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Vor unseren Augen (3/25)

Die Muslimbruderschaft als Hilfstruppe von MI6 und CIA

Wir setzen die Veröffentlichung von Thierry Meyssans Buch „Sous nos yeux“ fort. In dieser Folge beschreibt er, wie Präsident Jimmy Carter und sein Nationaler Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski die terroristischen Kapazitäten der Muslimbruderschaft gegen die Sowjetrussen benutzten.

| Damaskus (Syrien)
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Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch Sous nos yeux.
Siehe hier die Inhaltsangabe.

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Der Nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski ließ sich einfallen, die Muslimbrüder für terroristische Einsätze gegen die kommunistische Regierung Afghanistans zu benutzen; dadurch wurde die Intervention der UdSSR ausgelöst.

3 – Die Bruderschaft im Dienst der Carter-Brzezinski-Strategie

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Sir James Macqueen Craig, Fachmann für den Nahen Osten, überredete das Vereinigte Königreich dazu, die Muslimbrüder für Geheimoperationen außerhalb von Ägypten zu gebrauchen. Er dachte sich auch den Plan des “Arabischen Frühlings” nach dem Unternehmensmodell aus, das Lawrence von Arabien 1915 umgesetzt hatte.

1972–73 beginnen James Craig, ein Funktionär des Foreign Office – wahrscheinlich auch des MI6 – und der britische Botschafter in Ägypten Sir Richard Beaumont eine intensive Lobbyarbeit mit dem Ziel, dass ihr Land und die Vereinigten Staaten sich die Muslimbruderschaft nicht nur in Ägypten gegen Marxisten und Nationalisten zunutze machten, sondern in der gesamten moslemischen Welt. Sir Craig wird bald darauf zum Botschafter ihrer Majestät in Syrien, dann in Arabien ernannt und wird bei der CIA Gehör finden. Sehr viel später wird er der Designer des „Arabischen Frühlings“.

1977 wird in den Vereinigten Staaten Jimmy Carter zum Präsidenten gewählt. Er ernennt Zbigniew Brzezinski zum Nationalen Sicherheitsberater. Der beschließt, den Islamismus gegen die Sowjetrussen zu benutzen. Er gibt grünes Licht an die Saudis, ihre Zahlungen an die Islamische Weltliga zu erhöhen, organisiert Regimewechsel in Pakistan, im Iran und in Syrien, destabilisiert Afghanistan und macht den Zugang der Vereinigten Staaten zum Erdöl des „erweiterten Nahen Osten“ zu einer Zielvorstellung der nationalen Sicherheit. Schließlich überträgt er der Bruderschaft militärische Ausrüstung.

Diese Strategie wird beim Treffen der Bilderberg-Gruppe [1], das die Nato im April 1979 in Österreich organisiert, von Bernard Lewis klar und deutlich dargelegt. Der angloisraelisch-US-amerikanische Islamologe versichert dort, dass die Muslimbrüder nicht nur eine bedeutende Rolle gegenüber den Sowjets spielen und interne Unruhen in Zentralasien bewirken, sondern auch den Nahen Osten im Interesse Israels balkanisieren können.

Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht gaben die Muslimbrüder sich nicht damit zufrieden, Brzezinskis Plan zu folgen; sie blickten weiter und holten sich Unterstützung von Riad und Washington, um weitere Zweige der Bruderschaft in anderen Ländern zu gründen – Zweige, die zu einem späteren Zeitpunkt Früchte tragen sollten. Der König von Arabien gewährt der Islamischen Weltliga, die ihre Aktivitäten auf 120 Staaten ausdehnt und Kriege finanziert, im Durchschnitt fünf Milliarden Dollar jährlich. Zur Orientierung: Fünf Milliarden Dollar waren das Äquivalent des nordkoreanischen Militärhaushalts. Die Liga erhält beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen den Beraterstatus und bei der Unicef den Beobachterstatus.

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General Mohammed Zia-ul-Haq, der erste Staatschef außerhalb Ägyptens, der Mitglied der Muslimbrüder ist, erlaubt den Kämpfern der Bruderschaft, eine Rückzugsbasis gegen die kommunistischen Afghanen zu nutzen.

In Pakistan stürzt General Mohammed Zia-ul-Haq, der in Fort Bragg in den Vereinigten Staaten ausgebildete Chef des Generalstabs der Streitkräfte, Präsident Zulfikar Ali Bhutto und lässt ihn hängen. Als Mitglied der Jamaat-e-Islami, das heißt der lokalen Variante der Muslimbrüder, islamisiert er die Gesellschaft. Schrittweise wird die Scharia – einschließlich der Todesstrafe für Blasphemie – eingeführt und ein ausgedehntes Netzwerk von islamischen Schulen aufgebaut. Zum ersten Mal ist die Bruderschaft außerhalb von Ägypten an der Macht.

