnell als Weltführerin auf diesem Gebiet. Im Jahr 1987 spricht Maumoon Abdul Gayoom, Präsident der Malediven, von diesem Thema auf dem Commonwealth-Gipfel von Vancouver. Sein Land, sagte er, wird verschwinden, wenn das Klima sich erwärmt und das Wasser steigt. Im Jahr 1988 organisieren Kanada und Norwegen in Toronto eine Welt-Ministerkonferenz zum Thema: "Unsere Atmosphäre ändert sich: Implikationen für die globale Sicherheit." [3] Zum ersten Mal spricht man von möglichen Volksverschiebungen und man erwähnt objektive spezifische Ziele zur Senkung der Treibhaus-Gase.

Die kanadischen und britischen Premierminister Brian Mulroney und Margaret Thatcher überzeugen ihre G7-Partner (USA, Frankreich, Deutschland und Italien), einen zwischenstaatlichen Studien-Ausschuss zum Klimawandel (IPCC) unter der Schirmherrschaft der UNEP und der Meteorologischen Welt-Organisation zu finanzieren, die bereits ein gemeinsames Forschungsprogramm eingeleitet haben [4]. Bald danach hält Frau Thatcher eine wichtige Rede an der Royal Society [5]. Sie sagt, dass die Treibhaus-Gase, das Loch in der Ozonschicht und die sauren Regenfälle zwischenstaatliche Antworten erforderen. Im Jahr 1989 wendet sie sich an die Generalversammlung der Vereinten Nationen. Sie schlägt Alarm und fordert die allgemeine Mobilisierung. Sie kündigt an, dass Großbritannien bereits eine Reihe von Initiativen zur Modernisierung seiner Industrie getroffen habe und dass es Forschern auf der ganzen Welt DV-Instrumente zur Erforschung des Klimawandels zur Verfügung stellen werde [6]. Zurück in London, schuf sie das Hadley-Center für Klimavorhersage und Forschung, das sie feierlich eröffnet [7]. Noch im Schwung beteiligt sie sich an der Weltklimakonferenz in Genf, wo sie für die Ausarbeitung eines umfassenden Übereinkommens plädiert [8].

Das IPCC wird erst mit dem Hadley-Center sinnvoll. Lady Thatcher wollte keine internationale wissenschaftliche Akademie schaffen, sondern ein politisches Organ, um die Forschung zu überwachen; und dies umso leichter, als die beteiligten Wissenschaftler das Hadley Centre brauchen, um ihre Arbeit fortzusetzen. Ihr Ziel war nicht die Herstellung einer falschen Wissenschaft, um eine politische Linie zu unterstützen, sondern um die Grundlagenforschung so zu leiten, damit die Forschung eine angewandte, für eine neue industrielle Revolution nützliche wird, welche Thatcher sich heiß wünschte.

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Margaret Thatcher befasst sich mit den Herausforderungen des Klimawandels, als wäre er eine Chance für das Vereinigte Königreich, die Führung der globalen wissenschaftlichen Forschung zu übernehmen und eine neue industrielle Revolution zu starten (hier, bei der Eröffnung des Hadley Centers, am 25. Mai 1990).

Der Wille von Lady Thatcher, ehemalige Forscherin in organischer Chemie, den Wohlstand und Einfluss ihres Landes auf seine wissenschaftliche Führung zu gründen, steht außer Zweifel. Im Gegensatz zu den Neo-Malthusianern behauptet sie, dass der wissenschaftliche Fortschritt die Herausforderungen des Klimawandels lösen könne. Sie zitiert als Beispiel die Art und Weise, wie in der City von London der fog, dieser dicke von dem Rauch der Fabrik-Schornsteine gebildete Nebel abgeschafft wurde. Weit davon entfernt, die Industrialisierung zu verurteilen, will sie eine neue industrielle Revolution erzeugen, die ihr Land wieder an die Spitze der Weltwirtschaft bringen werde. Sie schließt Kohlebergwerke, stützt sich auf das Nordsee-Öl und bereitet die Zukunft mit Atomkraft vor.

Diese grandiosen Ambitionen, die sie in völliger Missachtung der Arbeiterklasse verfolgt und der herrschenden Klasse einen Gewalt-Marsch aufzwingt, zerschellt an den Spaltungen der Konservativen Partei, die sich gegen ihren Autoritarismus auflehnt und sie zum Rücktritt zwingt.

1992: Rio, der dritte "Erdgipfel" und der Triumph von Maurice Strong

In den letzten Jahren hat Maurice Strong die kanadische öffentlich-rechtliche Stellung verlassen. Er wurde Milliardär. Er wurde Direktor von Petro-Canada und hat ein beeindruckendes persönliches Vermögen angesammelt. Mit dem saudischen Waffenhändler Adnan Kashoggi schuf er American Water Development [amerikanische Wasser-Entwicklung], ein Unternehmen, welches das St. Louis Tal kauft, um die Wasserreserven des Colorado auszubeuten. Aber sie müssen dem Zorn der Einheimischen widerstehen, die befürchten, dass diese grüne Region in eine Wüste verwandelt wird.

