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«Die Kunst des Krieges»

Jene, die um Mandela trauern

Nelson Mandela hatte sein Leben eher der nationalen Aussöhnung gewidmet als dem Kampf gegen die Apartheid. Die Ehrung anlässlich seiner Beerdigung durch alle jene Staatsoberhäupter, die ihn bekämpft haben, war sein wahrer Sieg. Ihr Versuch, die Geschichte zu revidieren, indem sie leugnen was vorher geschah, zieht jedoch die Aufrichtigkeit ihrer Schritte in Zweifel.

| Rom (Italien)
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In der ersten Reihe der Begräbniszeremonie für Nelson Mandela, Symbol des Kampfes gegen die Apartheid, werden der Präsident und zwei ehemalige Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Premierminister von Großbritannien erscheinen, d.h. die Vertreter jener Staaten, die das Regime der Apartheid am meisten unterstützt haben, vor allem während der Reagan-Präsidentschaft (der die Anti-Apartheid-Organisation von Mandela als Terrororganisation abkanzelte) und der Thatcher-Regierung.

David Cameron - der heute in britischem Premierminister-Gewand von einer "außerordentlichen Trauer nach dem Tod des Helden des Anti-Apartheid Kampfes" spricht - machte im Jahr 1989, als Mandela noch im Gefängnis war, und er ein aufsteigender Stern der Konservativen war, eine Reise nach Südafrika, die von der Strategy Network International Gesellschaft organisiert und finanziert wurde, einer mächtigen Lobby, die sich gegen die Sanktionen gegen das Apartheidregime einsetzte.

Der Demokrat Bill Clinton, der nach Südafrika gehen wird, um den Tod "eines wahren Freundes" zu beklagen, versuchte als Präsident auf alle nur mögliche Arten zu verhindern, dass Mandela (Präsident der Republik Südafrika seit 1994) im Jahr 1997 nach Libyen kommt, das damals unter Embargo stand, und dass er Gaddafi nach Südafrika im Jahr 1999 einlädt. Mandela antwortete folgendermaßen: "Kein Land kann behaupten, der Polizist der Welt zu sein und kein Staat kann einem anderen diktieren, was er tun müsse. Jene die gestern Freunde unserer Feinde waren, haben heute die Unverschämtheit mir zu sagen, meinen Bruder Gaddafi nicht zu besuchen". Sie wollen „dass wir uns von Libyen abwenden, das uns geholfen hat, die Demokratie zu erreichen“.

Der Republikaner Georges Bush, der nach Südafrika gehen wird, um den Tod von Mandela, des "großen Kämpfers für die Freiheit" zu beklagen, war als Präsident der Urheber der Gründung des AfriCom, dem politischen und militärischen Instrument einer neuen Eroberung Afrikas.

Der demokratische Präsident Barack Obama, der an der Trauerfeier wiederholen wird "Ich kann mir mein Leben ohne das Beispiel von Mandela nicht vorstellen", ist derjenige, der Libyen, das Mandela in den schwierigsten Momenten geholfen hatte, mit einem Krieg zerstört hatte und der das AfriCom potenziert hatte, um möglichst viele Länder, mit Hilfe der afrikanischen militärischen Eliten (die das Pentagon rekrutiert und ihnen Training, Waffen und US-Dollar offeriert) in den Bannkreis von Washington zu bringen.

Bei der Beerdigung von Mandela wird auch Hillary Clinton dabei sein, die als Außenministerin und Präsidentschaft-Kandidatin besonders aktiv in der "Förderung des Wirtschaftswachstums" Afrikas war. Wie Cameron und Merkel und andere, besuchte sie verschiedene afrikanische Länder, einschließlich Südafrika, in Begleitung von Führungskräften der größten multinationalen Konzerne. Jene Multis, die die Hälfte des nigerianischen Öls beanspruchen und mehr als $ 30 Milliarden jährlich einkassieren, aber die Hälfte der Nigerianer unter der Armutsgrenze vegetieren lassen. Jene, die fruchtbares Land in Afrika beanspruchen, ganze Bevölkerungen vertreiben, mit Zunahme von Hunger und Armut als Folge.

Der Französische Präsident François Hollande, der als Trauerzeichen die Flaggen auf Halbmast setzen ließ bevor er nach Südafrika fuhr, hat Mandela auf dem 40 afrikanische-Staaten-und Regierungschef-Treffen in Paris gefeiert. Er kündigte dort an, dass neben der Bereitstellung von neuen Truppen in Afrika, Frankreich 20.000 afrikanische Soldaten pro Jahr ausbilden werde. So werden Kolonialtruppen wieder ins Leben gerufen.

Diese "Afrikaner und andere großen Führer" des Westens werden bei der Beerdigung von Mandela sein, ihre Trauer auf Mondovision zur Schau tragen, für den Verlust jenes, der sein Leben dem Kampf gegen Kolonialismus und Apartheid gewidmet hat. Sie aber versuchen inzwischen, Afrika einen neuen Kolonialismus und eine neue große Apartheid aufzuerlegen.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Il Manifesto (Italien)

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