Im Iran überredet Brzezinski den Schah, das Land zu verlassen, und organisiert die Rückkehr des Imam Ruhollah Khomeini, der sich als „islamistischen Schiiten“ bezeichnet. 1945, in jungen Jahren, traf Khomeini in Kairo Hasan al-Banna, um ihn davon zu überzeugen, die sunnitisch-schiitischen Konflikte nicht anzuheizen. Danach übersetzte er zwei Bücher von Sayyid Qutb. Die Muslimbrüder und der iranische Revolutionär stimmen in den sozialen Themen überein, aber ganz und gar nicht in politischen Fragen. Brzezinski begreift seinen Irrtum schon am Tag der Ankunft des Ajatollah in Teheran. Dieser begibt sich zu den Gräbern der Märtyrer des Schah-Regimes und ruft die Armee auf, sich gegen den Imperialismus zu erheben. Brzezinski irrt sich ein zweites Mal, als er die Delta Force schickt, um den US-amerikanischen Spionen zu helfen, die in ihrer Botschaft in Teheran als Geiseln gehalten werden. Zwar gelingt es ihm, vor den Westmächten zu verheimlichen, dass die Geiseln nicht seine Diplomaten, sondern Spione sind, aber er macht sein Militär mit dem missglückten Unternehmen „Adlerklaue“ lächerlich und bringt im Pentagon die Idee ein, man müsse Mittel bereitstellen, um die Moslems zu besiegen.

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Der saudische Milliardär Osama bin Laden, Held des Westens gegen die Sowjetrussen

In Afghanistan bringt Brzezinski die „Operation Zyklon“ auf den Weg. Zwischen 17.000 und 35.000 Muslimbrüder aus etwa vierzig Ländern werden gegen die UdSSR kämpfen, die auf Verlangen der Demokratischen Republik Afghanistan zur deren Verteidigung gekommen ist [2] – die „sowjetische Invasion“, wie die US-Propaganda sie vorgibt, hat es nie gegeben. Die Männer der Bruderschaft kommen zur Verstärkung einer Koalition konservativer Kämpfer und lokaler Muslimbrüder, darunter der Paschtune Gulbuddin Hekmatyar und der Tadschike Ahmed Schah Masud. Im Wesentlichen erhalten sie ihre Bewaffnung von Israel [3] – offiziell ihr Todfeind, aber nunmehr ihr Partner. Die Gesamtheit dieser Streitkräfte wird von Pakistan aus durch General Mohammed Zia-ul-Haq kommandiert und von den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien finanziert. Zum ersten Mal wird die Bruderschaft von den Angelsachsen benutzt, um Krieg zu führen. Unter den anwesenden Kämpfern befinden sich zukünftige Führungskräfte der Kaukasuskriege, der indonesischen Jemaah Islamiyah, der Gruppe Abu Sayyaf auf den Philippinen und selbstverständlich von al-Qaida und Daesch. In den Vereinigten Staaten wird das antisowjetische Unternehmen von der Republikanischen Partei und von einer Gruppierung der extremen Linken, den Trotzkisten der Social Democrats USA unterstützt.

Die Carter-Brzezinski-Strategie stellt eine Veränderung der Größenordnung dar [4]. Saudi-Arabien, das bisher der Finanzier der islamistischen Gruppen war, wird beauftragt, die Finanzmittel für den Krieg gegen die Sowjets zu verwalten. Der Generaldirektor des saudische Geheimdienstes Prinz Turki (Sohn von Faisal, dem damaligen König), wird zur unverzichtbaren Persönlichkeit auf allen Geheimdienst-Gipfeln des Westens.

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Der Palästinenser Abdallah Azzam und der Saudi-Araber Osama bin Laden wurden in Riad von Mohamed Qutb, dem Bruder von Sayyid Qutb ausgebildet. Sie leiteten nacheinander die Kämpfer der Muslimbruderschaft in Afghanistan.

Häufig gibt es Probleme zwischen den Arabern und den Afghanen; Prinz Turki schickt zunächst den Palästinenser Abdallah Azzam, den „Imam des Dschihad“, um unter den Muslimbrüdern Ordnung zu schaffen und das Büro der Islamischen Weltliga vor Ort zu führen, dann den Milliardär Osama bin Laden. Azzam und Bin Laden sind zusammen in Saudi-Arabien von Sayyid Qutbs Bruder ausgebildet worden.