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Der Eingang zum "Raumschiff Erde" im Haidakhandi Universal Ashram Crestone. Maurice Strong hat auf der Baca Ranch, hinduistische, buddhistische, schamanische, jüdische und christliche Schreine installiert.

Plötzlich gibt Strong auf. In seinen Worten hätte ihm ein Weiser die mystischen Eigenschaften dieses Heiligen Ortes für Inder offenbart. Mit seiner Frau Hanne, überzeugt, die Reinkarnation von einer indischen Priesterin zu sein, kreieren sie die Manitu-Stiftung, deren Präsident er wird und sie die Schatzmeisterin. Sie investieren $ 1,2 Millionen. Sie bauen auf der Baca-Ranch von Crestone einen großen Komplex der Spiritualität New Age, wo Hindu- und Buddhisten Tempel, jüdische Tempel und christliche Kirchen, Schamanen und andere Zauberer nach einem esoterischen Urbanismus kombiniert werden. Namhafte Mitglieder des sehr seriösen Aspen Institute (Rockefeller, Kissinger usw.) kommen dorthin um zu meditieren, damit alle Religionen eine werden. Laurence Rockefeller (Davids Bruder) gibt eine Spende von $ 100.000. Dieses seltsame Abenteuer endet ebenso plötzlich wie es begonnen hatte, obwohl man nie gewusst hat, ob es eine kollektive Wahnvorstellung war, oder ob es Teil eines Kommunikationsplans war, um das Bild des Haien Maurice Strong und seiner Freunde zu mildern.

Die Baca-Ranch diente außerdem als Labor, um die Vulgata der Ökologe auszuarbeiten: eine modische Religiosität, auf Grundlage des biblischen Mythos von der Sintflut, eingewickelt in verschiedene kulturelle, besonders buddhistische Entlehnungen. Der sündige Mensch wäre der industriellen Versuchung verfallen und müsste nun die göttliche Vergeltung ertragen. Wegen der globalen Erwärmung, die er verursacht habe, würden die Wasser bald die Erdoberfläche überfluten. Nur Noah, der Umweltschützer werde die Flut überleben und mit ihm die Pflanzen und Tiere, die er gerettet hat.

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Laut James Lovelock verhalte sich die Erde wie ein lebendiges Wesen. Es sei Gaia, die Mutter-Göttin.

Dieser Glaube basiert auf einer von den Arbeiten des Chemikers James Lovelock (der zum Kommandeur des britischen Empires durch Margaret Thatcher erhoben wurde) inspirierten Kosmogonie: die Gaia-Theorie. Der englische Wissenschaftler hat versucht nachzuweisen, dass die Zusammensetzung der Erdatmosphäre durch die dort lebenden Lebewesen reguliert würde. Auf dieser bereits fragwürdigen Grundlage fundieren die Schöpfer der Baca-Ranch, dass die Erde sich wie ein lebender Organismus verhalte: Es wäre Gaia, die Mutter-Göttin der griechischen Mythologie. So absurd es auch klingen mag, diese Kosmogonie hat sich in der zeitgenössischen Vorstellung durchgesetzt. Daher sprechen wir nicht mehr vom "Retten der Menschheit" vor der Verschlechterung seiner natürlichen Umgebung, sondern vom „Retten des Planeten“, obwohl niemand abstreitet, dass dieser Planet noch ein paar Milliarden Jahre Existenz vor sich hat.

Wie auch immer, den Angelsaxen gelingt es, Maurice Strong durch eine Wahl zum Vorsitzenden der Welt Föderation der Verbände der Vereinten Nationen (WFUNA) zu machen. Diese Position erlaubt ihm eine Kampagne zu führen, um sicherzustellen dass die Vereinten Nationen einen neuen Erdgipfel organisieren. Als die Entscheidung getroffen war, hat er dank seiner vorigen Rollen in Stockholm und im UNEP keine Schwierigkeiten, ihr Generalsekretär zu werden.

