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Präsident Emmanuel Macron hatte die führenden Journalisten von France2 und TF1 gewählt, Anne-Sophie Lapix und Gilles Bouleau, um sich über die Covid-19-Epidemie interviewen zu lassen. Er hat ihnen eine Ausgangssperre als Hygienemaßnahme angekündigt.

Mehrere westliche Länder glauben, mit einer neuen Epidemie-Welle von Covid-19 konfrontiert zu sein. Die Bevölkerungen, die bereits sehr gelitten haben, nicht unter der Krankheit, sondern unter den Maßnahmen, die sie vor der Krankheit schützen sollen, akzeptieren nur schwer neue Maßnahmen der öffentlichen Ordnung aus gesundheitlichen Gründen. Das ist die Gelegenheit für uns, die Verhaltensweisen zu analysieren.

Die Regierenden wissen, dass sie rechenschaftspflichtig sind für das, was sie getan haben und was sie nicht getan haben. Angesichts der Krankheit und mehr noch, angesichts dieses Drucks, mussten sie handeln. Wie haben sie sich ihre Strategie gedacht?

Bei der Ausarbeitung stützten sie sich auf fachkundige Beratung (Ärzte, Biologen und Statistiker). Sofort teilten sich die Spezialisten in jeder Disziplin in sich widersprechende Lager auf, so dass die Regierenden nur mit einigen von ihnen weitermachen konnten. Aber nach welchen Kriterien haben sie sie ausgewählt?

Viele Ungewissheiten

Während die Öffentlichkeit überzeugt ist:
- dass das Virus durch Atemtröpfchen übertragen wird;
- dass die Kontamination durch das Tragen von chirurgischen Masken und die Aufrechterhaltung einer Entfernung von mindestens einem Meter zu den Gesprächspartnern eingedämmt werden kann;
- dass es möglich ist, gesunde und kranke Menschen durch PCR-Tests zu unterscheiden;

sind die Spezialisten viel weniger überzeugend. Im Gegensatz dazu behaupten einige,
- dass das Virus nicht durch Atemtröpfchen übertragen wird, sondern hauptsächlich durch die Luft, die man atmet;
- dass daher chirurgische Masken und soziale Distanzen nichts nützen;
- dass die durchgeführten PCR-Tests je nach Labor nicht das gleiche messen, und die kumulativen Statistiken daher die Addition von Äpfeln und Birnen bedeuten.

Trotz der beruhigenden Botschaften der Behörden herrscht also immer noch größte Verwirrung über die Merkmale dieser Epidemie.

Was tun?

Das Problem, mit dem die Regierenden konfrontiert waren, war neu. Keine Berufsausbildung hatte sie darauf vorbereitet, sich ihm zu stellen. Also wandten sie sich an Spezialisten. Wenn die ersten ihnen auch klare Ratschläge gaben, wurde alles kompliziert, als andere ihnen widersprachen. Sie waren überfordert.

Wenn die Regierenden als Politiker gehandelt hätten, hätten sie nur mittels ihrer politischen Erfahrung reagieren können. Mit zunehmendem Alter haben sie gelernt, immer mehr anzubieten, nicht mehr 0,5% Erhöhung des Grundgehalts als Ihr Konkurrent, sondern 0,6%, selbst wenn sie dann eine Entschuldigung finden, um ihr Versprechen nicht einhalten zu müssen. Überrumpelt, stürzten sie sich also in den Wettlauf mit ihren Nachbarn und trafen drastischere Entscheidungen als die anderen, um zu zeigen, dass sie ihnen überlegen waren. Vor allem verschleierten sie ihre Inkompetenz, indem sie autoritäre Maßnahmen einsetzten.

Wenn sie als Technokraten gehandelt hätten, hätten sie nur mit der Erfahrung ihres bürokratischen Korps auf Katastrophen großen Ausmaßes reagieren können. Es ist jedoch schwierig, die bei der Bekämpfung von Überschwemmungen oder Erdbeben gewonnenen Erfahrungen an eine Gesundheitskrise anzupassen. Reflexartig wandten sie sich daher an die bereits existierenden Öffentlichen Gesundheitsbehörden. Die Politiker hatten jedoch bereits neue Strukturen erfunden, die sich mit den vorherigen überdeckten, ohne die Verteilung der Zuständigkeiten zu präzisieren. Anstatt ihre Anstrengungen zu bündeln, versuchte also jeder von ihnen, sein eigenes Terrain zu verteidigen.

Wenn die Regierenden aufgrund ihrer Autorität, d. h. sowohl ihrer Standhaftigkeit als auch ihrer Aufmerksamkeit für andere, ausgewählt worden wären, hätten sie das Problem entsprechend ihrer Allgemeinbildung angegangen.