Auch während der Amtszeit Carters beginnen die Muslimbrüder eine ausgedehnte Terrorkampagne in Syrien, zu der die Ermordung nichtsunnitischer Kadetten der Militärakademie von Aleppo durch die „Kämpfende Avantgarde“ zählt. Die Muslimbrüder haben Trainingslager in Jordanien, wo die Briten ihnen eine militärische Ausbildung zukommen lassen. Während dieser bleiernen Jahre schafft es die CIA, ein Bündnis zwischen der Muslimbruderschaft und der Splittergruppe der Exkommunisten von Riad al-Turk zu besiegeln. Dieser und seine Freunde Georges Sabra und Michel Kilo hatten im libanesischen Bürgerkrieg mit Moskau gebrochen, um das westliche Lager zu unterstützen. Sie schlossen sich der US-amerikanischen trotzkistischen Gruppe Social Democrats USA an. Die drei Männer verfassen ein Manifest, in dem sie behaupten, die Muslimbrüder bildeten das neue Proletariat und Syrien könne nur durch eine militärische Intervention der Vereinigten Staaten gerettet werden. Schließlich führen die Muslimbrüder 1982 mit Unterstützung der irakischen Baathpartei (die damals mit Washington gegen den Iran zusammenarbeitete) und Saudi-Arabiens einen Staatsstreich durch. Die folgenden Kämpfe in Hamas fordern dem Pentagon zufolge 2.000, der Bruderschaft und der CIA zufolge 40.000 Tote. In der Folgezeit werden Hunderte von Gefangenen in Palmyra durch Rifaat, den Bruder von Präsident Hafiz al-Assad, ermordet. Er wird später, als er seinerseits einen Putschversuch gegen seinen eigenen Bruder unternimmt, seines Amtes enthoben und muss ins Exil nach Paris gehen. Die Trotzkisten werden verhaftet und der größte Teil der Muslimbrüder flieht entweder nach Deutschland (wo bereits der ehemalige syrische Führer Issam al-Attar seinen Wohnsitz hat) oder nach Frankreich (wie Abu Musab „der Syrer“), wo sie von Kanzler Helmut Kohl beziehungsweise Präsident François Mitterrand Asyl erhalten. Zwei Jahre später kommt es innerhalb der seither im Exil befindlichen Opposition zum Zeitpunkt des Teilens zum Skandal: Drei Millionen Dollar aus einem Umschlag mit zehn Millionen, die die Arabische Weltliga gespendet hat, sind verschwunden.

4 – Auf dem Weg zur Gründung einer Internationale des Dschihad

In den 1980er Jahren erhält die Islamische Weltliga von Washington den Auftrag, die algerische Gesellschaft umzuformen. Zehn Jahre lang bietet Riad den Bau von Moscheen in den Dörfern an. Jedesmal gehören eine Krankenstation und eine Schule dazu. Die algerischen Behörden freuen sich vor allem deshalb über diese Hilfe, weil es ihnen nicht mehr gelingt, für alle den Zugang zu Gesundheit und Bildung zu sichern. Schritt für Schritt entfernen sich die arbeitenden Klassen Algeriens von einem Staat, der ihnen keine große Hilfe mehr bietet, und wenden sich den so großzügigen Moscheen zu.

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Präsident Bush sen., ehemaliger CIA-Direktor, freundet sich mit dem saudischen Botschafter Bandar bin Sultan bin Abd al-Aziz Al Saud an, der später als Geheimdienstchef seines Landes sein Amtskollege wird. Er betrachtet ihn als seinen Adoptivsohn, daher sein Spitzname Bandar Bush.

Als 1982 Prinz Fahd König von Saudi-Arabien wird, setzt er Prinz Bandar (Sohn des Verteidigungsministers) als Botschafter in Washington ein – ein Posten, den dieser während Fahds Herrschaft beibehalten wird. Seine Aufgabe ist eine zweifache: Einerseits pflegt er die saudisch-US-amerikanischen Beziehungen, andererseits ist er die Schnittstelle zwischen dem Geheimdienstchef Turki und der CIA. Er schließt Freundschaft mit dem Vizepräsidenten und ehemaligen CIA-Direktor George H. W. Bush, der ihn als seinen „Adoptivsohn“ betrachtet, weiterhin mit Verteidigungsminister Dick Cheney und mit dem künftigen CIA-Direktor George Tenet. Er fügt sich in das gesellschaftliche Leben der Eliten ein und tritt sowohl der christlichen Sekte der Generalstabschefs des Pentagon, „The Family“, bei als auch dem ultrakonservativen Bohemian Club von San Francisco.