Für die Vorbereitung des Rio-Gipfels hat sich Maurice Strong zunächst einen Sonderberater, seinen Freund Jim MacNeill zugeordnet, der Direktor der OECD-Umwelt war, und dann der Herausgeber des Brundtland-Berichts. Wie Strong, ist MacNeill auch Mitglied der trilateralen Kommission, die David Rockefeller mit Zbigniew Brzezinski geschaffen hatte. In diesem Zusammenhang schrieb er den vorbereitenden Bericht für die Konferenz „Beyond Interdependence » (Jenseits der Interdependenz) [9], für den Strong auch das Vorwort schrieb. Die Grundidee, die durch den Bericht der Rockefeller-Stiftung vor der Stockholmer Konferenz, durch den Bericht der Kommission der Vereinten Nationen nach Nairobi und durch den Bericht der Trilateralen Kommission vor Rio geht, ist, dass man nicht die wirtschaftlichen Interessen gegen ökologische Anliegen ausspielen solle, indem man die Multis beschuldigt, die Umwelt schamlos zu verschmutzen. Im Gegenteil sollte man Unternehmer und Umweltschützer vereinen, weil die Ökologie ein lukratives Geschäft sein kann. Es bleibt jetzt nur mehr, dass die öffentliche Meinung die Kröte auch schlucken wird.

Maurice Strong schmeichelt den Umweltorganisationen, indem er sie auffordert, ihre Vorschläge für den Gipfel vorzulegen und sie mit großem Respekt behandelt. Gleichzeitig gesteht er den multinationalen Unternehmen einen strategischen Platz zu, indem er den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny zum Hauptberater für die Vorbereitung des Gipfels ernennt.

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Als der größte Verschmutzer der Welt mit Asbest betrachtet, leitet Stephan Schmidheiny das WBCSD, die größte Gewerkschaft der multinationalen „grünen“ Unternehmen.

Schmidheiny versammelt innerhalb des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) die wichtigsten Multis, da er befürchtet, der Gipfel führe zu einer Infragestellung ihrer Praktiken. Er schlägt ihnen Lobbyarbeit vor, um jegliche internationale Regulierung zu unterbinden, die ihre Aktivitäten behindern könnte und um die wirtschaftliche Globalisierung unter dem Deckmantel der Ökologie voranzutreiben.

Schmidheiny, der weltweit als grüner Philanthrop gefeiert wird, machte sein Vermögen mit den Materialien der Eternit Firma für Bauunternehmen. Von dem Staatsanwalt von Turin (Italien) Andrea Guariniello angeklagt, wird er im Jahr 2010 verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, der größte Asbestverschmutzer der Welt zu sein. Er hätte die Stadt Casale, den Standort seiner Produktionsbetriebe, wissentlich verschmutzt, oder hätte sie verschmutzen lassen, und den Tod von 2900 Menschen und die Vergiftung von weiteren 3000 Personen verursacht.

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Maurice Strong weiht als stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen die Scientology-Kirche von New York (25. September 2004) ein.

Während Maurice Strong und seine Freunde die Konferenz vorbereiten, zeigen viele Wissenschaftler ihre Befangenheit mit der Wende der Dinge. Der französische Journalist Michel Salomon versammelt 3000 Akademiker und 72 Nobelpreis Gewinner rund um den Heidelberg Appell. In Anspielung auf die Heiligtümer der Baca-Ranch und die Theorien von Gaia, prangern sie "das Aufkommen einer irrationalen Ideologie“ an, „die sich gegen den wissenschaftlichen und industriellen Fortschritt und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung stellt“. Sie betrachten die Mobilisierung des WBCSD-Rates und verlangen deshalb "die absolute Notwendigkeit von Hilfe für arme Länder, damit sie ein Niveau der nachhaltigen Entwicklung erreichen und in Harmonie mit dem Rest des Planeten leben, sie verlangen, sie gegen die Schäden von entwickelten Ländern zu schützen und zu vermeiden, dass sie in einem Netz von unrealistischen Verpflichtungen eingesperrt werden, die ihre Unabhängigkeit und ihre Würde gefährden". Endlich wird abschließend festgestellt, dass "die größten Übel, die unseren Planeten bedrohen, sind Ignoranz und Unterdrückung, und nicht Wissenschaft, Technologie und Industrie, deren Instrumente, soweit sie ordnungsgemäß gehandhabt werden, unumgängliche Werkzeuge sind, die der Menschheit erlauben, durch sie selbst und für sie selbst, Geißeln wie Hunger und überschüssige Bevölkerung zu überwinden".

Strong und Schmidheiny stellen dann die PR-Firma Burson-Marsteller an. Das Spezialgebiet des Direktors, Harold Burson, ist die Bevölkerung-Segmente zu identifizieren, die für eine Sache verwendet werden können, sie in Vereine zu organisieren und sie dann so zu verwenden, damit sie ohne ihr Wissen, das Interesse seines Kunden verteidigen. Er erstellte zum Beispiel Kranken-Vereine zur Erleichterung des Zugangs zu Medikamenten, die aber von seinen Kunden hergestellt wurden (statt für die wirksamsten Medikamente zu werben), oder sogar Vereine von Rauchern, um gegen die Anti-Raucher-Gesetze zu kämpfen (statt für unschädliche Zigaretten zu kämpfen), usw. Er wird den Rio-Gipfel in eine gigantische assoziative Messe verwandeln, die eine scheinbare Legitimität den von einem Syndikat von Multinationalen vorher und heimlich getroffenen Entscheidungen vermitteln wird [10].