In einem solchen Fall hätten sie gewusst, dass die Viren Menschen brauchen, die sie infizieren, um zu leben. So tödlich Covid-19 in den ersten Wochen seines Einbruchs auch war, versuchte das Virus nicht, die Menschheit zu töten, sondern sich den Menschen anzupassen. Von da an würde seine Letalität schnell sinken, und es gäbe nie mehr epidemische Höhepunkte. Die Idee einer "zweiten Welle" erschien ihnen als höchst unwahrscheinlich. Seit man Viren von Bakterien unterscheidet, hat man keine Viruserkrankung in mehreren Wellen beobachtet.

Das Aufflackern, das man heute erlebt, zum Beispiel in den USA, sind keine zusätzlichen kleinen Wellen, sondern markieren das Eintreffen des Virus in neue Populationen, an die das Virus sich noch nicht angepasst hat. Die nationale Kumulierung der Zahl der Erkrankten verschleiert eine geographische und soziale Verteilung.

Außerdem hätten die Regierenden im Unwissen, wie das Virus übertragen wird, angenommen, dass es wie alle anderen Viruserkrankungen der Atemwege agiert: nicht durch Atemtröpfchen, sondern durch die Luft, die man atmet. Ebenso hätten sie gewusst, dass bei allen Virus-Epidemien die meisten Todesfälle nicht auf das Virus selbst zurückzuführen sind, sondern auf opportunistische Krankheiten, die bei dieser Gelegenheit auftreten. Daher hätten sie beschlossen, allen zu empfehlen, ihre Lebensräume ausgiebig zu belüften, und sie hätten diese Maßnahme in den Verwaltungen zur Pflicht gemacht. Außerdem hätten sie jedem empfohlen, sich nicht nur die Hände zu desinfizieren, sondern sie so oft wie möglich zu waschen. Sie hätten darauf geachtet, dass dafür möglichst viele Gelegenheiten geschaffen worden wären.

Dies sind übrigens die beiden wichtigsten Maßnahmen, die die WHO zu Beginn der Epidemie empfohlen hatte, bevor die Hysterie die Überlegung ersetzte. Keine chirurgischen Masken, keine Desinfektionen, keine Quarantäne, geschweige denn die Abriegelung gesunder Menschen.

Die Wissenschaft gibt keine endgültige Antwort,
sie schiebt nur Fragen hinaus

Die Art und Weise, wie die Wissenschaftler inszeniert wurden, zeigt ein deutliches Unverständnis darüber, was Wissenschaft ist. Sie ist keine Anhäufung von Wissen, sondern ein Vorgang des Wissens. Wir haben gerade gesehen, wie der wissenschaftliche Geist und die heutige Praxis nahezu unvereinbar sind.

Es ist absurd, von Wissenschaftlern, die gerade anfangen ein Virus zu untersuchen, seine Verbreitung und den Schaden, den es verursacht zu studieren, ein Heilmittel zu verlangen für das, was sie noch nicht kennen. Es ist anmaßend für Wissenschaftler, solche Fragen zu beantworten.

Ein Gesellschaftswechsel

Bei dem Ausbruch dieses Virus können einige der ergriffenen Maßnahmen durch Fehleinschätzungen erklärt werden. Zum Beispiel initiierte Präsident Macron die Praxis des allgemeinen Lockdown, da er durch die katastrophalen Statistiken von Neil Ferguson (Imperial College of London) irregeführt worden war [1]. Dieser meldete mindestens 500.000 Tote. Es waren 14-mal weniger, nach offiziellen Zahlen, die bekanntermaßen überbewertet sind. Im Nachhinein zeigt sich, dass dieser schwerwiegende Angriff auf die Freiheiten nicht gerechtfertigt war.

Allerdings ist die Entscheidung für die Ausgangssperre einige Monate später, als es zu einem leichten Anstieg der Todesfälle kam, in demokratischen Staaten unverständlich: Jeder konnte beobachten, dass diese Krankheit viel weniger tödlich war als befürchtet, und dass ihre gefährlichste Zeit vorbei ist. Es gibt keine aktuellen Daten, die einen solchen Eingriff in die Freiheiten rechtfertigen.

Präsident Macron selbst hat diese Maßnahme mit dem Hinweis auf eine zweite Welle begründet, die es gar nicht gibt. Wenn er die Maßnahmen mit so wenig überzeugenden Argumenten ergreifen konnte, wann kann er sie dann aufheben?

Es muss festgestellt werden, dass es sich diesmal nicht um eine Fehleinschätzung, sondern wohl um eine autoritäre Politik unter dem Deckmantel der Gesundheitskrise handelt.  [2].

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser

[1] „Covid-19: Neil Ferguson, der liberale Lyssenko“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 20. April 2020.

[2] „Covid-19 und die rote Morgendämmerung“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 28. April 2020.