Bandar kommandiert die Dschihadisten von der Arabischen Weltliga aus. Er verhandelt mit London den Waffenkauf für sein Königreich bei British Aerospace im Austausch gegen Erdöl. Die „Al Yamamah“-Verträge, auf deutsch „Taube“, werden Riad zwischen 40 und 83 Milliarden Pfund Sterling kosten, wovon die Briten einen bedeutenden Anteil an Prinz Bandar erstatten werden.

1983 beauftragt Präsident Ronald Reagan den ehemaligen Führungsmann der Social Democrats USA Carl Gershman mit der Leitung des neuen National Endowment for Democracy [5]. Das ist eine vom Einvernehmen der „Fünf Augen“ abhängige, als NGO getarnte Agentur. Sie ist das legale Schaufenster der australischen, britischen, kanadischen, US-amerikanischen und neuseeländischen Geheimdienste. Gershman hat mit seinen trotzkistischen Kollegen und seinen Freunden, den Muslimbrüdern, schon im Libanon, in Syrien und in Afghanistan gearbeitet. Er richtet ein ausgedehntes Netzwerk von Vereinen und Stiftungen ein, das von der CIA und dem MI6 benutzt wird, um die Bruderschaft zu unterstützen, wo immer es möglich ist. Er beruft sich auf die „Kirkpatrick-Doktrin“: Alle Bündnisse sind richtig, wenn sie dem Wohl der Vereinigten Staaten dienen.

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In diesem Zusammenhang werden die CIA und der MI6, die auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges die Weltweite Anti-Kommunistische Liga (WACL) geschaffen hatten, sie benutzen, um Geld nach Afghanistan für den Dschihad zu schicken. Osama Ben Laden gehört dieser Organisation an, ebenso wie mehrere Staatsoberhäupter [6].

Getreu seiner Tradition akademischer Kompetenz legt das Vereinigte Königreich sich 1985 ein Institut mit der Aufgabe zu, die moslemischen Gesellschaften und die Art und Weise, wie sie von der Muslimbruderschaft beeinflusst werden können, zu studieren: das Oxford Centre for Islamic Studies.

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Hasan al-Turabi und Omar al-Baschir setzen die Muslimbruderschaft im Sudan durch. In dem besonders fanatischen und rückständigen Kontext ihres Landes werden sie sich von der Bruderschaft abspalten, ehe sie sich gegenseitig zerstören.

1989 gelingt den Muslimbrüdern ein zweiter Staatsstreich, diesmal im Sudan zugunsten von Oberstleutnant Omar al-Baschir. Unverzüglich positioniert er den lokalen Führer Hasan al-Turabi im Vorsitz der Nationalversammlung. Dieser kündigt auf einem in London gehaltenen Vortrag an, dass sein Land die Rückzugsbasis der islamistischen Gruppen weltweit werden würde.

Nach wie vor im Jahr 1989 kommt in Algerien die Islamische Heilsfront (FIS) um Abassi Madani auf, während die Partei an der Macht sich in diversen Skandalen auflöst. Die FIS wird durch die von den Saudis „angebotenen“ Moscheen unterstützt und somit von den Algeriern, die sie seit zehn Jahren regelmäßig besuchen. Begünstigt durch die Ablehnung einer Führungskraft und nicht aufgrund von Zustimmung zu ihrer Ideologie gewinnt sie die lokalen Wahlen. In Anbetracht des Scheiterns der Politik und der ontologischen Unmöglichkeit, mit den Islamisten zu verhandeln, putscht die Armee und annuliert die Wahlen. Das Land rutscht in einen langen und mörderischen Bürgerkrieg ab, von dem man nicht viel erfahren wird. Der Guerillakrieg wird mehr als 150.000 Opfer fordern. Die Islamisten zögern nicht, individuelle und kollektive Bestrafungen zugleich anzuwenden, zum Beispiel als sie die Einwohner von Ben Talha niedermetzeln – die sich des Wählens schuldig gemacht haben, obwohl die Fatwa es verboten hat – und das Dorf dem Erdboden gleichmachen. Offensichtlich dient Algerien als Testlabor für neue Kampfeinsätze. Das Gerücht geht um, es seien nicht die Islamisten, die die Dorfbewohner niedermachen, sondern die Armee. In Wahrheit schließen sich mehrere hohe Funktionäre der Geheimdienste, die in den Vereinigten Staaten ausgebildet worden sind, den Islamisten an und stiften Verwirrung.