Diese Manipulations-Technik ist klassisch geworden. Sie ist für viele internationale Konferenzen seither imitiert worden.

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Der Umweltgipfel in Rio De Janeiro: Ökologie ist eine Notwendigkeit, Ökologie ist ein Markt.

172 Delegationen, darunter 100 Staats- und Regierungschefs, besuchen den Rio-Gipfel (3-14 Juni 1992). Viele Dokumente wurden in einer Atmosphäre des Jubels angenommen. Die Rio-Deklaration [11] formuliert 27 Prinzipien, unter denen auch das der Vorsicht: "das Fehlen absoluter wissenschaftlicher Gewissheit darf nicht als Vorwand für einen Aufschub wirksamer Maßnahmen dienen, die die Umweltzerstörung verhindern.“ [12]. Die Deklaration ist die Frucht einer echten Verhandlung zwischen Staaten. Sie bekräftigt das Recht der zukünftigen Generationen zu einer nachhaltigen Entwicklung, was nicht nur bedeutet, dass das Wirtschaftswachstum nicht auf Kosten der Umwelt gehen darf, sondern auch, dass die Nord-Süd-Ungleichheiten nicht ewig dauern dürfen. Im Völkerrecht wird die Umwelt eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

Für die Umsetzung dieser Grundsätze werden die Mitgliedstaaten auf ein anderes Dokument, Agenda 21 verwiesen [13]. Es ist ein umfassendes Programm, das die Beziehung zwischen Entwicklung und Umwelt erklärt, das die wichtigsten Umweltprobleme auflistet, die zu mobilisierenden Gruppen und Institutionen angibt und die guten Absichten multipliziert. Aber dieses zweite Dokument ist seiner Verweise auf Konfliktsituationen beraubt worden. Die Vereinigten Staaten und Israel haben nämlich erreicht, dass jegliche Erwähnung des Rechtes "der unterdrückten und einer Herrschaft unterworfener Völker“ gestrichen wurde. Insbesondere erscheint der Krieg nicht mehr als der erste negative Faktor für Entwicklung und Umwelt. Es ist der Triumph von Maurice Strong und der Bobo-Ökologie [bourgeois-bohême]. Die Multis können weiter den Planeten plündern, solange sie in den entwickelten Ländern sauber bleiben. Das Pentagon, das gerade zum ersten Mal den Irak verwüstet hat, kann seine Zerstörungen ohne Gewissensbisse fortsetzen: sie zählen nicht.

(Fortsetzung folgt: « 1997-2010: Die Finanz Ökologie »)

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Оdnako (Russland)

[1] Français : Notre avenir à tous. English : Our Common Future. Español : Nuestro Futuro Común.

[2] Greenhouse Effect and Global Climate Change, Anhörung von James Hansen von dem Senat-Ausschuss für Energie und natürliche Ressourcen, 23. Juni 1988.

[3] « Our Changing Atmosphere: Implications for Global Security ».

[4] Déclaration économique, G7, Toronto, §33.

[5] Speech to the Royal Society, von Margaret Thatcher, 27. September 1988.

[6] Speech to United Nations General Assembly (Global Environment) von Margaret Thatcher, 8. November 1989.

[7] Speech opening Hadley Centre for Climate Prediction and Research, von Margaret Thatcher, 25. Mai 1990.

[8] Speech at 2nd World Climate Conference, von Margaret Thatcher, 6. November 1990.

[9] Beyond Interdependence: The Meshing of the World’s Economy and the Earth’s Ecology, von Jim MacNeill, Pieter Winsemius und Taizo Yakushiji, Oxford Paperbacks, Februar 1992.

[10] « Burson-Marsteller, Pax trilateral and the Bruntland Gang versus the Environment » von Joyce Nelson, und « Poisoning the Grassroots » von John Dillon, Covert Action Quaterly, Frühling 1993.

[11] Vollständiger Text der Déclaration de Rio.

[12] Das Vorsorgeprinzip, wie es von der Rio-Deklaration oder der Französischen Charta der Umwelt formuliert ist, soll die rechtliche Grundlage des politischen Handelns zum Vorteil der Umwelt erhöhen, gegen die wissenschaftliche Expertise, die von multinationalen Konzernen kommt. Es ist danach oft umgedreht worden, um eine Art der politischen Passivität in allen Tätigkeitsbereichen zu rechtfertigen.

[13] Volltext von Action 21.

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