1991 überwirft sich Osama bin Laden, der am Ende des Krieges in Afghanistan wie ein Held aus dem antikommunistischen Kampf nach Saudi-Arabien zurückgekehrt ist, offiziell mit dem König, während die „Sourouristen“ sich gegen die Monarchie erheben. Dieser Aufstand, das „islamische Erwachen“, dauert vier Jahre und endet mit der Inhaftierung der wichtigsten Führungskräfte. Er zeigt der Monarchie – die glaubte, über die gesamte Macht zu verfügen – dass die Muslimbrüder durch die Vermischung von Religion und Politik auf dem Weg über die Moscheen die Voraussetzungen für eine Revolte geschaffen hatten.

In diesem Zusammenhang behauptet Osama bin Laden, er habe die Unterstützung durch einige Tausend ehemaliger Kämpfer aus Afghanistan im Kampf gegen Saddam Husseins Irak vorgeschlagen, aber – oh Wunder – der König hätte die Million Soldaten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten vorgezogen. Er geht „daher“ ins Exil in den Sudan, in Wahrheit mit dem Auftrag, die Kontrolle über die Islamisten wiederzugewinnen, die der Macht der Muslimbrüder entglitten sind und sich gegen die Monarchie erhoben haben. Mit Hasan al-Turabi organisiert er panarabische und panislamische Volkskonferenzen, zu denen er die Repräsentanten islamischer und nationalbewusster Bewegungen aus cirka fünfzig Ländern einlädt. Ziel ist es, auf Parteiebene das Äquivalent von dem zu organisieren, was Saudi-Arabien mit der Organisation der Islamkonferenz, die die Staaten zusammenführt, schon geschafft hat. Die Teilnehmer wissen nicht, dass die Treffen von den Saudis bezahlt werden und dass die Hotels, in denen sie abgehalten werden, von der CIA überwacht werden. Von Jassir Arafat bis zur libanesischen Hisbollah nehmen alle daran teil.

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Das FBI schafft es, die BCCI verurteilen zu lassen, eine enorm große moslemische Bank, die im Laufe der Zeit die von der CIA für ihre Geheimunternehmen benutzte Bank geworden ist, insbesondere für die Finanzierung des Krieges in Afghanistan – aber auch für den Drogenhandel in Lateinamerika [7]. Als der Konkurs der Bank eröffnet wird, werden ihre kleinen Kunden nicht ausbezahlt, aber Obama bin Laden gelingt es, 1,4 Milliarden Dollar zurückzubekommen, um den Einsatz der Muslimbrüder im Dienste Washingtons fortzuführen. Die CIA verlagert sodann ihre Aktivitäten auf die Faysal Islamic Bank und deren Filiale Al-Baraka.

(Fortsetzung folgt …)

Übersetzung
Sabine

Das Buch erscheint im Herbst 2019 als Papierausgabe auf Deutsch.

[1] „Was Sie nicht von der Bilderberg Gruppe wissen“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Komsomolskaïa Pravda (Russland) , Voltaire Netzwerk, 7. September 2011.

[2] « Brzezinski : "Oui, la CIA est entrée en Afghanistan avant les Russes …" », par Zbigniew Brzeziński, Nouvel Observateur (France) , Réseau Voltaire, 15 janvier 1998.

[3] Charlie Wilson’s War: The Extraordinary Story of How the Wildest Man in Congress and a Rogue CIA Agent Changed the History of Our Times, George Crile, Grove Press (2003).

[4] Les dollars de la terreur, Les États-Unis et les islamistes, Richard Labévière, Éditions Bernard Grasset (1999). English version: Dollars for Terror: The United States and Islam, Algora (2000).

[5] „NED, das legale Schaufenster der CIA“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Оdnako (Russland) , Voltaire Netzwerk, 11. Oktober 2013.

[6] Inside the League: The Shocking Expose of How Terrorists, Nazis, and Latin American Death Squads Have Infiltrated the World Anti-Communist League, Scott & Jon Lee Anderson, Dodd Mead & Company éd. (1986). « La Ligue anti-communiste mondiale, une internationale du crime », par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 12 mai 2004.

[7] The BCCI Affair, John Kerry & Hank Brown, US Senate (1992); Crimes of a President: New Revelations on the Conspiracy and Cover Up in the Bush and Reagan Administration, Joel Bainerman, SP Books (1992); From BCCI to ISI: The Saga of Entrapment Continues, Abid Ullah Jan, Pragmatic Publishing (2006).

Dieser Beitrag ist unter Lizenz der Creative Commons

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